landgarbe,
die
;
–/-n
.
– Wobd.; Rechts- und Wirtschaftstexte.
1.
›Fruchtzins, nach Ablieferung des Zehnts zu reichende, zumeist naturale Abgabe vom Fruchtertrag eines Grundstückes an die Grundherrschaft‹; metonymisch: ›Recht der Grundherrschaft auf den Fruchtzins‹;
vgl.  48.
Syntagmen:
die l. haben / geben / kaufen / richten, schuldig sein; (jm.) etw. zu l. geben, um die l. schuldig (sein); l. an korn / wein / zinsen, l. auf / von den äckern
.
Wortbildungen:
landgarben
›etw. als Fruchtzins reichen‹ (15. Jh.),
landgarb(en)acker
›zinspflichtiger Acker‹,
landgarber
›den Fruchtzins eintreibender und beaufsichtigender Steuerbeamter‹,
landgarbfeld
(16. Jh.),
landgarbfrucht
›abgabepflichtiger Fruchtertrag‹ (16. Jh.),
landgarbig
›abgabepflichtig‹ (a. 1526),
landgarbrecht
(a. 1395),
landgarbscheuer
›Schranne für den Fruchtzins‹ (a. 1486/7).

Belegblock:

Müller, Grafsch. Hohenb.
1, 25, 2
(
schwäb.
,
1398
/
1408
):
ain wingelt ze Wurmlingen, haisset die lantgarw für 50 lb. h.
Ebd.
158, 22
(
1392
/
3
):
Von der lantgarw, die der Gebel saͤlig hett, 16 malter roggen.
Hauber, UB Heiligkr.
1, 632, 4
(
schwäb.
,
1395
):
daz wir inen [...] gêben suͥllent ze lantgarb was ie dar uff jârlich wachset daz drittail nach lantgarb reht.
Ebd.
2, 119, 33
(
1431
):
was er ungebüwen liesz, da von sol er die lantgarb geben als von den büwen äckern.
Ebd.
2, 464, 10
(
1545
):
wan die erndzeit vorhanden, solle ich die garben baiderlay frúchten uf meinen costen einfúren, [...] zú dem sy mir allwegen ainen landgarber in desz spitals costen herusz schicken.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 395, 22
(
schwäb.
,
1539
):
deßgleichen keiner kein landgarwenacker schneiden und solche bäudestück one wüssen vogts oder schulthaißen mit fürnemen an ein straff.
Ebd.
441, 4
(
1615
):
So ein manß- oder weibßpersohn [...] den zehenden, landgarben und tailfrichten unredlich geben, [...] die alle sollen [...] ernstlich gestraft werden.
Ebd.
577, 14
(
1577
):
wölcher an unsers gn. junckherrn braitin oder landgarb äcker oder zu holz oder feld ain anstosser ist.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 165, 19
(
schwäb.
,
1456
):
si sollent hubgelt oder lantgarb, [...] und högelt, öl, aiger, herbsthuenr, fasnachthenna zu rechten ziten [...] richten.
Ebd.
428, 20
(
1600
):
wa daß veld in bann gelegt würt, soll niemand darein treiben weder roß, ochsen [...] solang, biß der zehend und landgarb darabkompt.
Ebd.
615, 2
:
Deß landgarbers und zehentknechts ayd.
Ebd.
623, 8
:
solle keiner garben einfühehren, sie seyen dan von den geschwornen landgarber oder zehntgänger außgezählt.
Kocher, Rechn. Schönenwerd
105, 36
;
213, 71
;
Kläui, Urk. Kaiserstuhl
211, 33
;
Rennefahrt, Recht Laupen
32, 28
;
Boos, UB Aarau
24, 23
;
Boner, Urk. Brugg
11, 7
;
Müller, a. a. O.
2, 4, 27
;
177, 13
;
241, 29
;
276, 26
;
Hauber, a. a. O.
1, 435, 7
;
Gehring, a. a. O.
3, 615, 4
;
Rwb
8, 397
 ff.;
Pfälz. Wb.
4, 755
;
Bad. Wb.
3, 361
;
Schweiz. Id.
2, 413
;
Schwäb. Wb.
4, 955/6
.
2.
›über die Grundstücksgrenze fallendes Obst‹.
Bedeutungsverwandte:
1
.

Belegblock:

Rwb
8, 399
(a. 
1596
/
7
).