bilden,
V.
1.
›etw. mit Bildern, Mustern verzieren‹.
Syntagmen:
gebildete rocke / tücher
.

Belegblock:

Pfeiffer, Nic. Jerosch. Chron.
2565
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
der starkin schilt, Sauls schilt, | sô zeglîch, sam er nî gebilt | zu kunge wêre vor der zît.
Ziesemer, Proph. Cranc Ez.
27, 16
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
tuyr varwe, purpur und gebilte tuch und linwot und syde und alle tuyr ding habin sy uzgeleit an dinem koufslagin.
Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 390, 5
(
rib.
,
1426
):
dat die vrauwen […] van nů vortan vrauwencleider mogen machen, zo verstain nůwe, gebilde sarrocke ind underwambens van tirteldoiche.
Ebd.
2, 391, 28
(
rib.
,
1445
):
asdan moigen die vrauwen […] machen nuwe gevoegelde ind lijnen vrauwenundercleider, van nuwem gebeldem sarrocke vrauwenundercleider.
Neumann, Rothe. Keuschh.
5133
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
di van Vanir furen dissen schilt, | in ein rod felt di wissen rosen gebilt | unnd di rode in eime wissen felde.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. M.
23, 27
(
osächs.
,
1343
):
Wê ûch, scribêre und Pharîsei ir glisnêre: wan ir sît glîch den gezcîrten greberen di von bůzin schînen den lûten wol gebildet.
Dietz, Wb. Luther
1, 303
 f.;
Pfälz. Wb.
1, 905
.
2.
›etw. (nach einem Vorbild) gestalten, darstellen, ab-, nachbilden‹.
Bedeutungsverwandte:
,  3, , , ; vgl. , .

Belegblock:

Große, Schwabensp. 40, l,
6
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
daz erste, daz he [der minsche] na dir [himelesch vater] gebildet ist.
Thiele, Minner. II,
30, 216
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
suͤs wirt lief in leif ghebilt | durch das minnenclich verghyen.
Quint, Eckharts Trakt.
11, 10
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
in den der mensche nâch gote gebildet ist, in den der mensche gotes geslehtec ist und gotes sippe.
Ebd.
116, 3
:
Noch vürbaz enhât der mensche in einer wîse mit nihte niht gemeine, daz ist, daz er nâch disem noch nâch dem niht gebildet noch gelîchet sî.
Quint, Eckharts Pred.
1, 5, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Dirre tempel, dâ got inne hêrschen wil gewalticlîche nâch sînem willen, daz ist des menschen sêle, die er sô rehte glîch nâch im selber gebildet und geschaffen hât.
Ebd.
1, 54, 3
:
dâ sî der engel aller næhest gebildet nâch gote.
Ebd.
2, 601, 1
:
Swanne der lîchame bereit ist, sô giuzet got die sêle dar în und bildet sie nâch dem lîchamen.
Jostes, Eckhart
7, 323
(
14. Jh.
):
nu sprich ich, daz si [die sel] sei daz bilde und auz dem selben bild, daz der vater ewiclichen gebildet hat und auz dem selben, da Cristus auz gebildet ist.
Ebd.
49, 3
:
Wir sullen […] ansehen di edelcheit unsers geistlichen wesens, wi wir gepildet sein nach der heiligen drivaldicheit.
Strauch, Par. anime int.
78, 1
(
thür.
,
14. Jh.
):
Mit den uberstin creftin rurit di sele Got, da fon wirdit si gebildit noch Gode.
Ebd.
114, 16
:
di sele ist gebildit noch Gode, der son ist ein bilde Godis.
Pyritz, Minneburg
5113
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Mit formen ich mich underwant. | Manchen vogel ich da vant, | Da ich mich nach wolde bilden.
Ebd.
5119
:
Ein sitich der waz mir zu zart; | Da kund ich mich niht bilden nach.
Langen, Myst. Leben
190, 33
(
nobd.
,
1463
):
wir sullen vns schicken vnd pilden nach / dem leiplichen pild vnsers / herren Jesu Christi.
Vetter, Pred. Taulers
211, 21
(
els.
,
1359
):
alsus bild in in dich und dich in in.
Ebd.
219, 25
:
das edel bilde das der vatter nach im gebilt hatte, das do verderbet was.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
598, 18
(
els.
,
1362
):
Do von hies einen abgot noch ir bilden, den bat daz folk in ire ere an.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
8, 293, 13
(
Straßb.
1466
):
als daz hor ist in der hant des haffners es zebildnen vnd zeornen All sein wege nach seiner ordnung.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
555
(
pfälz.
,
1436
):
die sele des menschen, die got eenlich ist vnd nach jme gebildet.
Sappler, H. Kaufringer
28, 60
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
darnach würt der stam gepildt | von der wurz stark und vest.
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 15, 13
([
Augsb.
]
1523
):
vnd eüch nit anderst formieren dañ eüch gott aller ding ain schoͤpffer gebildet hatt.
Schmidt, Rud. v. Biberach
24, 8
(
whalem.
,
1345
/
60
):
da bildet sich der geist nach gottes vnbeweglicher ewikeit.
Ebd.
117, 1
:
so zuht es sich selben vs vnd bekleidet sich selber mit einer goͤtlichen begirde vnd hertzgunge vnd wirt gebildet nach der schoͤni.
Bihlmeyer, Seuse
191, 30
(
alem.
,
14. Jh.
):
Wer nu daz wil bilden, der nem eins menschen forme, uss dez herzen innigosten grunde entspring ein glichú gestalt.
Ebd.
364, 6
:
Daz ist nah dem edeln Cristus gebildet werden.
Thiele, Minner. II,
14, 10
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
nach im geformet und gebildt | hät er [got] den menschen súnderlich.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
166
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
aber du hast besunderleich die sele lieb die du beschaffen vnd nach dir gepildet hast.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
245, 24
(
oobd.
,
1349
/
50
):
daz gestat pei dem mer gepirt die wollen, nâch dem gold etswie vil gepildet, und dar umb haizt si auch goltwoll.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
33, 43
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
got vater, sun dir des gehilt, | das du pist alles das du wilt, | nu ler, was menschlich ist gepildt, | gerechtikait hie werben.
Klein, Oswald
8, 30
(
oobd.
,
1431
/
2
):
Ach tummer mensch, wie ist dein herz dann gar so wild, | seid du wol waisst, das dich got nach im hat gebildt.
Schöpper
1b
;
Henisch
1424
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 15
;
Weber, Oswald.
1847, 399
.
3.
›etw. (in etw.) abbilden‹.

Belegblock:

Thiele, Minner. II,
32, 524
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
und si hait auch met ons gesworen | […] wo si sich van ons stelen wilt; | want wir syn in si gebilt.
Quint, Eckharts Trakt.
2, 600, 10
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
würde ein spiegel bereit und hielte man in gegen mir, mîn antlütze würfe und bildete sich dar ane âne mîne arbeit.
Strauch, Par. anime int.
85, 23
(
thür.
,
14. Jh.
):
hîlde man vile spîgele gegin mir, min antlitze bildete unde muste sich werfin drane.
Ebd.
130, 9
:
hilde man un [ein spigel] gegin mime antlitze, min antlitze worfe und bildite sich dar an on min erbeit.
Neumann, Rothe. Keuschh.
3031
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
di bose begerunge di dringe en mede | unnd dar zu vil unnuͤtzer rede. | fruntlich lachen unnd gesichte | si lassen danne nichte.| si bilden in das hertze di gestalt.
Strauch, Schürebrand
27, 14
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
do wider ouch denne der túfel sine appetgotte in úch bildet.
Barack, Zim. Chron.
4, 216, 22
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Ir schön figur | War in meinem herzen bild.
4.
›jn. (auch sich) / etw. ausbilden‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
3243
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Da sult ir Got bie merken; | Die cristenheit ist sin brut, | […] An sie wante her den wistum | Siner gotlichen kunst, | wen her ir gunde der gunst | Daz sie nach im sich bildete.
Quint, Eckharts Pred.
1, 151, 9
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Disiu kraft bildet in sich diu dinc, diu niht gegenwertic ensint.
Ebd.
2, 229, 2
:
daz ez ein wâr wort ist, ê ez gebildet wirt in mînem gedanke.
Ebd.
2, 254, 2
:
enbilde kein warumbe in dich, noch in zît noch in êwicheit.
Ebd.
2, 254, 3
:
bildest dû got in dich, swaz dû werke dar umbe würkest, diu sint alliu tôt.
Ebd.
2, 397, 3
:
ein zimberman, der ein hûs machet, der hât ez ê in im gebildet.
Quint, Eckharts Trakt.
16, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Wie möhte der getrœstet sîn und âne leit, der sich kêret ze dem schaden und ze dem leide und bildet daz in sich und sich darîn und sihet daz ane.
Ebd.
218, 10
:
Dâ ist der wille ganz und recht, dâ er âne alle eigenschaft ist und dâ er sîn selbes ûzgegangen ist und in den willen gotes gebildet und geformieret ist.
Strauch, Par. anime int.
12, 37
(
thür.
,
14. Jh.
):
daz ist daz bilde da mide Got di sele noch ime gebildit hait.
Ebd.
14, 16
:
da ist ez [das wort] so lutir und so cleinlich, da ist ez ein war wort er ez gebildet wirdet in mime gedanke.
Eggers, Psalter
71, 24
(
thür.
,
1378
):
Er beledete sundirlichen ire herzce, er vornemet alle ir werg.
Jahr, H. v. Mügeln
229
(
omd.
, Hs.
1463
):
vil nüwer fünd ich han geticht, | wie man die urteil bilden sal | gein swacher sprüche widerswal.
Stackmann u. a., Frauenlob
4, 5, 1
(
nobd.
, Hs.
3. V. 15. Jh.
):
Zwar Werlt, du hast nicht eben gebildet mir min wesen, | wan ich bin nicht von diner art.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
105, 5
(
Nürnb.
1548
):
das wir solchen glauben / vnd trost in vnsere hertzen wol bilden / vn̄ entlich auch selig darinn sterben moͤgen.
Bihlmeyer, Seuse
225, 16
(
alem.
,
14. Jh.
):
Sú werdent […] von miner suͤzen minne umbgeben und verswemment in daz einig ein ane gebildet minne und gesprochnú wort.
Ebd.
342, 18
:
waz namen man im git, die sint im nit eigen nach dem, als die namen sich bildent in der kreature.
Steer, Schol. Gnadenl.
1, 95
(
noschweiz.
,
15. Jh.
):
Nvn beger ich, daz du mir betútest, wie ich gnǎde soͤlle bilden vnd gedenken.
Thiele, Minner. II,
18, 206
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
din zaͤrtlich förm hat sich gebilt | gar tieff in mines hertzen grund.
Ebd.
2, 19, 3
:
Von adellicher mensur | und rechter figur | ist mir gebildet in min hertz […] ain fröw.
Klein, Oswald
31, 23
(
oobd.
,
1431
/
2
):
Dem alle tier, zam und ouch wild, | hie danckber sein, das er den samen hat gebildt | der narung milt.
5.
›etw. (in jm., sich) einprägen, geistig gestalten‹.

Belegblock:

Luther, WA
32, 45, 2
(
1530
):
Wer nu diesen sieg also yns hertz kan bilden, der ist schon selig.
Anderson u. a., Flugschrr.
1, 3, 22
(
Leipzig
1520
):
dasselbig außtzustrecken mit etzlichenn scheltbuchlein / in die hertzen der menschen gebildet vnd auff das er ym […] gegen mir ein grymmẽ / vnd vrsach tzu scheltenn geschofft.
Ebd.
8, 5, 3
([
Nürnb.
]
1524
):
dardurch er sein heyligs wort in das hertz schreybt oder bildet / dardurch der mensch von hertzen bekeret vnd vernewert wirdt.
Strauch, Schürebrand
18, 7
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
daz sin heilges wirdiges verdienen hundert tusent welte sünde alse lihtecliche zů verzihende het und bezalen mag alse eine einigeste sünde, und bildent in úch den schocher an dem crútze.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
39, 25
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
daz er niht einen gebilten lip habe, sunder daz er habe einen gewaren lip.
Ebd.
140, 24
:
Wan dü ding, dü da den ougen undergeworfen sint, die begrifen wir dester sicherlicher, denne die wir bilden.
Bihlmeyer, Seuse
35, 25
(
alem.
,
14. Jh.
):
Und bildet daz, so er iemer eigenlichest konde, in sich und sprach daz gebetli.
Bad. Wb.
1, 228
.