abend,
der
;
-(e)s/-e
.
1.
›Abend, Tageszeit zwischen Beendigung des Tagwerks und Beginn der Nachtruhe‹, z. T. wohl auch ›Spätnachmittag‹, ohne daß diese Nuance aus den Quellen nachweisbar wäre; vgl. dazu Schwäb. Wb.
1, 12
; Bad. Wb.
1, 5a
; Öst. Wb.
1, 36
-37.
Phraseme:
Besonders häufig sind sprichwörtliche und redensartliche Verwendungen, vgl. dazu den Belegblock am Schluß sowie Hwb. dt. Abergl.
1, 23
-36.
Gegensätze:
(
der
1.
Syntagmen:
des / eines abends; am a., gegen a., zu a.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
188, 32
(
thür.
,
1474
):
daz syn kint des abindes uß synem huse uff dye gassen gepisset hat.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang., Luc.
21, 37
(
osächs.
,
1343
):
an dem âbinde gînc her ûz und wonete ûf dem berge.
Barack, Zim. Chron.
4, 87, 40
(
schwäb.
,
M. 15. Jh.
):
das der Albrecht ains abens vor seinem haus sass.
Vetter, Pred. Taulers
28, 26
(
els.
,
14. Jh.
):
Do es abunt was, do vand er luͤte muͤssig ston.
Klein, Oswald
30, 8
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
So ich den langen tag erfros, | müdlichen rait, gen aubent zwar des klain genoss.
Chron. Köln
1, 1731
;
Hübner, Buch Daniel
171
;
6095
;
Chron. Augsb.
3, 386, 6
;
Munz, Füetrer. Persibein
517, 2
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
200, 11
;
Maaler
1v
.
Oft sprichwörtliche Verwendungen:
Quint, Eckharts Pred.
1, 326, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Nû enwirt ez niemer âbent, ez ensî ein ganzer tac vor gesîn.
Thiele, Luthers Sprichw.
81
(
um 1535
):
Ists doch noch nicht aller Tage Abend, so sind noch zwölf Stunde des Tages.
Henisch 4-
5
(
Augsb.
1616
):
Die des morgens lachen / schreyen des abends offt.
Ebd.:
Auff einen boͤsen tag gehoͤrt ein guter abend.
Ebd.:
Des abends voll vnd toll, zu morgens siech vnd krank.
Turmair
4, 305, 8
(
moobd.
,
1522
/
33
):
man sol ein schönen tag erst auf den abent loben.
– Mit Mustern für poetische Beschreibung: Harsdoerffer. Trichter
3, 115
.
– Metapher für ›Spätzeit‹: Wolf, Mathesius.
1969, 303
.
– Metapher für den Lebensabend: Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 1, 1
.
– Metapher für den Zustand mystischer Heiligung: Quint, Eckharts Pred.
2, 198, 11
;
200, 1
.
2.
in der Formel
abend und morgen:
›jederzeit‹.

Belegblock:

Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 116, 1
(
Eisleben
1548
):
Herren sollen geschaͤfftig sein / unnd mit fleiß abent und morgen sorgfaͤltig sein.
Päpke, Marienl. Wernher
1844
(
halem.
,
v. 1382
):
Dar umb wir muͤssint sorgen | Abent und morgen.
3.
guten abend
wird als Abendgruß verwendet.

Belegblock:

Wrede, Aköln. Sprachsch.
10b
.
4.
›Vorabend; Tag vor einem Fest, besonders vor einem Heiligen- oder Kirchenfest‹; beide Nuancen sind nicht immer trennbar.

Belegblock:

Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 81, 5
(
omd.
,
1424
):
Gegeben czu Marienburg am obende asumptionis Marie.
Roder, Stadtr. Villingen
100, 11
(
önalem.
,
1492
):
das die schmid [...] nit wercken soͤllen an dem samstag zů nacht noch an hochzittlichen abend, noch an zwoͤlfbotten abend.
Boos, UB Aarau
258, 4
(
halem.
,
1421
):
an dem abent des jarzits mit einer vigilig gesungen und mornendes mit einer selmess.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
123, 34
(
halem.
,
1404
):
das ieklicher der vier iarmerchten bi sunder drije tage [...] súllent weren [...], nemlichen ieklicher mercht uff sinen tag [...] und uff sinen abende und morndes.
– Beispiele für Vortage bzw. Vorabende von Festen (in alphabetischer Ordnung): Chron. Köln
2, 20, 18
:
up sente Agneten avent.
Ebd.
178, 12
:
up sent Albains avent.
Chron. Augsb.
2, 22, 12
:
Auf sant Anderes aubent.
Ebd.
81, 3
:
an sant Barbara aubent.
Chron. Augsb.
1, 79, 11
:
an sant Bartelmeus abent.
Chron. Köln
2, 47, 12
:
up der eilf dusent made avent.
Chron. Augsb.
2, 136, 14
:
an sant Elisabet abent.
Chron. Augsb.
3, 387, 15
:
an sant Giglgen aubet.
Chron. Augsb.
2, 191, 28
:
an dem hailigen abent.
Leisi, Thurg. UB
8, 571, 12
:
an sant Johanns des Töüffers abent.
Chron. Nürnb.
1, 62, 22
:
an sant katrein abent.
Chron. Augsb.
5, 11, 2
:
an sant Lienhartz aubent.
Winter, Nöst. Weist.
4, 258, 32
:
an sant Merten abent.
Turmair
5, 447, 22
:
an sant Mattheus abent.
Mell u. a., Steir. Taid.
208, 21
:
an st. Michels abend.
Chron. Nürnb.
1, 25, 5
:
an sant Niclos abent.
Chron. Augsb.
5, 73, 6
:
am osteraubent.
Ebd.
72, 10
:
am palmaubent.
Chron. Nürnb.
4, 147, 13
:
an sant Paulus obent.
Ebd.
207, 12
:
an sant Thomas obent.
Chron. Augsb.
2, 92, 1
:
an unser frawen aubent.
Dierauer, Chron. Zürich
43, 3
:
an der zehntusent ritter abend.
5.
›Westen, als Himmelsrichtung und Himmelsgegend‹; Metonymie zu 1.

Belegblock:

v. Tscharner, Md. Marco Polo
67, 16
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Wen man [...] czuhit obir das mer kegin dem awinde.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
86, 14
(
m/soobd.
,
1464
/
5
):
was aber gegen dem abent unter der pigmarch ligt.
Volkmar
71
;
Öst. Wb.
1, 37a
;
Dietz, Wb. Luther 7.