mislich,
Adj.
/
Adv.
1.
›unzuverlässig, schwankend, zweifelnd‹ (von Personen); ›zweifelhaft, unsicher‹ (von Zuständen, Handlungen).

Belegblock:

Schöpper
17a
(
Dortm.
1550
):
Dubius. Zweiffelig zweifelhafftig zweiuelmuͤtig vngewiß mißlich wanckelsam wanckelmuͤtig.
Luther, WA
30, 2, 449, 1
(
1530
):
[sie] bekennen fein daher, Das die Absolutio ynn der beicht mislich sey, Vnd wo die rew fur Gott nicht gnugsam ist, da sey sie nichts.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2055
(
Köln
1476
):
Myslych malchs gemoede wart | Dayr bynnen dorch groysse zweyuart.
Froning, Alsf. Passionssp.
1447
(
ohess.
,
1501 ff.
):
synt mer alle gebrechlich synn | und an der mentschlicher natuer mißlich, | [...] vornemmet mich!
Fuchs, Murner. Geuchmat
477
(
Basel
1519
):
ist der lon so misselich, | Vngewiß vnd vngelich, | Das tusendt, die in hymmel stellen, | Farendt dar für zuͦ der hellen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 22, 7
(
Hagenau
1534
):
Sihe fur dich / trew ist mißlich.
Barack, Zim. Chron.
4, 196, 13
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Die schuld ist uf sein vettern [...] kommen, und misslich, das es [gut] im alles wider werde.
Reissenberger, Väterb.
12273
;
Vetter, Pred. Taulers
276, 4
.
2.
›ins Leere, danebengehend (von dem Schlag Blinder)‹.

Belegblock:

Chron. Köln
3, 905, 25
(
Köln
1499
):
mer ee si dat verken gevellen kunden, so wart mennich misselich slach van in [blinde man] geslagen.
3.
›verschiedenartig, vielfältig; auf verschiedene, unterschiedliche Weise‹.
Wobd.; älteres Frnhd.; Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Wortbildungen:
misliche
(
die
).

Belegblock:

Bihlmeyer, Seuse
99, 22
(
alem.
,
14. Jh.
):
Der anvang eins heiligen lebens, tohter, der ist misslich; ainer sus, der ander so.
Päpke, Marienl. Wernher
4749
(
halem.
,
v. 1382
):
Also warent disú mære | Mislich inmæniger wise, | Ze laster und och ze prise.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
67, 19
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
daz alle die cristenheit si ein lip nah dem natürlichen lip des menschen, nach dem unde die menschlichen gelidere habent misliche getete.
Ebd.
198, 28
:
so ist die underscheidunge der sünde nach den gegenwirfen, nach den daz mislich werden die gesteltnüsse der sünden.
Ebd.
269, 13
:
von disem teile enmag niht genomen werden die erste rede dirre mislichi; [...] die erste sache dirre mislichi ist zenemen von teile gotis selber, der mislichen teilet die gabe siner gnaden, zuo dem, daz von mislichen greten die schonheit unde die volkomenheit ufsta.
Bihlmeyer, a. a. O.
358, 18
;
476, 10
.
4.
›in üblem, widrigem Zustand‹ (vom geistlichen
stat
); ›schlecht, übel‹ (von menschlichem Handeln); ›gefährlich‹ (von Gewässern); ›schwerlich, kaum‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Follan, Ortolf. Arzneib.
89, 27
(
rib.
,
1398
):
Du salt merken, daz allen alden luden da von [brende] mislich is to helpende.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 26, 8
(Hs. ˹
md.
auf nd. Grundlage,
v. M. 14. Jh.
˺):
die mislich varn, | den muz man mislich liezen.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
108, 10
(
thür.
,
1421
):
Do zoch her om entgegen yn Yndien durch wiltniss unde missliche wasser.
Koller, Ref. Siegmunds
75, 29
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
wen die in ein reht ordenunge keme, so wurd got gemiltert und stünd die kirche nit mislich.
Vetter, Schw. zu Töß
120, 5
;
Schweiz. Id.
4, 467
.
5.
›vielleicht‹.
Bedeutungsverwandte:
 9, .

Belegblock:

Schmitt, Ordo rerum
706, 11
(
omd.
,
1466
):
Fortassis [...] mißlich [...] (villeicht) [...] mag lichte [...]
(übergeschrieben:
mißlich
).
Voc. Teut.-Lat.
x vijv
(
Nürnb.
1482
):
Obnochleicht oder mislich. fortuiter.