bitter,
Adj.(1-4),
Adv.
(5).
1.
›von herbem, strengem Geschmack, bitter‹.
Syntagmen:
b. apfel / bissen / boden / same / trank / trunk / wein / wermut, b. arznei / galle / mirre / mus / pille / speise / wurzel, b. holz / kraut / wasser
.

Belegblock:

J. W. von Cube. Hortus
83, 13
(
Mainz
1485
):
Die wurtzel ist fast bitter vnd krumph.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
164, 16
(
Frankf.
1535
):
Nitrum ist zu erwelen der do liecht ist / weiß oder rot / scharpf vnd bitter.
Dubizmay, kurß zu Teutze
89, 18
(
hess.
,
1463
):
Eyn ere eyn fride seyner müter eyn vnmessige höffnung der gleubigen in dem bittren trünck des todes hat er vnser missetat erloßet.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ze glîcher wîs als einem menschen, dem alliu spîse bitter ist und im niht ensmecket.
Strauch, Par. anime int.
20, 33
(
thür.
,
14. Jh.
):
Moyses vant ein holtz und legete ez in ein bittir wazzir, daz wart suze.
Anderson u. a., Flugschrr.
19, 18, 12
([
Eilenb.
]
1524
):
den engẽ weg machẽ sie breyt / das susse heissẽ sie bitter.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
9, 5
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Dornoch get man dri tage reyse, do keyn wassir ist wen bitter wassir.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
161, 8
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Soll man sie [weinberge] nicht anlegen, wo der bodem salzig, sumpficht, lettig oder bitter ist.
Harsdoerffer. Trichter (
Nürnb.
1653
):
Die Artzney ist bitter im Mund / dem Magen gesund.
Strauch, Schürebrand (
els.
,
E. 14. Jh.
):
uwer geminter herre, der ein meister ist aller künste und wisheit, der kan es uch verwandeln in bittere mirre und galle.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 400, 25
(
Hagenau
1534
):
Was bitter unnd herbe ist / essen die leütte nicht gern.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Altz / der breite oder feiste wermut / von welchem der wermutwein gemacht wird / absinthium Ponticum. […] Bitterer als altzen.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
216v, 6
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
tů aloe luczel dar zů, das es / dester bitter werd.
Lemmer, Brant. Narrensch.
23, 13
(
Basel
1494
):
Eyn artzt / gibt sur vnd bitter trangk | Do mit dest ee genäß der krangk.
Sudhoff, Paracelsus (
um 1520
):
im leib sind 4 gustus, also auch in der erden: seuri, süße, bitteri, selzi.
Lauater. Gespaͤnste
18v, 25
(
Zürich
1578
):
einer der das feber hat / trinckt ein lieblichē süssen wyn / der bedunckt jn bitterer dan̄ ein gall.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Absinthium haizet wermuot. daz ist gar ain pitter kraut.
A. à S. Clara. Glori (
Wien
1680
):
ich achte solcher Pillulen nicht / die nur auswendig verguldt / inwendig bitter seynd.
Dietz, Wb. Luther ;
Göpfert, Wb. Katechismus
49
f.;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 16
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 24
;
Schmitt, Ordo rerum
196, 28
;
467, 7
;
Voc. inc. teut. t
iijv
;
Hulsius
B iijr
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 623
;
Schwäb. Wb.
1145
;
2.
›schmerzlich, schmerzhaft, leidvoll, schwer‹; ütr. zu 1.
Syntagmen:
b. jamer / schmerz / tod, b. bürde / furcht / marter / not / scham, b. leid
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Also blutigete der tot | Mit bitterer unsuze | Crist dort sine vuze.
Rueff, Rhein. Ostersp. 
864
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
ich brecht ene anderwerbe in noit | und dar noch in den bitteren doit.
Froning, Alsf. Passionssp. 
3314
(
ohess.
,
1501ff.
):
Vatter […] | magk iß dyn wille gesyn, | ßo oberhabe mich disser bittern martel swer, | die ich sal liden vor den sundere.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
sô ist im allez daz […] ein bitter leit und schade.
Strauch, Par. anime int.
41, 5
(
thür.
,
14. Jh.
):
0we toit, wi bittir ist din gehucnisse allin den di der welinde wollust volgint.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Leipzig
1537
):
Du ewiger Gott, | Laß vns nit versyncken, | In des byttern todtes nodt.
Mone, Adt. Schausp.  (Hs. ˹
omd.
,
1391
˺):
ich mane dich durch dine wunden rot | und durch dinen bittern tot.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
571
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
wie get daz so palde zu, | der dovor kaine rue | vor pitter vorhte konde gewinnen, | daz der kan izunt minnen?
Langen, Myst. Leben
167, 29
(
nobd.
,
1463
):
so wirt er [Christus] dich tailhafftig machen seiner / pitter marter.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
160, 33
(
els.
,
1362
):
Die muͤterlichen odern wurdent zerknúcscet von bitterme lidende.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
es mus also sin, soltest du der vmbe den bitern tot liden.
Sappler, H. Kaufringer
17, 68
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
der speißt mein sel als ganz und gar, | sam den leichnam tuot das prot | für des pittern hungers not.
Völker, Antichrist
1128
(
wschwäb.
,
15. Jh.
):
Nach vnsers herren marter littend die säligen cristen von den vngelaubhafften ain ächtsal mit bitter marter.
Brandstetter, Wigoleis
231, 18
(
Augsb.
1493
):
Als der mortlich boeßwicht disen jamer vnd klaeglich sterben ersahe, ward er in grosses herczenlich leyd vnd pittern schmerczen geseczt.
Memminger Chron. Vorr. (
Ulm
1660
):
Memmingen ist ein Muster vieler bitteren Kriegsfrüchten.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Und sol dich todes smercze | Inkain wise verseren: | Nu můs mir jamer meren | Und bitter laid und ungemach.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Ich engetar doch minu oͧgen vor bittere scham niemer me uf erhaben.
Buijssen, Dur. Rat.
32, 13
(
moobd.
,
1384
):
daz wir gerainigt sein von Christo mit seiner pittern marter.
Munz, Füetrer. Persibein
260, 3
(
moobd.
,
1478
/
84
):
ob du von mir nicht willd | sterben ains todes pitter, | so gib mir her schwert, hellem vnnd dein schillt.
Bauer, Imitatio Haller
103, 1
(
tir.
,
1466
):
so söltestu die doch vermeiden durch des engstleichen jungsten gerichtes willen vnd durch des ewigen pittern leidens willen der hellen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
60, 27
(
tir.
,
1464
):
alle freüden der welt die ist schnod vnd petrogen vnd ein pittre swere purden dem menschen.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
16, 30
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
awe der sere | und des pittern grossen smerz.
Klein, Oswald
1, 111
(
oobd.
,
1431
/
2
):
Mein herz […] bricht von grossen sorgen, | wenn ich bedenck den bittern tod.
3.
›verbittert, zornig‹; ütr. zu 1.
Syntagmen:
b. gedanken / herzen / worte / zären
.

Belegblock:

Sermon Thauleri 9R,
17
(
Leipzig
1498
):
Der dritte veindt ist arckhertzikeit, das ist mit bitterē boßen gedancken.
Mathesius, Passionale 44V, (
Leipzig
1587
):
Im 22. Psalm […] werden auch solche grewel / entsetzung / hohn vnd bittere Spotwort oder Sarcasmi verkündiget.
Anderson u. a., Flugschrr.
19, 17, 22
([
Eilenb.
]
1524
):
ein bydder Christ diß wil furchten / das ym solche herbe bittere gedãcken / vñ engstliche nodt / den kopf mochten vnsinnig […] machen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
70, 6
(
Nürnb.
1548
):
Das man als denn drüber vngedultig wird / vnd ein bitters hertz wider Gott fasset.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
414, 11
(
els.
,
1362
):
so sprach ich mit so bitterme herzen vnd beswertem gemuͤte.
A. à S. Clara. Glori (
Wien
1680
):
die Mauren und Eckstein deß Lazareths hätten die bittere Zähren vergossen / in Ansehung deß grossen Elends.
4.
›böse, schlimm, furchtbar‹; ütr. zu 1.

Belegblock:

Große, Schwabensp.  (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
daz her vns vriete […] von der ewighen martere der bitteren helle.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Er sach vil swarzer pferde, | Uf den mit unwerde | Pech swartze lute riten, | Die mit archlichen siten | Alle waren bittere.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
alle natúrliche menschen […] sprechent daz Gottes joch bitter si und sine búrde swer.
Anderson u. a., Flugschrr.
23, 9, 25
([
Augsb.
]
1525
):
das allen anndern ordnung gab / hilff / vnd wunsamkait / vnd nyemandt nachtayl brecht / dañ dem bittern Teufel.
Stammler, Berner Weltger.
38
(
ohalem.
,
1465
):
Ich han das von got uernomen. | Menglich můs zesamen komen | An den bitteren jungsten tag.
Heidegger. Mythoscopia
43, 7
(
Zürich
1698
):
Demnach ich mich vor vilen Jahren meiner Elteren / Geschwisterten / Verwandten / ja / welches das bitterste ware /gewohnter guter Schnabelweid / um deß Reichs der Himmlen willen beraubt.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
494, 3
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Des ward vor zorn pitter Paris.
Weber, Füetrer. Poyt.
61, 4
(
moobd.
,
1478
/
84
):
dort von sannd Michahel | vmb sein hochvart, dy grosse, | geworffen ward in pitter helle quel.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
7, 40
(
tir.
,
1464
):
das pitter geschlecht, die er [Jeronimus] aufgehebt vnd erlöst hat von der irrung der verdamnus.
5.
verstärkend ›sehr‹.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Jupiter schickt den Gott Apollo | (Des warn die beiden bitter fro).