turstig,
türstig,
seltener:
törstig,
Adj.
1.
›verwegen, wagemutig, tapfer; tollkühn‹; charakterisiert eine durch Erziehung zu fördernde innere Haltung des Menschen; in religiösem Kontext: ›glaubensfest‹; in 1 Beleg: ›fleißig, eifrig, tüchtig‹;
auch mit Tendenz zu negativer Wertung, damit offen zu 2; zu (V.) 1,  1.
Vielfach berichtende Texte, darunter Chroniken.
Bedeutungsverwandte:
 2, , , , , (Adj.) 1, , (s. v. , Adj., 2),  7, ,  4,  1, ,  3; vgl. ,  3.
Gegensätze:
(Adj.) 2, .
Syntagmen:
t. werden
(z. B.
zum streit
),
t. sein, das [...] / zu
[+ Inf.];
t. handeln / herausfallen
›ausfallen, angreifen‹;
die herzen t. machen
;
der turstige fürst / held / kriegsman / prophet / tyran, die turstige tat, das turstige ding / vornemen, die turstigen leute
.

Belegblock:

Luther, WA (
1523
):
Nu [...] werden sie [Adels leute] mutiger und thurstiger werden.
Ebd. (
1529
):
ob er [Hertzog Georg] so grob und thuͤrstig sein wolt, das er durch den Kuͤrfuͤrsten als durch mittel odder knecht uber mich hirschen wolt.
Thür. Chron.
9v, 26
(
Mühlh.
1599
):
darauff musten sie [Kinder der Roͤmer] sich vben in aller behendigkeit / mit Ringen / Springen / [...] dauon worden sie Kuͤhn vnd Hertzhafft / vnnd zum Streit duͤrstig.
Sachs (
Nürnb.
1562
):
Daß sie [oberkeyt] ihr schwerdt nit brauch zu gäch, | Zu eylent, dürstig und zu frech.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
keiner mochte im [ihesus] geantwurten ein wort: noch was durstig in zefragen an dem tag von des hin.
salomon sach den iungeling guͦtes alters vnd ein turstigen
[
Luther
1545, 1. Kön. 11, 28:
ausrichtig
›tüchtig‹].
Diehl, Dreytw. Essl. Chron. (
schwäb.
,
1553
):
Noch wolltten die in der statt sich nitt ergebenn, [...] seyenn auch alle tag frey durstig herauss gefallenn und inen grosen schaden und abruch gethan.
Bauer, Geiler. Pred.
80, 19
(
Augsb.
1508
):
es [gebeet] ist die brinnend fackel / alle hertzen [...] gehertzt und durstig zuͦ machen alle widerwertikait umb deinent willen zuͦ leiden.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Da understuend sich hertzog Cristoff mit hertzog Albrechten zu kriegen, wan es ain Turstiger, kecker fürst [...] was.
ders. Hl. Schrifft.
2. Kor. 10, 2
;
Anderson u. a., Flugschrr.
22, 8, 15
;
Opel, Spittendorf ;
Heydn. maister
38r, 3
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ;
2.
›unbändig, wild‹; mit Tendenz zu: ›böswillig, grausam‹; vereinzelt: ›rachsüchtig‹; negative Verstärkung zu 1.
Bedeutungsverwandte:
 3; vgl. ,
1
(Adj.) 2,  1, (Adj.) 5,  2.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
want herzoge Conrât | nicht zum êrstin widirtrat | irre turstigin gewalt | [...] | des wîstin sî dô vurbaz | iren vîentlîchin haz | und griffin gar erclîchin an.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1502
):
da was die gemain aus Nierenberg also dürstig und erschluͦgen die gefangen bauren all zu dod.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1624
):
wo ainer ganz unschultiklich durch muetwillig, durstig pluetvergiessen erschlagen und entleibt ist worden, so hat man von dës entleibten hab [...] dem richter ainen gulten muessen gëben.
3.
›respektlos, dreist, unverschämt‹; meist auf verbale Äußerungen oder Handlungen anderen, oft höhergestellten Personen (speziell: Gott) gegenüber bezogen.
Bedeutungsverwandte:
, , , ,  1, , (Adj.); vgl.  1,  4,  1.
Syntagmen:
t. sein, t
. (z. B.
vor got
)
sein, etw. zu tun
;
jm. t. schreiben, jm. js. wort t. vorbilden
;
der turstige geist, das turstige wort, die turstige vermessenheit
.

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
wo er [houffe] hoͤret etwas newes von den hoffertigen, tuͤrstigen Geistern [...], So folget auch daraus, das viel [...] Leute fallen in zweiveln.
Ebd. (
1528
):
Jch acht der geist fur grossem hohmut dencke / Es sey kein mensch auff erden [...] wie were es sonst müglich / das er solt so frech vnd thurstig sein [...]?
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1474
):
das groß unrecht ist, [...] daz einer vor got also durstig ist, das er sprechen tar zü einem menschen: ,Du bist mein eygen!‘.
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 3, 7
([
Augsb.
]
1523
):
Daru͂b dz [...] die prediger cristu͂ vñ sein wort keck durstig vñ frelich de͂ volk fürbilde͂ / wird ich verursacht [...] Ain sermõ auß der Bibel zuͦ klauben.
Reu, Süddt. Kat.
1, 818, 17
(
Augsb.
,
1543
/
4
):
wer will nun so fräuelich vnd durstig sein, solch gnadenreich Testament zu verachten [...]?
Opel, Spittendorf ;
Dreckmann, H. Mair. Troja
42, 7
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
119, 37
;
Vgl. ferner s. v.  2.