turstig,
türstig,
seltener: törstig,
Adj.
1.
›verwegen, wagemutig, tapfer; tollkühn‹; charakterisiert eine durch Erziehung zu fördernde innere Haltung des Menschen; in religiösem Kontext: ›glaubensfest‹; in 1 Beleg: ›fleißig, eifrig, tüchtig‹; Vielfach berichtende Texte, darunter Chroniken.
Syntagmen:
t. werden
(z. B. zum streit
), t. sein, das [...] / zu
[+ Inf.]; t. handeln / herausfallen
›ausfallen, angreifen‹; die herzen t. machen
; der turstige fürst / held / kriegsman / prophet / tyran, die turstige tat, das turstige ding / vornemen, die turstigen leute
.Belegblock:
Nu [...] werden sie [Adels leute] mutiger und thurstiger werden.
ob er [Hertzog Georg] so grob und thuͤrstig sein wolt, das er durch den Kuͤrfuͤrsten als durch mittel odder knecht uber mich hirschen wolt.
darauff musten sie [Kinder der Roͤmer] sich vben in aller behendigkeit / mit Ringen / Springen / [...] dauon worden sie Kuͤhn vnd Hertzhafft / vnnd zum Streit duͤrstig.
Daß sie [oberkeyt] ihr schwerdt nit brauch zu gäch, | Zu eylent, dürstig und zu frech.
keiner mochte im [ihesus] geantwurten ein wort: noch was durstig in zefragen an dem tag von des hin.
salomon sach den iungeling guͦtes alters vnd ein turstigen
[
ausrichtigLuther
1545, 1. Kön. 11, 28: ›tüchtig‹].
Noch wolltten die in der statt sich nitt ergebenn, [...] seyenn auch alle tag frey durstig herauss gefallenn und inen grosen schaden und abruch gethan.
es [gebeet] ist die brinnend fackel / alle hertzen [...] gehertzt und durstig zuͦ machen alle widerwertikait umb deinent willen zuͦ leiden.
ders. Hl. Schrifft.
2. Kor. 10, 2
; Anderson u. a., Flugschrr.
22, 8, 15
; Heydn. maister
38r, 3
; Schweiz. Id. f.;
2.
›unbändig, wild‹; mit Tendenz zu: ›böswillig, grausam‹; vereinzelt: ›rachsüchtig‹; negative Verstärkung zu 1.Belegblock:
want herzoge Conrât | nicht zum êrstin widirtrat | irre turstigin gewalt | [...] | des wîstin sî dô vurbaz | iren vîentlîchin haz | und griffin gar erclîchin an.
da was die gemain aus Nierenberg also dürstig und erschluͦgen die gefangen bauren all zu dod.
3.
›respektlos, dreist, unverschämt‹; meist auf verbale Äußerungen oder Handlungen anderen, oft höhergestellten Personen (speziell: Gott) gegenüber bezogen.Syntagmen:
t. sein, t
. (z. B. vor got
) sein, etw. zu tun
; jm. t. schreiben, jm. js. wort t. vorbilden
; der turstige geist, das turstige wort, die turstige vermessenheit
.Belegblock:
wo er [houffe] hoͤret etwas newes von den hoffertigen, tuͤrstigen Geistern [...], So folget auch daraus, das viel [...] Leute fallen in zweiveln.
Jch acht der geist fur grossem hohmut dencke / Es sey kein mensch auff erden [...] wie were es sonst müglich / das er solt so frech vnd thurstig sein [...]?
das groß unrecht ist, [...] daz einer vor got also durstig ist, das er sprechen tar zü einem menschen: ,Du bist mein eygen!‘.
Daru͂b dz [...] die prediger cristu͂ vñ sein wort keck durstig vñ frelich de͂ volk fürbilde͂ / wird ich verursacht [...] Ain sermõ auß der Bibel zuͦ klauben.
wer will nun so fräuelich vnd durstig sein, solch gnadenreich Testament zu verachten [...]?