tuch,
das
;-(e)s/-er, -ere,
auch: -Ø
+ Uml. und -er
+ Uml.1.
›abgegrenztes, gesäumtes, meist viereckiges Stück Stoff beliebiger Größe und aus beliebigem Material, das für einen speziellen Verwendungszweck bestimmt ist‹; meist als abkürzende Bezeichnung für zweckbetonende Komposita; im Einzelnen: a) ›locker getragenes bzw. umgelegtes Kleidungsstück‹, z. B. Kopftuch, Halstuch, Mundschutz; auch: ›Kleidung, Gewand, (Ordens)tracht‹, damit offen zu 2; vereinzelt auch ütr.: ›Ausdruck, Erscheinungsbild‹.
Wortbildungen:
tuchelträgerin
b) ›schmiegsame Umhüllung mit jeweils besonderer Funktion‹, z. B. als Windel, Leichentuch, Stoffsack.
c) ›weiches Tuch zum Abreiben oder Trocknen von Personen oder Gegenständen‹, z. B. Schweißtuch (v. a. in bibelsprachlichem Zusammenhang), Taschentuch, Handtuch, Badetuch.
d) ›Stofftuch zum Verbinden, Benetzen und Betupfen von Körperpartien bzw. Wunden in der Heilbehandlung‹; auch: ›Tuch zur Abwehr von Insekten‹ (Pflanzenschutz).
e) ›flächig ausgebreitetes Stück Stoff zum Schutz bzw. zur Dekoration oder zum Verdecken von Gegenständen‹, z. B. Tischtuch, Altartuch, Wandbehang.
f) ›durchlässiges und engmaschiges Stück Stoff zum Filtern von Flüssigkeiten‹, z. B. Seihtuch, Filtertuch, Siebtuch.
g) ›Malgrund aus Stoff‹; als Metonymie auch: ›aufgemaltes Bild‹.
h) ›Wand von starker Leinwand zur Umzäunung eines Jagdreviers, Jagdtuch‹.
i) ›Vorhang, Sichtschutz‹; auch: ›Augenbinde‹.
Phraseme:
ein tuch für den augen haben
.j) ›Abzeichen, Fahne‹.
Belegblock:
Zu a):
Urs ordens doechs soulde ich gerne dragen.
Von der baum wollen fynden ich nit meen wan das die frauven schleyer vnd reyn duͦchlyn dar vß spynnen.
do gab er ime tuͤchere und alde cleidere, daz er si umme sich wuͤnde.
Dy ediln Tartirn [...] tragin sidin gewant und guldin tuch.
Ebd.
22, 11
: dy schenkin unde dy becker, dy han alle iren munt bedakt mit sydinen tuchirn.
Er wart dyaconus, do er sich begurte mit eime tvche.
do nate si [tohter] den selben namen Jesus mit roter siden uf ein kleines tuͤchli.
Danc habe sin herze und sin sin. | komt aber der materjen such, | cleide ich sie in ein niuwez tuch.
zuͦ bringen / der truckten jrrungen / alls durch baͤttler / landfarer / tuͤcheltragerin.
wiewol [...] wybspersohnen [...] heimbgestelt, sich der tüechlinen oder cappen zuͦ gebruchen.
die Sarazeni muͤssent tragen ain wiß tuͦch umb iren kopff, die cristen ain plawes tuͦch, die juden ain gelwes.
Zu b):
der brauch auch nicht ist, gold und sylber yn schonen seckeln und bewteln zu furen, sonder ynn schwartzen groben unsauberem tuch.
Do sie die tucher zw sammen fanden gelegt, dachten sie: er hats nicht gethan, ßonder die Juden werdens gethan haben.
ein Gefesse / wie ein gros leinen Tuch
[
leylacheMentel
1466: ;
leynentuͦchFroschauer
1530: ]
an vier zipffel gebunden. die swarten vz gekeret vnd gewunden in ein tuͦch.
Albertus. Der rot gethan in ein leinen tuͦch oder kelbern leder / vnd vnder der lincken achseln getragen / sagt man das er diene wider die vnsinnigkeyt.
Die zartte Junckfraw außerkorn, | Hat ihn mit ihren henden, | Gewunden in die thuͤchelein.
Gesalbet wardt sein edle leyb, | [...] | Jn ein reyn thuch gewunden wart, | Vnd gelegt in ein newes grab.
er sach die tuͤch
[
leilachenBeheim
1343 / Krumpach
1522: ;
leinwadtFroschauer
1530: ;
leinen tüecherEmser
1527 / Eck
1537: ;
die leinenLuther
1545, Joh. 20, 6: ]
gelegt: vnd den augfanen oder schweiß tuͦch der do was auff seim haubt nit gelegt mit den tuͦchen. Zwai græwú tuͦchelú da sint | Siner windelin, die man da vint.
Gerhardt, Meister v. Prag
14, 15
; Gille u. a., M. Beheim
252, 41
; Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
10, 3
; Schweiz. Id. f.;
Zu c):
darnach abtrickne jn ainem schenen weissen túch.
Ebd.
153, 4
: lasß jm die oren vnnd fiesß vnd den schwantz, mit ainem nassen thúch, das die har nit verbrinnent, das lam brat also.
Ebd.
169, 8
: folgents reisß mit ainem saúbern túch den korb ab.
ein nacket weiblin, so [...] mit tüchern sich abtrückhnet.
er [...] hies im raichen ein tüch.
Zu d):
Baumöl und rindsgall unter einander gemischt, ein tuchlein darein genetzt und uber eine rinden umb einen baum geschlagen, lest kein omß auf den baum oder herab kriechen.
thu es
[Salbenmischung]
denn auf zwey tuchlein vnd heft jn domit. Ebd.
249
: seud es [...] vnd netz dorjnn ein wüllin tuch vnd pind es dorüber.
Wer nicht geslaffen mag, der necz ein tuch in das wasser vnd pint es vmb das haupt.
salb da mit die lamen glid vnd pind des nachtes dar v́ber ain leinein tuͦch.
Zu e):
1 leynen tuch uffs hoge altar.
die altar tuecher nent die geschrifft ,mappe‘ oder ,palle‘.
Wann man ein begrebnuß haben will, so mag man auff dye bare ein tüch legen oder was man einem gotzhauße zü einer zierde [...] geben mag.
vnd noment daz tuͦch do mitte ir grab waz bedecket.
es seind auch in s. Mauritzenkirchen alle alter mit schwartzem tuch [...] bedeckt [...] gewesen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
118, 39
; Zu f):
Nym aumays-ayr, stoß sie vnd truck sie durch ein tuch.
das tuͦ denne durch ain tuͦch.
Ebd.
214v, 22
: sihe es / durch ain tuͦch.
heb es [vngentum] ab vnd sich es durch ein tuͦch.
Zu g):
wan sich ein lebendiger Mensche ließe abmahlen auf ein tuch oder Wandt.
die alten wunderwerck nach einander her zu malen, wie auff eine taffel odder tuch.
Als wenn ein Maler, Schnitzer oder Steinmetze einen Koͤnig oder Fuͤrsten bildet auff ein tuch, holtz oder stein.
meinem wirth hab ich zu kauffen geben auf ein tüchlein ein gemahlt Marien bild.
Zu h):
vnd nach dem sie einen dicken Wald mit jhren Garen vnd Tuͤchern vmbzogen / liessen sie die Hunde lauffen.
Zu i):
Noch haben sie ein tuch fur den augen, das sie es nicht sehen konnen.
Es ist aber verborgen, und noch eyn tuch furgetzogen, das mans nit sihet.
Darumb sehen sie Mosi nicht recht vnter augen / das Tuch ist jnen da fur gelegt vnd zugedecket.
Zu j):
eyn gros weys tuch mit dem gulden crucze und adler offs spolium.
daz wir den juden by uns süllen gelbe tüchlin angehangen haben
(als Zeichen für Ausgrenzung).2.
›gewebter Stoff, der aus verschiedenen Fasern (v. a. Wolle) hergestellt sein kann, noch nicht für einen bestimmten Verwendungszweck zugerichtet ist und in der Regel in Form von Stoffbahnen festgelegter Größe gehandelt wird‹; damit: ›Textilgewebe im Sinne von nhd. Stoff
‹, das tuch
in dieser Bedeutung abgelöst hat (); primär: ›Stoff zur Herstellung von Kleidungsstücken‹; aber auch: ›Stoff zur Herstellung aller unter 1 aufgeführten Tuchsorten‹; tuch
ist ein wichtiges Handelsgut und wird mitunter auch als Zahlungsmittel eingesetzt.Zur Sache:
Lex. d. Mal.
.8, 595-602
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme:
unser tuch ausmachen
›einen Schwindel ausführen‹; an eigenen gedanken und gespantem tuch geht viel ab
›es kommt immer anders als gedacht‹.Bedeutungsverwandte:
1
, 1
, , , , 1, , 2, 1; 2; 3, 1
3, (der
), , ; vgl. , 6, , 1, , , , 1, 2, (das
) 6, (der
) 3, (das
) 3, , , 4, 4, , (der
) 2, , , , 1
1.Wortbildungen:
tuchampt
tuchbaum
tuchbrächer
tuchbreite
˹, ˺ ›aus Tuch bestehend‹,
tüchen
tüchern
tücherwürke
tuchgewerbe
˹, ˺ ›Verkaufsraum für Tücher‹,
tuchgewelbe
tuchlaube
tuchhandel
tuchler
tuchmel
tuchmesser
tuchschauer
tuchverkauf
tuchwirkung
Belegblock:
es
[die böse Lust]
ist drynnen ym bluͦtt und fleysch [...] gewachssen, nicht aussen ym tuch. An eignen gedancken und gespannetem tuch gehet viel ab.
Der Cardinal zu Mentz nimpt viel Tuchs zum Rock.
hatten von iren lenden bit uf ire enkeln kleider von linen duche.
Niemand soll auch fremt tuch von Siegbergsch tuch verkaufen.
sollen die gemeine chur- und Engelsche tucher mit underscheidlichen zeichen durch die stalmeister gestempelt [...] werden.
wer duker machen wil, der sal sie machen mit dryn und dryszig elin ane lytzen.
Hab mancherley Wahr bey mir stan / | Wuͤrtz / Arlas / Thuch / Wolln vn̄ Flachß.
Ebd.
50, 7
: Pantoffel / gefuͤtert mit Thuch.
hat dem conuent truͤlich gedent mit tuͦchwirckung.
[dise fraw] in [sun] ausstuͤret mit tuͤchern, peltzen vnd anderm.
das ihnen [wollenweber] an ihrem tuchverkauff schaden bringet.
Czu der selbin stat brengit man von India sidin und guldin tuch.
er kenn, waz kaufmansguͤt sy unn waz gewalken unn ungewalken tuͤch sin.
Wenn man will ein alt tuch mit einem newen flicken / ist es vergebens / das alte tuch helt den stich nicht.
die brustduecher, sollen sie von rothem, gemainem bai oder duoch bestehen.
Swerent die tuͦchmeͣsser [...], die tuͦch vnd bendel getrúwlichen zuͦ meͣssen.
Als
tuͦchschower werden bezeichnet
Wanner, Tittlinger [...]. das die oberröck von tuch [...] mit sammat besetzt werden mögint.
daz [...] die muͥller schoͤn mel und muͦsmel und habern, kernen und tuͦchmel mit dem metzen uss messen.
So verkouft man zu Venetia by der kurtzn ellen chort und medio chort, zendel, auch damast, atlaß, sammat, silberin und guldine tucher.
Ebd.
211, 25
: also vil pamwoll, das sy den grosten tail von India tucher gnug machn.
alle flemisch tuech, rolles von gross und clain spigellicken, toxel [...] verkauft man hie stuck weiss.
das wardt durch die regierung versehen und der würt mit duch und nit in gelt bezalt.
Es soll auch ain jeder, der auf disem gefreieten marckt duech, leinwat oder anders außzumessen hat, die hiesige pfechte eln von dem ambtknecht nemben.
Bausch / ein hauptring von tuch [...] den die Weiber auff das haupt legen / wenn sie etwas tragen.
Meiner swester tochter [...] mein guet newes bla gebant, mandel und roch und ein tuchpraiten virvachen seidein stauchen.
das man dem kunig umb solhen fridt soldt geben zehenntaussent guldein, halben tayl mit gellt und halben tayl mit tuech bezallt.
Von wegen Barchant- und Leineweber laͤssen bey unser antwurt der tuͤcher- und wollwuͤrgken bleyben.
schreibzeug in rot tüchinem überzug.
Es hat der rat geseczt, daz man alle gekarte tuch sol machen von Flemischer wollen.
Die schawer des grawen tuchs swerent, daz si das gewant beschawen.
gelegen vnder den Langen Tuchlauben mitsamet dem tuͦchgewelb darinn.
Vestiaria: pannicularius ,gewantschneider, tuchler‘.
das angezogene śachen die Wieśen vnd Tuechhandl belangend [...] nicht mehr [...] fürgeworffen śol werden.
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
162, 47
; Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. ;
Müller, Stadtr. Ravensb.
298, 10
; Hauber, UB Heiligkr. ;
Müller, Stadtr. Ravensb.
294, 8
; Bastian, Runtingerb.
2, 57, 15
; Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
157, 1
; Uhlirz, Qu. Wien ;
Schweiz. Id. ff.;
Schwäb. Wb. f.;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 311
f.