trutzig,
trotzig,
tratzig,
Adj.
/
Adv.,
auch:
trutziglich, trotziglich, tratziglich
; auch mit Uml.
1.
›feindselig, boshaft, aggressiv‹; auch: ›dreist, unverschämt‹; als das soziale Zusammenleben störend unterstellte Haltung beurteilt;
zu (
der
1.
Bedeutungsverwandte:
 1, , , , , , ; vgl. (Adj.) 6.
Syntagmen:
t. sein
;
j. t. antworten / (weg)gehen / schelten, sich rümen, jn. t. hören, die augen
(Subj.)
t. ausschauen
;
die trutzigen menschen / reden / schandlieder / worte
.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
373, 3566
(
Magdeb.
1608
):
Die Fuͤß stampfften / die Haͤnd drawten / | Die Augen trotziglich außschawten.
Anderson u. a., Flugschrr.
11, 6, 25
([
Leipzig
1521
]):
Das du mich aber furtter mit vil uppigen vnd drotzigen worte͂ bedrowest.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Bautzen
1567
):
werden teglich allerley troͤtzige, auffruͤrische, lester vnd schandlieder [...] gemacht.
Ebd. (
Köln
1582
):
DV boͤswicht hochuermessen | Wie darffstu noch so troͤtziglich | In deiner bosheit ruͤmen dich?
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
etlich im ausschuß begegneten inen mit ganz spitzigen, trutzigen und betrohlichen worten.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
wo aber iemant [mist] einstrewet mit gewalt, als man vill dretziger leut vindet, [...].
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
164, 8
(
mslow. inseldt.
,
1631
):
Den 23 May 1631 iśt Palko Gerhardt [...] citirt worden, dorauf Er trozig geantwort Peśt bude, Er habe hir keinen Richter.
Baumann, a. a. O. ;
Fischer, Eunuchus d. Terenz ;
Vgl. ferner s. v.  3.
2.
›widerspenstig, störrisch, starrsinnig; selbstherrlich, überheblich, anmaßend‹ (als gegen andere gerichtete Haltung);
zu (
der
2.
Syntagmen:
t. (aufgeblasen) sein
;
sich t. machen
;
sich t. erzeigen, jm. t. wiederstehen, etw. t. verachten, sich t. etw. anmassen
;
der trutzige feind / man, die trutzige menge / rede / wiederwärtigkeit, die trutzigen mönche
.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn (
Wolfenb.
1594
):
Hörstu Nero, Wie kömpts? Das du dich so trotziglich erzeigest? vnd wilt nicht zu mir kommen, wann ich dir Boten schicke?
Mieder, Lehmann. Flor. (
Lübeck
1639
):
Vnterthanen bezuͦchtigen offte vnbillich jhre Obrigkeit wegen strenger Regierung / do sie mit jhrer vngehorsamen trutzigen vnnd rebellischen widerwertigkeit solche erwecken.
Luther, WA (
1524
/
7
):
sie [...] verachteten trotziglich Gottes wort, namen keine Buspredigt, straff, vermanung [...] an.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1582
):
Der vbeltheter pranget hoch, | Ist troͤtzig auffgeblasen.
Dedekind/Scheidt. Grob.
126, 8
(
Worms
1551
):
Denck ob dein weiß schon bewrisch sey / | So biß doch stoltz vnd frech darbey / | Halßstarrig / trutzig / freuel gnuͦg.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
381, 3729
(
Zwickau
um 1540
):
Gyganten die sich trutzig masten an / | Den Hymel wolten sie erstigen han.
Gille u. a., M. Beheim
189, 136
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
die sund
[Unkeuschheit]
ist hert und swere, | Wann sy doch unserm herren Crist | gancz widerczem und truczig
[hier wohl: ›widerwärtig‹]
ist.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Sy kumen zuͦ vns in tretziger menig vnd in hoffart: das sy vns zerstrewen
[
Luther
1545, 1. Makk. 3, 20:
Sie trotzen auff jre grosse Macht
].
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
Ist also ein Gleißner
[›Heuchler‹]
vnder allen Sündern der hochmütigste vnd trotzigste.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
Was sagst dw dann von den widerspen und tráczigen múnchen?
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1630
):
Ob aber ainer so trutzig und faul wahr und den pflueg nit ubertragen wolt und den weeg also irren, [...].
Kehrein, a. a. O. ;
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
151v, 1
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb. ;
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 11, 18
;
Vgl. ferner s. v. .
3.
›entschlossen, unnachgiebig; furchtlos, selbstsicher, mutig (im Vertrauen auf Gott)‹; im Unterschied zu 1 und 2 als ordnungsbewahrend beurteilt und entsprechend positiv bewertet;
zu (
der
3.
Bedeutungsverwandte:
, , ,  3, .
Syntagmen:
t. sein
;
etw
. (Subj., z. B.
zuversicht
)
jn. t. machen
;
t. rennen, sich t. erzeigen, sich t. auf etw. berufen, jm. t. drohen
;
der trutzige glaube, die trutzige tat
.
Wortbildungen
trutzigkeit
(dazu bdv.: ,  4).

Belegblock:

Luther, WA (
1532
):
Fragstu aber, ob Christus frum sey, so kan ich ungezweivelt Ja sagen [...] und mich trotziglich darauff beruffen.
Ebd. (
1536
):
Das sind trotzige, kuͤne in istis noͤten, et contra istos gifftige wurmer, qui cogitant, Er solte verzagen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
646, 4386
(
Magdeb.
1608
):
JNdes kuͤmt auff der lincken Hand / | Der Mordax trotziglich gerant / | Wie sehr auch des schwartzn Fehnleins schuͤtzen / | Berg vnter auff sein Mann abspruͤtzen.
Anderson u. a., Flugschrr.
13, 8, 26
(
Leipzig
1522
):
ab er gleych eynes trutzigen glaubens ist.
Ebd.
15, 6, 9
([
Worms
1521
]):
so baldt sy
[der Papst und seine Anhänger]
nun sollich redlichaytt stercke vnnd troͤtzigkeitt bey ym [kaiser Friderich] befunnden / habenn sy yn auch gewoner weyß anngeganngen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
263, 27
(
Nürnb.
1548
):
Es muß je folgen / das ein solch hertz auch in [...] anfechtung / sich troͤsten / trotzig vnnd freydig sey.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
er
[der Kaiser]
war bewegt durch ir
[der
Teutschen
]
redlichkait und trutzig tat.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. ;
Luther. Hl. Schrifft. Röm. Vorr.
2258, 40
;