tropfen,
tropfe
III,
der
;
–/-n, -Ø
;
zu
mhd.
tropfe
›Tropfen‹
(), zur Herkunft und zum Verhältnis der Lemmata
tropfen, tropf
I,
tropf
II vgl.
Kluge/S.
2011, 932
,
Pfeifer
2000, 1465
und .
›sehr kleine / kleinste Menge Flüssigkeit in kugeliger bzw. ovaler Form; Tropfen‹; teilweise als Maßeinheit (mit Stoffangabe): ›Tropfen einer bestimmten Flüssigkeit‹ (z. B. Wasser, Wein, Blut); mehrfach ütr. auf andere Bezugsgrößen: ›sehr kleine, geringe Menge (von etw.)‹; oft im Diminutiv.
Gewisse Beleghäufung für Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
˹
kein / nicht ein tropfen
˺ (+ Verb) ›gar nicht‹.
Bedeutungsverwandte:
(im Diminutiv ›kleinstes Teilchen von etw.‹), (
der
), (metaphorisch ›kleines Teil‹); vgl.  2, .
Syntagmen:
tropfen empfangen / fangen / lassen / regnen / trinken,
[wohin, z. B.
in die hand, in die augen
]
nemen / tun / wälzen / werfen, einen t
. (z. B.
wassers
)
begeren / versuchen, in etw
. (z. B.
in wein
)
giessen
;
ein t
. (Subj.)
fallen / herabfliessen / schmecken
›riechen‹
/ stehen / zergehen,
[wo, z. B.
in js. herz
]
sein, aus einem fas fliessen / kommen, e. S. gleichen, die welt von sünden rein machen
;
des leidens
(Gen.obj.)
jn. als ein t. dünken
;
etw
. (z. B.
das har
)
vol tropfen sein
;
etw. mit tropfen abwaschen / behenken / vermischen, um einen t. zanken
;
ein t. bieres / blutes / eiters / giftes / wassers, christlicher gedanken, blutigen schweisses, der liebe, der süssigkeit, ein t. armoniaci, ein t. blut / freundlichkeit / vernünftigkeit / wasser / wein / weisheit
;
ein t. von balsam / unsers hergottes blutes
;
ein heiliger / kleiner / roter / reiner / runder / unsichtiger t
.;
alles bei einem t
. ›alles, bis auf einen Tropfen‹,
etw
. (z. B.
js. tugend
)
als das mer wieder einen tropfen sein
(Tendenz zum Phrasem).
Wortbildungen:
tropfächtig
,
tropfenweise
,
tropffal
›herabfallender Tropfen‹ (a. 1483).

Belegblock:

Luther, WA (
1530
):
Ich der ich nicht ein tropffen weisheit hab und der feind hat ein gantzes meer vol, dennoch sol er mir nicht wissen noch kunnen schaden.
Ebd. (
1532
):
liessen sie kein kornlin, fissch [...] unvergifft, nicht einen tropffen birs yhm keller.
Ebd. (
1537
):
wenn schon jemand fur mich gestorben were, so hilfft mich doch sein tod keinen tropffen, dadurch mir einen gnedigen Gott zu machen.
Ebd. (
1544
):
was ists, daraus kind gemacht wird? Ein tropfen bluts, sonst nichts, Gottes wort ists.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
125, 2541
(
Magdeb.
1608
):
Der hat kein Ehrlichn tropffen bluth / | Der dem vnschuͤldign schaden thut.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
min har ist noch trophen vol, | seht rechte an dem selbin dol.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Nû nemen wirz in der sêle, diu ein tröpfelîn hât vernünfticheit, ein vünkelîn, ein zwîc.
alles sînes lidennes sol in dünken als kleine, rehte als ein tropfe wazzers gegen dem wilden mer.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Mainz
1605
):
Fuͤr trawrigkeit deß hertzen, | [...] | Floß von dir tropffenweiß, | Reichlich der blutig Schweiß.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
66, 18
(
Frankf.
1535
):
Der [ametist] aber ist wie ein tropffrodt wein mit wasser vermischt.
Ebd.
198, 13
:
mit einem troͤpfflin armoniaci vermischt [...] heylen sie [gruͤnspan odder kupffer rost] die fisteln.
Stoltzius, Chym. Lustg. (
Frankf./M.
1624
):
[Ein lieblicher Platzregen] waͤschet ab / sauber vnd rein / | Vnsr Leiber mit den Tropffen sein.
Strauch, Par. anime int.
56, 20
(
thür.
,
14. Jh.
):
alse der einen tropphin waszeris guze in vil winis, der forlusit varwe, geruch und gesmac.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
58, 25
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
[Wein,]
der do truft us dem risse des czwigis der palmen, [...] wy man troppin veet und trinkit.
Keil, Peter v. Ulm
97
(
nobd.
,
1453
/
4
):
thu es [salbe] in die augen, ein tropffen oder zwen.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
[...], daz dich got [...] hinnan wil nemen zuͦ dem grundlosen burnen, us dem du nuͦ ein troͤpfelin hast versuͦchet.
Chron. Strassb. (
els.
,
E. 14. Jh.
):
[der Verstorbene]
kam her wider [...] und warf drige droppfen eiters uf sinen gesellen, die brantent in durch sine hut.
Goldammer, Paracelsus
2, 427, 1
(
1532
/
4
):
[der reich purpurmann] begert also nun ein tropfen wasser an Lazaro.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
dar umb sol man Got zuͦ kainen hailgen zellen, wan sin tugend sint reht als daz mêr wider ain trophen.
[...] daz er dir gebe ze versuͦchen ainen tropfen siner suͦssekait.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
4327
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Unsaglich was sin marter gross, | Das als sin bluͦt da von im floss, | Das er nit hett ainen tropfen me.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
536
(
Genf
1636
):
Tropffechtig / ein tropff nach dem andern.
Maaler (
Zürich
1561
):
Troͤpffle (das) Guttula.
Wyss, Luz. Ostersp.
4387
(
Luzern
1571
):
So hand ir hie ein salb so guͦtt, | Das iederman erfröwen thuͦtt. | Ein tropff schmöcktt durch ein gantzes hus.
Morrall, Mandev. Reiseb.
35, 24
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
niement ainen tropffen [balsam] in úwer hand und hond sie an der sunnen.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
als er unter dem veigenpöm sas; da vilen troppfen ab den veigenpletern auff in.
Bauer, Geiler. Pred.
316, 7
(
Augsb.
1508
):
gaistliche ewige hymelische ding / hertzigend sy [die sel] nit aynen tropffen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Von dem tawe. [...] sô entsleuzt sich der gar edel dunst in sô zartez wazzer und in sô unsihtigeu tröpfel.
Bauer, Imitatio Haller
86, 26
(
tir.
,
1466
):
wer da hiet nur ainen troppfhen der waren lieb, der würd nicht vil achten der weltleichen vnd irdischen ding.
ders., WA Tr. ;
Quint, a. a. O. ;
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
56, 12
;
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
3705
;
J. W. von Cube. Hortus
75, 14
;
Kehrein, a. a. O. ;
Belkin u. a., a. a. O.
188, 14
;
Pfeiffer, a. a. O. ;
Pyritz, Minneburg
4314
;
Gille u. a., M. Beheim
84, 99
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Stopp, Kochbuch S. Welserin
98, 5
;
Andreae. Ber. Nachtmal
61r, 17
;
Klein, Oswald
18, 7
;
Mylius
A 8r
;