treuten,
auch
trauten,
V.;
zu
mhd.
triuten, trûten
›lieb haben; umarmen‹
(Lexer
2, 1519
).
– Gehäuft ˹frühes und mittleres Frnhd.; Verstexte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘˺.
1.
›jn. / etw. lieb haben, lieben, liebkosen; jn. herzen, küssen‹; häufig auch: ›mit jm. schlafen‹; teils mir poetischen Anspielungen / Verhüllungen; in den Belegen sind die einzelnen Nuancen nicht immer klar zu trennen.
Im mittleren Frnhd. auslaufend; meist Texte gebundener Form.
Phraseme:
jm. den flachs treuten
(erotisch anpielend).
Syntagmen:
seinen gemahel, die jungfrau, das herzlieb, sein weib, einen bracken t., js. leib
(pars pro toto)
t
.;
das freundliche treuten
.
Wortbildungen:
treutel
›Liebchen‹.

Belegblock:

Quint, Md. Karl u. Eleg.
1727
(Hs. ˹
thür.
,
n. 1455
˺):
Den vngetruwē he [Ellegast] sparte | Dor v̄me, dz he karles swesterlin | Trutet vnd wz dy fröwe sin.
Gille u. a., M. Beheim
22, 127
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wann er mit ganczen treuen, lieb und stet | Sein elich weib treuten und lieb wirt hon.
Mayer, Folz. Meisterl.
50, 193
(
nobd.
,
um 1480
):
Wie zart | Wart | Herczlib von lib getrewt.
Sappler, H. Kaufringer
14, 236
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
da er nun trütet iren leib | und mit ir lebt in fräudenspil.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 68, 307
(
schwäb.
,
1471
):
Nun hab ich doch gesehen dick | Süfz vnd gar lieplich plick, | Auch friuntliches treẅten, | Zwischen zwain leẅten.
Pfaff, Tristrant
142, 10
(
Augsb.
1498
):
Als sy nun den
[
pracken
›Schoßhund‹]
gestrichen und getrautet, truͦg sy yn wider in sein haus.
Klein, Oswald
70, 7
(
oobd.
,
1408
?):
Gretel, wiltu sein mein treutel? | so sprich, sprichs!
Ebd.
76, 26
(
1408
):
swenzel, renzel mir den flachs! | treut in, wiltu, das er wachs!
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 166, 29
;
Sappler, a. a. O.
14, 82
;
209
;
Schweiz. Id.
14, 1549
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 447
.
2.
›jn. lieben‹ (von Gott als Liebendem gesagt; vereinzelt); dazu reziprok: ›jn. / etw. lieben‹ (vom Menschen mit Bezug auf Gott bzw. das Wirken Gottes gesagt).
Alteres und mittleres Frnhd; Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
 45, ; vgl. (V.) 1,  1, ,  9,
2
 7.

Belegblock:

Valli, Baldemann
244
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Den starb zuͤ O
u
ch der keiser frum. | [...] | Got in in himel trute.
Hübner, Buch Daniel
1866
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
welch ein richer vunt | Ist er [der schatz] geistlichen luten, | Welche en wellen truten! | Wand Got ist ir und sie sin.
Gille u. a., M. Beheim
125, 77
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
daz sy mit uns und wir mit in | gat den hern mit pegerden | Liep czu habenn und cztreüten.
Rieder, St. Georg. Pred.
275, 1
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
daz dú sele irn gemaheln trútet und umbvaht mit hitze in suͤsser minne.
Primisser, Suchenwirt
5, 30
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Di heilig geschrift und goͤtleich chunst | Chund er in hertzen trewten.
Päpke, Marienl. Wernher
14708
.
3.
›etw. hoch achten, schätzen‹; mit Betonung unterschiedlicher Aspekte im Einzelnen auch: ›jn. / etw. freundlich begrüßen, jn. bei sich aufnehmen‹; ›jm. helfen‹; ›jn. besänftigen, beschwichtigen‹; ins Negative gewendet: ›jm. schmeicheln‹.
Literarische Texte gebundener Form.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  3, , ; vgl.
1
 3, (V.) 2, ,  4,  2.
Wortbildungen:
treute
›Wohlmeinen; Hang, Neigung‹.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel
2536
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Gliche geschiet den luten | Die mit ir spise truten | Den armen zu aller zit.
Pyritz, Minneburg
4114
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
[die Mynn] Sprach von allen luten | Die die unstete truten.
v. Groote, Muskatblut
95, 15
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Auch fursten herren gar gemeyn | rede ritter vnd knechte | [...] | priester buͦman vnd hantwerk lude | nyemant helt recht waz man gebüdet, | ir loff ich nit uff erden truͦde.
Sachs
14, 103, 7
(
Nürnb.
1550
):
Ich [Fraw Warheyt] kam hienein in die stadt-maurn | Zu burgern unde den kauffleuten, | Die theten mich im anfang dreuten.
Ebd.
16, 463, 11
(
1563
):
Dem herren sie [Der schmaichelhaften heuchler schar] schmeychlen und trewten.
Ebd.
23, 16, 14
(
1528
):
war er [Albrecht Düerer] pey füersten und herren | Erlich gehalten [...] | Und pey all kunstlichen wercklewten, | Die noch sein kunst loben und drewten.
Ebd.
165, 9
(
1559
):
Pappagay pein lewten | Ist geren, die in drewten.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 48, 5
(Hs. ˹
alem.
,
1. H. 14. Jh.
˺):
Genuge herren haben wandelberen mut, | [...] | so sie dürfen liute, | ir riche rede, ir süze wort nemens um niuwe triute.
Klein, Oswald
59, 1, 14
(
oobd.
,
1422
):
das sis ain andern treuten kan, | der mir vil laides hett getän, | das laidot mir mein essen
(hier wohl ›jn. umgarnen; jm. schöntun‹).
Ebd.
112, 218
(
1438
):
Der keiser nimpt auch geren güt, | vil fürsten han denselben müt: | [...] | da für ich gsatzte recht wol treut.
Ebd.
117, 12
(
n. 1438
):
Mit zwelferlaie trunckenhait, | darnach und jeder ist geschickt mit underschaid | der sinne brait nach der nature treute.
Gierach, Märterb.
7277
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
do er [der pabst] hort der herren sin, | er trewte sy czü im liepleich.
Ebd.
21452
:
do in der pabst sach ann, | er enphie in willichleich. | si trawtten an ein ander sich.
Schmitt, Ordo rerum
670, 18
.