traum,
der
 ;
-(e)s/-e
+ Uml.;
das Bedeutungsfeld zeichnet sich durch fließende Übergänge aus, viele Belege sind zu verschiedenen Bedeutungspositionen stellbar.
1.
›Traum, dem Menschen im Schlaf oder in schlafähnlichem Zustand erscheinende Ereignisse, Bilder, Erscheinungen‹; oft mit Wünschen oder Ängsten des Träumenden verbunden und deshalb Gegenstand von Deutungen;
in dieser Nuance offen zu 2; zu  1.
Zur Sache:
LThK
10, 326
 ff.;
Lex. d. Mal.
8, 962
 f.
Phraseme:
einem traum nicht großen gaum nemen
›einem Traum keine große Bedeutung beimessen‹.
Bedeutungsverwandte:
 3,  1, ; vgl.  3.
Syntagmen:
einen t. / träume haben / auslegen / ausrichten / betrachten / erkennen / sagen / sehen / träumen / verstehen / vertreiben / nemen, der mond die träume aus jm. nemen, der böse geist jm. träume einsenden
;
ein t. / träume
(Subj.)
einfallen, jm. erscheinen / träumen, etw. bedeuten, war werden, aus dem bauch, von got kommen, mannigfaltigen ursprung haben, dem menschen im schlaf vorkommen
,
träume lügen / offenbarungen / zeichen künftiger dinge sein
;
jm. etw. ein t. sein, das leben wie ein t. sein
;
der träume gedenken
;
etw. aus einem t. reden / sagen, etw
. (Subj.)
sam aus einem t. kommen, j. für träume gut sein, in einem t. liegen / springen, etw. im t. dünken, jm. im t. etw. geschehen, etw. ein bild im t. haben, j. nach einem t. weissagen, von einem t. sagen / (er)wachen, jn. von träumen lösen, ein urteil eines traumes willen über jn. geben, j. zu träumen geneigt sein
;
der traum des schlafes / des weibes
;
der böse / furchtsame / grausame / natürliche / schwere / seltsame / süsse / wunderliche t
.;
schnel wie ein t
.
Wortbildungen:
traumausleger
›Traumdeuter‹ (a. 1636),
traumauslegung
›Traumdeutung‹ (a. 1636),
traumgedicht
›phantasievolles Gedicht‹ (dazu bdv.: ,
das
, 7),
traumgemälde
›Traumbild‹,
traumgläubig
›leichtgläubig, sich naiv auf einen Traum verlassend‹,
träumung
1 ›Tätigkeit des Träumens‹ (a 1561).

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
760, 10
(
Lübeck
1639
):
Der Mensch Leben vnnd Wandel / ist wie ein Traum.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1039
(
mrhein.
,
um 1335
):
Herre, des alten wibes drauͦm | salt duͦ nit nemen grozen gauͦm.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
62, 17
(
Frankf.
1535
):
Amandinus erlescht vnd vertruckt alles gifft [...] vnnd macht verstehn die troͤum von außlegung.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth
1, 7, 15
(
Frankf.
1563
):
denn sein [Cyrus] großvatter [...] hatt dem traum nach seiner tochter [...] geweissagt.
Thiele, Chron. Stolle
52, 21
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Do ryt ome syn wip, das her nicht das orteyl gebe ubir cristum umme des troymes willen, der or getroumet hatte.
Sachs
21, 271, 5
(
Nürnb.
1563
):
wer sich auff traum verlat, | Gwönglich den spot zum schaden hat, | Wie hie gschicht [...] | Den traumglaubigen.
v. Keller, Ayrer. Dramen
3014, 33
(
Nürnb.
1610
/
18
):
Er selbst mir offt erschienen ist | Zu nachts im Traum.
Harsdoerffer. Trichter
2, 69, 12
(
Nürnb.
1648
):
Hieher gehoͤren auch die Gesichte und Traumgedichte / deren Jnhalt in gewisser Nachahmung bestehen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
25, 16
(
els.
,
1362
):
Es beschach [...] das der keyser vnd dirre sin oͤberster rot [...] enander ir troͤme sagent.
Rieder, Gottesfr.
232, 16
(
els.
,
n. 1390
):
ihr [brüder] solt wissen, daß ich [...] in der nacht [...] einen traum gehabt gleich einer erscheinung.
Matthaei, Minner. I,
10, 26
(Hs.
15. Jh.
):
mir wircken seltzum treym | gemelt.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 442, 2
(
Hagenau
1534
):
Trewme seind luͤgen.
Barack, Zim. Chron.
1, 245, 6
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Das aber der bös gaist ainem schlafenden mentschen treum insenden und betrügnus fürgeben könde, das bedarf keines erweisens.
Ebd.
593, 32
:
Von mir hastus nit gesehen, | Es ist dir im trom geschehen.
Klein, Oswald
105, 53
(
oobd.
,
1432
):
Her Hanns von Tenemarch | ward auff ain loch gedrungen | [...] | das im die oren klungen, | als ob er lëg in ainem tram.
Munz, Füetrer. Persibein
40, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
in daucht wie er aus ainem schlaff | von ainem trawm vil schwär erwachet wäre.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
275, 20
;
Luther, WA
51, 660, 445
;
Jostes, Eckhart
20, 29
;
Thiele, Minner. II,
1, 20
;
28, 60
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 21, 3
;
J. W. von Cube. Hortus
130, 29
;
Wunderlich, Fierrabr.
50, 16
;
Belkin u. a., a. a. O.
172, 8
;
Österley, a. a. O.
9, 31
;
91, 10
;
Froning, Alsf. Passionssp.
4429
;
Hübner, Buch Daniel
5715
;
Strauch, Par. anime int.
25, 28
;
Bihlmeyer, Seuse
246, 13
;
Rieder, a. a. O.
76, 29
;
Sudhoff, Paracelsus
14, 520, 32
;
651, 6
;
Bauer, Geiler. Pred.
85, 3
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
434, 9
;
471, 26
;
Klein, a. a. O.
5, 30
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
307
;
Weber, Füetrer. Poyt.
201, 2
;
Maaler
406v
;
409r
;
Schweiz. Id.
14, 981
 ff.;
Schwäb. Wb.
2, 334
.
Vgl. ferner s. v. ,
3
 19,  5,  2.
2.
›Traumbild, Gesicht, Vision, Prophezeiung im Rahmen eines übernatürlichen Traumerlebnisses‹;
unter negativem Aspekt offen zu 3; vgl.  2.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  3, (
das
7, , , , ; vgl. ,  3, (
das
3.
Syntagmen:
den t. / träume auslegen / erzälen / merken, aufstützen, jm. einen t. bescheiden, der himmel träume geben
;
der t
. (Subj.)
unnütze sein
;
einem t. glauben
;
im t. etw. sehen, jm
. (z. B.
Jacob
)
im t. eine leiter erscheinen, das buch von den träumen
;
der betrogene t
.;
die deutung, das bedeuten des traumes
.
Wortbildungen:
traumgesicht
›bedeutungsvoller Traum, Vision‹,
traumgotte
›Wahrsagerin, Traumdeuterin‹ (dazu bdv.:  3, ),
träumung
2 vermutlich ›Verheißung, Prophezeiung‹,
traumweise
›als Traum, nach Art und Weise des Traums‹.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel
758
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
daz dir, kunic hoch, | Wurde kunt uf waz sich zoch | Din gedanke in der zit. | Troum gesichte also lit.
Ebd.
3568
:
Merke nu diz troumelin, | Bescheide mir en da bi, | Wie daz sin beduten si.
Thür. Chron.
15r, 23
(
Mühlh.
1599
):
[Constantinus] erlangte derowegen von Gott Deutung deß Traums.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
292v, 31
(
Leipzig
1588
):
Da dem Patriarchen Jacob [...] im Traum eine wunderbarliche [...] hohe Leiter erscheinet.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
167
(
Nürnb.
1517
):
Darumb söllen die gleißner aufhören, [...] ire treum zu erzelen.
Turmair
1, 365, 37
(
Nürnb.
1541
):
die Griechen hiessens sibyllas, die Teutschen aber allraum oder traumgotten.
v. Keller, Ayrer. Dramen
3008, 29
(
Nürnb.
1610
/
18
):
Denn eim solchen Traum vnd Gsicht | Ist in Warheit zu glauben nicht.
Sudhoff, Paracelsus
8, 247, 30
(
1530
):
kan der himel den ganzen leib füren und regiren [...]. kan er treum, visiones im schlaf geben.
Goedeke, P. Gengenb.
119, 69
(o. O.
1516
):
Det sie [reinigkeit] nit Joseph hoch erheben, | Vnd macht Danielem troͤüm vßlegen.
Koller, Ref. Siegmunds
330, 28
(Hs.
um 1474
):
hie hernach vindestu, wie sich küng Fridrich regiret nach dem als im fürkom in traümsweiß nach der heiligen ordnung.
Andreae. Ber. Nachtmal
440, 3
([
Augsb.
]
1557
):
es solt der verstandt / verklaͤrung vnnd eroͤrterung diser vnainigkait vnd traͤwmung stehn in disen fuͤnff woͤrtlein.
v. Keller, a. a. O.
34
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
29, 19
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
71, 26
;
120, 20
.
Vgl. ferner s. v.  3,  1,  4,  2,  1.
3.
›Träumerei, Wunschvorstellung, Irrtum, Hirngespinst, Lügengebilde, Schein; (dem jeweiligen weltanschaulichen Gegner zugeschriebene) falsche Lehre, Ketzerei‹; meist abwertend gebraucht;
vgl.  2.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte
(bzw. im Orientierungsfeld): , , (
das
3,  2,  3,
1
 6,  12,  1, ; vgl. , ,  1e,  2,  2,  1,  12,  12,  1,
2
 5, ,  1, .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
träume zu den oren lassen, jm. träume einzwingen, der teufel einen eigenen t. haben
;
die natur ein t. sein, sich etw. ein t. sein lassen
;
durch t. unglauben stiften, etw. für einen t. halten, im t. mit bilden / formen umgehen, in träumen leben, nach seinem t. etw. zunichte machen
;
der t. zerrütteter hirne, träume der falschen lere
;
der eigenköpfige / erdichtete / falsche t
.
Wortbildungen
träumeschwätzer
›Betrüger‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Schöpper
95a
(
Dortm.
1550
):
Fabel gedicht mär märly fabeley / tandt fundt fuͤndlin traum / geiffer.
Luther, WA
10, 1, 2, 3, 16
(
1522
):
an statt der warhafftigen dinger gehet er [der mensch] umb ym trawm mit eyttell bilden und unnutzen formen der warhafftigen gutter.
Gropper. Gegenw.
6v, 15
(
Köln
1556
):
Dweil sunst eyn jegklicher mūtwilliger Freueler [...] die Gebot [...] Gottes [...] nach seinen eygenkoͤpffigē erdichten Troͤmen / gar zu nicht machen [...] moͤcht.
Ulner
299
(
Frankf.
1577
):
Luͦgen. Träumen / Mährlein / fabeln / geticht / Vnwarheit / [...] / Weiber gedinge / [...] / schwencke.
Gille u. a., M. Beheim
235, 37
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
auch wirt unglaub durch traum gestifft.
Bell, G. Hager
1, 2, 22
(
nobd.
,
1592
):
Dar in wir detten leben | jn Der welt in jerthumen | vnd threim der falschen lehr.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 709, 3
(
Nürnb.
1631
):
Sag an was Peyn du must außstahn, | Viel haltens fuͤr ein Traumen.
Anderson u. a., Flugschrr.
9, 8, 2
([
Straßb.
]
1524
):
Die kirchgnossen seind schuldig [...] zuͦ beschirmen die / so inen das wort gottes [...] lauter anzeyge͂ / hye gond zuͦ grundt [...] Luge͂der vñ traume͂schwetzer.
Maaler
128v
(
Zürich
1561
):
Fabelwerck (das) Erdicht ding / Traum.
Mieder, Lehmann. Flor.
760, 4
;
Luther, a. a. O.
33, 229, 21
;
Opitz. Poeterey
11, 28
;
Froning, Alsf. Passionssp.
606
;
Jahr, H. v. Mügeln
2277
;
Kehrein, a. a. O.
1, 5, 10
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 58, 13
;
Schweiz. Id.
14, 983
.
Vgl. ferner s. v. .