trager,
träger,
der
 ;
-s/-Ø
.
1.
›j., der eine Last trägt, transportiert; gewerblicher (beauftragter oder verpflichteter) Träger, der für seine Arbeit Lohn empfängt; Lastenträger‹ (allgemein); in mehrere Richtungen spezialisiert: ›Bannerträger‹; ›Leichenträger‹; vereinzelt: ›Stadtbediensteter mit spezifischen Aufgaben‹; auch: ›Lasttier, Esel‹;
vgl.
1
 12.
Vorwiegend Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
 1,  2,  ; vgl. .
Syntagmen:
den t. rufen, zu den seiten laden
;
der t
. (Subj.)
sich niederbiegen, um lon tragen, etw
. (z. B.
eine tonne
)
laden
;
j. ein träger sein
;
den trägern etw. geben
(z. B.
nägel
 ) /
einsacken
;
für den träger etw. ausgeben, nach den tragern senden, ein begräbnis mit tragern bestellen
;
vier trager
.

Belegblock:

Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
142, 31
(
preuß.
,
1400
):
so habe wẏr wedir usgegebin vor ẏn 19 sc. minus 6 ₰ den <oltrėgeren [...] Koͤrners spicher in unsern spicher czu brengen.
Toeppen, Ständetage Preußen
1, 199, 4
(
preuß.
,
1412
):
welch treger eyn vngemerkte tonne treyt, der sal seyne busse nicht wissen.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
1, 508,
Anm. 3 (
mosfrk.
,
1531
):
erkent der scheffen [...] 2 dreger
[Esel],
die sol er laden zu den seiten.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
218, 10
(
omd.
,
1554
/
1633
):
Ihme gebührt auch, [...] das begrebnus mit den leichtüchern unt trägern zu bestellen.
Päpke, Marienl. Wernher
11413
(
halem.
,
v. 1382
):
Och muͦstent alle ir trager sich | Da nider biegen wirdeklich, | Als ob sú spræchent ir gebet.
Maaler
405v
(
Zürich
1561
):
Trager / Der etwas tregt vmb lon.
Müller, Welthandelsbr.
216, 11
(
schwäb.
,
1506
):
Zu Nurnberg gipt man von 50 in 60 ₰ negl den tragern auf schaw zu machen.
Chron. Augsb.
1, 108,
Anm. 2 (
schwäb.
, zu
1396
):
4 ₰ d. den tragern die die sturmgloggen luten.
Pausch, Ital.-Dt. Sprachb.
250, 16
(
oobd.
,
1424
):
Man muez nach den tragern senten.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
4870
;
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 260, 9
;
Kläui, Schweiz. Urbare
3, 189, 23
;
Koller, Ref. Siegmunds
219, 19
;
Müller, a. a. O.
251, 19
;
Schweiz. Id.
14, 567
 f.;
Schwäb. Wb.
2, 307
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 125
.
Vgl. ferner s. v.  1,  4, .
2.
›j., der etw. am Körper trägt‹;
vgl.
1
 3.

Belegblock:

Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
449, 5
(
oobd.
,
1349
/
50
):
[der stain] hilft auch den frawen in der gepurt und macht seinen tragær sicher und genæm.
Ebd.
456, 16
:
wan [...] der stain beschermt seinen tragær vor himelplatzen und von donr.
3.
›Vertreter, Repräsentant, Unterstützer einer Institution, Organisation oder Weltanschauung‹; speziell: ›Christus als Träger der Sünden‹; Ütr. von 1.
Vorwiegend Texte religiösen Inhalts.
Phraseme:
trager des liechts
›Luzifer‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , ,  2,  ; vgl. , , (
der
),
1
 3, , , .
Syntagmen:
j. träger sein, js. t. werden
;
etw. mit den tragern tun
;
der t. der ehe, des tempels
.

Belegblock:

Luther, WA
21, 302, 3
(
1544
):
das verdampte Bapstumb mit seinen Seulen und Tregern, den Moͤnchen
(metaphorisch; vgl. 5).
Mathesius, Passionale
53v, 22
(
Leipzig
1587
):
[Christus] wird auch unser Treger / vnnd nimpt beyde vnsere straffe vnd schuld auff sich.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
2, 421, 58
(
Straßb.
1466
):
Wann einer ist ein trager
[
Luther
1545, Jak. 4, 12:
Gesetzgeber
]
der ee vnd ein vrteiler.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch.
5, 3
(
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
All engel sind gut beschaffen und chlare und der liechtist hiez Lucifer alz ein trager des liechtes.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
6143
;
Gille u. a., M. Beheim
70, 18
;
Vetter, Pred. Taulers
423, 25
.
4.
verschiedene Bedeutungen in der Rechtssprache, vor allem im Lehnswesen: ›Lehnsträger, Leistungspflichtiger, Zinsträger; Vertreter, Stellvertreter, Vormund‹; auch: ›Schuldner‹ und ›Treuhänder‹ (
Dwb
11, 1, 1, 1123
);
vgl.
1
 1516.
Vorwiegend obd.; Rechts- und Wirtschaftstexte.
Zur Sache:
Lex. d. Mal.
8, 932
.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):
1
 1, , ,  23, , , , , , .
Syntagmen:
den t. (ent)setzen / haben / niessen / verordnen / verpflichten / wälen
;
der t
. (Subj.)
antworten / klagen / versprechen, etw
. (z. B.
bodenzins
)
liefern, geld einziehen, ein gut niessen, im zins sein, etw. in schrift geben
;
t. sein (über etw.) / werden
.;
einem t. etw. geben / gebieten
;
etw. durch einen t. ausrichten, etw
. (z. B.
den zent / zins
)
von einem t. abnemen / empfangen, zum t. stellen, jm. jn. zum t. geben
;
der t. des dorfes
;
der getreue / neue t., vier trager
 ;
das absterben eines tragers
.
Wortbildungen:
tragerei
›Lehnsgut, als Lehen zur Bewirtschaftung überlassenes Land‹ (a. 1452), (am ehesten hier anschließbar:)
tragerin
›Pflegerin, Amme, Erzieherin, Vormund‹ (dazu bdv.: , , ),
tragnis
›Trägerschaft eines Lehens, Vormundschaft‹.

Belegblock:

Aubin, Weist. Hülchrath
255, 37
(
rib.
,
1563
):
forster, nöeder, kerfer, wiser, dreger und leser setzen und wider entsetzen.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
4, 437, 14
(
Straßb.
1466
):
sy [noemi] gewonet des amptz der tragerin
[
Dietenberger
1534
aufferzeherinn
;
Eck
1537
neererin vnd kindsmagd
;
Luther
1545, Rut 4, 16:
Warterin
]
vnd der zieherin.
Boos, UB Aarau
61, 24
(
halem.
,
1344
):
daz die vorgenanten frowen [...] und Niclaus von Holdern ir trager dú egenanten guͤter han und niessen sullen.
Rennefahrt, Zivilr. Bern
71, 8
(
halem.
,
1526
):
darzuͦ den vyer traͤgern, so soͤllich gaͤlt inzezuͥchen versprochen, gebotten, dem gestrags nachzekommen.
Merz, Urk. Wildegg
179, 11
(
halem.
,
1619
):
darauf [...] ein ewiger Grund⸗ und Bodenzins [...] gelegt wird, für den Gerichtsvogt, Geschworne und Weibel [...] des Dorfes Trager sind.
Hauber, UB Heiligkr.
1, 672, 22
(
schwäb.
,
1388
):
alz die ir vatter saͤlig vor da ze lehen het, und hat in zuͦ tragern geben Jacob.
Mollwo, Rotes Buch Ulm
121, 4
(
schwäb.
,
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
so welen wir mit namen, daz diu selb traknusse gentzlich ab si.
Chron. Augsb.
3, 122,
Anm. 8 (
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
die tochter sol widerumb komen zuͦ iren fründen und tregern.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 312, 12
(
schwäb.
,
1502
):
soll inen von der oberhand oder dem gericht [...] trager verordnet [...] werden.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 752, 6
(
schwäb.
,
1556
):
mugen die pfleger und trager irenthalben clagen und antwurten.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
41, 13
(
m/soobd.
,
1508
):
ist das
[verwitwete]
weib sovil, das si irer kinder tragerin mag sein, so mag si das selb gut [...] emphahen von aim ambtman als ain tragerin.
Brinkmann, Bad. Weist.
65, 1
;
Leisi, Thurg. UB
6, 375, 31
;
7, 528, 12
;
7, 993, 25
;
Merz, Urk. Lenzb.
41, 21
;
79, 9
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
171, 14
;
Rennefahrt, Recht Laupen
192, 20
 f.;
ders., Gebiet Bern
842, 27
;
ders., Wirtsch. Bern
577, 22
;
Hauber, a. a. O.
323, 29
;
Wintterlin, a. a. O.
43, 6
;
Bastian u. a., Regensb. UB
433, 8
;
UB ob der Enns
10, 580, 31
;
Leidinger, V. Arnpeck
510, 30
;
539, 5
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
211, 45
;
Schweiz. Id.
14, 568
 ff.;
595
;
Schwäb. Wb.
2, 307
 f.
5.
›Tragbalken, Balken‹;
vgl.
1
 1.
Bedeutungsverwandte:
,  1; vgl.  1.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
2, 74, 15
(
Frankf.
1557
):
Wenn dich [Balcken] die Zimmerleut behawen, | Zum treger oder stender machen: | So tregst, das dir der halß muß krachen.
Lippert, UB Lübben
2, 286a, 9
(
osächs.
,
1572
):
das (sie) latten und 14 treger uber die vorichtten [...] hereingefurtt.
Vgl. ferner s. v.  8.