torheit,
die
, auch
das
;
–/-en
.
1.
›Dummheit, Einfalt, Einfältigkeit, Unwissenheit; Hoffart‹; auch: ›aus Dummheit resultierende Handlungen‹;
zu (
der
1.
Gegensätze:
, , .
Syntagmen:
eine t. anzeigen / beweisen / erdenken / treiben / tun, unterwegen lassen, jm. seine t. fürwerfen, zu erkennen geben
;
etw
. (z. B.
ein wort, jederman vertrauen
)
(jm.) eine t. sein
;
die t
. (Subj.)
begegnen / wiederfaren, eingerissen, unter etw. verborgen sein, unfal bringen
;
der t. begegnen
;
etw. aus t. tun, etw
. (z. B.
die weisheit
)
durch t. unterdrücken, etw. für t. treiben, das gut mit t. vertun, mit einer t. umgehen, nach seiner t. sprechen, von einer t. abstehen, sich von seiner t. bedenken, von js. t. wegen die stat verlieren, das alter vor t. helfen, jm. etw. (nicht) zur t. messen
;
die t. der menschen
;
die angeneme / grosse t
.;
die erkenntnis der t
.

Belegblock:

Luther, WA
51, 656, 18
(
um 1535
):
Alder hilfft nicht fur torheit.
Ebd.
660, 440
:
Ein weiser man thut kein kleine torheit.
Quint, Eckharts Pred.
1, 171, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Spræchen wir, daz got die werlt schepfete gester oder morne, sô giengen wir mit einer tôrheit umbe.
Ebd.
2, 486, 6
:
alliu wîsheit der engel und aller crèatûren, daz ist ein lûter tôrheit vor der gruntlôsen wîsheit gotes.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb.
3, 287
(
Köln
um 1490
):
De dore spreket na synre dorheyt.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
200
(
pfälz.
,
1436
):
jn dem die torheit der menschen bewiset wirdet.
Froning, Alsf. Passionssp.
665
(
ohess.
,
1501 ff.
):
das der zu dem tode werde bracht | der solche thorheyt hot herdocht.
Schmitz, Schiltb.
31, 21
(
Frankf.
1597
):
wie dann die Narrn selberst [...] nit vertragen koͤnnen / dz jnen jr Thorheit [...] durch einen Narrn fuͤrgeworffen [...] werde.
Anderson u. a., Flugschrr.
11, 7, 29
([
Leipzig
1521
]):
Darumb ßo radt ich dyr [...] du stehest von dißer thorheit ab.
Mathesius, Passionale
44v, 21
(
Leipzig
1587
):
das er
[Jesus]
der Juͤden Ergerniß / vnd der Heyden Thorheit sein werde.
Voc. Teut.-Lat. c iiiijr (
Nürnb.
1482
):
Aweysetreiben ge͂melicheittreiben. torheittreyben od’ unsynnikeittreyben.
v. Keller, Ayrer. Dramen
3015, 22
(
Nürnb.
1610
/
19
):
Secht, was das einfältige Weib | Für so ein grosse Dorheit treib!
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 268, 26
(
Hagenau
1534
):
Yederman vertrawen ist eyn torheit und leichtfertigkeit.
Ebd.
2, 39, 21
([
Augsb.
]
1548
):
Wer antwortet ehe er hoͤret / der zaiget an sein torhait.
Warnock, Pred. Paulis
3, 131
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Das wort des crútzes ist denen, die verderben söllint, ain torhait und ain närschait.
Morrall, Mandev. Reiseb.
18, 4
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
die stat und das land ward verloren von aines jungen mans torhait wegen.
Barack, Zim. Chron.
3, 18, 29
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Zuvil witz und fürsorg mag zu zeiten mehr unfahls bringen, als die thorheit.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
219, 31
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Ob aber yemanntz [...] mir zu torhait meß, der gedenck, das die kunst kainen veindt hat, dan der ir nicht kan.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
134, 9
(
um 1571
, Hs.
1615
):
die Menschlihe weisheit ist eine Thorheit für Gott.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
16, 32
(
mslow. inseldt.
,
1512
):
śie hetten es aus torhait vnnd vnwiśśenhait gethan.
Piirainen, Stadtr. Sillein
152a, 8
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
dy weil ez sich nicht bedenken chan von seyner chinthayt vnd von seyner torhait oder von vnchraft senez lebez.
v. Keller, Amadis
404, 18
;
419, 7
;
Österley, Kirchhof. Wendunmuth
253, 11
;
Neumann, Rothe. Keuschh.
1295
;
Opitz. Poeterey
9, 25
;
25, 5
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
46
;
73
;
77
;
168
;
Grossmann, a. a. O.
117, 24
;
Dasypodius
308v
;
Maaler
400r
;
Schweiz. Id.
13, 1247
 f.;
Schwäb. Wb.
2, 276
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 187
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 123
.
Vgl. ferner s. v. (Adv.) 3,  1,  1, ,  4,  2,  1, .
2.
›Verwegenheit, Übermut, Neigung zur Übeltat, Untugend; Sündhaftigkeit‹; aus diesen Haltungen resultierende einzelne Missetat, Sünde;
vgl. (
der
123.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  1, ,  5,  1, , ,  1, ; vgl.  1.
Syntagmen:
die t. beweinen / leiden, js. t. wissen
;
die t
. (Subj.)
offenbar werden, jn. plagen, jm. etw
. (z. B.
wunden
)
einbringen
;
etw. eine t
. (
vor got
)
sein
;
rede für die t. geben, etw. durch t. tun
;
die grosse t
.
Wortbildungen:
törischkeit
.

Belegblock:

Luther, WA
2, 119, 22
(
1518
/
19
):
dan sund und thorheit mugen die tzartten und feyne heiligen nith leyden.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
678, 5378
(
Magdeb.
1608
):
Wie sonst der Mensch sein Leben wagt / | Wenn jhn sein Suͤnd vnd Thorheit plagt.
Wyss, Limb. Chron.
31, 16
(
mfrk.
, zu
1349
):
daz große dorheit was unde groß vursumenisse unde vurdampnisse ire selen.
Strauch, Par. anime int.
8, 7
(
thür.
,
14. Jh.
):
der sal wisliche rede gebin for alle unse torheit und missedait.
Ders., Schürebrand
10, 15
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
alles, das die welt und die weltlichen hertzen suͦchent [...], das ist also gar eine verblendete affenheit und eine große dorheit.
Roloff, Brant. Tsp.
2157
(
Straßb.
1554
):
Und durch dein dorheit lust und sind | [hastu] Gottes zorn gefuͤrt über dein kind.
Maaler
437
(
Zürich
1561
):
Verwaͤgenheit (die) Torheit / Fraͤfenheit.
Drescher, Hartlieb. Caes.
261, 25
(
moobd.
,
1456
/
67
):
also hat er [der milt Gott] auch bewaint die grossen torischait und truͦcz.
Bauer, Imitatio Haller
96, 21
(
tir.
,
1466
):
Es ist gar ain grosse torhait vnd hertikchait, da der mensch nur gedenkchen ist an die gegenwürtigen czergenkchleichen ding.
Luther, WA
28, 603, 17
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 163, 3
;
194, 4
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
115, 21
.
3.
›Irrsinn, Schwachsinn, Geisteskrankheit; Unsinn‹;
vgl. (
der
3.
Bedeutungsverwandte:
, , (zu
mänig
 2), ; vgl. , .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
js. t. in geduld vertragen
;
sich von t. hängen, j. zu der t. kommen, das [...]
;
js. t. halber
 ;
durch t. willen
.

Belegblock:

Luther, WA
16, 63, 13
(
1524
/
7
):
das Gott unsern sinn brechen und die Menschliche weisheit zur thorheit machen wolt.
Ebd.
16, 98, 31
(
1524
):
damit Mose alhie und Gottes wort auch geschwecht und zur thorheit gemacht werde, So gehet es bloͤdiglich und geringe an.
Behrend, Magd. Fragen
195, 21
(
omd.
,
um 1400
):
der hinge sich in syme husze unde das queme zcu wege von czweyfel adir von rechter torheit.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
28, 41
(
omd.
,
1487
):
Derselbe menliche hercules. darnach zcu solcher torheitt kōmen. das er weÿbes cleÿder angezcogen.
Voc. Teut.-Lat. c iiiijr (
Nürnb.
1482
):
Aweyse torheit. ge͂melichkeit od’ vnsynne. inania. menigkeyt. insania. dementia. vesania.
Österley, Steinhöwels Äsop
360
(
Ulm
1474
/
82
):
Mit toren sol man unverworren syn und ir torhait in gedult vertragen.
Luther, WA
28, 528, 29
;
Österley, Kirchhof. Wendunmuth
244, 14
;
Unger, Richtes Stig
76, 9
.