tapfer,
dapfer,
Adj.,
Adv.
Belege mit anlautendem
d-
weitaus häufiger.
– 1-3 und 6 mittleres und spätes Frnhd.
1.
›wichtig, bedeutend‹; auch auf die Quantität bezogen, dann: ›beträchtlich‹; offen zu 2.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
die tapfere anzal / ärgerung / rechnung / summe / ursache, das tapfere exempel / stük / wort
;
e. S.
(Gen.)
t. bedunken
.

Belegblock:

Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
137, 30
(
osächs.
,
1542
/
70
):
Das gelt [...] sal ganz ubergangen werden, es were dann die sache an ihr selbst so gros, wichtig ader schwer daraus apzunehmen, das dem part etwas dapfers uber die ordnung daraufgegangen.
Sachs (
1552
):
Würd aber mir zu theyl ihr leib | In bulschafftweiß, da geb ich umb | Geltes heymlich ein dapffer sumb.
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 2, 15
(
Coburg
1634
):
Dann ob zwar die Teutschen jhre Sprach nicht aus den Buͤchern suchen / sondern aus der eingepflantzten Natur nehmen: [...] nicht in den Schulen aus dem Munde der Lehren fassen / sondern in der Wiegen aus den Bruͤsten der Mutter saugen / nach dem dapffern Exempel der Wolgebornen Gracchen zu Rom.
Kohler u. a., Bamb. Halsger. (
Bamb.
1507
):
So yemant bey tage von geringen geweychten dingen, ausserhalb der vorgemelten tapffern stuͤck, auss einer Kirchen stele.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
2, 76, 31
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb. ; ;
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 57, 35
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
13, 17
;
Chron. baier. Städte. Regensb.
88, 19
;
Vgl. ferner s. v. .
2.
›angesehen, ehrbar; tüchtig‹; im Unterschied zu 1 über Personen gesagt.
Syntagmen:
die tapferen leute
(mehrmals).

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Magnæ existimationis. | Wolgeachtet fuͤrnem herzlich achtbar weidlich treffenlich beruͤmbt ansehenlich ansichtig benuͤmbt hochachtig hochschätzlich furbuͤndig thewr namhafftig erleucht dapffer ehrngeachtet ehrnuäst ehrenhafft.
Chron. baier. Städte. Regensb.
121, 15
(
noobd.
,
1532
):
Dy rot rur regiret seer bey dem abzug diß reichstags, sturben tapffer leut hie daran.
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 491, 22
(
halem.
,
E. 15. Jh.
; Hs.
17. Jh.
):
Und schicktend uß der gmeind, die da rettbar warend und dapfer, für myne herren.
Jörg, Salat. Reformationschr.
347, 24
(
halem.
,
1534
/
5
):
wie er [Zwingli] sin ding harfür bracht haͤtte uß den tapfersten vaͤttern – Die er aber umzogen hatt [...] jn boͤser meynung.
Memminger Chron. Beschr. (
Ulm
1660
):
Die Stadt Memmingen hatte vor diesem in allen Staͤnden beruͤhmbte vnd dapfere Leut / lasset vns jhnen nachfolgen / vnd in jhre Fußstapffen treten!
Dedekind/Scheidt. Grob.
149, 32
;
Bernoulli, Basler Chron. ;
Lemmer, Brant. Narrensch.
73, 26
;
Vgl. ferner s. v.  2, ,  1.
3.
›mutig, kühn, unerschrocken‹.
Bedeutungsverwandte:
,
1
 5 (mehrmals), , , .
Gegensätze:
, .
Syntagmen:
der tapfere held / könig / kriegsman / ritter / soldat
;
jn. t. angreifen, t. streiten, sich t. halten / weren, jm. t. begegnen / unter augen treten, etw. t. annemen
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Fortis. | Starckmuͤtig hertzhafft mannlich weidlich dapffer.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
567, 1923
(
Magdeb.
1608
):
Kein tapffer that ist ohn gefahr.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
14, 12
(
Frankf./M.
1626
):
Johann von der Burg [...] / der nicht weniger fuͤrtrefflich / mit Weißheit vnnd Rath / als tapffer mit der Wehre in der Handt ist.
Anderson u. a., Flugschrr.
15, 3, 29
([
Worms
1521
]):
Aber ye dapfferer: starckmütiger: vñ tugenthafftiger er gewesen / ye groͤsser veruolgu͂g der Bapst er hat leiden müssen.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
15, 76
(
Zwickau
um 1540
):
Auff das wir [...] soviel muͤglich widder das verfuͤrisch Babstumb dapffer und mit sigk strittet.
Lauater. Gespaͤnste
15v, 19
(
Zürich
1578
):
Ein fuler forchtsamer vnd verzagter kriegsmann / sicht deß fyendts heerzüg für stercker an dañ er aber ist: [...] weñ er nun ein klaͤn oder spaͤcht in einem baum hoͤrt bicken / meint er der fyend seye hinden an jm [...]. Dargegen gibt einem dapfferen redlichen kriegsman deren dingen keins nichts zeschaffen.
Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
[Sy] waren fast dapfer in iren reden und fast manlich im außgang, sagten, sy wollten sterben als gut cristen.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron. (
schwäb.
,
1548
):
Doch habenn sey seych so daffer gewertt und so manlich gewest.
Vgl. ferner s. v.
1
 1,  2, (Adj.) 7,  1,
1
 3, ,  4,  1.
4.
›gut aussehend, stattlich‹.
Syntagmen:
die tapfere gestalt, der tapfere leib
.

Belegblock:

Knape, Messerschmidt. Bris.
28, 25
(
Frankf./M.
1559
):
So waren zwo jungfrawen / [...] denen volgtend jhr vier alter Herren / gantz ehrnhaffter / ernstlicher vnd dapfferer gestalt / vnd begleiteten sie.
Sachs (
1534
):
Inn roter seyden war die ander [göttin], | [...] Viertzig-jerig, dapffrer gestalt.
Ein ohem oder nach verwanten, | Der auch dapffer benaset wehr.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Gewerlich, du hast dar an nit genuͦg, daz du an den kle wol hoflich bissest, du muͦst dinen tapfern lip an griffen,
[kasteien]
dinen geschlifnen zungen binden.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Diu prüstel an den frawen sint gemacht von der nâtûr auz waichem lindem flaisch und die schüllent an den juncfrawen klain sein und tapfer.
5.
›fleißig, ausdauernd‹.
Syntagmen:
der tapfere lerer / weinzecher
.

Belegblock:

Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
der nu tapfere lerer unde bichter hette, des enwart nie so grosse jemerliche not mit disen verherteten steinen hertzen.
Ukena, Luz. Sp.
2598
(
halem.
,
1575
):
Es sind die rechten murenbrecher / | Aber hienebent dapfere wynzächer.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
darnach hertzog Conrat von Francken, ain rechter kriegsfürst, rundt von handt und ser dapfer in seinen kriegsräten und anschlegen, pracht ain große suma volck mit im.
6.
Modaladv. zur Kennzeichnung einer hohen Intensität: ›gar sehr, stark‹; teilweise stärker das Bemühen des Handelnden kennzeichnend, dann: ›nachdrücklich, eifrig, beherzt‹.
Syntagmen:
etw. t. angreifen / annemen / treiben, bei e. S. t. helfen, jn. t
. ˹
abschmeissen / abwerfen
˺ jeweils: ›heftig verprügeln‹
/ schelten
.

Belegblock:

Kohler u. a., Peinl. GO Karls V. (o. O.
1532
):
Wo dann derselbig diebstall [durch rechte hungersnodt] dapffer gross vnd kundtlich were: Sollenn abermalls Richter vnnd vrtheiller [...] Raths pflegenn.
Schorer, Sprachposaun
43, 22
(o. O.
1648
):
Gehen wir von den Cantzleye͂ hinweg / so treffen wir alsbald Leut an / die die Teutsche Sprach auch tapffer helffen verderben / als da seyn die Rechtsgelehrte / Vorspraͤch vnd Anwaͤld.
Boon, St. Prätorius
72, 12
(
Ülzen
1579
):
das gluͦcke der Kinder Gottes koͤmet zwar langsam / aber es koͤmet tapffer.
Schade, Sat. u. Pasqu. (Wittenb.(?) 1542/5):
Bapst zum rattenkönig: Bedenk dein ampt! hau dapfer zuͦ! | Mit inquisiern laß im kein ruͦw!
Wickram
4, 39, 24
(
Straßb.
1556
):
Also ward die sach von den alten gar dapffer getriben / damit es bald zuͦ einer hochzeit keme.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1536
):
dargegen hielt ain erbare zunft gar dapfer bei der oberkait an, und das mit gantzem ernst.
Goedeke, P. Gengenb. ;
Wunderlich, Fierrabr.
21, 6
;
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
627
;
Kurz, Murner. Luth. Narr ;
Wickram
4, 41, 9
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 170
.
Vgl. ferner s. v. ,  2,  10,  1,  3.