tanzen,
V.
1.
›sich nach dem Takt der Musik in bestimmten Schritten und Figuren rhythmisch bewegen‹; auch ütr.: ›sich vergnügen, feiern; fröhlich sein‹ (˹ dazu bdv.: ; ggs.: ›streiten‹)˺; offen zu 2.
Phraseme:
nach js. pfeife t
.;
um jn., etw.
[z. B.
um die braut, um den brotkorb
]
tanzen
›sich um etwas bemühen‹.
Syntagmen:
den keraus t
.;
mit jm. t., auf der hochzeit t., in einem reien t., nach einem getöne / dem pas t
.;
frölich / heidnisch / hübsch / unerlaubt / ungestüm / welsch t
.;
t. und buhurdieren
,
t. und springen
(häufig).
Wortbildungen:
tanzung
›Tanzschritt‹ (a. 1536) (vgl. auch die Wbgg. s. v.  1).

Belegblock:

˹In Sprichwörtern:
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 65, 19
(
Hagenau
1534
):
Wenn dem esel zu wol ist / so gehet er auffs eyß tantzen / und bricht eyn beyn.
Ebd.
306, 2
:
Wer lust zu tantzen hat / dem mag man leicht pfeiffen.
Ebd.
539, 17
:
Es ist keyn kynderspill wenn eyn alts weib tantzet
Lichtenstein, Lindener. Katzip.
208
(o. O.
1558
):
Dasselbige zarte [...] sewberliche fräwlein kundt wol singen [...] unnd auff das hüpscht tantzen: teütsch, wälsch, polnisch.
Luther, WA
30, 3, 224, 28
(
1530
):
Es [...] gehet nicht nach dem recht sondern nach dem gluͤck, wer die braut haben sol, und hilfft nichts darumb tantzen.
Froning, Alsf. Passionssp.
1822
(
ohess.
,
1501 ff.
):
darzu wel ich uwer eygen synn | und myt uch danczen und springen | und myt uch frolichen singen!
Schönbach, Adt. Pred.
16, 26
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
ubertrank, unkuscheit, tanzen und turney und ander suͦndliche dinc.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
140, 29
(
Nürnb.
1548
):
Daher ist es ye vnnd ye / auch bey den Christen gewest / das man auff hoͤchzeyten froͤlichkeyt gepfleget / baß gessen vnd truncken / gedantzet / vnd sonst ehrliche ergetzung gesucht hat.
Bihlmeyer, Seuse
242, 114
(
alem.
,
14. Jh.
):
Hie
[Himmelreich]
sihet man vroͤlich oͮgenblicke von lieb ze liebe gan; hie harphen, gigen, hie singen, springen, tanzen, reien und ganzer vroͤde iemer phlegen.
Koller, Ref. Siegmunds
183, 8
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
in der kirchen mit iren mentelen und schyter sint sie [tuͦmfroͮwen] geystlich, aber uszwendig sint sye weltlich; sy farent zuͦ den hoͤfen, sy tantzent.
Sappler, H. Kaufringer
8, 182
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
da was manig süeß gedön, | darnach die frawen tanzten schön.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 248, 23
(
schwäb.
,
1546
):
Welcher an den hayligen sambstagen, sontagen [...] in den würzsheüßern oder an ander orten spilt, kartet, danzet, unzümblich zuetrinckt und schwert [...], der ist der fraw abtißin verfallen tags ain guldin und nachts zwen guldin.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
5930
;
Opitz. Poeterey
10, 17
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
207, 16
;
Reichmann, a. a. O.
147, 6
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 712, 18
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
346, 2
;
Spanier, Murner. Narrenb.
50, 66
;
Roloff, Brant. Tsp.
550
;
Müller, Lands. St. Gallen
64, 32
;
101, 6
;
Barack, Zim. Chron.
4, 67, 18
;
Heidegger. Mythoscopia
5, 8
;
Klein, Oswald
19, 168
;
West, Dasypodius.
1989, 376
;
Wiessner, Wittenw. Ring
1259
;
6250
;
6380
.
Vgl. ferner s. v. ,  1,  8,  1,  2, , ,  4,
1
 6, .
2.
›sich bewegen‹; oft: ›sich ungestüm bewegen; toben, rasen‹; auch bestimmte Bewegungen bezeichnend, z. B.: ›jn. umkreisen; hüpfen‹; im Unterschied zu 1 vereinzelt auch von Gegenständen oder Körperteilen gesagt.
Phraseme:
mit den zänen tanzen
›essen‹;
mit händen tanzen
wohl: ›schunkeln‹;
auf dem haupt tanzen
›überschwenglich sein‹.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
auf und ab / um etw. t
.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
77, 1081
(
Magdeb.
1608
):
wie die verachte Haußfliegen / | So vns teglich fuͤr augen liegen / | Geboren werdn / vnd ohn verderben / | Jm Sommer leben / im Winter sterben. | Wie jhr halb Brust tantzt ohne bauch.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 77, 2
(
Köln
1583
):
O Jesu [...] Vmb dich dantzt die Jungfrewlich kron.
Wyss, Limb. Chron.
64, 13
(
mfrk.
, zu
1374
):
da irhup sich ein wunderlich gedinge uf ertrich [...], also daz lude huben an zu danzen unde zu rasen [...], unde in dem danzen so filen si etwan dicke nider uf di erden unde lißen sich mit fußen dretten uf iren lip.
Sachs
15, 108, 26
(
1559
):
Ich wolt gern mit den zenen tantzen, | So wil der koch nicht richten an.
Thiele, Minner. II,
18, 5
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
doch so gön ich lieber uff den fuͤssen, | wenn das ich uff dem höpt tantz.
Sappler, H. Kaufringer
16, 179
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
der tiufel [...] ratet oft dem torothen weib, | das si hupf, danz oder ring, | ungewär trett oder spring.
Buch Weinsb.
5, 337, 2
;
Luther, WA
33, 73, 16
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
18, 25
;
Menge, Laufenb. Reg.
5980
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
6, 78
;
Fuchs, Murner. Geuchmat
152
;
Schwäb. Wb.
2, 59
.