tal,
das
,
auch
der
;
-s/-er
+ Uml., selten
oder
-e
, letzteres (+ Uml.).
1.
›Tal; zwischen Anhöhen gelegene Bodensenkung oder Ebene‹; häufig zur Benennung von Flurstücken; in religiösen Texten oft ütr. auf die Welt und die Hölle, dann auch mit pejorativer Bedeutung.
Bedeutungsverwandte:
 1, , (
die
), (
der
125,  3.
Gegensätze:
1
(
der
1, .
Syntagmen:
das feuchte / finstere / grimme / grüne / hübsche / jämmerliche / küle/ lustige / runde / tiefe t.
;
das t. der demütigkeit / hölle / schande / tränen / welt
;
über berg und t
.
Wortbildungen:
talleute
›Bewohner eines Tals‹.

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1582
):
Die anger voller schafe gehn, | Die thaͤle dick von fruͤchten stehn.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
262
(
pfälz.
,
1436
):
demütikeit [...] macht ein tieffe in des menschen hertze, zu enpfahen den jnfluͦsse der gnaden, zu glicher wise als in den talen ist ein zuflüsse der wasser von den bergen.
Palmer, Tondolus (
Speyer
um 1483
):
DO kamend wir in einen iemerlichen tal / Der tal was vol brinendes fures / der tal het ein yserin gedeck.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
der juͤngste Sohn deß Guainacapa auß Peru [...] nam eyn das Theil vnd Thal von America, das zwischen dem grossen Wasserfluß Amazonas vnd Baraquan gelegen ist.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
29, 4
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Dorno ist eyn andir provincie di ist gebirgecht, und ir tale sint gar lustik.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
Nach gehabtem gespreche haben sie forder Nickel Kleptzk reden lasszen, sie hetten die zeedel der regirung des tals wol vernomen.
Opitz. Poeterey
52, 8
(
Breslau
1624
):
Berg‘ vnd thaͤler hoͤrt man ruffen | Bibran / Bibran / tag vnd nacht.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
245, 25
(
Nürnb.
1548
):
Ob ich schon wander im finstern thal / fuͤrchte ich doch kein vngluͤck / denn du bist bey mir.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
din wolstendes kinne, geschickt als ein gefuͤges telli zwúschent den buͤhelen.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
A. 15. Jh.
):
Es hatt der apte von Sant Gallen ein gegni und delr, daz heissent die Appentzeller.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
So wo och das tal aller tieffest ist, da flússet des wassers aller meist. Die telre sint vil fruchtberer gemeinlichen wan die berge.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Bi hochen bergen tiefú tal.
Rennefahrt, Statut. Saanen (
halem.
,
1445
):
Und harumb haben wir die vorgeschribnen lender, örtter und teller [...] by geswornnen eiden uns ze samen verbunden.
UB Zug
1915, 43
(
halem.
,
1507
):
Noch stot uff gemeynem hoff ze Egerj 5½ s, 45 rotten, 11 stein ziger, das die tallút noch nit vindenn kúndenn.
Stammler, Berner Weltger.
194
(
ohalem.
,
1465
):
Die hochen büchel überall. | Die vallent da nider in das tal, | Vnd wirt die welt alle eben.
Eis u. a., G. v. Lebenstein
30, 17
(
oobd.
,
1. V. 15. Jh.
):
Es hat auch vnser libe fraw gesprochen in dem puch der libe: Ich pin ein plvm des tals vnd auch des grvnen waldes.
Froning, Alsf. Passionssp.
5558
;
Jahr, H. v. Mügeln
2202
;
Thür. Chron.
3v, 13
;
v. Tscharner, a. a. O.
74, 23
;
Sudhoff, Paracelsus ;
Menge, Laufenb. Reg.
3974
;
Lauchert, Merswin ;
Vetter, a. a. O. ;
Päpke, a. a. O. ;
Schmidt, Rud. v. Biberach
130, 24
;
Barack, Zim. Chron. ;
Morrall, Mandev. Reiseb.
159, 19
;
Klein, Oswald
20, 59
;
Mell u. a., Steir. Taid. ;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
76, 23
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
123, 23
;
Mylius
B 4v
;
Schmeller/F.
1, 597
;
Öst. Wb.
4, 492
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 186
.
Vgl. ferner s. v.  2,
1
 1, (Adj.),  1,
1
 1, , .
2.
in der Wendung
zu tal
: ›nach unten, hinab, nieder; flußabwärts‹.
Gegensätze:
zu berg
(s. v.
1
 2).
Phraseme:
zu tal schlagen
›etw. oder jn. überwinden, besiegen‹.
Syntagmen:
zu t. fallen / fliessen / gehen / kommen / laufen / neigen
.

Belegblock:

Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Der pais Cyriacus voir myt in her weder | alle den ryn zu dale neder.
Jahr, H. v. Mügeln
113, 6
(
omd.
, Hs.
1463
):
zu berg es [das pfert] lif und ouch zu tal.
Henschel u. a., Heidin
1361
(
nobd.
,
um 1300
):
Die kvniginne sprach zv im | Sich herre daz beste nim | Oberhalbe der gvrtel min | [...] | Oder von der gurtel hin zv tal.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
um 1480
):
Zu reiß die himel deine, | Got her, und ker zu tal.
Sachs (
Nürnb.
1560
):
Des schlag ich all mein forcht zu dal.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Das sin bach hin floss zetal.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1532
):
Und lues zu dal die laster von mir schleiffen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wan wær der mag sleht und glat, sô sliff daz ezzen ê der zeit ze tal und belib ungekocht.
Klein, Oswald
78, 16
(
oobd.
,
1416
):
Dick, smel, kürz, leng, von höch zu tal, so ist ir leib | waidlich possnieret unverhönt.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. ;
Mayer, Folz. Meisterl. ;
v. Keller, Ayrer. Dramen ;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Gierach, Märterb.
10496
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
403, 5
;
Weber, Füetrer. Poyt.
283, 5
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 121
.
3.
in der Wendung
gen tal
: ›nach unten, (tal)abwärts‹.
Gegensätze:
gen berg
(s. v.
1
 2).

Belegblock:

Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
32, 7
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
wann alle ding haben sich verkert: das hinder herfür, das foder hinhinder, das under gen berg, das ober gen tal.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
darnach fuert man ain guldin renfanen mit ainem schwarzen adler des reichs das haupt gekert gen tal auf ainem verdeckten ross.
Mayer, Folz. Meisterl. ;
Morrall, Mandev. Reiseb.
115, 10
.