sturz,
der
;–/-e
, auch -Ø
, jeweils + Uml.1.
›Fall‹ (e. P. oder e. S. im eigentlichen wie im übertragenen Sinne); ›Niedergang (eines Gutes), Untergang (e. P.)‹; Syntagmen:
j. den / einen s. leiden
(z. B. gahe, von üppigkeit
), nemen
(z. B. von einem pferde, zu der helle
), das gut einen s. gewinnen / nemen, ein spruch einen s. leiden
; mit Genitivmetapher als Bedeutungsträger: falles / todes s
.Belegblock:
darnâch ouch ubir kurz | nam brûder Friderich den sturz | sô hart von eime pferde | [...] | daz er dâvon bleib tôt.
die noch jung und ungeuͤbt ym glawben sind [...], die stehen gar nahe darbey, das sie eyn grossen sturtz und falh nehmen und ynn heymlichen widderwillen und haß auf Gott geradten.
Das ist ein sehr feiner Spruch, der jtzt [...] grosse marter undt einen hardten sturtz gelidden hat, [...], dan sie haben ihnen wider das Abendtmal angezogen.
Damit sein gut vnd all sein hab | Von tag zu tag nam immer ab, | Vnd gwan das guͤtlin bald den sturtz.
Durch den pyonyen wurtze | Fur wenken, valles sturtze | Trag ich by mir in truwen gar | [...] | Daz sie bewar min steten sin.
Nun aber der huͦrer leidt dieser beder guͤtter ein sturtz vnd schiffpruch.
Mitt kracter vnd mitt narren wurtz | Des nymbt er [narr] zuͦ der hell eyn sturtz.
Die des bittren todes sturtz | Von uppekaitt nun hand genomen, | Der wirtt vergessen.
Stuͤrtz / ein Fall / als wañ einer von einer trappen / Baum oder Pferdt scheust und felt.
sy nam da allzú gahen wider sturcz.
2.
›eine schleierähnliche Kopfbedeckung; Schleier, der durch Verlängerung auch den Oberkörper bedecken konnte und sich zum Rock strecken ließ‹; der sturz
wurde von Frauen zum Zeichen der Trauer (speziell in der Kirche, am Grab) getragen, gilt in den Texten (aus der Sicht des Mannes und mit auffallender Häufigkeit) aber auch als Möglichkeit der Verhüllung, des von seinen Trägerinnen gewollten erotischen Reizens, des heimlichen Ausschauhaltens; Obd.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1; 2, , , , 1, , 1; 2, 1; 2, (der
) 4, (mehrfach), , 1
2; 3, 1, , .Syntagmen:
einen s. aufsetzen, auftragen, mangen, tragen, bis auf die nase herab henken, nach seinem vorteil brauchen, eine herzogin den s. fürziehen, der wind die stürze abwehen, den frauen die stürze mit einer narrenkappe bedecken
; die stürze
(Subj.) nicht viel gelten, zu röcken / stauchen werden, jm. gut stehen, an der hecke hangen, der s. den kessel anrüren / bemasen
; die mägde traurig in iren stürzen sitzen, eine frau, die frauen in einem s. knien, sich mit stürzen decken, unter dem s. herab, in alle winkel gluren, j. von einem s
. [einen Betrag] geben
; der baumwollene / weisse / schwarze / seidene s
.; ein weib in einem s
.Belegblock:
sie het einen erbergen frumen reichen kaufman; und man verpot ir die sturtz und veh zu tragen, het man vor hie keiner verpoten.
‚der halpgwachs hat ein solches faß, | so stet mir den der sturcz dest pas‘. | so get sie hin gen kyrchen und glost: | [...] | doch geschicht es alles durch die wu̇nden | die sie hat zwischen den peinen unden.
Der hymel ist kein buͦben sturtz, | Er decket nun die gottes fründt.
Dar vmb kauf dir belz mentel hemd vñ roͤck | Schleyer / Stürtz / schürlitz / vnd sydine letz | Du kerst dich on das nit an predig gschwetz.
Die Frowen henkent ir Schuͤrtz und die Closterfrowen ire Wil fer herab bis uff die Nasen, das man sol wenen, suͤ sigint der welt gantz tod und abgestorben, und glurent aber under den Stuͤrtzen herfuͤr in alle Winkel.
beDeckung der weiber / sturtz Calyptra.
Die tücher muossend wesen fin | Stürzling, flöuger und flöugerlin | Als uff das wildest gemacht; | Darinn nemends der knaben acht | Und land eu öiglin hin schiessen.
Wolt schier durch dinent willen tragen | Hembd, schleyer, stürtz vnd stuchen, | Mich lon nach allem vorteil bruchen.
Es mag gar licht eyn wynd har fegen | Er duͦt den frowen die sturtz ab wegen | Die hangen an den naͤchsten hecken | Die frowen went sich vngern decken.
wie man [wyber] solt den sturtz vff tragen | Vnd in der kirchen dodten klagen.
[wie er] umb sein guettere, [...], andere war, mit namen stuertzen und tuechlich wederumb habe muessen ontfangen.
Maͤntel und stuͤrz wurden selbs zuͦ roͤcken und stuchen.
Sturtz / schleyer welchen die trawrigen weiber auffsetzẽ.
so er sturtz manget
[s.
mangen2
]
oder geferbtes guͦt, davon geit man im ins nemlichen von 5 elen geferbts tuchs 1 den. und von eim frawen sturz 2 den. der kaiser Maximilian [...] lies sie [burgerin] bitten, daß sie seiner kai. mt. zuͦ eren und zuͦ ainer gedächnus wellten kain grossen schlair mer tragen und kainen sturtz; welliche frau aber 50 jar alt wer, die mecht wol ain sturtz tragen.
do ist ain fraw in aim hangenden wagen kommen, gesturzt und gementlt.
Also liess ir die herzogin den sturz fürziehen, [...]; hernach giengen sie mit ainandern in die cammeren, waiss nit, was ausszerichten.
do hab er ain schwarze, lange fraw in ainem weisen sturz bei dem grab sehen knien.
3.
›auf einen Behälter passender, ihm aufgesetzter Deckel‹; häufiger als pars pro toto belegt: ›irdener Behälter, Topf, Tiegel, Krug‹ (Teil des Alltagsinventars, damit teils als Tagesnotwendigkeit, teils als Krempel, Wertloses gesehen); vereinzelt: ›(geflochtener) Korb‹; über das semantische Moment ‚Übergestülptes‘ hier anschließbar: ›Türsturz, obere Abdeckung (einer Tür)‹; ›Dach (eines Kirchturms)‹; ›Abdeckung einer Lichtquelle, einer Feuerstelle‹; Syntagmen:
der topf seinen s. haben
; ein s
. (Subj.) x schu lang / dik / breit sein, die stürze gepulvert schauen, den kräuel in den s. legen, hüner unter einen s. setzen
; der rechte / weite / bekleibete / erene s
.Belegblock:
den leffil und dî sturze | mochte man gepulvert schouwen.
1 eren hantfas, 9 eren storczen czum oven.
Warlich, der topff hat seyne rechte stoͤrtze.
Denne bestuͤrtze den hafen mit einer witen stuͤrtzen.
sall ein ider buttener, der kin wil burnen, ubir sein arbeit habe gute gecleibete sturzen und wol vorwarte luchten mit brantreiten.
Hafendeck [...] sturtz oder kachel.
Koͤpff grueß vnd glas tzu schencken eyn | Sturtz birglas ein becher darbey.
vnd legt in [krewle] in den tegel oder in den kessel oder in den hafen oder in die stúrtze
[nd. Bibel um 1478:
in den kettel efte in dat duppen;
haͤfenDietenberger
1534: ;
kachelEck
1537: ;
töpfeLuther
1545, 1. Sam. 2, 14: ].
Sturtz / Ein Korb vñ dergleichen / vnder welchen man Huͤner / Tauben vnd dergleichen setzt.
ausgenommen was der kupfferne Huet vber den Sturz kostet, weis ich nit
(hier wohl ›Kirchendach‹).
Fur ein sturtzen, die sechs schuch lanck, ein schuch dick, zwen schuch preit ist.
4.
›bestimmtes Stück Metall, Blech, Eisen, Kupfer; die entsprechenden Metalle als Material‹ (als Handelsware, zur handwerklichen, oft baulichen Verwendung); die Motivation von stürzen
her ist aus den Belegen ebenso wenig motivierbar, wie die Bezugssachen kaum genau erkennbar (und damit von 1 abgrenzbar) sind.Gehäuft ˹obd.; Rechts- und Wirtschaftstexte˺.
Syntagmen:
ein tor mit stürzen beschlagen
; ein s. nicht gemäs der ordnung sein
; etw. aus s. machen, mit s. decken
; der s. blech
; der eisene / kupferne / unbearbeitete s.
; das geschok, ein saum stürze
.Wortbildungen:
sturzblech
Belegblock:
1 lichtforme, 3 kellen. 3 kopperne sturtzen.
Auch sol man geben [...], von 1 geschocke schar 1 ₰, von 1 geschocke stuͤrcze 1 ₰, von 1 geschock huffysen 1 ₰.
dem gantzen hantwerg der plattner bey irem pflichten verpieten, das sie solichen bosen zeug der sturz. die nit gemeß der ordnung sein, nit mer kauffen.
Sch und R bewilligen den meysteren decken handtwercks das sy mit sturtz decken, helmstangen beschlachen.
Metall und ysen waar. [...] Ein centner ungearbeitet bley, ysen, stachel, sturtz I schilling.
Daz nebentor, [...] mit yssny stürtzen zu beschlahen.
Es soll der stat paumeister geflissen sein, das er [...] zwai schinn allerlai eisens, von werckeisen, rat, deuchel, [...], auch stürcz und schloß plech, [...], alles zu der stat nottorft pei im ligent hab.
Kupfer, pley, stürtz, zin geit ain gewegner sam ain pfunt perner und ain röss sam VIII groschen.
Roch oder gearbeit Eysen, Stahel, Sturz, Plech, Trahd und allem was daraus gemacht wird 1 C. 40 kr.
a domino iudice 73 Stürcz Blech per asp. 9; iterum 92 Stürcz Blech per asp. 9.
Starzer, Qu. Wien ;