stumpf,
Adj.
1.
›gerundet, stumpf, breit‹; mit Öffnung zu: ›abgenutzt, verbraucht, nicht gebrauchstauglich, nicht verwendungstauglich‹; z. B. ›stumpf‹ (von der Axt, einem Schwert); meist konkret gedachte Bezugsgegenstände, Werkzeuge u. Ä. charakterisierend, von deren Form und genuinem Zweck man die genau gegensätzliche Qualität erwartet, nämlich scharf, spitz zu sein und einen dementsprechenden hohen Gebrauchswert zu haben; auch auf sprachliche Äußerungen ütr., dann: ›unwirksam, wirkungslos, nicht schlagkräftig; kraftlos, machtlos‹ (von Argumenten).Syntagmen:
der pfau
(in der Mauser), das messer, die schreibfedern, die spitze eines kegels s. sein, der besen, die akst, der degen, das schwert s. werden
; j. einen nagel s. machen, jm. die zäne s. beissen
; der stumpfe nagel
(mehrfach) / schu
(im Gegensatz zum Schnabelschuh) / zan, der stumpfe winkel
(Lehnübersetzung von angelus obtusus
), die stumpfe waffe, das stumpfe horn
.Wortbildungen:
stümpfe
die
), stumpfelicht
stumpfnäsig
stumpfschlecht
Belegblock:
Wenn man ein axt lang braucht / so wird sie stumpff / zu geschweigen ein Mensch.
sal man merken, daz etlych geren adir drywynkelecht velt, [...], hot eynen rechten winkel, etlyches eyn stumpen winkel, der do grosser yst wen der rechte winkel.
Auff das aber seyn [Bocks Emßers] spieß und degen nit alleyn stumpff und widderlegt, sondern auch gantz zu nichte werde.
das guͦt leben ist ain scherpff und ain forderung des euangelij, das boͤß leben macht es stumpff.
Er [Carlstad] dacht wol, der schalcks geyst, Sie werden mich mit diesen hellen spruͤchen angreyffen, was will ich thun? ich will zuvor komen und die selben mit glosen matt und stumpff machen. Er sahe aber nicht der tolle narre, das matt und stumpff machen mit eygener glose on schrifft nichts thet, denn das es nur deste scherffer wuͤrde.
Die helle hat die zene an diesem Christo, der das leben ist, stumpff gebissen und hat ire krafft daruͤber verloren.
DAs heisst die Predigt stumpff und unleidlich angefangen, das er so bald beide, Juͤden und Heiden, zugleich in einen klumpen fasset [...].
Darnach zuhandes drugen si rocke [...] und lange heuken, die waren gekneufet vorn nider bit uf die fuße, unde stumpe schuwe.
zeuch dein messer auß der scheiden / | Das stumpff / schaͤrtig / vnd rostig sey.
Und es [kint] an ein gruslich crucz slahen | Mit neil, die wern stomp und langk.
daß aller Mund vestummet / vnnd alle schreib Feddern stumpff seind / daß man weder reden oder schreiben darff.
also daß sie [alte Hund] mit jren stumpffen Zaͤnen die Hasen nicht mehr halten koͤnnen.
Woffel Marschalck [...] hat 1 pferd, ist (ein) gra gesel, stumpfellot unter den augen.
Was man sunst hin und wider swacz, | Pleipt doch sein waffen stumpf am wacz.
die pessen nützen die maurrer auf der meur am ersten, wenn die dann stumpfet werden, so gibt man sie den pflasteren.
Und schnit im ab in zoren | Sein schöne lange oren, | Sprach: „Nun sey vürpas stumpfet, | All dein lebenlang kumpfet, | Plaicher und falber farb“.
so soltu merken ob das mit einem scharpfen oder stumffen waffen gehowen oder geschlagen sy.
Dein [Fraw gerechtigkeit] augen sind dir außgestochen | So ist dein schwert stumpff und zerbrochen.
Stumpff / nicht scharpff / oder spitz / do kein schaͤrpffe oder spitzen hat [...] Obtusus. Mein schwerdt ist (stumpff).
das neue Haus [...] sthumschlecht hinüber in den mitlen holder.
die haimischen [pfâwen] laufent an daz lieht, wie stumpf si sint.
1 seltzam maul oder gebiß vonn einem wunderthier, hatt vil stumpfer oben rund mugelete zän.
so ist deu spitz des kegels in dem augen stumpf, und scheint daz dinch groͤzzer.
2.
auf Sinnes-, Erkenntniseigenschaften, geistige, geistliche wie physische Dispositionen defizitärer Art (meist: des Menschen, selten: sinnlich wahrnehmbarer Gegebenheiten) bezogen, die mit den unter Ansatz 1 angegebenen Eigenschaften in Vergleich gesetzt werden; da das Vergleichsmoment bei Metaphern nicht genannt wird, ist es in einer Reihe von Fällen schwer erschließbar; im Einzelnen z. B.: ›blind, sehschwach‹ (vom Auge); ›unempfindlich, unverständig, robust, stumpfsinnig, ohne Feingefühl‹ (von Personen); ›unvollendet‹ (vom Prozess mystischer Heiligung); ›matt, schwach, stumpf‹ (von Farben); ›mild‹ (vom Winter).Gehäuft älteres und mittleres Frnhd.
Syntagmen:
j., der winter s. sein, die aufrichtigkeit s. werden, eine sache jm. s. ankommen
(subjektbezogenes präd. Attr.), die verständnis s. machen
(objektbezogenes präd. Attr.); der stumpfe anfang / mensch / pickel / sin, die stumpfe farbe / natur / sele
; s. an / in dem sinne, von sinne
.Wortbildungen:
stumpfecht
stumpfsinnig
Belegblock:
Obtusus ingenio. ¶ vnuerstendig grob härtsinnig dumhirnig stölpisch dumm stumpff grobkoͤpffig.
der wintir wart sô stumf, | daz man alliz reisin gar | vorbern mûste und vorbar.
Denn unser hertz ist stumpff, verstockt und verrostet, das es an jm nicht hafftet, es fellet seer bald vom Wort, darumb mus mans jmer handeln.
Wie stumpf ich bin, [...], dannoch weiß ich wol, das ir meiner eren rauber, [...] seit.
Ebd.
22, 36
: Ich han dir genug geraten. Kanstu es versteen, stumpfer pickel?
ie ich lengir sehe uf ein wiz duch oder in daz licht der sunnen, ie mir diz auge stunphir und vinsterre wirt.
solch stumper und kunstlase leüt [geken und torn] | zel ich wol zu den glichtern | Lucivern und sein gnossen.
Tummer grober vngelirniger stumpfsinniger.
Ebd.
ff vv
: Stumpffer torechter unseliger. infelix miser. [...]. Stumpffheit narheit torheit grobheit odʼ vinsterheit. obtusitas.
diese ding alle werden von der eynigen trunckenheyt erlegt / vnd auß des weins uͤberflus stumpff.
wir [...] antwurten ze stund daruff: Die sach wer uns ze stumpf ankomen. Darumbe wir sy baͤten uns der anmuͦtung ein abgschrifft ze gebend.
Dise stumphen selen die alsus ir zit volbringent, si tuͦnt kume als vil das si dem tegelichen das in zuͦ velt, bezalen.
und ist der sin siner missiven mit eime stumppfen anefange und ende alsus sprechende: Ein werg gottes wart ane gevangen ußer großer goͤtlicher gehorsame und in großer demuͤtiger geloßenheit und in großem getruwende gotte.
das ich vorauß not denen, die da woͤllent haben ain scharpffe verstentnus. das sy sich huͤten vor übrigem essen unnd trincken / wann es machet die verstentnus vast und seer stumpff.
wes lefsen grôz sint, der ist ain tôr und stumpfes sinnes.
wem die füez unden ze paiden seiten und diu pain grôz sint, daz bedäut ainen stumpfen menschen und unschämigen.
WER STUMPFES SINNES SEI. Der ist ainr stumpfen nâtûr, der gar weiz ist oder gar praun [...]. der ist auch stumpf, der vol flaisches auf dem hals ist [...] und an den stucken des leibes.
im was stumpphat das har | und einem leben geleich gevar.
3.
›unfreundlich, brüsk, harsch, kurz angebunden; nichtssagend‹ (von einem Brief).Syntagmen:
ein brief s. sein
; s. herlaufen, jn. s. abweisen / sehen, etw. s. abbrechen, den reichstag s. abkündigen, jm. s. antworten, zu erkennen geben, das [...]
; die stumpfe antwort
(mehrfach).Belegblock:
ewr ratschlag war da voller weisheit und verschuffs, das der selbige Reichstag stumpff, schimpflich und schendlich ward abgekundigt.
es ist stumpff und kurtz abgeprochen, das sie die warheit nicht verstanden haben.
Da gibt ihn der Herr warlich eine Stumpffe anwort: Du bist mir eine gutte fraw, du unnd deine 2 sohne, sonst alle 3 narren.
Ebd.
408, 4
: Also weiset sie der Herr alhier auch gantz stumpff und durre ab, wen [...].
und huben noch ahn [...] den rathmannen und die meister zu bitten, [...], das sie so gar stump von ihnen nicht abgeweist wurden, sondern [...].
desgleychen die obverleypt, stumpf, schriftlich anwurt, so hauptlewt [...] dem auschuß der gemaind [...] gegeben hetten.
als ir uns [...] angelanget und ingehaime gepetten habent, unsers heyligen vatters des baubstz mahnung zu erfarn, und wie sy euch stumpf zu erkennende gegeben und geantwortet haben, das [...].