stumpf,
stumpen,
der
;
-es/
auch
Ø
+ Uml.;
zum Verhältnis der beiden Formen s. .
1.
›Baumstumpf, Baumstrunk (als über der Wurzel befindliches, beim Abholzen stehen gebliebenes unterstes Stück des Stammes); abgeholzter Baumstamm‹; er ist Gegenstand für bauliche Zwecke, begehrtes Objekt für Diebstähle, Forstfrevel und für dementsprechende Rechts- und Strafregeln; teils fungiert er als Orientierungspunkt für Grenzbeschreibungen.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme:
mit stumpf und stiel
(auch zu 2 stellbar).
Bedeutungsverwandte:
1, 1, 1,
1
1, 1; 6, ; vgl. 3; vgl. 6.
Syntagmen:
einen s. (ab)hauen / kaufen / verkaufen / verbrauchen, jm. geben, an einen etter herauskeren
;
der s. x schuhe lang sein, verfaulen, in der erde bleiben
;
j. auf einen s. fallen, jn. auf einem s. erwütschen, jm. die hand auf einem s. abschlagen, bei einem s. einen baum setzen, etw
. (einen Holzdiebstahl)
mit einem s. büssen, von einem s. etw. bessern / büssen
;
der s
. [+ ein Betrag; Genaueres im ];
der s. des apfelbaumes
;
der alte / rüstene s
.;
die armbrust mit stumpen
.
Wortbildungen:
˹
stümmen
,
stümpeln
1˺ ›(Bäume) fällen‹ (Ersteres als assimilierte Form semantisch hier anschließbar),
stumpfgeld
›Abgabe an den
auman
, Baumstümpfe nutzen zu dürfen‹,
stumpflöse
›Abgabe für das Recht, den Stamm vom Stumpf zu lösen‹ (so
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
).

Belegblock:

Kollnig, Weist. Schriesh.
248, 24
(
rhfrk.
,
1571
):
Waß aber auß weiden und aderm holz gelost wirdt, geburt dem closter allein, und hat der auwman, nichts daran, allein das stumpfgeld.
Grimm, Weisth. (
els.
,
1320
):
Ist das er [vörstir] der pfenninge nut mac han, so sol er ime die hant uf dem stumphe abe slahen.
Ebd. (
srhfrk.
, o. J.):
er (förster) sol ouch haben alle die todten bome in dem wald und die afterslage, die in dem walde erlöset werden, und die stumpflosen.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
der ritter höve und hüsere zerstortent sü untz in den grunt und ir boume stümetent sü.
Leisi, Thurg. UB
7, 602, 28
(
halem.
,
1387
):
dz er usser des almuͦsens holtz ettelichú hoͤltzer und etwie manigen stumpen gehowen und zuͦ dem hus verbruchet haͮt.
Argovia (
halem.
,
1535
):
Ob einer wölt ein hus machen oder bessren, der sol bitten den apt [...], vmb holz, [...]; gebe aber er ims nit, so er in gebittet, so sol er es selb hovwen vnd sol vf jecklichen stumpen iij d. legen dem forster.
Ebd. (
1585
):
Welicher in den hölzeren ein stammen, houpt oder stumpen macht on erloupnus, der soll von jedem stumpen dry schilling zuo buosz geben.
Ebd. (
1609
):
Wann einer [...] an sinem Hûs [...] renouiern, Soll doch keiner für sich selbs khein Stumpen nit abhouwen.
Schib, Urk. Laufenb.
290, 41
(
halem.
,
1586
):
stein ..., welcher in Lorentz Rollers matten bey einem alten abgehouenen stumpen eines öpffelbaums gesetzt sol werden.
Maaler (
Zürich
1561
):
Gestümplet / Abgehauwen. Truncus.
Stumpff / stock / der in der erden stecken bleibt / weñ man einen baum abhawet.
Hauber, UB Heiligkr. (
schwäb.
,
1498
):
wie die von Erenstorff ain gemaine tratt haben mit den von Nuͤwfrow bisz an den stumpen oder storren da by der spiesz stecke, da sye ain sul in kurzen jarn by gestanden.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 789, 44
(
schwäb.
,
1607
):
hin und wider aber in wälden vil heher stumpen, klötz, afterschäg und ligerling, welche man muetwillig stehn lassen und nur daraussen verfaulen müessen, verhanden.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
, Hs.
A. 16. Jh.
):
wer ainen zaun zeint und kert die stumpf an den ettergerten heraus, als oft ain gerten als oft 12 ₰.
Qu. Brassó
4, 248, 30
(
siebenb.
,
1658
):
dass die Leut verbrennet, zerhauen, zutreten, in grosse Menge gelegen sein, die andren alle, [...], mit Stamp und Still in die Robbei geführt.
Kläui, Urk. Kaiserstuhl
199, 9
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen ; ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
2.
›kurzer, rundlicher, einem Baumstumpf verglichener Gegenstand verschiedenster Art, Größe und Funktion, Teilstück eines Ganzen‹ (allgemein); extensional auch z. B. bezogen auf:
a) den Rumpf des Körpers sowie ein abgebrochenes / abgeschnittenes Körperglied, den Stumpf eines Zahns;
b) ein Beinkleid;
c) einen rundlichen Hut;
d) ein essfertig zubereitetes Stück vom Rumpf des Rindes (Rumpsteak);
e) eine besondere Form der Grassichel;
f) ein Hohlmaß;
g) einen Maßsack für Gewürze;
h) das männliche Geschlechtsglied;
i) einen Armbrustteil;
j) den Kerzenstumpf.
Bedeutungsverwandte:
1, (allgemein); zu a): II, 2, , , , 3, , .

Belegblock:

Allgemein:
Stumpff / stuͤmmel / ein vberblieben stuͤck eines dings.

Zu a):
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
9062
(
rib.
,
1444
):
Seess hende hadde sij [Gijrheit] ind tzwene stumpen sunder waen; | Zwae hadden grijffen claen, | Der eyne was achter wert gereckt [...].
Fastnachtsp. (o. O.
15. Jh.
):
Welcher hat ein bosen zan! | Stök, storn, wie sie sint getan | Stumpf, die in gem fleische stan, | Die ich kunstlich gewinnen kan.
Sachs (
Nürnb.
1561
):
Und die
[z. B.
Spitzbuben, Landfarer
]
in stetten erbarn frawen | In den kirchen die hend abhawen, | Daß int stümpff an der gürtel hagen.
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich (Hs.
A. 15. Jh.
):
der ungetöfte valant viel nider uf den kle. | im taten beide stümpfe usermassen we.
Schib, H. Stockar
75, 31
(
halem.
,
1520
/
9
):
sach ich ain jungen man, hatt weder hend noch füs, warend im abgehuwen, und kond gon und kond schüssen mit dem armbrust fogel, das hain ich gesechen, und spant das armbrust selb in mit den stumpem.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
das sacrament ussgeschuͤt, [...], uss den sidnen ornaten wammes gemacht, einem wider trostung alle fiere und demnach uf den stumpen den kopf abgehowen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Stump / Abgebrochner zan.
Niewöhner, Teichner
471, 83
(Hs. ˹
moobd.
,
1370
/
80
˺):
fleust ain man ain fuͤss | oder ain hant ze vaschangch, | er ist noch ze phingsten chranch, | daz er mag den stumph zaigen.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
so was die zunge, die im unser liebe fraw an der abgesnyten wuͤrczen oder druͤm angesaczt hett, vil weisser und schoͤner denn der alten zungen stumph.

Zu b):
Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1397
):
usgescheiden, die alde cleider machent, dat die vrij solen sin ind mogen vort nuwe stumpe of overlijf machen.

Zu c):
Redlich, Qu. Ratingen
192, 44
(
snfrk.
/
rib.
,
1576
):
Ein gesell soll vor sein tagwerk machen drei oder vier mittelhüte oder fünf grobe hüte oder sechs stümpken.

Zu d):
Buch Weinsb. (
rib.
,
um 1560
):
Das eirst gericht mit ein zam schink mit peffer, [...], 1 mit eim stump, 1 mit einer zungen.
Ebd. (
1589
):
drumb setzst man dan die ander gerichten, stumb von aissen, zongen.

Zu e):
Stumpff / m. Ein graßsichel / damit das weib das graß abschneidet.

Zu f):
Bächtold, N. Manuel. Zugabe H. R. Manuel,
319, 398
(
Zürich
1548
):
sitz grad zuͦ mir! | Ein solchen stumpen gilt es dir!

Zu g):
Müller, Welthandelsbr.
275, 24
(
schwäb.
,
1514
/
15
):
findt man gewonlich 5 stümpf in ainer pallen, die 200 ℔ aragonisch oder 150 ℔ Genfer lauter safran wegen soll.

Zu h):
Wiessner, Wittenw. Ring
2118
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Und sprechen: Mätzli Rüerenzumpf, | So ghört mein stumpf zuo deinem muot.
Ebd.
2170
:
Er mocht es laider nicht gefüegen, | Daz sei sich wölt des stumpfes gnüegen.

Zu i):
Ziesemer, Gr. Ämterb.
86, 9
(
preuß.
,
1412
):
dy armbroste: 106 nu stegereiffarmbroste, item 3 schog alder stegreiffarmbroste mit stoͤmpen.

Zu j):
Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1445
):
de zwene meister zerzijt soilen de alde stumpe [der kerzen] zo baten haven up ire kost.
3.
›Posse, Schelmenstück‹; motivationeller Anschluss an 1 oder 2 undurchsichtig; hierher?

Belegblock:

Lichtenstein, Lindener. Katzip.
129
(o. O.
1558
):
Ein unerhörter stumpf, von einem zauberer einem bawren gerissen.