stummeln,
stümmeln,
V.
1.
›jn. verstümmeln, jm. (z. B. zur Bestrafung) die Glieder abhauen‹; generell auch auf jede sonstige Form der Anwendung von Zwang bezogen: von ›jn. nötigen‹ bis hin zu ›jn. töten‹.
Bedeutungsverwandte:
1, 1, (V.) 1; 3, 1, 3, 1, .
Syntagmen:
jn
. (z. B.
einen man, den mülner, die leute
)
s., jn. zu tode s., manchen leib s., (jm.) die glieder / hände / füsse s
.;
j. gestümmelt sein, [wo] bleiben
; subst.:
jn. mit stummeln nöten
.
Wortbildungen:
stümlung
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Vil cristnen er zu tôde irslûc | und stumelte manhin lib.
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
264, 24
(
wmd.
,
1634
):
Von Christi Leib doch sag ich Nein, | Er drumb nitt wird gestümlet.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
234, 7
(
nobd.
,
1405
):
dorumb, daz er und sein g(ewalt) [...] seinem mulner gedrot hat zu stümmeln.
Voc. Teut.-Lat.
ff vv
(
Nürnb.
1482
):
Stumelter einem dẽ hende vnd fuß abgehawen sind. mucius. [...]. Stumeln die glieder oder todten. obtruncare.
Sachs (
Nürnb.
1531
):
Der thyrann in wart in die hand, | Stümleten im auch füß und hend.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
wan er waz erschlagen und waz alse sere verwundet under sime antlitze und gestummelt an henden und fuͤßen.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
wann dagon der beleyb allein gestúmmelt
[nd. Bibel um 1478:
allene de stocke dagon bleeff [...] ligghen
;
Luther
1545, 1. Sam. 5, 4:
das der strumpff allein drauff lag
]
an seiner stat.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1374
):
vor dem uffertag do stümelt Jacob Püttrich zwien erber man zuͦ Bairn.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
doctor Villenbach ist von solcher stumlung
[hier auf
gezeug, das
, 4 ›Penis‹ bezogen]
wegen allenthalben her geplagt worden.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
iedoch von plinden läuten koment gesehend und von gestümelten ungestümelt und von ainäuken die paid augen habent.
2.
›(einen Baum) fällen; (einen Baum, Fruchtbaum) stutzen, beschneiden, zurückschneiden; (Äste, Reben) schneiden‹.
Syntagmen:
einen baum / felber / zweig, eine eiche s
.
Wortbildungen:
stummelholz
›Holzabfall‹.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Detruncare. Beschroten stuͤmpffen stuͤmlen abhauwen abschneitzen.
Hilliger, Urb. St. Pantaleon (
rib.
,
1624
):
Welche sunsten aichen, baume oder hauftboichen und andere nutzbare baume und stäm scheren, stommelen oder schnewen, schweigen und dollen abhauwen, denselben ihre axt [...] auf der that abgefroet, [...] worden.
Stuͤmmeln / zerstuͤmpeln / Abbrechen [...] Diminuere.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1516
):
Welcher mit frafl seinem nachtpern ainen felber stümblt oder abhackt, ist verfallen der herschaft 72 ₰.
Es sol auch ain nachpawr dem andern pei zein und grämbmen albeg das stumlholz am dritten jar weck raumen.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vorarlb. Wb.
2, 1370
.
3.
von unterschiedlichen anderen Bezugsgrößen gesagt, dann z. B.: ›lallen, unkontrolliert sprechen‹; ›(eine Rede) abbrechen, abkürzen‹; ›(einem Reich) Schaden zufügen, (ein Reich) bedrängen‹; als Ütr. an 1 und 2 anschließbar.
Bedeutungsverwandte:
I, 1; 5; 8, 2, (V.) 5.

Belegblock:

Die rede (stuͤmmeln) [...] Truncare sententiam.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
wie die truncken der fürgenden *** ding gedechtig seiend. und in den gegenwürtigen stumeln und stutzen.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
das römisch reich [...] das etlich zeit her vil jar von den Teutschen wild gestümlt, vast gedruckt und genidert und schir gar abgehauen und ausgereut wart.