stul,
der
;
-es/-e
, auch
, jeweils + Uml.
– Die Bedeutungsgliederung geht von dem Alltagsgebrauch des Stuhles als Sitzmöbel aus (1) und behandelt danach besondere Verwendungen (210) einschließlich deren Tropisierungen; insgesamt sowie pro Einzelansatz dichte Belegung.
1.
›Stuhl, zur Hauseinrichtung gehörendes Sitzmöbel‹;
stul
in diesem Sinne steht für Einfachheit, Wertlosigkeit, vereinzelt für religiös motivierte Demut, teils auch für gehobene, zur Überhöhung tendierende Verhältnisse; damit offen zu 4; 6.
Phraseme:
stul und bänke
›alles mögliche Zeug‹;
der dreibeinige stul
zeichenhaft für Grundbesitz und entsprechende Rechte / Pflichten, auch für den Anspruch auf Vaterschaft (?);
einen gesezten stul haben
›in geordneten Verhältnissen leben‹;
einen stul bringen
›mitbringen‹ (von ungeladenen Gästen gesagt);
stüle und bänke
[wo]
einwerfen /
[wohin]
werfen
›Hindernisse bereiten‹; ˹
die stüle auf die bänke wollen
;
die stüle auf die tische springen / steigen
;
die stüle auf den bänken stehen
;
mancher stul dringt für den tisch
˺ Zeichen für eine verkehrte, aus den Fugen geratene Welt;
an den stülen gehen
›sich bescheiden verhalten‹;
zwischen den stülen ausbleiben / (nieder)sitzen
(häufig) ›zwischen zwei / alle Stühle geraten‹;
weisheit pflegen und bulen nicht in einem stul stehen
›nicht zusammenpassen, sich nicht vertragen‹;
jm. etw. / nichts unter den stul stechen / stecken
›jm. etw. / nichts zukommen lassen‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  1,  1,  1,  1,  1,
1
 1, , ,  3,  1,
1
 1.
Syntagmen:
j. einen s. im himmel haben, (jm.) einen s. bereiten / machen / richten / fürsetzen
(Letzteres Teil eines Richtrituales),
einen s
. [wohin]
setzen / stellen
;
stüle zum erbe gehören, js. s. gehöhet sein
;
j. ein s. in js. herz sein
;
die mitte
(Subj.)
der s. der tugend sein
; ˹
auf dem s. arbeiten, sich auf den s. begehen
˺ ›auf einem Hocker sitzend arbeiten‹,
jn. auf einen s., sich in einen s. setzen, in einem s. knien, sich in den s. nägeln
›sich zur Pflicht zwingen‹;
der neue s
.;
für einen s
. [ein Betrag].
Wortbildungen:
stulbank
wohl eine kleine Sitzbank (Gw zu  1),
stulen
1 ›(dem Herzen) einen Sitz bereiten‹,
stuler
›Stuhlmacher‹ (möglicherweise auch zu 2 zu stellen; dazu bdv.: ),
stulgrempel
›wertloser Kirchenstuhl‹ (Gw zu  1),
stulieren
1 wohl ›spuren, gehorchen‹,
stulmacher
(Gw zu  1; dazu bdv.: ),
stulpfül
(Gw zu  1),
stulplatte
wohl ›Sitzplatte eines Stuhls‹ (zum Gw vgl.  3),
stulpolster
(Gw zu  1),
stulschreiber
1 ›fachlich versierter Schreiber, der jm. nach dem Munde schreibt‹,
stulwinkel
›Ort zum Abstellen von Stühlen‹.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Sedes. Stul sitz saͤssel.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
566, 12
(
preuß.
,
1411
):
1 bette, item 1 lang bankpfol und 1 stulpfol.
Luther, WA (
1530
):
Dis ist nu der loblich und herrlich triumph dieses fests, [...], das der Teufel zwisschen zweyen stulen niddersitzt.
Ebd. (
1536
/
9
):
das wir die Stulschreiber zu Bapst, Cardinel, Bisschoff und Prediger machten, Denn die kuͤndten solche buchstaben fein schreiben, gros, klein, schwartz, rot, gruͤn, gel und wie mans haben wolte, [...]. Gefallen uns aber die Stulschreiber nicht, So last uns Maler, Schnitzer und Druͤcker nemen, die uns schoͤne Concilia malen, schnitzen und druͤcken.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
90, 1472
(
Magdeb.
1608
):
[die Stadtmaus]
Sahe wol vmb sich nach reiner steth / | Ob man nicht da Stuelpolster hett.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Der êrste grât [...] ist, sô der mensche lebet nâch dem bilde guoter und heiliger liute und aber noch gât an den stülen und heltet sich nâhe bî den wenden.
Buch Weinsb. (
rib.
,
um 1560
):
so hatt sei [jongfrau] dargegen narung, inkomst und einen gesatzten stoil.
Ebd. (
1575
):
sagt im die meinung recht aus, stach im nitz under die stoil.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. (
mosfrk.
,
1629
):
wer so viel guts [...] hab, dass man kennen einen dreibeinigen sthul darauf stellen, der sein den achtenschnitt schüldigh.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1506
):
Jacob stuler by dem Kronberger hoffe; Jungehenne bender inn der Snoregasßen.
Spanier, Murner. Schelmenz.
15, 4
(
Frankf.
1512
):
Wo zwytracht sol gerichtet werden, | Kan ich zuͦ beider part geferdén, | Das ieder went, ich red das seyn, | So würff ich stiel vnd benck doreyn.
Ebd.
16, 14
:
Eyn stiely bringen wer das best, | Wen du nit geladen bist.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth (
Frankf.
1563
):
wie er sich allein ersahe, schwängeret er sie also, daß sie nichts davon wußte, setzet einen dreybeinigen stuͦl.
Strauch, Par. anime int.
113, 24
(
thür.
,
14. Jh.
):
Augustinus: ‚der da lerit, der hait sinen stul in deme himmele‘.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
150r, 24
(
Leipzig
1588
):
S. Johannes der Teuffer hat dem Koͤnige Herodi vnd seinen Hoffleuten gar nichts vntern Stuel gesteckt.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
obd.
1521
):
die oberkeiten geistlichs stands, als bäbst, cardinal, bischof [...] haben stuͦl und benk darzwischen geworfen, daß sölch beßerung [...] zuͦ nicht ist worden.
Pyritz, Minneburg
1459
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Ich han auch zwor dem hertzen din | In mir gar schon gestuͤlet.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
2122
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
di sitzen zwischen zwain stulen nider | und mangeln paidenthalben | des heiligen gaistes salben | und auch der werlt gelust.
Gille u. a., M. Beheim
247, 36
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Es ist nun so geschaffen, | das die stul springen auff dy penk.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
solich knecht man ine von den schwechsten, [...], zuschick, einem ieden der auf dem stull
[›Hocker des Pflasterers‹]
arbeit ein knecht.
Hampe, Ged. v. Hausrat
3, 2, 8
(o. O.
um 1480
):
Zum ersten tzirt man die stuben gern | Beyd tzu der nottorfft vnd tzu eren | Darin man nicht geraten kan | Stulbenck vnd sidel mus man han.
Voc. Teut.-Lat.
ff vjv
(
Nürnb.
1482
):
Stulmacher. sedarius. sedatarius, sedifer idẽ. odʼ stuler.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Lapp sagt: Gehe fluchs rein vnd thu stulirn | Vnd bring dem Junckherrn den stumpff mit Pirn!
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
du solt dich selben negeln in den stuͦl, voll us ze stenne.
Spanier, Murner. Narrenb.
27b
(
Straßb.
1512
):
Jetz sag ich üch von guͦtten schwencken, | Wie die stiel stond vff den bencken.
Lemmer, Brant. Narrensch.
13, 90
(
Basel
1494
):
das man wyßheit pfleg vnd buͦl | Mag gantz nit ston jn eynem stuͦl.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
mentsch, du solt in der mitli stan, so behabest du die mâsse; won dú mitli ist ain stuͦl der tugend.
Dú dritte ere ist daz ir
[der Mutter Gottes]
stuͦl erhoͤhet ist und erhaben úber alle mentschen und úber alle engel.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
191, 15
(
halem.
,
1383
):
ij nussboͧmin laden, j stuben riemen, ij stuͦlblatten und vj sinwelli hoͤltzen.
Bremer, Voc. opt.
6001
(
halem.
,
1528ff.
):
Sedes stuͦl [...] generaliter dicitur quodlibet vtensile domus, cui sedens secundum nates inmittitur et incumbit.
Rennefahrt, Zivilr. Bern (
halem.
,
1668
):
waß für muißhelligkeiten eine zeit hero uß disem stuͦlgrempel erwachsen; ... wie nun diß ein unanstendig ding, und dergleichen stuͤl nit uff solchen widerverkauff, sonderen auff die persohn [...] außgetheilt werdend, also söllend [...].
Maaler (
Zürich
1561
):
Stuͤl vnd benck / Butz vnd still. Ruta cæsa.
Einer der sich auff dem Stuͦl begadt / der zuͦ seinem wercken sitzt vnd sein narung gewünnt. [...]. Stuͦlwinckel / ort im hauß die stuͤl zuͦ stellen. Sellaria.
Nyberg, Birgittenkl.
2, 162, 19
(
schwäb.
,
um 1522
):
den schwestern waren steuͤl bereit, vnd het ytliche ein prinende waschskertzen vor ir
(anlässlich der Klostergründung).
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
do sahen alle [...] ungern, das der kauf für sich sollt geen [...], und warf man allenthalben stüel und benk ein, damit nichs auss der sach würde.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 143, 9
([
Augsb.
]
1548
):
Wann die Stuͤle auff die Bencke steigen / so wirdts nicht guͦt.
Bastian u. a., Regensb. UB
202, 33
(
oobd.
,
1361
):
seind er elliu seineu recht erlangt het mit weisung, mit stuͤl fuͤrsetzen, mit inpot und allen rechten.
Klein, Oswald
95, 15
(
oobd.
,
um 1425
):
darumb so dringt da manger stül | für alle tisch und benck, | der billich wol ain schamel wër.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch. (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
so müst er zwischen zwain stülen auz belaiben.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Er kniete vor dem hochen altar under ainer metten in ainem stuel.
Moscouia
D 2r, 14
(
Wien
1557
):
JN der mitte vnnser Frauen Khirchen ward ain Pün aufgericht / darauff drey stuͤll gesetzt.
Mollay, Ofner Stadtr.
315, 5
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
Ist sÿ eÿn geerbte frau vnnd guttes wortis, sÿ schol in yrem hauß sweren fuͤr eÿnes purgers keigen wurtikait Vnnd sÿ sol sitczen auf eÿnem stuͤl.
Joachim, Marienb. Tresslerb. ;
Karnein, Salm. u. Morolf
15, 2
;
Struck, Joh. Pfannstiel
181, 12
;
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. ;
Kisch, Leipz. Schöffenspr. ;
v. d. Broek, a. a. O.
71r, 36
;
Keil, Peter v. Ulm
146
;
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
8, 40, 16
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
19, 17
;
Goldammer, Paracelsus
2, 131, 19
;
Haszler, Kiechels Reisen ;
Bücher, Berufe Frankf.
1914, 125
.
2.
›als
stul
1 klassifiziertes Sitzmöbel für besondere Zwecke‹, darunter: ›Gebärstuhl‹; ›Nachtstuhl‹; speziell auch: ›einem
stul
1 verglichenes technisches Gerät‹, z. B. ›Webstuhl‹; dazu metonymisch: ›Arbeitsgerät des Weberhandwerks‹; ›Rednerstuhl‹; ›Folterstuhl‹; ›Badestuhl‹ (eine Art
badwanne
); ›Gestell beim Fischfang‹.
Bedeutungsverwandte:
 13.
Syntagmen:
ein meister x stüle haben, j. jm. einen s. hinstellen
(zum Reden);
die frau auf dem (gelöcherten) s. sitzen, j. auf den s. der weber gehen
(zu Kontrollzwecken),
jn. auf dem s. zu tode schmocken
(Verbform unklar) ›quälen‹,
es bei den vier stülen bleiben lassen
,
ein meister mit x stülen arbeiten / weben / wirken, den webern agen unter den s. fallen, von einem s
. [einen Betrag]
geben
;
der s. der weber
;
der hole / lange
›mehrsitzige‹
s., der gelöcherte s
. ›Gebärstuhl‹;
das handwerk mit dem s
. ›Weberhandwerk‹.
Wortbildungen:
stulakst
(eine spezielle Axt; hierher?; Gw zu ).

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
E. 16. Jh.
):
Anno 1541 [...] wurden [...] Jochim Jordans und Siegemund Francke mit feur zu tode auf dreyen Stylen geschmocket.
Helbig, Qu. Wirtsch.
1, 91, 7
(
md.
,
1419
):
Ock schollen de klenschmede miden hoffschlahen, plogwergk, radewergk, exen, byel, barden, seissen, stuelexsen, lattenhemer.
J. W. von Cube. Hortus
4, 26
(
Mainz
1485
):
den geroch des knobelauchs sal die frauwe vnden hervff zuͦ ir scheme laissen dempfen vñ sal vff ein gelochertẽ stuͦl sitzen.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1421
):
daz dann iglich meistere under in mogen haben vier getzauwe und stule, doch daz man ye zur zijt nit me dann uff drin stulen weben und erbeiden sulle.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1488
):
der des morgens früe zu dem volk auf dem platz reden solt und hießent im ein stuel stellen.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1462
):
Vnd sollend allwegen vff die stuͤl der weber gan, wenn si bedunckt, das guͦt ze sind vnd mit dem stab ze messen die rechti breiti.
Schib, Urk. Laufenb.
266, 13
(
halem.
,
1567
):
vnnangesehenn solchs vertrags sich doch gemelte vischer eins newen zeugs mit stulen vnnd spreittgarn, so [...]
(Satzbruch).
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
1423
):
die weber geben im
[dem
kelermeister
]
ir ieder von eim stule 1 plaphart.
Ebd. (
1499
):
wer solichs in aim oder mer überfür, der sol des hantwerks mit dem stul ain monat beraupt sein on gnad.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1467
):
und sei im rat erfunden worden, daß es ain erber rat bei den vier stielen beleiben lassen wöll
(betrifft die Regelung, der „billigen Gleichheit halber nicht mehr als 4 Webstühle zu betreiben“, so Anm. 1. zur Belegstelle).
Deinhardt, Ross Artzney
29
(
oobd.
,
1598
):
Nimb menschen khott, agen oder schlut, der den webern vnder den stuel felt, ain wenig werch.
Rechn. Kronstadt
3, 454, 46
(
siebenb.
,
1548
):
balneatori in balnei stubam fecimus parari 1 mensam, 2 sedilia et 2 lang Styel.
Vgl. ferner s. v.  1,  1.
3.
›einem
stul
1 verglichener, mit einem Loch versehener Sitz zur Verrichtung der Notdurft‹; damit verbunden mehrere Metonymien, z. B.: ›Stuhlgang‹ (als relevant für die Gesundheit generell; speziell die Entwicklung von
apostemen
verhindernd); ›Exkremente, Kot‹; ›Durchfall‹; ›Abfluss, Kloake‹.
Keine md. Belege; fach- und wirtschaftsbezügliche Texte.
Phraseme:
zu stul gehen
(o.ä.; dicht belegt).
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , , , , .
Syntagmen:
einen s
. ›einen Sitz‹
auf ein sekret machen, alant s. machen
›den Stuhlgang fördern‹,
j. den s
. ›Durchfall‹
haben
(z. B.
schwerlich
),
s
. ›Exkremente‹
in sich haben, kolkraut s
. ›Stuhlgang‹
machen, jm. den s. aus dem leibe rücken
;
der s. ein loch haben, die stüle
›Diarrhöanfälle‹
jn. anstossen, ein s
. ›eine Kloake‹
in ein ror gerichtet sein
;
jn. auf einen s. setzen, pleuresis nicht durch den s. ausgehen, der rauch
(als Teil einer Therapie bei Magen-, Darmbeschwerden)
in einen s. gehen, etw. unter einen s. setzen
;
der s. mit einem mundloch
;
das verstopfen im s
.
Wortbildungen:
stulfenster
›Öffnung vom Abtritt auf die Straße, Kloake‹,
stulflus
(dazu bdv.: vgl.  3),
stulzwang
(auch als Klammerform von
stul[gang]zwang
interpretierbar).

Belegblock:

Volkmar (
Danzig
1596
):
Thenasmus, der Stulzwang.
Strauss, A. v. Villanova dt.
150, 12
(
obd.
, Hs.
1421
):
Auicenna sprichet, der mensch, der sich gesunt wil haben mit stulgange, der sol die dinck nutzen, dye yn tzu stuͦle machen gehen.
Keil, Peter v. Ulm
213
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Nym pech vnd weyrauch, das leg auff glüende kolen vnd setz es vnter ein stul der ein loch hab, daz der rauch in in gee.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
ein gemaurte roren, dorinnen ein stull unten in des Gürtlers haus gericht ist.
Loose, Tuchers Haushaltb. (
nürnb.
,
1515
):
verdingt den stul wider aufczumauern.
Cirurgia H. Brunschwig (
Straßb.
[
1497
]):
das er hab ein guͦt regiment mit essen vnd trincken / dar zuͦ zu stuͦl zuͦ gon die do vast hinderent die geberung der apostemen.
Arndt, biechlin
C jv
, 4 (
Freiburg
1523
):
der magen sol gereiniget sein von der vordern speyß / das ist / das ee
[sic!]
zuͦ stuͦl gangen sei / ee er zuͦ dem andern mal esse.
Sudhoff, Paracelsus (
1527
):
pleuresis und pestis gênt durch den stul, harn, brechen, augen, oren und munt nicht aus, alein am füglichsten durch schwizen.
Ebd. (
1527
/
8
):
so hat es sein anatomei im herzgrübli, große torturas, nachfolgend stich in beiden seiten, darach hodenwehe, harns stil sten, krampf und verstopfen im stul, nachfolgend ein kozen, als dan der tot.
Maaler (
Zürich
1561
):
Stuͦl mit einem mundloch / dardurch einer sein notturfft thuͦt. Familiaris sella.
Chron. Augsb. Anm. 27 (
schwäb.
,
v. 1536
):
het sie auch nichtz in ir gehept von überflissigkait der natur, weder speichel, harm oder stiel.
Nyberg, Birgittenkl.
2, 261, 10
(
schwäb.
,
1522
/
3
):
sy waz gantz kranck vnd steißend sy mit zeuͤchten die steuͤl an vnd oben ein hefftig prechen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
ez [regenwazzer] widerzeuht des leibs stuolflüzz und wenn ez in ainer zistern gestêt und lauter wirt, sô sterket ez den magen.
man schol in [rôsensyrop] den niht geben, die ir stuol swærleichen habent.
wenn man den stain in wazzer wescht, sô hilft er den, die niht zuo stuol mügent gên.
Eis u. a., G. v. Lebenstein
58, 1
(
oobd.
,
1. V. 15. Jh.
):
Kol craut wasser hat die tugent, wer es des morgens nuchtern trinckt, so macht es stul, das eines gescheissen mag.
Uhlirz, Qu. Wien (
moobd.
,
1445
):
und jeder tail gewalt haben sol in seim haus zwen stul auf dasselb secret ze machen und nicht mer.
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
1, 256, 4
(
moobd.
,
1524
):
hie nyemandts gestatten, [...] Furbew vor den Hewsern auf die Gassen, noch Stuel vennster, vnd annder vngwondlich gebew zuuerslahung des gesichts zu machen.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst ;
Keil, a. a. O.
213
;
219
; S. 
490
;
Weitz, Albich v. Prag
164, 4
;
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
227v, 21
;
Ott-Voigtländer, Rezeptar
208r, 15
;
Eis u. a., a. a. O.
72, 5
.
4.
›Thron, den ein weltlicher Herrscher, meist ein Kaiser, König, seltener ein mit vergleichbarer Legitimierung und Macht Ausgestatteter (darunter z. B. Moses) an einer bestimmten Stelle aufrichtet, um von diesem Raumpunkt aus sein Herrschaftsgebiet zu regieren‹; in fließendem (metonymischem) Übergang zu: ›Herrschaft; Herrschaftssitz‹, auch: ›Einwohnerschaft‹ sowie ›Hauptstadt‹; in der Regel mit unterschwelliger Anerkennung der herrscherlichen Funktion des
stules
, bei Missbrauch negative Bewertung.
Phraseme:
sich in stul und zwang setzen
›sich die Herrschaft aneignen‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  23,  7, ,  3,  2, ; vgl.  1.
Syntagmen:
(s)einen s. (ver)lassen
, [wo]
aufrichten / bauen / halten
, [wohin] (z. B.
zu jm
.)
setzen
›jm. anvertrauen‹,
j. js. s. besitzen, jm. einen s. geben / bereiten
(z. B.
lobelich
);
j. auf einen s. gehen, die schriftsteller / pharisäer, der könig
(z. B.
gekronet
)
auf einem / js. s. sitzen, j. jn. auf einen s. setzen, auf seinem s. eren, j. jn. aus seinem s. verjagen, j
. (
der keiser
)
in seinem s. sitzen / richten, j. von seinem s. aufstehen, j. jn. auf den s. füren, vom s. stossen / verjagen / absetzen
(z. B.
die gewaltigen
),
nieder zerstören
;
der s. Davids / Moses, des keisers / meisters
›Ordensmeisters‹ /
(könig)reiches, des hauses David
;
der königliche s
.
Wortbildungen
stulteilung
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
E. 16. Jh.
):
umb 3. Uhr nach mittage ist Rom. Key. May. [...] auf den Stuel oder pallast [...] gegangen.
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Swenne her [konigh] gesetzit wert of den stol zo Achen mit der vorsten willen.
Ziesemer, Marienb. Ämterb.
147, 34
(
preuß.
,
1410
):
1 bochsze czu synte Lurencz, dy henget an der sawle vor des meisters stule.
Luther, WA (
1520
/
1
):
Man solt die schrifftgelerten hoͤren, die auff Moses stull sitzen, ob sie woll boßhafftig waren.
Wers nit gar ein schentlich ding, wen man ein kuͤnig von einem stul abseczt und seczt ein Saw̆ an sein Statt?
Ebd. (
1532
):
mit der weise wolte man widder eine herrschafft machen und sich selbs widder jnn stul und zwang setzen.
Ders. Hl. Schrifft.
1. Mose 41, 40
(
Wittenb.
1545
):
deinem wort sol alle mein Volck gehorsam sein / Alleine des königlichen stuls
[
Mentel
1466:
geseß des reiches
; nd. Bibel um 1478:
konynghe stoel
]
wil ich höher sein denn du.
Valli, Baldemann
169
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Do iez an in [Roͤmer] erkante, | Zu hant ich
[Hl. Römisches Reich]
mich dar wante | Und satzt zu in mins richis stuͦl.
Dubizmay, kurß zu Teutze
81, 11
(
hess.
,
1463
):
er zu starett die gewaltigen nyder von dem stul vnd erhohet die demüttigen.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Daß konde gott mentsch werden | Und kommen uff disse erden | Und Davidis stule besiczen.
Müller, Faustb.
907, 5
(
Frankf.
1587
):
Nit weit davon ligt die Statt Ach / ein stuel deß Keysers.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Al da wart mir
[Hiob]
gar lobelich | Min stul bereytet, uf dem ich | Saz zu oberst indem dinge.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
do buwete her [Trebetan] do eyne stat unde nante die noch seyme namen Treberis, [...], unde satzte do hen den stul seynes konigreich.
Gille u. a., M. Beheim
117a, 25
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
gat wurt im geben den stul | seins vater Davids frone.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
alle ir doͤrffer in dem vmbring diser stet vnd vntz bis zuͦ baal. Das ist ir wonung: vnd ir stuͦlteilunge.
Wyss, Luz. Ostersp.
2725
(
Luzern
1583
):
Die gwallttigen hatt er vom stuͦl abgesetzt | Vnd die demüttigen höher gschetztt.
Klein, Oswald
19, 179
(
oobd.
,
1416
):
Die nacio von aller schüle | mit iren guldin bengel | erten in [Sigmund] auf seinem stüle | noch höher dann ain engel.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
an dem achten tag (nach) Gotsleichnam lyeß er [kunig] ain stuel in der statt auffmachen, darauf saß er gekronet.
Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
2, 178, 17
(
moobd.
,
1393
):
Ain Künig / der auff dem Stuͦl sitzet / zuͦ richten / zerstroͤwet alles args mit seinen augen.
Moscouia
B 3r, 39
(
Wien
1557
):
zu PEREASLAW hat er seinen sitz oder stuel gehalten.
Ebd.
E 1v, 21
:
Da Soliman der Thuͤrkhisch Khaiser in sein stuͤel oder Regimennt zu Constantinopl gesessen / hat [...].
Helm, H. v. Hesler. Apok. ;
Dietrich. Summaria
30r, 6
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Dreckmann, H. Mair. Troja
14, 28
;
Moscouia
C 2v, 12
;
Qu. Brassó
4, 16, 22
;
168, 14
.
Vgl. ferner s. v.  2.
5.
›Gottes Thron, als erhöhter Herrscherstuhl gedachter, im Himmel verorteter Thronsitz, von dem aus Gott seine Herrschaft walten lässt und seine
gerechtigkeit
2 ausübt‹; in nahezu gleicher Beleghäufigkeit auch: ›Herrschaft der Gegenspieler Gottes (des Satans, Luzifers)‹.
Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘.
Syntagmen:
der teufel / Lucifer seinen s
. [wohin]
setzen
;
der s. des satans
[wo]
sein, der s. (des herren) bereitet sein
;
j
. (z. B.
der herre, Franciscus, Lucifer
)
auf (s)einem s. sitzen, Lucifer
(Akk.obj.)
aus seinem s. stossen, der könig aller könige in einem s. sitzen, eine rede, ein wort vom
(z. B.
königlichen
)
s. kommen, der teufel got von seinem s. herab stürzen wollen
;
der gesteinte / helle / hohe / königliche s
.
Wortbildungen:
stulen
2 ›sich anmaßend neben Gott setzen‹,
stulengel
›Engel in der göttlichen Herrschaftsordnung‹ (im Beleg, s. u.
Höver
, in mystischer Nähe zu Gott gesehen).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
dine wone, | Da der stul ist Sathanases, | [...].
Der sun wen her den tot leit | In unser menschlicher art, | Mit deme vil wol geschelket wart | Die stul hir Sathanases sint.
Luther, WA (
1519
/
20
):
Wenn erfolgen szo leicht were als vorfolgen, were Christus lengist widder vom hymel worffen und gottis stul selbist umbkeret.
Ebd. (
1526
):
wie Esaias sagt .lxvi ‚Der hymel ist meyn stul und der erdboden meyn fusschemel‘.
Ebd. (
1544
):
Wolt jn [Gott] auch gerne, [...], von seinem Stuel herab stuͤrtzen und sich selbs an die stat setzen.
Alberus, Barf. (
Wittenb.
1542
):
Franciscus sitzt im Himel auff eim hohen Stuel [...] weil er [...] Christo gleichfoͤrmig worden ist.
Dubizmay, kurß zu Teutze (
hess.
,
1463
):
Maria die meydt ist geberet | zu dem hymelischen bete do | der kung aller kunge sitzet | In dein gesteinten stul.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
24, 22
(
Frankf./M.
1626
):
SChaw / ich erschein allhier fuͤr deiner Majestaͤt / | Fuͤr deinem hellen Stuel / an diser schoͤnen stett.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Uf var ich [Lucifer] und wil setzen | Hin in der himle vletzen | Minen stuel.
Eggers, Psalter
13, 1
(
thür.
,
1378
):
du [herre] seize vffe dime stule, da du rechtikeit erteyletes.
Sermon Thauleri
3va, 15
(
Leipzig
1498
):
herre do
[im
sweigenn
]
kam deine almechtige rede von den koniglichẽ stulen. das was das ewig wort võ dem veterlichen hertzen.
Böhme, Morg.R.
153, 24
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
Auff dieses ist nun Koͤnig Lucifer aus seinem koͤniglichen loco oder stuhl gestossen worden.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
243
(
Nürnb.
1517
):
Wann sie heimlich sachen wöllen urteilen, stuelen sie sich neben got in der hoffart.
Sappler, H. Kaufringer
2, 80
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
auf ainem hohen stuole zwar | sas er [Lucifer] gar gewalticlich.
Höver, Bonaventura. Itin. B
105
(
moobd.
,
1450
/
60
):
Bernnhardus spricht, das „got jn seraphin liebet als ain lieb, jn cherubin bekennet als ain warhait, jn tronis, den stuͦlengeln, siczt er als ain gerechtigkait, jn den herschenden herrschet er als ain maiestet [...]“.
Dubizmay, a. a. O.
24, 7
;
Sermon Thauleri
4ra, 24
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
753
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
8, 32
.
6.
›als
stul
metaphorisierte höchste geistliche Autoritäts-, Lehr- und Urteilsinstanz der (katholischen) Kirche; Thron des Papstes‹; als Metonymie: ›geistliches, auch in weltliche Bereiche übergreifendes Amt in der Nachfolge des Apostels Petrus‹; damit verbundene ›Hoheit des Papstes samt allen Rechten‹; und in einzelnen Fällen auch: ›Amt hoher kirchlicher Würdenträger‹; die Geschichte des Papsttums, seine weltlichen Herrschaftsansprüche, seine Verweltlichung, sein Autoritätsverlust im späteren Mittelalter werden kaum mit dem Subst.
stul
verbunden, dessen Wertung insgesamt neutral ist.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
einen s. machen
;
der (römische) s. (zu Rom) ablas / freiheit / gnade / recht verleihen, bestätigung e. S. ausbringen, etw. verbieten, jn. verbannen, nach gewalt streben / toben, die christenheit durchzieren, nach Avignon kommen
;
in einem königreich x stüle sein
;
der tod des stules (des babstes) gewaltig sein
;
am (römischen) s. bleiben, die patriarchen / hochmeister auf dem s. sitzen, die unminne nach dem s. greifen, Trier zu einem s. (eines babstes) setzen
;
der stul S. Peters, des babstes, zu Rom
;
der apostolische / heilige / bäbstliche / priesterliche / römische s
.;
der legat, die erlaubnis des
›von Seiten des‹
stules
.
Wortbildungen:
stulgeld
›Abgabe eines Zehntpflichtigen an den
sendherren
‹ (Gw zu ,
das
, 4),
stulkirche
›Bischofskirche, Kathedrale‹ (zum Gw vgl.  2),
stulpfennig
›Abgabe an den Bischofsstuhl‹ (zum Gw vgl.  1).

Belegblock:

Luther, WA (
1512
/
8
):
Itzt sey das genug, das nit nott ist bebstliche h. unnd Romischen stul beladen mit unnotigen predigenn, es were dann eyn hultzener stul ledig.
Ebd. (
1519
/
20
):
vorwerffen wir diße werck, ßo vorbant unß der heylige Stull tzu Rom und schelten unß die hoch gelereten gar schwind fuͤr Ketzer.
Ebd.
310, 18
:
wie disser Romanist rumt, das der Romisch stul blieben ist, ob er wol an seiner gewalt ist offt angefochten, rume ich widderumb, das der Romisch stul auch viel mal und noch biszher strebt unnd tobet nach solcher gewalt, er hat sie aber noch nie ubirkumen.
Koeniger, Sendgerichte (
rhfrk.
,
um 1521
):
auch sal der zehender geben dem sendherren funfzehn thornes sendgeld und funf wyspfennig stulgeld im afftersend.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
6, 23
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
des babstes stul mit seiner dreigekronten infel weren wir nu ganz gewaltig!
Koller, Ref. Siegmunds (
wobd.
,
um 1520
):
also wart da vom bapst Siluestro und von Constantino Trier gesetzt zu dem andern stul ains bapsts.
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz. (
alem.
,
um 1430
):
Nebend im do ward aber ain stuͦl gemacht, mit vier sitzen vor sant Jörgen altar, daruff da saßen die patriarchen und der hochmaister.
In dem küngrich sind hundert und Iiii kirchen oder stül, do ieglichs sölt ain bistumb sin.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
Der stuͦl kam gein Avion.
Thiele, Minner. II,
13, 73
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
Da unmynn ging zu schul | unnd sich magistrirt, | da greiff sie nach dem stull | der hie wol alle cristenheit durch zirt.
Warnock, Pred. Paulis
10, 242
(
önalem.
,
1490
/
4
):
dise glichsner gebent sich us, sú habint me gewalt und ablausung denn inen vom römschen stuͦl verlichen ist.
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
348, 10
(
schwäb.
,
1410
):
was stûre uff dieselben kirchen gelait wúrden ..., es syen stuͦlpfening oder ander stúren
nur ein Viertel (Regestbeleg).
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Eyr verpundt Ewch mit den ketzern, die vonn dem stuel ze Rom nicht allein Ewch sunder allermenigkleich verpoten sindt.
Buijssen, Dur. Rat.
8, 12
(
moobd.
,
1384
):
do er [sand Peter] nach dem tod unsers herren vıͤr jar den priesterleichen stuel gehabt hat.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
2, 2
;
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. ;
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
956
;
Eschenloher. Medicus ;
UB ob der Enns
10, 503, 5
;
Nyberg, Birgittenkl.
1, 174, 34
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vorarlb. Wb.
2, 1369
.
Vgl. ferner s. v.  4.
7.
stul
steht in uneigentlichen, oft mit gen. explicativus von Abstraktgrößen verbundenen, auch bildlichen Wendungen, in denen die Abstraktgrößen zum Bedeutungsträger und göttlich begnadete Menschen zum
stul
eines Glaubenstatbestandes, darunter Gottes, werden.
Bedeutungsverwandte:
 1.
Syntagmen:
j. einen s. mit meisterschaft, den s. aus den heiligen besitzen, in den s. der weisheit aufgehen
;
des herren s. in jm. stehen
;
die schämde ein s. der tugend, der himmel js. s., j
. (z. B.
die engel
)
der s. gottes, etw. / Christus der gnaden s. sein
;
die ketzer auf dem s. der pestilenz, j. auf dem s. des gedichtes, auf 12 stülen sitzen (sollen), die gnade im s. der warheit wonen
;
der s. des gedichtes, der pestilenz / tugend, der eren / gnaden / warheit / weisheit
(dies für
götliche majestat
),
des herren, aus den heiligen
.
Wortbildungen:
stulen
3 ›einen Sitz bereiten‹ (ütr.).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
In den stet unses herren stul | Und sint genant Gotes tron | Durch den gewissen himellon | Den sie dort vinden umme Crist.
Wen als der man ist Gotes stul | Der herze gerecht wirt.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Danne allerêrst suln wir ûfgân vür den stuol der wîsheit, und als verre wir undergangen sîn, als verre werden wir gewert, wes wir biten.
Jostes, Eckhart
12, 25
(
14. Jh.
):
Alz ich nu sprach von den engeln, di da sitzen in den choren der worheit, di sint (der) stul gotez, in dem got ruwet.
Rosenthal. Bedencken
41, 1
(
Köln
1653
):
Sie
[falsche Propheten]
werden vom Heiligen Geist in den Psalmen angezeigt / als die auff dem Stuhl der Pestilentz sitzen, sie seind die Pest.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Nach dirre tiere vule | Sach ich der eren stule | Setzen nach wunnen gerede | Dar uf saz der vil werde | Alder der vervlozenen zit.
Neumann, Rothe. Keuschh.
5348
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
[di schemede ist] ein zirde des lebens in gude, | ein stul der togende, ein gotes gabe.
Pyritz, Minneburg
1459
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Ich han auch zwor dem hertzen din | In mir gar schon gestuͤlet.
Dietrich. Summaria
26v, 40
(
Nürnb.
1578
):
was denn fuͤr belohnung sie gewarten sollen / die [...] alles verlassen haben : Antwortet der Herr Jesus: Sie sollen auff zwoͤlff Stuͤlen sitzen / vnd die zwoͤlff geschlecht Jsrael richten in der widergeburt.
Thiele, Minner. II,
13, 42
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
ir
[z. B.
Wolfframs
]
kunst ist meisterlichen, | hoch uff gedichtes stul sind sie gesessenn.
Steer, Schol. Gnadenl.
1, 726
(
noschweiz.
,
15. Jh.
):
Jch [gnaͮd] wonen in dem stuͦl der ewigen warheit, won ich bin die hicz der goͤtlichen minne.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
342
(
schwäb.
,
1455
):
Zuo disen türnen nüwen | Verlich [Maria] mir kunst und wycz, | Das ich den stuol besitz | Mitt klueger meisterschefft.
Andreae. Ber. Nachtmal
69v, 2
([
Augsb.
]
1557
):
Sihe / der Him̃el ist mein stuͦhl / vnd die Erd meiner fuͤß schaͤmel.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
19, 13
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
das ist der genaden stuel, | ein haws ane sünden phuel.
Munz, Füetrer. Persibein
1, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
da hat dein [götliche maiestat] ye das ymmer gar durch messen, | dy höch vnd das ab grunde. | des hastu ain der weishait stúel besessen.
Turmair (
moobd.
,
1529
):
Christus ist allain der genaden stuol, gewaltiger, selbs regierender herr im himel.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
4, 3
(
tir.
,
1464
):
So hat der heilig Jeronimus wol verdient ain stuel aus den höchsten vnder der wanung des himlischen vaters.
Ebd.
67, 26
:
Er [Jeronimus] ist eingangen in das haus des herren mit grossem schein vnd der aller schönist, da er nu pesiczen ist den stuel aus den aller höchsten vnd chläristen heiligen.
8.
›Kanzel‹ (als konkreter Bauteil, erhöhter Platz innerhalb der Kirche); vereinzelt: ›auf einem öffentlichen Platz aufgebaute Bühne‹; metonymisch: ›Lehrstuhl als gesellschaftliche Instanz, Einrichtung im Rahmen zeitgenössischer kirchlicher und universitärer Lehre‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , .
Syntagmen:
jm. einen s. (auf)machen, j
. [wo]
einen s. haben
;
j. auf dem s. sitzen / lesen / predigen, eine lere tun, etw. zu einer lere gesprechen, die predikanten auf den stülen von etw. sagen, j. ein lerer auf dem s. sein
;
der s. der künste, der grosse / erhöhte s
.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Diz enist niht gesprochen von den dingen, diu man sol reden in der schuole; sunder man mac sie wol gesprechen ûf dem stuele ze einer lêre.
Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1490
/
1
):
ind haint de predicanten vur langen zijden up den stolen vele davan gesacht.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Der præceptor auff der schul, | So sassen auff der künsten stul, | Der grammatica, rhetorica, | Der logica und musica, | Arithmetica.
Hulsius (
Nürnb.
1596
):
erhoͤchter Stul / darauff man prediget.
Rieder, Gottesfr. (
els.
,
1379
):
lieber commendúr, daz het mich gar ein große froͤmde sache [...] an úch, dovon ir die geschrift kúnnent und ein wiser, ein lerer uf dem stúl sint.
so ist es guͦt, alse úch got die große gnade getan het, also daz ir offenlich sin lere uffe dem stuͦl getuͦn múgent.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern (
halem.
,
1485
):
der ... von Bubenberg sol [...] darin
[in der
cappell
]
fur sich und die sinen, [...], begrebt, stuͦll und staͤnd haben.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
E. 15. Jh.
/
A. 16. Jh.
):
Also macht man im ain grossen stuͦl auf, woll geziert und umbhenckt mit seidin und guldin tücher, [...]. Und der stuͦl stuͦnd [...] vor des bischoffs hauß auf der Pfaltz.
9.
›Stuhl, Sitz, der vom Richter, von den an der Rechtsprechung beteiligten Schöffen, den Teilnehmenden am gerichtlichen Zweikampf, auch von dem als Richter verstandenen Gott eingenommen wird und dem Zeichenwert im Rechtsritual zukommt‹; insofern Öffnung zu: ›Amt, hohe Funktion eines Gerichtes bzw. einer gerichtsähnlichen Ordnungsinstanz‹ (wie z. B. einer Synode).
Bedeutungsverwandte:
, .
Syntagmen:
die scheffen stüle haben
;
Pilatus, der richter, die scheffen, das concilium auf (s)einem / dem s. sitzen, ˹j
. (z. B.
der scheffe
)
seinen s. (nicht) räumen
›verlassen‹ /
verwandeln, niemand den s. des anderen besitzen, von seinem s. aufstehen, dem anderen den s. besetzen sollen
˺ (im Rahmen des Verbotes des Platzwechsels),
j
. (der Kämpfende beim gerichtlichen Zweikampf)
auf seinen s. kommen, j. jn. auf den s., j. sich in den s. (des richters) setzen, j. bei dem s. stehen, die sendscheffen, der senddechant zu irem / seinem s. gehen
;
der s. des (ewigen) richters / gerichtes
.
Wortbildungen:
stulen
4 ›Stühle aufstellen‹ (bildlich für ›eine Gerichtssitzung halten‹).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Venre waren geschaft, | die des amtes wielden | daz sie die vanen hielden | und bi dem stule musten sten.
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
wen der edelinc vor gerichte get vnde in der richter ansichtich wirt, so sal her iegin vf sten vnde nemen bi der hant vnde setzen vf eynen stuͦl.
De schepen de suͦlen suͦnderliche stuͦle han, da se vf se sitzen.
Luther, WA (
1921
/
2
):
Er wiste nit zu finden, was er solt fur des ewigen richterß stull antwortten, ßo er Manicheum vorließe.
Loersch, Weist. Boppard (
mosfrk.
,
1499
):
der schulteis sulle dem ungeboden gedinge banne und friden thun, das nieman den andern schuergen oder schedigen sulle, [...], und das auch nieman des andern stoile besitzen sulle.
Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
,
1325
):
Her richter, he [der forderer] bitet uch ouch durch got, daz ir im irloubit, daz sine vrundichin mit im muzen herin gehn, sin creizbrenger, sin stultreger unde andere sine vrunt, unde muzen also lange mit im hinne sin, biz he uf sinen stul kume.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Joh. (
osächs.
,
1343
):
dô Pilatus hôrte dise rede, dô fuͦrte er Jhêsum hin vore und saz ûf dem stûl des gerichtes
[
Mentel
1466:
an das gerichte
;
Eck
1537:
richterstuͦl
;
Luther
1545:
Richtstuel
].
Dinklage, Frk. Bauernweist.
95, 4
(
nobd.
,
1409
):
sehe er dann einen, den er kente, den sal er nider uf den stul heissen sitzen.
Koeniger, Sendgerichte (
nobd.
M. 17. Jh.
):
und gebite, dass keiner kein stuel reume biss zum ende des synodi.
Ebd. (
rhfrk.
,
1498
):
So thu ich dysen canzelgericht fryden und ban und verbyeden also, das nyemant rede, [...], der scheffe synen stuel nit rumen oder verwandel sal, er thu ys dan mit leyb.
Ebd. (
mosfrk.
,
um 1600
):
Darnach gehen den die alle [sindscheffen] zum altar zu ihrem stuhl, auch der bürgermeister sampt dero ganze gemeinde und alsdan rufet der sinddechant den neuen auf und erfordert ihn.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Ich sah mit minen inren ogen eins tages den goͤtlichen richter sizen uf sinem stuͦle, und von siner verhengde do wurden zwen boͤs geiste us gelassen.
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz. (
alem.
,
um 1430
):
Das concilium sauß allweg in dem münster, uff den stülen, die da vor benempt sind, und der baupst vor inn.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1532
):
am mentag ist uber solichen erschrockenlichen hanndel, [...], im richthuse underem hymel gestuͦlt und erkant worden: Wa [...].
Goldammer, Paracelsus
6, 206, 4
(
1530
):
und seindt allein augengotter und seindt die, so sich setzen in die stul der richter.
Aubin, Weist. Hülchrath ;
Loersch, a. a. O. ; .
10.
›Gericht, als
stul
metaphorisierte Instanz der Rechtsfindung und Rechtssicherung bis hin zur sozialen und wirtschaftlichen Organisation eines Raumes (verschiedener Größe)‹; je nach Landschaft / Rechtseinheit in verschiedene Richtungen metonymisiert, dann z. B.: ›Amtssitz einer einzelnen Gerichtsinstanz‹; ›Gerichtsbezirk (räumlich gesehen)‹; möglicherweise vom Raumgedanken aus ütr. auf Nutzungsrechte, dann: ›Anteil von einem Zweiunddreißigstel an einer Saline‹; eng an 9 anschließbar.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): I, 234, ,  8,  24.
Syntagmen:
einen s. besitzen / confirmieren / bestätigen / letzen
;
die stüle
(Subj.)
zum gericht sitzen
;
die zentrichter auf den s. hören, jn. auf seinem s. verlassen, in dem s. recht finden / geben, briefe in einen s. füren, es mit den stülen gütlich halten
;
der freie / hohe s
.;
der Bresser s., der s. des hauses David, mit seinen rechten, zu Limburg
;
die aufhaltung der stüle
;
ein gericht an einem s
.
Wortbildungen:
stulbruder
2 ›Kollege eines Gerichtsangehörigen‹ (zum Gw vgl.  5),
stulgenosse
›Mitschöffe‹ (vgl. zum Gw
genosse
2),
stulieren
2 ›auf hohem, richterlichem Stuhl sitzen‹,
stulschreiber
2 ›Gerichtsschreiber‹; generell: ›öffentlicher Schreiber, der Schriftstücke für Schreibunkundige abfasst‹ (vgl.
Bücher, Berufe Frankf.
1914, 125
),
stulträger
›Person, die nach dem Rechtsritual für Zweikämpfe den Stuhl für die Kämpfenden in den
kreis
trägt‹.

Belegblock:

Koller, Reichsreg. Albr. II.
190, 37
(
1438
/
9
):
das wir [...] die vorberurten belehung der freyengrafschaft und freyen stule zu Lymburg [...] zu bestetigen und zu confirmiren gnediclichen geruchten.
Aubin, Weist. Hülchrath (
rib.
,
1350
/
80
, Hs.
um 1615
):
[da aus ein] die vurg. scheffen verantworden, vurghan und vursthan sall die andere scheffene seine stoilbroder und die gemeine hofsleude.
Behrend, Magd. Fragen (
omd.
,
um 1400
):
Was denne leczt in deme hoesten stule vor recht funden wirt unde gegeben, das sal man nemen.
Beyer, UB Erfurt (
thür.
,
1372
):
daz wir wollen demselben unserm herrin von Mencze sin beholfen, daz sines stifftes, [...] friheyd und hantvesten, mit namen umme die heyschunge, ladunge, orteyle und offhaldunge der vyr stule und der andern gerichte [...] nicht gekrenket werden.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
alsso nu die selbin busser yn den steten unde dorffirn der schepphin stule besassen unde des gerichtes phlagin unde gesahin das [...].
Hie worden vil tage umbe geleistet unde gemeyne gerichte an den freien stulen umbe gehaldin.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
das mein herr wolte haben 1½ stuel im Deutzschen Borne, 1 stul im Guttjhar, ½ stuel in der Metritz.
Wattenbach, Urk. Rauden (
schles.
,
1405
):
so sal dorczu dy manschaft Kuczendorff vnd der Stoel mit allen rechten gehören.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
20, 11
(
nobd.
,
1466
):
Uf das haben sich die genanten schöpfen und richter underredt und eynhelliglich, [...], durch Utzen Hüttern iren stulegenoßen [...] zu recht außgewiesen.
Ebd.
79, 21
(
1429
):
Es ist zu wiessen, das off hüt datum dieß briefes die zent zü Meckmüln geoffenbart, geoffent und gelutert worden ist von den zentriechtern und von dem merteil under in, die zu der zijt doselbs off den stule horten und gingen.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
15. Jh.
):
am montag nach Galli verprent man ein stulschreiber, [...], umb felschnüß prief und sigel.
Sachs (
Nürnb.
1540
):
Burger: Inn rath und gericht sitzen wir, | [...] |. Pawer: Mein herr, da hab ich nit gstulirt.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 150, 29
([
Augsb.
]
1548
):
Uber das so regiert Gott die frummen [...] Dann daselbst sitzen die Stuͦle zum Gerichte / Stuͦle des hauses David.
Niewöhner, Teichner
306, 3
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
wa sich selben welt ein man, | er muez den stuel mit schanden letzen.
Rechn. Hermannst.
376, 10
(
siebenb.
,
1503
):
eyn etliger dyner hat gefurt priff in dÿ steyl in lanczgeschefftin, czerung flor. 0 den. 50.
Rechn. Kronstadt
2, 282, 38
(
siebenb.
,
1532
):
yn Bresser stul seyn czwe derfer dÿ stan den Burgeren czw dÿ han [...] dem kÿnyk keynen czÿns geben.
Qu. Brassó
4, 241, 12
(
siebenb.
,
1655
):
Den 10. Tag Julii, [...], verreiset der Moldner Wed in sein Land, verlässt den Stefan Wed in Bleschland aufm Stuel.
Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 175, 27
;
Mosler, UB Abtei Altenb.
2, 355, 21
;
Beyer, a. a. O. ;
Qu. Brassó
5, 465, 25
.