stube,
die
;-n/-n
.1.
›einzelnes Zimmer, einzelne Stube, einzelner Raum innerhalb eines Hauses‹; Größe und Ausstattung des Raumes richten sich nach der bzw. nach den ihm zugewiesenen Funktionen; sie werden in den Quellen, da die Funktion(en) als bekannt vorausgesetzt werden, in der Regel nicht eigens benannt, sind also meist nur aus der Argumentation des Textes zu erschließen. Die im Folgenden angegebenen Gebrauchsverdichtungen beziehen sich auf stube
in einem relativ generellen Sinne (a), auf das beheizbare / beheizte Zimmer (b), auf höhere Wirtschafts- und Herrschaftszwecke (c) sowie auf weitere Einzelfunktionen (d). Die Unterscheidung nach den Buchstaben (a) bis (d) statt nach Zahlen soll betonen, dass die Prädikationen zu stube
1 synthetischer Art sind, sich also nicht aus dem Wort selbst ergeben. Unterschiedliche Bezugsmöglichkeiten der einzelnen Belege ergeben sich aus dem Gesagten: –a) ›Stube‹ (generell); in einzelnen Belegen mit Öffnung zu: ›Thron‹ sowie zu: ›Haus‹, jeweils metonymisch.
Phraseme:
am samstag stuben pflegen
›eines Mannes unwürdige Arbeit verrichten‹; jn. ins stüblein füren
›jn. betrüben, übertölpeln‹; jm. fliegen in die stube setzen
›jm. übel mitspielen‹.Syntagmen:
eine s. bauen / bessern / machen / zurichten / abbrechen, wesenlich erhalten, jm. eine s. machen, die s. vol geldes haben
; auf der s. eine ürte aufschlagen, aus der s. in eine kamer gehen, ein liecht in der s. aufzünden, in einer s. über das mer wandern, jn. in einer s. verwaren
›gefangen halten‹, j. zur s. eingehen
; die s. des herren / herzogen, mit einem fenster
; die finstere / gewönliche / gezimmerte / grosse / kleine s
.Wortbildungen:
stubbaum
stubenbruder
stubenbüne
stubendiele
stubenfenster
stubengeselle
stubenholz
stubenkalter
1
), stubenknecht
stubenmaler
1
1; 2), stubenrieme
stubenritter
stubenstänker
stubenwischer
stubpfennig
b) ›Kemenate, beheizbares / beheiztes Zimmer‹.
Bedeutungsverwandte:
.Syntagmen:
die s. heizen / wärmen
; der sal warm wie eine s. werden
(hier analytische Aussage), einer (warmen) s. bedürfen
; in eine s. gehen, in einer s. liegen / sitzen, jn. zum ofen in die s. füren
; die grosse / heisse / warme s
.; der badofen in der s
.Wortbildungen:
stubenheizer
stubenkamer
stubenrauche
stubenwärmer
stubenzins
stubgaden
stubrer
c) ›Versammlungs-, Verhandlungs-, Repräsentationsraum einzelner, durch berufliche Tätigkeit, Sozialstatus, Beteiligung an der Herrschaftsorganisation herausgehobener gesellschaftlicher Gruppen‹; mit Öffnung zu: ›sich in der Stube identifizierende Gesellschaftsgruppe‹; ›hoher sozialer Stand (der Stubenmitglieder)‹.
Syntagmen:
die s. öfnen / meren, j. die s. verlieren
›die Rechte der Gruppe verlieren‹; eine s. angehen
›in Flammen aufgehen‹; jn. der s. entsetzen
; jn. auf die s. laden, mit jm. auf die s. gehen, j. auf der s. etw. zerbrechen, einen frevel begehen, auf der s. nachzeche halten, einen tanz haben, tafel halten, jn. in der s. scheren, der bürgermeister von der stuben sein (müssen)
; die s. der edelleute, des handwerkers
; die geordnete / untere s
.; der brauch, die bruderschaft / geselschaft, das herkommen der s
.Wortbildungen:
stubenedel
stubengenosse
der
, 2), stubengut
1
, das
, 1), stubenheisser
stubenheisserin
stubenrechnung
stube
1‹, stubenzins
d) ›Raum, Zimmer, Stube mit einer besonderen Funktion‹; im Einzelnen: ›Wirtsstube‹; ›Amtsstube‹; ›Rathausstube‹; ›Gerichtsstube‹; ›Gefängniszelle‹; ›Lagerraum für Waren‹; als Metonymie: ›geräumiges Behältnis‹ (als Aufbewahrungsort für Sole).
Phraseme:
bis nach stube
›bis über die Sperrstunde‹.Syntagmen:
die s. raumen
; auf der s. zusammen kommen, js. gedenken, in der s. essen, etw. betrachten, zol nemen, den richter in der s. des urteils fragen, dem richter in der s
. [einen Betrag] eingewären, jn. in eine s. sperren, in einer s. verwaren
›festhalten‹, zu jm. in die s. kommen, j. in der s. in eisen sterben, in der s. x tonnen stal haben
; die s. des pflegers
; die grosse s
.Wortbildungen:
stubengeselle
stubenhüter
stubenrecht
stubenschreiber
stubenvater
stubenwirt
stubenzins
Belegblock:
Zu a):
Fallere. Betriegen verforteiln [...] feinantzen das huͤtlin vffsetzen beruͤcken jns stuͤblin fuͤren mit dem Judenspieß nieder rennen.
Wer wolt vmbs Lüffts willen ein Melancholischer muͤhesamer Stubenbruder seyn?
das etliche so verzweiffelt boshafftig sind, das sie mit der Pestilentz alleine darumb unter die leute odder ynn die heuser lauffen, [...], und wollen sie dahin bringen, gerade als were diese sache ein solcher schertz, als wenn man yemands zur schalckeit leuse ynn pelttz odder fliegen ynn die stuben setzet.
da sy in die stuben kam, | da bott man ir zu trinkhen.
der allerley bossel arbeyt thut / stubenknecht / baderknecht / kuchenbub.
Zu Funsa het er [...] 1 par mans STieffl .2. Ellen garn gestolen aus der STueben.
In vinster stuben der tausent liht | aufzunt, zehant der siht, | swas podes under der prugen | ist, spinnenwep und muken.
ettlichen goldsmiden ist vergonnt ettlich messein rosen und sterne, an ein stubenpüne dienstlich, einem von Pünau außwendig vergulden ze lassen.
Der Linhart Tucherin ein schün stubenkallter mit verschrotten werck, gestet mitsampt dem beschlahen 10 gulden.
do erwante das für an derselben zile, und sluͦg do das für über den weg obewendig der metzigen stube.
also wart er in den turn gefuͤrt [...]: darinne wart ime eine stube und eine kammer gemaht, do inne was er beslossen uf 10 jor.
es sy dann daz ouch darin gehellent alle ir stubegesellen die im lande sitzent und nit der stat burger sint.
Knöpfelin der ein stubekneht waz, het dise stat und burgban iemerme ewiclich versworn naht und dag eine mile.
schlechter Maaler / stubē maaler.
Fechten von der wyber wegen | Vnd sunst nach er vnd eydt nit fregen, | Das heißt am sampstag stuben fegen.
das wir nit gestatten noch verhengen wellen kein stuben uor vnsrem obren tor vswendig der stat ze machen, denn das man alle die stuben uor dem obren tor abbrechen sol.
Mich duncht, es sei ein stubenritter. | Er stinkt so saur, er feist so bitter | In der äschen bi dem feur.
63 schlosttiln und umb 6 stubentiln zu dem tich an der klainen müllen.
So lernet man auch hinder dem Ofen nicht mehr / als was man in der Stuben siehet.
Gib mir herre deiner stuebe beistenderinn, di weishait, daz ich alzeit wisse waz [...].
Er ist ein narr / wenn er gleich die stuben vol geldes hette.
hofmarch, darauf ain pemene stuben mit aim techlein gepaut ist.
wer der wär der ainen stuppaum abschlueg, der war verfallen 5 tal.
wem mein herr stubenholz gibt, der ist den forstner pflichtig zu geben 32 ₰. gibt man ihm dann zu stallung, so ist er pflichtig dem forstner 24 ₰.
darumben
[für das Recht, Holz für besondere Zwecke schlagen zu dürfen]
sein si zu geben schuldig die stubphenig. wann es sich zuetragen möchte das etwan einer, [...], ain stubenfenster muetwilliger und fraventlicher weis einstoßen möchte, so [...].
Kollnig, Weist. Schriesh.
217, 13
; Küther, UB Frauensee
143, 34
; v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
171, 17
; Uhlirz, Qu. Wien ;
Vorarlb. Wb.
2, 1361
.Zu b):
1 karke, item 1 ax dem stobenroche.
warten sie [die lieben Engel] auch der Kinder auff Erden, ob sie wol schebicht sein, Freien dem Jsaac die Rebecca, seind Stubenheitzer, Kindermaͤgde, und Waechter.
daz wir czu Mittilwald [...] geleyt habin [...], Lantgericht vnd erbegerichte, kornmueln, lomueln, bretmueln vnd walkmueln, czol, brupfann, stubinczins.
van vir eken hat sy ainn hupschen munt, | der brint als der rubine | in dem badaven in der stub.
Stubrer odʼ bader. stubinator, balneator.
Er
[Seuse]
waz an der vasnaht vor der conplet in ein warmes stúbli gegangen. und ließ im ein Bet bereiten bei einem Kemmet, da man ein Feuͤr macht, als in den Landen, da etwan kein Stuben sein.
Stub. Hypocaustum Hybernaculū.
won sy so gar krank was, so folget sy ir, das sy sy in die stuben fuͤrt zuͦ dem offen.
Stubenkammer / die kammer an der stuben [...], Cubiculum.
so bald man die stuben woͤrmet, oder die hitze des summers herfür brücht, so rauschend sy [bynen] und beissen.
‒
Vgl. ferner s. v. .Zu c):
dat die baetstoever in iren stoven die lude, die da badent ind scheirens begeirent, moigen alda scheiren.
die ritter halten taffel auf der grosser stuben, secretarii et cancellistae auf der abteyen.
Darnach richten sie mir ein pancket zu. Und von dannen ging ich mit jhnen auf die stuben.
sie woͤllen uff der Edelluͤt Stuben gon, da sie stubenedel geschetzt werden.
das nun hinfürter weder im stüblin, salzladen, [...] ainich zoll, [...] genommen [...] werden soll.
von einem wagen, der spicher, stuben oder hußguͦt fuͤrt I ß.
wurde dabei befohlen, die Ordnung
dem hußwirth eüwer ehrn gesellschafft zuͦzestellen, auch durch den stubenschryber in ein ordenliche taffelen abschryben und ufhencken zelaßen. Wellicher den andern veringen wundet, der soll die stuben und geselschaft verloren haben.
und das dieselben mit in reysen, reyskosten tragen, stubenzinß ußrichten und lieb und leid, glich andern iren stubengesellen haben und liden soͤllen.
ains erbern rats bit und begern, das sie es mit irer stuben erbern, loblichen brauch unnd herkommen halten und beleiden lassen wöllen.
hat gemelter Herbrot [...] in die geselschaft der merern stuͤben sein samen der uneinigkait eingeworfen.
1536 beschlossen die 20 auff der Herrnstuben [...], daß man die Stuben wolt abbrechen, neu auffpawen und ablesen, was zins darauff stünden, dartzu ain yeder stubengenoß halb sovil, als er steurt, ainmal geben sollt.
Solche leuchtfertigkait des gecken hat ain rath alda zu eim solchen misfallen ufgenommen, das man ine der stuben hat entsetzt.
[so sollen die richter] in der stuben und an gewonlicher gerichtstatt der urtel gefragt und waß also durch den mehrer tail erkendt würdet, für ein urtel publiciert und eröffnet werden.
Die drey Herren Burgermeister muͤssen von der Stuben seyn / wie auch der eine Geheimbde.
Rupprich, a. a. O. ;
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
233, 23
; Memminger Chron. Chr. ;
Bücher, Berufe Frankf.
1914, 122
.Zu d):
so habe wir czu Danczk in unserm kleynen spicher in der stobe 4 tunnen mit Luͤbenitzer staͤl.
dornoch qwomen land und stete wedir zcum herren homeister in das stowechin.
Ins pflegers stoben: item ein schawbetisch, der zcum pflegerampt gehort.
Wer auch sinen stobenzinß nit bezalte, [...], der sulde [...] mit 7 heller zu pene verfallen sin.
sollen alle straffen und bussen [...] zu bezalung des stubenvatters verwendet [...] werden.
das sie [vrttengesellen] sich fridlich halten und den stubenvatter sambt den seinen unbelastiget lassen.
das im derselbige Lorencz Moller in eyner zcechhaftigen stuben eyne blutrunstige wunden solle gehawen haben.
do warent die naciones alle by ainander zuͦ den barfüßen und sy saußen do by ainander biß nach stübi.
Vnd das sie [nüwe christen] [...] | [...] | [...] vff den stuben bei dem wein | Vnser auch gedencken fein.
Sie wolten auch gern alle samen, | Wa andere cristen kemen zuͤsamen, | Vff den stuben bei dem wein | Gern vnd früntlich bei vnß sein.
das uon dißhin nieman [...] in enkein geselschaft in vnser stat nuͥtzit geben noch senden sol denn allein sinen stubenzins in die geselschaft, da er rechter und uersprochner stubengesell ist.
obglichwol er einen gsellen, der mit im vische, zuͦ ime genommen, syge doch derselbig stubengsell zun Schifflüthen.
am herbst ist der alt Ambrosi Hechsteter in dem stiblin in den eissen gestorben.
und nomen 18 ß d, solt man auf di maut geben haben, und plundern roͤkch und guͤgl und sperten si in stubich.
beÿ disen Pergen schöpft man die Sulczen auf das Mass in die Stuben.
[die Arbeiter]
sollen fu̇rter die kernstain, Spat vnnd Grafach in stubm zutragen gepraucht werden, vnnd stuben Rawmen.2.
›Innenraum eines Destillierofens‹ (so das Glossar zu u. a. Beleg, 191).Belegblock:
Benzenhöfer, Rupescissa. Consideratione.
1921, 138
: also werdent die geiste in der warmen stüben gekelcket.