strich,
der
;
–/-Ø, -e
;
das Bedeutungsfeld von ist nur partiell von demjenigen von her motivierbar.
1.
›mit einem jeweils geeigneten Gerät gezogene, unterschiedlich lange, meist gerade Linie auf Textträgern, auf der Haut bestimmter Menschengruppen‹;
striche
in diesem Sinne haben Zeichenwert, u. a. zur Kennzeichnung einer Bruchzahl, zur Bemessung (von Figuren, in Skizzen), zur Messung von Füllmengen, zur Unterscheidung von Inhalten und Handlungsgliederungen (z. B. zur Erkennung von Pausen), zur textlichen Interpunktion, zur Markierung von Menschengruppen, zur Ungültigkeitserklärung von Inhalten (bei Durchstreichung);
vgl.  4.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  1,  1, , .
Syntagmen:
einen s. gestreichen / machen
(z. B.
durch ein register
),
durch etw. machen / tun
;
ein s
. (Subj.)
etw. bedeuten
;
aus einem s. misverstand kommen, etw. mit einem s. anzeigen / bezeichnen, jn. mit einem s. merken, etw. nach strichen lesen
;
der s. unter den augen
;
der blaue / braune / kleine / krumme / kurze / lange / gezierte s
.
Wortbildungen:
strichel
(1 Beleg),
strichpunkt
›Semikolon‹ (dazu bdv.: vgl. ).

Belegblock:

Luther, WA (
1530
):
Mit dem spruch mache ich ein strich durch das Register.
Volkmar (
Danzig
1596
):
Virgula, ein ruͤttlein / strichlein.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
71, 1
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
di judin, [...] di werdin ouch also gemerkit an eyme iclichin backin mit eyme langin striche.
Ebd. 3:
dy sarraceni, [...], sint geezeychnit ouch undir den ougin mit sibin langin strichin di sich czien von der stirne bis an den munt.
Gärtner, Widm. Rechenb.
379, 8
(
Leipzig
1489
):
die zal vber dem strichlen heyst der zeler.
Ebd.
465, 26
:
Ich hab muncz die helt am strich ader fein 7 lot.
Sermon Thauleri
12rb, 8
(
Leipzig
1498
):
das der maler nymmer also vorsicht yn seinem synne. wie er eynen iglichen strich gestreiche an dem bilde. wie kurtz. wie langk. wie breit es sein sal.
Gille u. a., M. Beheim
88
, Titel (
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Das ist ain loic und hat ainen verporgen sin. wer es nach den strichen list, so dunkt es pös. wer es aber nach den tupfen list, sa verstet man ez gut.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1500
):
deil die zwey newen tritell von den prawnen schtrichen jn der mit von ein ander.
Ebd. (
um 1500
):
miß, wie ver die nasen gett, so sichstu sie enden an dem ploen strich.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
250, 5
(
Nürnb.
1548
):
wol dem / vn̄ selig ist der / dem solche schuld nit zugerechnet / sonder ein strich dadurch gemacht wirt.
Harsdoerffer. Trichter (
Nürnb.
1650
):
Das Strichpuͤnctlein (;) semicolon unterscheidet I. die kurtzen Gleichnisse: [...] II. dienet das ; in dem Gegenstand unterschiedlicher Sachen / als: [...]. III. wann die Meinung durch etliche Dopelpunct gesondert wird / und selbe wideruͦm zertheilet werden.
Schorer, Sprach-Verd.
27, 3
(
1643
):
der soll sich billich auff schoͤne Schrifften vnd mit linckwuͤrmischen Zuͤgen gezierte Striche vond Buchstaben befleissigen.
Ebd.
43, 15
:
Kan nun aus einem Strich so viel Mißverstand kommen / was wolt nicht aͤrgernuß aus den Worten erwachsen koͤnnen.
Rot
286
(
Augsb.
1571
):
Acutus der hoch [Accent] wirdt mit eim sochen ẽ strichel bezeichnet / lehret ein sylben vbersich heben. Grauis der schwer / wirdt also ‚ gemacht / bedeut das man die sylben nider soll außsprechen.
Ebd.
337
:
in der Musica oder gsang / ist es ein kuͤnstlich vnnd gewises auffhoͤren / welches mit einem strichlein [...] anzeigt wirt.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
die zwen krummen strich allso stende ( ) bedeüten das so darvor und darnach stat gelesen werden mag. on verletzung volkomes sinnß.
Bastian, Runtingerb.
2, 80, 29
(
oobd.
,
1385
):
Suma an der seit von dem strich her 223 sxn. 26 g. 8 haler.
Klein, Oswald
6, 18
(
oobd.
,
um 1429
):
doch wil es got, der ainig man, | so wird mir pald ain strich da durch getan.
Gärtner, a. a. O.
471, 7
;
Vetter, Pred. Taulers ;
Vgl. ferner s. v.  3.
2.
›von
strich
1 her metaphorisch verstehbarer scharfer Blick‹.
Phraseme:
auf jm. strich halten
›jn. kritisch beobachtend im Auge behalten‹.

Belegblock:

Bartsch, Reinfrid (
halem.
, Hs.
14. Jh.
):
er muose sich entænen | der striche für ir ougen.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 94, 13
(
halem.
,
n. 1529
):
so blibend bi 200 reisiger, die von anfang in die gegne bestelt waren, uf den puren strich zehalten.
3.
›Verlaufsrichtung von Erzlagerstätten; Richtung der Fäden von Tuchen‹;

Belegblock:

Hertel, UB Magdeb. (
omd.
,
1477
):
das sie sollich bergwerck [...] in allen yren fellen ader strichen in denselben lehnen und massen nach bergwercksrechte unverhindert folgen.
Schmitt, Fachprosa
30, 28
(
Augsb.
1516
):
du müst dich auch fyrsechen, das an dem rock der strich aller vnder sich gang.
4.
›als zweidimensionale Erstreckung gedachte Landschaft, Gegend; bewirtschaftete Fläche, über die j. rechtlich verfügt‹;
vgl.  3.
Phraseme:
fremden strich bauen
›das Land verlassen‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): (
die
), ,  1,  2; vgl.
1
 1.
Syntagmen:
js. s. meiden
(im Rahmen des Weiderechtes);
ein s. an ein ende kommen
›enden‹; (Vieh)
auf einen s. treiben
;
der s. holz
.

Belegblock:

Kollnig, Weist. Schriesh.
62, 20
(
rhfrk.
,
1628
):
So man eingeschlagen hat in die äckern, solle ein hirt eines andern strich, biß daß viehe recht gewehnet, 8 tage meiden.
Mon. Boica, NF. (
nobd.
,
1434
):
2 sl. in golde von einem strichlein holtz.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
um 1480
):
Dar um so sprich | ‚Knab, e ich wich, | E paut ich selber fremden strich‘.
Maaler (
Zürich
1561
):
Strich (der) Gaͤgne / Glaͤnd.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
513
(
Genf
1636
):
strich / m. Landsrefier / Trait [...], Regio.
Rot
356
(
Augsb.
1571
):
Tractus, Strich / glaͤnd [...] Landschafft.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
als weyt derselb strich und gegennt ist, chumen sy an all enndt.
UB Zug
2496, 12, 2
;
Wiessner, Wittenw. Ring
7629
;
Vorarlb. Wb.
2, 1348
.
5.
›Weg, Pfad; Streifzug‹ (von Menschen); ›Fährte‹ (von Tieren); ›Zug, Streichrichtung‹ (von Fischen); hierher auch: ›Bohle‹ (verstanden als ‚Weg‘ über Brückenpfeiler)?;
vgl.  1.
Gehäuft wobd. / oobd.
Wortbildungen
strichling
›Vagant, Umherstreifender‹ (dazu bdv.: , ).

Belegblock:

Buch Weinsb. (
rib.
,
1587
):
Die bruck wirt von villen schiffen, [...] mit ankern und ketten wol angeheft und befestiget sin und groisse hulzen strichen und bort daruber gelagt, das man druber reiten [...] kan.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1499
):
Und hatten uff demselbigen zug gewunen [...] Kissenberg und Bluͦmenfeld und darzuͦ fill dorffer ferbrentt und hatten gros guͦtt gewunen uff demselben strich.
UB Zug
1410, 6
(
halem.
,
1485
):
dz der obgenant Schmid in dem strich des vischs, genant nasen, das garn zehen tag und naͤcht [...] fúrsetzen und úberschlahen moͤge.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
Demnach saß Rengnold uff Bayard und macht sich uff die străß durch ein heimlichen strich.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
die von Bern, [...] mit andern iren verwanten nament iren strich wider Habkessen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Strichling (das) Vagant. Vagus.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
16. Jh.
):
und sonderlich dardurch der visch sein strich nicht haben möcht.
6.
›Streifen, sich durch Farbe, Machart o. Ä. von seiner Umgebung abhebendes längliches Gebilde an Gegenständen konkreter Art, vor allem an Kleidern, Wappen‹ (damit eng an 1 anschließbar); speziell und teils ütr.: ›Reihe von Grundstücken‹; ›abstrakt gedachte Linie; Umrisse (des Kreuzes)‹; ›Kreuzzeichen‹; ›Richtlinie, Leitlinie des Handelns; schmaler Fahrstreifen‹; ›als Gesichts‚züge‘ gedachte Prägung des Antlitzes‹;
strich
in diesem Sinne hat eine Unterscheidungs-, Erkennungs- sowie Orientierungsfunktion.
Bedeutungsverwandte:
II.
Syntagmen:
einen s. aufschlagen / wirken
(z. B.
mit künsten
),
durch etw. strecken, einen s. in der fane, am gewand striche haben
;
der / ein s. glänzen, etw. beleuchten, ein s. über den ort (des schildes) gehen, bis an die einfart gehen
;
got verstehen js. s. sein
;
j. x huben an einem s
. ›nebeneinander‹
haben, etw. mit einem s. teilen
;
der s. des kreuzes
;
der aschenfarbe(ne) / blaue / rote / schwarze / weisse / güldene s
.;
der rok mit einem s
.
Wortbildungen:
strichhose
›gesteppte Beinbekleidung‹ (so das Glossar zu
Ziesemer, s. u.
),
strichig
›gestreift‹ (dazu bdv.: vgl. ).

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Und dô volant was diz gebet, | des crûzis strich sî vor sich tet.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
3, 27
(
preuß.
,
1379
):
6 par grusener und 2 hundiskogiln, item 5 kolnir, item 4 par strichhosen.
Lohmeyer, K. v. Nostitz (
preuß.
,
1578
):
der hatt 51 huben dar, beide an einem striche.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
62, 13
(
Frankf.
1535
):
Der steyn Absinthius ist von dem geschlecht der gesteyn die glaßfarb seind mit roten strichlin.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
in dem strich / der biß an die Eynfaͤhrt gieng / war es gar flach.
Helm, Maccabäer (
omd.
/
nrddt.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
got vorstende – si unser strich – | reht irkende – ane gewich – | zorn vertrende, irbarme dich!
Pyritz, Minneburg
2953
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Da durch mit kunsten gestrecket | Attrafers sehs strich begarbe, | Die da beluchten die sehs varb.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1488
):
Dieses [...] schilt was ein weiß felt, überzwerich rot schranken, drei strich.
Maaler (
Zürich
1561
):
Strich vnd lydmaaß deß angesichts. Lineamentum.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1378
):
darnach ain panier des landes von Lützelpurg, ain rotten leo uff ainem plaw strichigem veld und 3 ros.
Morrall, Mandev. Reiseb.
33, 11
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
der zagel ist im
[dem
vogel
]
rosen var mit gelen und rotten strichen.
Sappler, H. Kaufringer
30, 106
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
am gewant habentz ermel als die mann, | mit strichen, lappen vil daran | von maniger farb geschnitzet schon.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron. (
schwäb.
,
1534
):
da hettenn sie ein aschenn farbenn strych
(in der Fahne).
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
Das dritt zaichen, das zü der dencken seiten gefürt sol werden, ist plab himelfarb, der grosser tail getailt inmitten mit ainem güldem strich, oben mit zwain lebenkoppfen.
Memminger Chron. Chr. (
Ulm
1660
):
Man kleidet sie [Fußgehende] alle in blawe Roͤck / mit einem schwartzen / rothen / vnd weissen Strich.
Uhlirz, Qu. Wien (
moobd.
,
1436
):
mit namen ein wissen schilt mit einem plawen strich geende uber ort des schiltes.
Pyritz, a. a. O.
2976
;
Uhlirz, a. a. O. .
7.
›Glattstrich‹ (verstanden als Messhandlung, bezogen auf einen Behälter); metonymisch: dadurch erfolgende ›Messung des Behälterinhaltes‹; dabei werden unterschiedliche Gewerbe- und Handelsprodukte, speziell Schüttgüter, darunter Erze, Gold, generell aber auch andere, der Messung unterworfene Güter durch jeweils spezifische Prüfverfahren (z. B. mittels der
strichnadel
, des
probiersteins
) auf die vorhandene Menge wie auf ihre Echtheit geprüft; metonymisch: ›Gerät, Latte, Brett zum Ausführen eines Glattstrichs‹. Diese Verfahren setzen eine teils einfache, teils komplexe Wirtschaftsorganisation voraus (s. u. z. B. den Beleg
Loesch
), sie werden in den Quellen als bekannt vorausgesetzt und sind deshalb nicht genau erschließbar und überdies relativ schwach belegt;
vgl.  46.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme:
am striche
›durch die Probe, bei der Probe; verlässlich geprüft‹;
mit dem striche
›mit der Streichlatte gemessen‹.
Wortbildungen:
stricher
›Messer‹ (von Tuchen),
strichgeld
›Gebühr für den ordnungsgemäßen Glattstrich‹,
strichholz
›Streichbrett‹,
strichnadel
,
strichvol
(im Unterschied zu
gehauft
, s. , V., 1).

Belegblock:

Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
493, 16
(
preuß.
,
1423
/
34
):
Ungeld hiruff: zcuzcuslon 10 gl., pingelt von der halle zcu tragen, strichegelt, perssegelt 12 gl.
Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1357
):
so en soilen die meistere gein dink doin, dat dat gemeine ampt antrift, id en sij mit willen ind wist des ganzen, gemeinen amptz, datʼz zo verstain: die vurstender, die stricher in der hallen, richter, wiger ind underkeufer in der wolkuchen ind martmeister up dem weitmart zo kiesen.
Ries, Rechenb.
F 3v, 13
(
Erfurt
1522
):
eyner kaufft ein Stugk goldes wigt 28 margk 12 lot vnnd helt ein margk am strich 16 karat.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
258, 23
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Setz ein glas an einen unbeweglichen ort, fülle es strichvoll mit wasser, laß es uber nacht stehen. Gehet es uber, so bedeutet es ein feucht jahr.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1509
):
darnach schreibt er [ambtmann] auf das zettel, was auf den schirbenim feuer bleiben, damit findet man, was abgegangen ist, auch was es am strich helt.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1402
):
als [...] der römisch künig die vorgeschriben brief gab, die guldein, die vorgeslagen warn, versuchen ließ und vand die an dem striche als hernach geschriben stet.
Mon. Boica, NF. (
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
alles getreide misset man mit einem firteil mit eym strich
[dies kann auch als ›Streichbrett‹ gelesen werden]
und ist alles 1 malter.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
412, 46
(
halem.
,
1417
):
Weler aber ieman ein gantzes mess [...] ze kouffen geben wil, der sol der knechten einen, so dann die strichen in dem kouffhus fuͤrent, besenden und im den das saltz mit dem mess [...] uss der botken laͧssen us messen.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern (
halem.
,
15.
/
16. Jh.
):
und sollent sollich gold anders nit verkouffen, dan uff den tutsch, das ist der strich.
Ebd. (
1509
):
so sol ein jeder goldschmid in empfachen des golds soͤllichs strichen, dem, so das zuͦgehoͤrt, den strich geben.
Ebd. (
1611
):
so sölle derhalben der guardin [...] hierzuͦ verordnet, alle jarmerkt und sonst umbghan by allen krämeren, [...] visitieren, und was ihnen geliept, uf dem probierstein gegen der strichnadel probieren.
Bremer, Voc. opt.
11016
(
halem.
/
wobd.
,
15. Jh.
):
Hostorium strichholtz [...] strich [...] est intrumentum teretis figure, per quod equatur et planatur superficies frumenti mensuratorio vasi infusi.
Mollwo, Rotes Buch Ulm (
schwäb.
,
1403
):
daz och si metzen und halbmetzen und vierdling haben, die geichet und beschlagen sien, und suͥllen die gestrichen nemen mit ainer strichen und niht gehufet.
Müller, Welthandelsbr.
331, 17
(
schwäb.
,
1535
/
40
):
ich hab 100½ ontz gold, das helt am strich 19 krat.
Ebd.
333, 14
:
Das golt in Ungern kauft man nach dem strich oder der nadl nach.
Bastian, Runtingerb.
2, 117, 19
(
oobd.
,
1399
):
drew stuchk golcz, di habent 4 march 4 lot und 5 dn. gebichcz golcz; ez hat am striche pey 21 karat.
Chron. baier. Städte.
395, 25
(
moobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
der pekch sol scheiblig prot pachen an den rechten semeln den rokken mit dem striche pei 72 d.
Karnein, de amore dt.
164, 324
(
moobd.
,
v. 1440
):
Was valsch möcht vnerkannt in silber sein, wann man es wol versücht vnd recht am strich bewärt oder im test abtreybt.
Vogel, Pract. Alg. Ratisb.
267, 3
(
moobd.
,
M. 15. Jh.
):
einer hat 12 lot 3 quint. daz helt am strich 21 karat 3 gram.
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 246
.
8.
›Hohlmaßeinheit‹ (z. B. für Getreide); ›dem Maß entsprechende Füllmenge‹; auch: ›Kasse, Geldbeutel‹; als Metonymie an 7 anschließbar und mit den angegebenen Nuancen in sich metonymisch.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):
1
(
die
6,
1
 3.
Wortbildungen
strichmetze
(dazu bdv.:  1).

Belegblock:

Ermisch u. a., Haush. Vorw.
58, 32
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Da nemen sie 1 strich korn und 1 sipmaß habern untereinander.
Schnelbögl, Salb. Karls IV.
81, 13
(
nobd.
,
1366
/
8
):
Von der Rechtenplan 95 strich der alten mazz.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
109, 26
(
nobd.
,
um 1540
):
Auch solle uns ein müller malen [...] und einem ieden aus einem achtel malen und geben sechs strichmetzen und einem malter zwölf strichmetzen.
Klein, Oswald
19, 113
(
oobd.
,
1416
):
Mein güter strich, der reut mich nicht, | von guldin was sein name.
Ebd.
198
:
künig Sigmund follet mir | den strich mit manchem plancken zier.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1643
):
Es sullen auch die müllner geben einem ieden für zween mezen trait drei strich meel.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
229, 19
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
ist auch von alter gewest, das man dem mullner hat waicz geben, so hat er in dem haws ye drey strich mel muessen abmessen für zwen meczen waicz.
9.
›Schlag einer Einzelperson (mit einer Waffe)‹; ›Sieg einer militärischen Einheit‹ bzw. (konvers:) ›Niederlage in einer Schlacht‹; am ehesten hier anschließbar: ›Biss, quälender Zugriff (von Kröten o. Ä.)‹;
vgl.  8.
Phraseme
(?):
der streich des drachen
›Todesstreich‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):
1
 2,  2.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn (
Wolfenb.
1594
):
wolte ich meinen Vater mit einem Beil ein par strich hinter die Ohren geben, vnd jhme einen Pfrim in den Kopff schlagen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
658, 4759
(
Magdeb.
1608
):
Vnd gab jhm mit dem Schwert ein strich / | Das er halb todt zur Erden wich.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
mit groissen slegen ind myt strichen | daden sy da die viande wichen.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
gib uns den man | Vil balde der Beln
[vgl.
baal / beel
]
nu hat | Zu brochen, und da bi stat | Schuldic and des trachen strich.
Gille u. a., M. Beheim
449, 441
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
als ob sy [kroten] in
[Menschen im Fegefeuer]
auff snellem strich | ire herczen auss welten răffen.
Qu. Brassó
5, 603, 8
(
siebenb.
,
n. 1613
, Hs.
18. Jh.
):
Des Báthors Hauf viel harte Strich | Empfing und kehrt den Rücken.
Ebd.
595, 16
.
10.
›Schmeichelei‹;
vgl. am ehesten  7.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  2, .

Belegblock:

Schorer, Sprachposaun
72, 4
(o. O.
1648
):
die Herren Priester / die zu Hofe leben [...] Kommen mit Weltlichen vnd sehr anmuthigen Historischen Strichen auffgezogen.
11.
steht bei Reimzwang mit explikativem Genitivausdruck für dessen Inhalt; Beispiel:
jares strich : Friederich
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Ô sûzir got vil milde, | intwende dînes zornis strich.
In des selbin jâris strich | reiste brûder Friderich, | [...] | sô hin kegn Sudouwin wart.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Daz si [Marie] uns von ir arte | Mitte teile tegelich | Heilende der sunden strich | Vruntlichen.
Heile miner sinne strich!