streuen,
V.;
hohe Schreibvarianz, s. dazu s. v.
ströuwen
sowie streuen
im (dort mit ausführlichen etymologischen und formengeschichtlichen Erläuterungen).1.
›(Tieren) streuen, Streu (z. B. als Futter) ausbreiten, ausschütten‹ (1 Beleg); ›etw. (Diskontinuierliches, oft Gekörntes, oder etwas als diskontinuierlich Tropisiertes, z. B. häupter, pfennige
) mit einer Wurfbewegung zerteilend [wohin] streuen, verstreuen, ausstreuen‹; auch: ›etw. in etw. hineinstreuen‹; mehrfach mit Verschiebung der Bezugsgröße, und zwar in zweierlei Hinsicht: einmal vom affizierten Obj. (z. B. von asche, heu, pulfer, salz
als dem Gestreuten) auf das metonymisierte Obj. (z. B. auf anger, feld
als bestreute Fläche), dann ergibt sich eine Verschiebung von ›etw. verstreuen‹ auf ›etw. bestreuen‹; zum anderen vom affizierten Obj. (im Belegfall heu
) auf die durch streuen
effizierte Größe, im Beleg auf bette
, dann ergibt sich eine Verschiebung auf ›etw. durch streuen
herstellen‹, im Beispielfall also auf das Bett.Syntagmen:
den kälbern s
. (ohne Akk.obj.); etw
. (z. B. kiesel
) s., äste jm. entgegen, an den weg, zucker auf etw., asche auf die häupter, von den häuptern, den samen
(einer Pflanze) auf das brot, pulver auf eine färte, in einen graben, in einen gebresten
›eine kranke Körperstelle‹, häupter in einen sal, pulver / salz in die wunden, blumen in das gemach s., dem vieh etw
. (eine geschnittene wurzel
) in das futter s., lilien unter etw. s., etw. um die bäume s., geld / pfennige unter das volk s
.; mit Bezugsgrößenverschiebung: den weg mit palmen, den estrich mit steinen s
.; jm. mit heu ein bette s
.; mit präd. Attr.: confect gestreut sehen, den anger mit / von blumen gestreut sehen
; als Part. Prät.: der anger von blumen, die kamer mit kraut gestreut
›bestreut‹ sein
; asche in die geschwere gestreut
(dies nachgestellt).Wortbildungen:
streubüchse
streuensweise
streugabel
streusand
streustro
streuzucker
Belegblock:
so mengt man drein / | Ein roͤtlichs toͤdlichs puͤluerlein / | Als wenns roter strawzucker wer.
Joseph bring mir ein Buͤschle mit hew, | Damit ich meim Kindlein ein bettle strew.
Diß esche also genutzet heilet bose geswere die geoffnet sint dar yn gestrauwet.
Welcher hette einn fluß in dem afftern [...] der nem Antimonium / vnd püluer den / strew das in den gebresten.
daruber sal der scheffer den hoffman nicht bedrangk [...], eß were dan sach, daz eß also tyff were, daz er strauwestroe haben solle.
Ge in das hus mit din cameln, den ich han gestrauwet und futter vor geschot.
eyn grave [...] hatte mit sinen knechten undir die houweschrecken buchssen pulver gestrowet.
die anderen hiuwen di este von den boumen und strowiten si an den wec.
Dem vihe sol man angelicen- und baldrianwurzel, gar klein zerschnitten, [...] ins futter streuen.
Stret sorgen, herte kisel! | Netze, kalter regen risel!
Salcz streit man in die wunden sein.
wenn man sicht geströt | mit blümlin feld und anger.
Ebd.
18, 17
: dú [dirne] kunnd den faden zwúrnen, | den kelbernn stroewen, schniden graß.
er strewt
[
pflaͤstertEck
1537: ;
vberzogLuther
1545, 2. Chron. 3, 6: ]
den estrich des tempels gar mit kostberm mermelstainen. Fünff und sechtzigg hobett | Wurdentt geströwett über all | Für den tisch in den sal.
die opfrenden bedeckend ouch die opfer mit härinem gwand vnd ströwend Eschen vff ire hoüpter.
Straͤwbuchs / sandtbuͤchs. [...] straͤwgabel [...] Furca. [...] Straͤwsand / schreibsand.
das man sagt, das confect und lezelten gesträt legent, als weit das haus was.
Sesamum, [...] deß Somen sie auff das Brot zuͦstrewen sehr im gebrauch haben.
Der anger wol getzieret was | Mit pluͦmen, leuchtent durch das gras, | [...] | Da von der anger gestroͤwet was.
wenne man daz [tier] gevæht, sô prent man ez zuo pulver und sträut daz pulver auf der lewen vert.
legt von eüch die klaider der klag vnd die traurikhait vnd sült streüen den aschen von eüren hëbten.
Dubizmay, kurß zu Teutze
76, 11
; J. W. von Cube. a. a. O.
110, 12
; Hajek, Guͦte spise
24
; Mollay, H. Kottanerin
28, 19
; 2.
›(eine Einheit) auflösen‹ (allgemein); im Einzelnen von als Einheit gedachten Abstraktgrößen (wie einem schein
, der üppe
›Üppigkeit‹, dem sin
), von kontinuierlichen Massengrößen (wie der galle
als Stoff), auch von als Gesamtheit ertexteten personalen Einheiten (wie der trucht
), von kollektiv im Pl. stehenden Gruppen (wie den Polen, Juden, erben, zeugen
) gesagt; demzufolge (je nach betroffener Größe) z. B.: ›einer Haltung ein Ende bereiten‹; ›sich (als Gruppe) auflösen, zerstreuen‹; ›(Personenkollektive) verjagen, auflösen, vertreiben, dem Untergang anheimgeben‹; ›(eine Salbe) wo aufstreichen‹.Syntagmen:
die erben s
., (eine Gruppe) als die kerne s., die üppe, den sin s., der buler den reichtum s., galle auf ein schwulst s
.; refl.: die christen sich s., die trucht
(Subj.) sich an die flucht, die domherren sich unter die welt, die Polen sich von einander s., die feinde sich im her s
.; im Part. Prät.: die kaufleute, die zeugen, der sonnenschein, die bürger (in die klöster), die Juden (in das elend der zerteilung) gestreut sein
.Wortbildungen:
streuung
streuung
‹; dazu bdv.: ).Belegblock:
dô dâhinnin sundir vâr | di Polêne her und dar | sich von einandir strouweten.
und auch die zewgenn im lande zu Prewssen uberall gestrowet und verr von einander gesessen sind.
Stroͮwen wil ich ir uppe | Als der wint ein gestuppe | Tut.
Iren schatz er do besiet | Vientlich in verterben, | Vil gar der lande erben | Strowende in den stunden.
Dy galle gestroygit uf eyn swulst welchirleyge dz sy, dy seczt sich also vort.
Da sprachen die iuden zcu in selber / wo wirt er hin gen das wir in nicht werden finden? wirt er in der heyden strewung gen (das ist in der heiden wuesten) vnd wirt die heiden leren?
über das sein auch unser kauflute in allen landen und furstenthumen gestreut.
hetteß Got gereytt der juden streüung, so wer Got nit allmechtig.
thumberren sollen alle pey dem stifft gesessen sein, nicht das sye sich unter dye werlt also strewen.
wann sathan mitt siner schar | hat dich gesuͦcht vnnd sich gefrewt, | das er vͥch
[die
junger]
alls den kernnen streüwt. die reitenden Dürgken weichent oft den cristen und fliehent vor in darumb, daß sich die cristen ströen, und darnach koment sie herwider merer gerennt und gesterckt und dann werdent die cristen, also gesträet und ungeordnet, überwunden.
daz ander reich des luftes ist gar kalt, [...] dar umb, daz der sunnen schein und der andern stern dâ selben gar gesträwet ist.
der sein sinn streut recht als den stawb, | dem solt du hilf erzaigen.
burger und edel lauͤt | in dw chloͤster sind gestrauͤt.
Ain inprünstiger pueler [...] fürcht kain troen, sein will tüt reichtumb strewen, vnd gewonlich ist ir ausganngk arm.
3.
›etw. physisch oder verbal von sich geben‹ (in einem sehr allgemeinen Sinne); im Einzelnen diesem Allgemeinen zuzuordnen: ›etw. verbal ausstreuen, kundtun; jm. etw. nachsagen‹ (von Personen in verschiedenen Zusammenhängen gesagt), ›jm. etw. (z. B. seine Tugend) erzeigen‹; ›(seinen Duft) ausströmen‹ (von einem Rosenstrauch); ›etw. auswerfen, ausspeien‹ (von einem Vulkan); ›etw. ausstrahlen‹ (von der Sonne, einem Stein); ›jm. seinen Harn entgegenspritzen‹.Belegblock:
horet wie ich dese rede strouwe: | der man bezeichent di unkuscheit | [...].
nach mines fatters doit wart dem Elsich fil darin gestreuwet, das er heut zu tag kein ende hat.
wie Etna / wenn er strewet | Die flammen in die lufft / vnd siedendʼ hartz außspeyet.
Strewẽ. pʼsternʼ idʼ exponʼ idʼ odʼ außlegẽ odʼ offenbarn.
du dich dirr ding frow, | daz wunder
[religiöser Natur]
in din hertz strów! [die
junkfrow]
sol sich mit got frowen | Und ir tugend gen im strowen. als diu sunn ze mittelst stêt under andern planêten, dar umb, daz si irn schein gestrewen müg auf die andern stern über sich und under sich, alsô stêt des menschen herz ze mittrist in dem leib.
dar inn ist unser fraw gepflanzt als ain wol geladener rôsenpaum, der seinen smack milticleich umb sich sträwt mit voller genâd.
so man in
[einen
stain]
an die sunnen legt, sô sträut er auz im selber feur und schein. do wurden sy grisgrainen | sam dy hunt an einer lainen, | das in der jest dy mėuler streit.
4.
›etw. (ein Gewand) zum Zeichen der Verehrung vor jm. ausbreiten; sich vor jm. zu Boden werfen‹ (aus Verzweiflung).Belegblock:
Die irsten tragen palmen in der hant, | Die andern strauwen er gewant | Vor des heilandes fuß.
vil der schare straüten ir chleider in den weck. aber ander di brachen oder snyten di este von / den bavme. vnd straüten si in / den weck.
ethlich czugen klayder ab | vnd strätten für den herren das. | Ethlich die prachen esst herab | vnd strätten die dem herren vor.
und streẅt sich zu der erden für unnser lieben frawen pilde gnad von ir ze pitten.