streng,
strenge,
strenglich,
Adj.
/
Adv.,
in adverbialer Funktion vereinzelt
strange
;
zur Etymologie des Wortes s. , hier eine Skizze möglicher motivationeller Bezüge der angesetzten semantischen Verdichtungen des außerordentlich komplexen Bedeutungsfeldes.
- Die im Folgenden vorgenommene Gliederung setzt für jede der unterschiedenen Bedeutungseinheiten eine Skala von Qualitätszuschreibungen voraus, an deren einem Pol die geringer und an deren anderem Pol die schärfer ausgeprägtere Eigenschaft steht. Die gemeinten Skalen betreffen vereinzelt physische Qualitäten (1; 2; 3), danach (von 4 bis 10) eher soziale Verhaltens- und Beziehungsgegebenheiten, und zwar: 4 die peinliche Gerichtsbarkeit, 5 gebieterisch-befehlendes Sozialverhalten, 6 persönliche Unerschrockenheit, 7 extreme Formen der Spiritualität, 8 ein positives Titelattribut, 9 unfreundliche persönliche Eigenschaften / Beziehungen, 10 ein aggressives Verhalten gegenüber dem anderen; die meisten dieser Ansätze enthalten implizite Wertungen.
1.
adverbial das Festzurren e. S. oder das Fesseln e. P. kennzeichnend; resultativ: ›fest, straff angebunden, gefesselt, festgehalten‹ (von e. S. oder e. P.).
Obd.
Bedeutungsverwandte:
 1, .
Syntagmen:
(jn.) strenglich knüpfen, s. binden / drücken, etw. s. machen
›fest verknüpfen‹,
einen al, eine lamprete strenglichen halten, ein kreuz strenglich an sich spannen / ziehen, an den leib treiben, jn. s. in ein band koppeln
.

Belegblock:

Pyritz, Minneburg
4661
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Dar zu ir nit mich chopelt | In sorgen bant so strenge.
Voc. Teut.-Lat.
ff rv
(
Nürnb.
1482
):
Strenglich knupffen. nexare. nexere.
Sachs (
Nürnb.
1557
):
Das mich etwan der sattel druchet | Streng und das kumat mich auf-jucket.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
wenn er
[Seuse]
daz krúz
[ein Kreuz mit Nägeln zur Selbstkasteiung]
also strenklich an sich gespien und naher an den lip getreib, [...], so viel er nider uf die erde.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Vil strangklich er gebunden wart | An ain sul der selben vart.
Henisch (
Augsb.
1616
):
All zu streng zerreist. All zu vil ist vngesund.
Schmitt, Ordo rerum
649, 35
(
oobd.
,
1433
):
Constringere [...] enge machen streng machen.
2.
›über die erwartbare Dauer eines Naturvorgangs (vereinzelt), (meist:) eines Handelns, auch eines mentalen Zustandes hinausgehend‹; im Einzelnen: ˹›sehr lange; dauerhaft, andauernd, anhaltend; ununterbrochen‹ (vom Regen)˺ (jeweils mit dem Fokus auf der Zeitkomponente); ›beharrlich, hartnäckig, verbissen, unnachgiebig‹ (mit dem Fokus auf der Intensität); teils untrennbare Verbindung der Zeit- mit der Intensitätskomponente.
Gehäuft obd.; erhöhte Belegdichte für narrative wie didaktische Texte.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , (Adj.) 7,  14,  56, (Adj.) 12.
Syntagmen:
eine zeit s. sein, j. je strenger je stolzer werden
;
j. strange dienen, strenglich auf seinem fürnemen beharren, s. in etw. anhalten
(z. B.
im bitten
),
in die stat schiessen, strenglich mit jm. kriegen, der teufel jn. s. anfechten, der haufe (der hunde) jm. s. nachlaufen, j. jn. strenglich bitten, j. die schiffe strenglich machen, einen kampf strenger anfangen, denne [...], einem gespenst s. wiederstehen, einem reisigen zeug strenglich nachfolgen
;
der strenge krieg, die strenge feindschaft / liebe / übde
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
dî dûtschin brûdre wâren | beladin mit betruͤbde, | dî sî mit strengir uͤbde | von grôzir hant bevatzte.
Palm, Veter Buoch (
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
Darnach begonde in der tufel strengelichen vnd stetlichen anvechten.
Pyritz, Minneburg
3895
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Der hat gedinet strange | Gar williclich und lang | Mit truwen einer juncfrawen.
Gille u. a., M. Beheim
80, 102
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Das ander czaichn ist das ein mensch | strenglich wider stet dem gespensch, | diser veint seiner sele, | Der welt, seim leib, dem posen geist.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
So ihm aber der hunde hauffen | An der hetz so streng nach thund lauffen.
Barack, Teufels Netz (
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Die zit und wil ist so strang, | Ain tag tusend jar lang.
Goldammer, Paracelsus
4, 97, 5
(
1530
):
wir dermaßen sollen uns halten, daß wir nit verziehen, sunder streng anhalten in unserm bitten.
Dierauer, Chron. Zürich (
halem.
,
15. Jh.
):
do vieng es an regnen, und regnet unz an samstag ze nacht jemerdar streng und vast, das es der zitt nie ufhort als lang, das [...].
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 268, 3
(
halem.
,
1508
/
16
):
und fieng an, die stat gar hertiklich ze stürmen die ganzen nacht und schoss gar streng dar in.
Löffler, Columella/Österreicher (
schwäb.
,
1491
):
Etlich machand straͤncklich die schiff und ordnand darnach die gemachotten nit.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
als nun der streit ergangen was [...], da kriegten sie zu baiden tailen gar strenglich mit ainander.
Karnein, de amore dt.
253, 260
(
moobd.
,
v. 1440
):
kumbt zue yr ain lustreicher pueler [...] vnd pit sy vast vnd strengigkleich, sy tuet yn geweren.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Die ritter gottes jagten in strengs nach sluegen sy an der flucht ernider.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
ward ein strenger heftiger streit, weret vom aufgang der sunnen bis zum nidergang.
v. Keller, Amadis ;
Jörg, Salat. Reformationschr.
579, 14
;
Barack, Zim. Chron. ;
Spiller, a. a. O. .
Vgl. ferner s. v.  1.
3.
›schnell‹ (relativ zum erwartbaren Maß der Fortbewegung von Lebewesen); ›schnell, reißend‹ (von Gewässern, teils mit der Nuance ‚gefährlich, unberechenbar‘), jeweils in der Zeiterstreckung; vereinzelt zeitpunktuell, dann: ›bald, in Kürze‹.
Mehrfach narrative Texte.
Bedeutungsverwandte:
,  2; vgl. (Adj.),  1.
Wortbildungen:
strengers
(Adv.) ›schneller‹.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged. (
1636
):
Wer hier am strengsten läuft, | den andern übereilt, zu Gottes Boden säuft, | Der ist der beste Man.
Ihr mustet weiter fort, Gott weiß mit was für Grauen, | und euer fruchtsams Heil der strengen See vertrauen.
Mieder, Lehmann. Flor.
862, 10
(
Lübeck
1639
):
es kan doch keiner
[der
Voͤgel
]
so streng vnnd hoch fliegen als der Adler.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Memil ist ouch ein wazzir gût | und vlûzit in strengir vlût | ûz rûzischim riche her | und in daz vorgenante mer.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
dat he
[
keiser
, Friedrich I.]
sich woulde enwenich baden ind van dem sweis waschen in eime strengen wasser.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
so bald er zu jnen kommen, reisten sie etwas strengers.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
was fuͤr ein Schiff oder Nachen dareyn kompt / kan schwerlich / vonwegen deß strengen vnd geschwinden Stroms wider heraußkommen.
Voc. Teut.-Lat.
ff iiijv
(
Nürnb.
1482
):
Strenglich oder eylich. strenue.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1471
):
zu bevestung und bewarung derselben stat Nuemburg, die durch strengen fluß des Reins ser beschwert werde.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
[das er] hinab in die Tonow gefallen, da dieselb am diefesten und strengesten der enden geloffen.
Guth, Gr. Alex. (Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Daz du nit mohtest leben lang | Und müßest sterben vil strang.
Knape, Messerschmidt. Bris.
14, 36
;
4.
kennzeichnet in ansatzweise phrasematischen Formeln die letztmögliche scharfe Folter (sowohl im profanen Rechtsgang wie im ) bzw. das schärfst mögliche Urteil (die Todesstrafe bzw. die ewige Verdammnis).
Gehäuft obd.
Syntagmen
bzw. phras.:
die strenge frage / strafe, das strenge gericht / urteil / fegefeuer
.
Wortbildungen:
strengheit
1 ›Strenge des Urteils beim Jüngsten Gericht‹.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
da besaß her Cone von Falkenstein erzebischof zu Trire [...] ein strenge gerichte zu Limpurg uf dem berge mit irme selbes libe.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Unnd
[Jesus Christus]
wirt ir
[der
creatur
]
rechtlich waltenn | In moß, das der gancz himlisch flur | Der strengheit nymet schricke
(Var. W:
Der strengkeyt do herschicket
).
Kohler u. a., Bamb. Halsger. (
Bamb.
1507
):
so ein ancleger vnser amptleut oder Richter anruft, yemant zu Strengem Rechten zu gefengknus zu legen, so sol derselbsig ancleger offenbar vrsach [...] zuforderst ansagen.
[wo] die geclagt misstat sunst vnlaugenbar ist, [...] sol der ancleger alssdan verpuͤrgen dem strengen rechten [...] nachzukomen.
so furan, [...], yemant peynlich straff verwuͤrcket vnd derhalb [...] strencklich gerechtvertiget wurde, [...]: So soͤllen [...].
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
232, 20
(
els.
,
1362
):
vnd [ir bruͦder] sullent gedencken daz er
[ein
bruder
]
denne fúr daz strenge gerichte wurt gefuret vnd do von dem túfel wurt vmb sine sunde ane gesprochen.
Strauch, Schürebrand (
els.
,
E. 14. Jh.
):
und lendent mit allen ireme sorgveltigeme kumbere und gewerbe in dem langwirigeme pinlicheme strengen vegefúre.
Stammler, Berner Weltger.
633
(
ohalem.
,
1465
):
Jch
[Christus]
uertrag dem sünder lange, | Zwar aber ich richt gar strenge.
Martin, H. v. Sachsenh.
128
(
schwäb.
,
1455
):
O sündiger mensch, bis vor gewitzt | Das dir die urteil nit werd streng!
Reithmeier, B. v. Chiemsee (
München
1528
):
gleichwie ain übeltaeter, der des malefitz vnd strengen vrtails des tods begeben ist, widerumb gefueert wirt in faencknuss.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1599
, Hs.
2. H. 17. Jh.
):
Wan ain oder mer malefizpersonen im purkfrid [...] einkomben, miessen dieselben durch den panrichter in Steyr examiniert und [...] mit der strengen frag im schloss Pfanberg fürgenumben, [...] genuegsamb füer malefizisch [...] geaht, [...] dem marktrichter zu Fronleiten bis an die Fronleitner pruken wie die personen mit gürtl umbfangen zu merer peinlicher frag [...] überantworth werden.
5.
›streng, unerbittlich, gebieterisch, befehlend‹; vom Handeln Gottes gegenüber dem Menschen und von sozial höherstehenden Personen gegenüber Abhängigen gesagt; metaphorisch auch auf Größen wie  1, , bezogen;
streng
in diesem Sinne unterliegt der Anerkennung einer allgemeinen, religiös begründeten Seins- und Lebensordnung.
Phraseme:
mit jm. (zu) streng faren
o. Ä. ›mit jm. (allzu) streng, hart verfahren‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  49, (Adj.) 6, ,  13,  5, , .
Gegensätze:
 1,  4,  1.
Syntagmen:
j., js. wort, die macht (der minne) (jm.) s., zu s. sein, j., die warheit zu s. werden
;
etw
. (
die ehe
, eine
verpflichtung
)
s. / strenglich halten, Jesus s. / strenglich richten, j. strenglich mit strafe handeln, j. jn. s. / strenglich anfaren / durchächten / strafen / urteilen, zu reden stellen, j. jn. strenglich an jm. gerächen, j. jm. strenglich zusetzen, mit jm. stränglich verfaren, j. jm. etw. s. gebieten, jm. strenglich gebieten, das [...], j. ein ampt strenglich volbringen
›führen‹,
s. zu etw. verbunden sein, etw. aufs strengste fordern
;
der strenge bote / herre / richter / könig /
1
befel, ernst, die strenge
2
geisel / gerechtigkeit / liebe / rechnung / regierung, das strenge recht / urteil / wort
.
Wortbildungen:
strenge
(
die
) 1 ›gebieterische Gewalt, Unerbittlichkeit‹ (dazu bdv.:  3),
strengmütigkeit
(a. 1476).

Belegblock:

Luther, WA (
1519
/
20
):
Die zeytlichen gutter, die der kirchenn geweszen sein, solten nit auffs strengist widder foddert werden.
Daher man auch das recht teylet ynn streng und gelind recht, und was tzu streng ist lindert man, das ist equitas, moderatio, clementia iuris.
Thiele, Minner. II,
31, 401
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
ich wil met lere eme lagen | und also strengeclichen settzen zuͦ | das er sal haben selden ruͦ.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
si [neigunge] ist ein strengiu geisel, diu den menschen [...] ze der tugent trîbet.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
In sime gericht so strengetlich | Wel hie [got] orteil arm und rich.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
kamen alle Nacht etliche zu vns / die vber seiner strengen Regierung vnd vnbarmhertzige Grausamkeit schmertzlich klageten.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
11, 3
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
getraue ich wol, er [Got] werde mich [...] umb die vor gewurkten übeltat, die ir an mir habt begangen, strenglich an euch gerechen.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
daz die barmherzicheit tempere die warheit und die warheit temperet die barmherzicheit, anders die warheit wŭrde al zu strenge und zu herte und die barmherzicheit wŭrde al zu lene und al zu semphte.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
15, 18
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Dy monche di haldin ir e gar strenge, unde ir lebin ist kusch und erlich.
Gille u. a., M. Beheim
79, 307
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Das er in dann sein strengen | gotlichen grechtikait peweiss.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
1527
):
wiewol ain erber rat gegen deinem leyb und gut strengklicher mit straf hetten zu handeln, so [...].
Sachs (
Nürnb.
1556
):
ich hab | Zimlich gestrafft sein tyranney, | Wie er zu streng gefaren sey, | Nemblich mit dem unschulding man, | Den man hat gester abgethan.
Adrian, Saelden Hort
1725
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
si [drie kúng] liesen sich nit irren do | des kalten zites streng | noch des weges leng.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
553, 27
(
els.
,
1362
):
Die keczer durchehtet er
[Augustinus]
so strenglich das sú meindent, wer [...].
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
dise menschen sint allen menschen geloͤibig und barmherzig; si ensint nút strenge noch hertmuͤtig, denne vil gnedig.
Ebd. (
1359
):
Wie múgen wir des so gruntlichen uns schamen und wie das so strenge sol geurteilt werden!
Lindqvist, K. v. Helmsd.
3628
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Wie gar strenklich er [Jhesus] wil richten | Hie nach an dem jungsten tag.
Jörg, Salat. Reformationschr.
35, 22
(
halem.
,
1534
/
5
):
So dann es jst ein streng handfest ding / allten dingen ernüwerung geben.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1524
):
so bedorft man nit also strengklich mit der gmain faren.
Heydn. maister
25v, 7
(
Augsb.
1490
):
Die verpflichtung vnd purde dʼ ee strencklicher gehalten würd so sÿ mit dem zaum des heÿratguͦtz verheft waͤren.
Bauer, Geiler. Pred.
90, 27
(
Augsb.
1508
):
wie der unnd der mensch / durch in [got] als gar strengklich gestraffet seind worden / auch daßs er die verdampten / mitt einem unnwideruͤflichen urttail verurtailet hat.
Andreae. Ber. Nachtmal
109r, 7
([
Augsb.
]
1557
):
also empfahe ich jn [Christum] als ain strengen vnd erschrockenlichen Richter.
Ebd.
111v, 18
:
daß Christus [...] dem Gotlosen ain strenger Richter sey / wie er den Glaͤubigen das leben ist.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
440, 4
(
moobd.
,
1473
/
8
):
wen si [Minn] mit strenge pindt, | der muess et dick an freüden gar verderben.
Munz, Füetrer. Persibein
450, 3
(
moobd.
,
1478
/
84
):
er [helld] rúefft mit strenngen wortten: | „wo ist der kempff?“
Thiele, a. a. O.
28, 121
;
Rosenthal. Bedencken
30, 10
;
Wyss, Limb. Chron. ;
Harms u. a., Alberus. Fabeln
50, 40
;
Knape, Messerschmidt. Bris.
41, 10
;
Pyritz, Minneburg
4837
;
v. Keller, Ayrer. Dramen ;
Williams u. a., a. a. O.
657, 15
;
Thiele, a. a. O.
11, 110
;
Goldammer, Paracelsus
3, 278, 25
;
7, 178, 18
;
Adomatis u. a., J. Murer. Abs.
1439
:
Bauer, a. a. O.
90, 30
;
Rudolf, Peuntner. Sterbek.
148vb, 8
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
2, 31
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 358
.
Vgl. ferner s. v. ,  3, , (Adj.) 13,  2.
6.
›über alle Fähigkeiten verfügend, die von einem Kämpfenden idealerweise erwartet und in einer bewaffneten Auseinandersetzung bewiesen werden, tapfer, unerschrocken, kühn‹.
Gehäuft narrative Texte.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  2, (Adj.) 8,  124,  3.
Wortbildungen:
strenge
(
die
) 2 (dazu bdv.:  2).

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
also daz der burggrebe von Rinecke einen frigen irstach einen erbern strengen ritter doit.
Knape, Messerschmidt. Bris.
15, 22
(
Frankf./M.
1559
):
ritten die zwen kuͤhnen Helden aber dermassen also steiff vnd streng auff einander/ das [...].
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1488
):
der [haubtman] füeret den adler und strait darbei gar strenklich.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Strenuitas, Handtuöste / strẽge / dapfferkeyt.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Monagris waz strenge, | Paris unmassen genge.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 211, 24
(
halem.
,
1508
/
16
):
herzog Philip, der da gar strenklich gefochten hat wider die Englischen.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
513
(
Genf
1636
):
Streng / tapffer.
Chron. Augsb. 4, 319 Var. z. Z.
20
;
320, 3
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
303, 3
.
7.
wird gesagt vom Streben vor allem der Angehörigen christlicher Orden, vereinzelt auch heidnischer Mönche nach eigener religiöser Heiligung (zum
verzückt werden
, zu
erleuchtender, bekennender bescheidenheit
), damit zur Nähe Gottes; dementsprechend ist
streng
7 in heutige Lexik zu vermitteln als ›asketisch, enthaltsam, inbrünstig, streng‹. In diesem Sinne
streng
zu sein erfordert
andacht
1; 2, ein
lauteres herz, busfertigkeit, schwere arbeit
3,
trübsal
1,
1
gebet
1,
leibliche übung, grobe speise, liebe zum geistlichen leben, erbärmde
gegen andere,
leiden
(V., unr. abl.),
dem leichnam abbrechen, festiglich streiten wieder die sünde
, die Qualitäten
abgescheiden
(part. Adj.),
keusch
. Als Gegenkräfte erscheinen
böse geister, freude, hoffart, üppigkeit, törliche wänung
(
von im selb
),
wollust
(des Menschen) an der
welt
; Hindernisse (die eine kritische Haltung gegen
streng
im hier vorgetragenen Sinne implizieren) sind bloße Äußerlichkeit, selbstbezügliche Einbildung und damit Abgrenzung von anderen, auch die der
streng-
Semantik inhärente, je nach Kontext schwankende Bewertung moraltheologischer und sozialer Werte wie der
tugend
1; 2; 3.
Gehäuft ˹obd.; älteres und mittleres Frnhd.; Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘˺.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  1,  128,  1, (Adj.) 11,  2,
2
 11.
Gegensätze:
(Adj.) 2.
Syntagmen:
j., js. leben
(z. B. das
leben
des
Johannes
)
s. sein, j. strenglich leben, sich strenglich üben
;
j. einen orden für s. halten
;
die strenge übung, das strenge leben
(mehrfach).
Wortbildungen:
strenge
(
die
) 3.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Den liuten mac vorhte und krankheit dâ von komen, daz unsers herren Jêsû Kristî leben und der heiligen alsô strenge und arbeitsam was und der mensche des niht vil vermac.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
21, 33
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
di [monche] do stetlichis nicht andirs essin wen wassir unde brot, und sint kusch und han eyn strenge lebin.
Dietrich. Summaria
20v, 16
(
Nürnb.
1578
):
So lesterten die Phariseer Gottes wort / vnnd wolten jres fastens vnd strengen lebens halb / fuͤr heilig gerhuͤmet sein.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
us dem uͤbent sú sich strengklich und lebent behuͤtklich und tragent den lúten vor einen erberen heiligen wandel.
Adrian, Saelden Hort
3420
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
von kintlicher anegenge
[›seit seiner Kindheit‹] |
sin [Johannes] spise grob, vil strenge | was vor in allen och sin leben.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
Do nam ich aber mine vͤbunge her vúr, vnd vͤbete mich strencliche rehte also vor.
also lange also du noch in der zit wurst sinde. so solt dv dir selber keine strenge herte vͤbvnge ane tvͦn, du sult einveltikliche der cristenheite gebot halten, wenne dv wurst inwendig gnuͦg gevͤbet werden mit demme daz dv dise zit liden mvͦst.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
loͮffent dir och dine gebresten engegen mit swerem strengem urteil und straffende dich, do bi blip und straffe dich selber vil hert.
Ruh, Bonaventura
337, 23
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
Zem funfften gegnet strengi: ze erleschen raißung der duͤrry, das ist trägkait.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
Gregorius, Bernhardus, Benedictus die haben auch regel gemacht, die waren streng und hert und abgeschaiden von der welt.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
69, 115
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
der da pegert ze leben gaistleich vnd strengleich
[Vorlage:
abstracte
],
dem ist gar fast ze huͤten, daz er nicht suntet an dem tail.
Ebd.
73, 34
:
die geistleichen menschen, dew pesunder ain strengleich leben habent vnd hertichleich lebent, von den ist ze voderist versehen, daz sew suntent mit den fraͤuelen merchnuͤss vnd derchennuͤss von den andern vnd in der verdampnuͤss der andern.
Ebd.
191, 157
:
wie man ir doch vil vindt, dy sich v̈ebent in strengem leben, awer nicht in tugënten, Wann an tugent got chain leypleich v̈ebung ist genëm.
Bauer, Imitatio Haller
56, 24
(
tir.
,
1466
):
der war liebhaber Jesu Kchristi [...] suecht vil e das hert streng leben vnd die swër arbeit.
Ebd.
87, 17
:
wie haben die heiligen alt väter als ain herttes strennges leben gefüert in der wuest, vnd wie grosse swere truebsal vnd anuechtung haben sy geliten vnd die stetig petriegung vnd peinigung der pösen geist.
Ebd.
102, 5
:
so würt vil pësser sein das streng leben vnd die hert pueswertiikchait, [...], denn alle irdische freüd vnd wolüst.
Lauater. Gespaͤnste
72r, 20
;
Drescher, Hartlieb. Caes. ;
Hohmann, a. a. O.
187, 89
.
8.
Achtung gebietender Titel für gehobene, in der jeweils gültigen gesellschaftlichen Ordnung eine bestimmte Funktion ausübende, auch durch ihre Leistung anerkannte Personen, vereinzelt auch für Verfassungseinheiten. Die Bezugnahme kann in der Anrede (teils mittels
du
) oder referierend erfolgen: für (mehrfach),  123,  1,  2,
landamman, landleute, eidgenosse
,
1
 2, (
der
79.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  1, ,  3,  3, , , , , .
Wortbildungen:
strenge
(
die
) 4.

Belegblock:

Knape, Messerschmidt. Bris.
41, 41
(
Frankf./M.
1559
):
[Koͤnig Anataster
]
sprach / Strenger Ritter Gott gruͤß euch / jhr sollet nit verzagen.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
Beschreibung desz goldreichen vnd herrlichen Königreichs Guiana, [...] erfunden durch den Strengen vnd Vesten Walthern Ralegh / Rittern.
Küther, UB Frauensee
397, 35
(
thür.
,
1530
):
Strengen ernvesten hern. Auf die gegenrede Michel Flachen sage ich [...].
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1488
):
do bat er [Ludwicus] an dem todpet sein frawen, daß sie nem zu der ee ein strengen graffen, den er zu seinem hoffmeister gemacht het.
Sachs (
Nürnb.
1517
):
O fleuch baldt, fleuch, du strenger ritter, | Venus macht sonst dein leben bitter.
Jörg, Salat. Reformationschr.
27, 1
(
halem.
,
1534
/
5
):
Den strengen / fromenn / eerenfesten / fürsichtigen / ersamenn / hochgeachten / wysen schulthessen / landamann / raͤten / burgern / landlüten / und gantzen gmeynden der fünf allten orten / und cristen / des loblichen pundtz / der Eygnoschafftt [...] enbüt Joannes Salat [...] syne undertenige / ghorsame / geneygtte guͦtt willigen dienst.
Wyss, Luz. Ostersp.
10868
(
Luzern
1545
):
Erwürdig, strenng, edel, vest vnnd fromen, | ir hand verstanden, gsen vnnd ghört, | wie Cristus hatt syn bluͦtt vereert.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
513
(
Genf
1636
):
Strenger Juncker [...] gentilhomme, vir fortis.
Knape, a. a. O.
35, 4
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
11, 3
;
108, 3
;
Koller, Reichsreg. Albr. II.
177, 9
;
Mell u. a., Steir. Taid. .
9.
vom Tun (z. B. von
dieberei
) und (häufiger:) vom Verhalten e. P. (auch von Jesus Christus) gegenüber einer anderen gesagt: ›zornig, ungehalten, streng, böswillig‹.
Phraseme
(hierher ?):
streng und strak
›schnurstracks‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  1,  24, (Adj.) 3,  3, , .

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged. (
1638
):
Wie der Komücken Grimm, die Frechheit der Usminen, | [...] | der Tagostaner List und strenge Dieberei | uns ofte blaß gemacht.
Jsts denn nit eyn grewlich weßen umb der Papisten und geystlichen leben? wilchs alßo streng und strack mit dem kopff an dissen felß leufft und ßo gar widdersynnisch dem Christlichen leben wandelt.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
um 1480
):
in der andern wirt er [Cristus] sie [sunder] strenglich und zorneclich von im weisen.
10.
›qualvoll, schmerzend, schrecklich, grausam‹; meist von Handlungen gesagt, die jm. von einem anderen (darunter von Gott, z. B. über ein Erdbeben) zugefügt und vom Betroffenen erlitten werden; auch z. B.: ›bitter‹ (von Arzneien).
Gehäuft obd.
Phraseme:
es liegt
(einem Tier)
strange
›es geht (einem Tier) schlecht, es quält (ein Tier)‹.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 12,  25, (Adj.) 2,  1, .
Syntagmen:
das erbeben s. sein
;
jn. strenglich peinigen, etw. strenglich rächen
;
der strenge tod, unfriede, das strenge mittel, die strenge rache
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
855, 19
(
Lübeck
1639
):
Der patient / so ein faulen schwuͤrigen Schaden hat / muß mit strengen erschrecklichen mitteln curirt werden.
Pyritz, Minneburg
4296
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
so ez uz den luͤften | Wirt nibeln und tuͤften | Mit frostes anhange | Und so ez ligt strange | Den vogeln und den tıͤren, | Daz [...].
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
241, 16
(
els.
,
1362
):
Do fuͦr der tufel wider in den priester vnd pinigete in so strenglich vncze er in ertoͤtete.
Goldammer, Paracelsus
5, 180, 14
(
1530
):
die ganz erden erdbidem vor dem angesicht gottes und hat nit gesundiget, wie streng wird euer erdbidem sein, die ir gesundt habt.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1424
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Mit zúk nuss falscher aiden | Ward dem unschuldigen Nabot | Da ertailt ain strenger tot.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Als aber die Hewnen vernamen dise verräterey, vermainten sy die ding strengklich mit gäher rach zu rechen an dem hertzogen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
57, 6
(
tir.
,
1464
):
Ich pin v̈beral vmgen [...] ob ich vileicht fund meinen vater Jeronimum, den der sstreng tod genamen hat.
Dies., Zist.-Pred. Haller
89, 173
(
tir.
,
1466
):
du pist gestarben [...] nicht mit dem ringen tod, aber mit dem strenngen vnd pittern vnd schnöden tod, mit dem tod des kchreüczes.
V. Anshelm. Berner Chron. ;
Lindqvist, a. a. O.
1544
;
Wyss, Luz. Ostersp.
6788
;
Spiller, a. a. O. ;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
15, 41
;
101, 34
.