streitig
(meist),
strittig
(deutlich seltener),
streitlich
(vereinzelt),
Adj.;
zu den Schreibungen mit
-ei-
bzw.
-i-
vgl. das unter I Gesagte. Der Bezug der Bedeutungsansätze auf diejenigen von
streit
I ist teils diskutabel.
1.
charakterisierend, schmückend, funktional auf den militärischen Kampf, seltener auch auf den Zweikampf bezogen; im Einzelnen: ›kampfbereit, gerüstet; tapfer‹ (von Personen); ›kämpferisch, dem Kampf angemessen‹ (vom Verhalten); ›kampfdienlich‹ (vom Verhalten e. P. wie von Gegenständen gesagt); vgl. I, 2, auch 1 und 4.
Gehäuft berichtende Texte.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4, , (Adj.) 1, .
Syntagmen:
j. s. daherziehen
;
(einem rebok) ein horn s
. (subjektbezogenes präd. Attr.) [wo]
stehen
;
die streitige fart / ungestümigkeit, das streitige ding / gewand / wappen / ziel, die streitigen liste
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Des richte zû her Swantopole | und sîn brûdir her Schambor | mit irem volke, want sî vor | der Prûzin strîtlîch wandrin | baz westin wen dî andrin.
dô achte man sundir wân | mê den sechzic tûsint man | strîtlîchir in dem here.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Em
[einem
reboc
]
stunt den ougen zwischen | Stritlich ein vil grozes horn.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
15. Jh.
):
das wir peide personlich [...] mit den [feinden] streitlichen gefochten [...] haben.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
vnd er [machabeus] schurtzte sich mit den streitlichen wappen
[
Dietenberger
1534:
streits wafen
;
Eck
1537:
Pantzer
;
Luther
1545, 1. Makk. 3, 3:
Harnisch
]
in den streiten.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Ane die die sich vor strittes nott | Mitt strittenlichen listen | In stürmen kunden fristen.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
156, 2
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Sy sprach: „Du pist geleret | streitlicher ding genueg“.
Ebd.
231, 4
:
Priamus selb im lande | hett leẅt und ritter vil, | das er trawt ane schande | den Chriechen stossen wol streitliches zil.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
ain über grosse menig des volks der haiden, die mit hoch fliegendem panier streitlich daher zugen.
Munz, Füetrer. Persibein
487, 2
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Zw hannd hiess er im pringen | all sein streitlich gewannt.
Koppitz, a. a. O. ;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 458
.
2.
›strittig, umstritten, hinsichtlich einer z. B. religiösen, rechtlichen, sprachlichen Festlegung noch nicht entschieden, dem Entscheidungsstreit unterliegend‹;
vgl. I, 56.
Bedeutungsverwandte:
 3, , ; vgl.  2,  6,  3,  2.
Syntagmen:
eine lere s. machen, ein grabe, eine sache s. sein
;
die streitige sache, das streitige gut / wort
.
Wortbildungen:
˹
streitigkeit
,
strittigkeit
˺ ›Streit, Streiterei, Meinungskampf‹ (dazu bdv.: , , , ).

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
228, 5654
(
Magdeb.
1608
):
Gedenck dabey / | Das deine sach noch streittig sey.
Gropper. Gegenw. (
Köln
1556
):
dweil [...] die streitige vnd in zweifel gezogne wort zuverstehen woll anzeigen werden [...].
Rosenthal. Bedencken
12, 23
(
Köln
1653
):
eben so vil koͤnd gesagt werden von andern Glaubens Lehren / die streittig gemacht worden.
Ebd.
13, 27
:
wann nit die Kirch eine bestaͤndige sichtbarkeit hette / wie koͤnd mann dann zu allen Zeiten in entstehenden Strittigkeiten sich bey jhr angeben.
Schwartzenbach (
Frankf.
1564
):
Dann nichts hinterlegt wirdt / es sey dann strittig oder kiegbar / wem es zugehoͤre.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
513
(
Genf
1636
):
Streitig / daruͤber streit ist [...]. Die sach ist (streitig).
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
seitmals die strittigen güeter baiden iren momen, [...], so gar ferr und weit entlegen, sollten dieselbigen niemandts pillicher, dann dem geschlecht Erpach vor andern gegunnet sein worden.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1694
):
Da sich nun [...] ein zweifelhaftige strittigkait eraignen [...] solte.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
München
1586
):
So thut die geschicht erhalten, | Jn strittiger sach den sig.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1672
):
demnach sich [...] alda viel unterschiedliche, grosse uneinigkeiten und strittigkeiten ereignet.
Ebd. (
1619
):
weilen die
[Bezug unklar]
aber zwischen dem fürstl. stift Göß, herrschaft Pfamberg und herrschaft Rabenstain waß strittig gewest.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
143, 7
(
mslow. inseldt.
,
1625
):
wie nun ein Erśamber Rath, hinauß kumen, die śtrittig śoch in augenśchein genumen.
Ebd.
152, 9
(
1625
):
Andreas Müller vnnd Lorentz Piatkho begeren entśchaidung Wegen des waśśergrabens śo Zwiśchen ihre beider weingärt [...] śtrittig iśt.
Barack, a. a. O. .
Vgl. ferner s. v.  1.
3.
›hartnäckig, unnachgiebig, unbeeinflussbar auf etwas bestehend, entschlossen, beharrlich‹ (meist von Personen, auch von Handlungen gesagt); neutral bis positiv konnotiert; teils mit fließendem Übergang zu 4.
Mehrfach Verstexte des älteren bis mittleren Frnhd.
Bedeutungsverwandte:
 3, ; vgl. (Adj.) 3b,  1,  4,  4,  3.
Syntagmen:
j. s. sein
;
jn. s. manen
;
der streitige jäger
(mehrfach),
die streitige arbeit, streitliche werke
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
daz dise rittirlîche schar | des dûtschin ordinis vorwâr | vortrîbit engistlîche vâr | mit strîtlîchir arbeit | von der heiligin cristenheit.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
Der dogende ein heißet sterke, di plihet stritlicher werke; daz si irlose di gemeine gut, darzu stellet si iren mut.
Helm, Maccabäer (
omd.
/
nrddt.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
ieglichen sun sie mande hie | stritlichen mit voller stimme, | wisheit was sie vol ein imme.
Adrian, Saelden Hort
5097
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
die [frowen, herren] vil von kriegen hant erlitten | und wis, werlich, stritig | sint und nach eren gitig.
Matthaei, Minner. I, (Hs. ˹
nalem.
,
1459
˺):
ain stolzes tier haben wil | ain stritigen jeger, das ist wär.
Ebd. (Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
wa ain staͤtiger buͦler waͤr | und der gesessen waͤr der waid | [...] | alß ain stritiger jaͤger tuͦt, | so gloub ich das kainer frowen muͦt, | ir hertz noch sin so hert muͤge sin, | sy precht [...].
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 86, 22
([
Augsb.
]
1548
):
Jch wollt du waͤrest der Türckisch Kaiser / und du Bapst zuͦ Rom. Also sagt man von zwayen / die in Raͤthen stehts widerainander / und streytig gewesen sein.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Jch hoͤr doch sprechen manigen man, | Daz ye ein streitig yeger, | Werd muͤder unde treger | Daz wild.
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 231
.
4.
›streitsüchtig, händelsüchtig, starrköpfig auf seiner Meinung bestehend‹; im Unterschied zu 3 neutral bis negativ konnotiert;
vgl. I, 345.
Gehäuft wobd. / oobd.
Bedeutungsverwandte:
 2, ; vgl. , .
Gegensätze:
, .

Belegblock:

Luther, WA (
1521
/
2
):
ich muß mich solcher vorblumeten spruch enthalten, wie wol [...] die schrifft yhr voll ist, den die streytigen feind mochten eynn außflucht nemenn und sagen, weyn unnd silber deutte nit gotliche schrifft.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
Sterb jetzt also, du halstarrig, mit deinem streitigen Kopff.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
512
(
Genf
1636
):
Streitig / so gern streitet vnd hadert.
Chron. Augsb. 4, 148, Var. z. Z.
26
(
schwäb.
,
v. 1536
):
der Rem [...] ist ain fraindlichs, guͦts mendlin gewest, aber garr zuͦ streittig.
Ebd.
5, 237, 4
(
1523
/
7
):
Regel was ain fruͦmer gesell aber streittig.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Nachdem nun der strittig, hochmüetig pfaff von Geggingen verscheucht, do kam ain pfaff dahin, ein seltzamer abenteurer.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1671
):
wolt aber der so streitig sein und das vich nit außnehmen, so [...].
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1568
, Hs.
M. 18. Jh.
):
daß die burger untereinander strittig wurden, [...] sollen richter und rat jederzeit vleis furwenden, si nit in langwürige rechtfertigung wachsen zu lassen.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1585
):
so zwen müllner umb ir wasser [...], mit einander strittig werden.
5.
s. I, 3.
6.
s. I, 6.
7.
s. I, 7.