streitig
(meist),
strittig
(deutlich seltener), streitlich
(vereinzelt), Adj.;
zu den Schreibungen mit -ei-
bzw. -i-
vgl. das unter I Gesagte. Der Bezug der Bedeutungsansätze auf diejenigen von streit
I ist teils diskutabel.1.
charakterisierend, schmückend, funktional auf den militärischen Kampf, seltener auch auf den Zweikampf bezogen; im Einzelnen: ›kampfbereit, gerüstet; tapfer‹ (von Personen); ›kämpferisch, dem Kampf angemessen‹ (vom Verhalten); ›kampfdienlich‹ (vom Verhalten e. P. wie von Gegenständen gesagt); vgl. I, 2, auch 1 und 4.Gehäuft berichtende Texte.
Syntagmen:
j. s. daherziehen
; (einem rebok) ein horn s
. (subjektbezogenes präd. Attr.) [wo] stehen
; die streitige fart / ungestümigkeit, das streitige ding / gewand / wappen / ziel, die streitigen liste
.Belegblock:
Des richte zû her Swantopole | und sîn brûdir her Schambor | mit irem volke, want sî vor | der Prûzin strîtlîch wandrin | baz westin wen dî andrin.
Em
[einem
reboc]
stunt den ougen zwischen | Stritlich ein vil grozes horn. das wir peide personlich [...] mit den [feinden] streitlichen gefochten [...] haben.
vnd er [machabeus] schurtzte sich mit den streitlichen wappen
[
streits wafenDietenberger
1534: ;
PantzerEck
1537: ;
HarnischLuther
1545, 1. Makk. 3, 3: ]
in den streiten. Ane die die sich vor strittes nott | Mitt strittenlichen listen | In stürmen kunden fristen.
Sy sprach: „Du pist geleret | streitlicher ding genueg“.
Ebd.
231, 4
: Priamus selb im lande | hett leẅt und ritter vil, | das er trawt ane schande | den Chriechen stossen wol streitliches zil.
ain über grosse menig des volks der haiden, die mit hoch fliegendem panier streitlich daher zugen.
Zw hannd hiess er im pringen | all sein streitlich gewannt.
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 458
.2.
›strittig, umstritten, hinsichtlich einer z. B. religiösen, rechtlichen, sprachlichen Festlegung noch nicht entschieden, dem Entscheidungsstreit unterliegend‹; Syntagmen:
eine lere s. machen, ein grabe, eine sache s. sein
; die streitige sache, das streitige gut / wort
.Wortbildungen:
˹streitigkeit
strittigkeit
Belegblock:
Gedenck dabey / | Das deine sach noch streittig sey.
dweil [...] die streitige vnd in zweifel gezogne wort zuverstehen woll anzeigen werden [...].
eben so vil koͤnd gesagt werden von andern Glaubens Lehren / die streittig gemacht worden.
Ebd.
13, 27
: wann nit die Kirch eine bestaͤndige sichtbarkeit hette / wie koͤnd mann dann zu allen Zeiten in entstehenden Strittigkeiten sich bey jhr angeben.
Dann nichts hinterlegt wirdt / es sey dann strittig oder kiegbar / wem es zugehoͤre.
Streitig / daruͤber streit ist [...]. Die sach ist (streitig).
seitmals die strittigen güeter baiden iren momen, [...], so gar ferr und weit entlegen, sollten dieselbigen niemandts pillicher, dann dem geschlecht Erpach vor andern gegunnet sein worden.
Da sich nun [...] ein zweifelhaftige strittigkait eraignen [...] solte.
So thut die geschicht erhalten, | Jn strittiger sach den sig.
demnach sich [...] alda viel unterschiedliche, grosse uneinigkeiten und strittigkeiten ereignet.
weilen die
[Bezug unklar]
aber zwischen dem fürstl. stift Göß, herrschaft Pfamberg und herrschaft Rabenstain waß strittig gewest. wie nun ein Erśamber Rath, hinauß kumen, die śtrittig śoch in augenśchein genumen.
Andreas Müller vnnd Lorentz Piatkho begeren entśchaidung Wegen des waśśergrabens śo Zwiśchen ihre beider weingärt [...] śtrittig iśt.
3.
›hartnäckig, unnachgiebig, unbeeinflussbar auf etwas bestehend, entschlossen, beharrlich‹ (meist von Personen, auch von Handlungen gesagt); neutral bis positiv konnotiert; teils mit fließendem Übergang zu 4.Mehrfach Verstexte des älteren bis mittleren Frnhd.
Syntagmen:
j. s. sein
; jn. s. manen
; der streitige jäger
(mehrfach), die streitige arbeit, streitliche werke
.Belegblock:
daz dise rittirlîche schar | des dûtschin ordinis vorwâr | vortrîbit engistlîche vâr | mit strîtlîchir arbeit | von der heiligin cristenheit.
Der dogende ein heißet sterke, di plihet stritlicher werke; daz si irlose di gemeine gut, darzu stellet si iren mut.
ieglichen sun sie mande hie | stritlichen mit voller stimme, | wisheit was sie vol ein imme.
die [frowen, herren] vil von kriegen hant erlitten | und wis, werlich, stritig | sint und nach eren gitig.
ain stolzes tier haben wil | ain stritigen jeger, das ist wär.
wa ain staͤtiger buͦler waͤr | und der gesessen waͤr der waid | [...] | alß ain stritiger jaͤger tuͦt, | so gloub ich das kainer frowen muͦt, | ir hertz noch sin so hert muͤge sin, | sy precht [...].
Jch wollt du waͤrest der Türckisch Kaiser / und du Bapst zuͦ Rom. Also sagt man von zwayen / die in Raͤthen stehts widerainander / und streytig gewesen sein.
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 231
.4.
›streitsüchtig, händelsüchtig, starrköpfig auf seiner Meinung bestehend‹; im Unterschied zu 3 neutral bis negativ konnotiert; Gehäuft wobd. / oobd.
Belegblock:
ich muß mich solcher vorblumeten spruch enthalten, wie wol [...] die schrifft yhr voll ist, den die streytigen feind mochten eynn außflucht nemenn und sagen, weyn unnd silber deutte nit gotliche schrifft.
Sterb jetzt also, du halstarrig, mit deinem streitigen Kopff.
Streitig / so gern streitet vnd hadert.
der Rem [...] ist ain fraindlichs, guͦts mendlin gewest, aber garr zuͦ streittig.
Regel was ain fruͦmer gesell aber streittig.
Nachdem nun der strittig, hochmüetig pfaff von Geggingen verscheucht, do kam ain pfaff dahin, ein seltzamer abenteurer.
wolt aber der so streitig sein und das vich nit außnehmen, so [...].
daß die burger untereinander strittig wurden, [...] sollen richter und rat jederzeit vleis furwenden, si nit in langwürige rechtfertigung wachsen zu lassen.