strecken,
V.;
Faktitivum zu (Adj.); in den Präteritalformen auch
-strakt-
, mit Primärberührungseffekt:
-stracht-
; motivationell sind die Bedeutungsansätze zum Verb nur relativ allgemein auf das
Adj.
beziehbar.
1.
›Bezugsgrößen in der Regel eingeschränkter, eingezogener, kurzer Art in eine maximale Länge bringen, strecken, dehnen, ziehen‹; meist von Körpergliedern gesagt; ütr.: ›jn. / sich wohin (auf Gott hin) dehnen‹ (vom Glauben gesagt); offen zu 2.
Phraseme:
die adern strecken
›sich anstrengen, sich Mühe geben‹;
die flüge
›Flügel‹
strecken
›etw. unternehmen‹;
die schenkel strecken
›schnell laufen, sich beeilen‹;
strek dich!
›Tu was!‹;
sich zu felde strecken
›sich aufmachen‹;
sich nicht an etw. strecken
›sich nicht um etw. kümmern, etw. unbeachtet lassen‹;
sich strecken, danach die decke ist
.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1,  2, , .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
j., die minne sich s
.;
j. die arme / finger, die hand, das haupt, linien s., (jm.) die hand
[wohin]
s., alle viere s., die füsse, den daumen, die zunge
[wohin]
s., j. jm. das bein, die backen s., die kälte den rauch s., j. js. zunge vor den mund s., der ochse seinen fus über den wiederker s
.;
der gestrakte arm, die gestrakte hand, die gestrekten flügel
;
der hals gestrakt
.
Wortbildungen:
strekwasser
›die Haut glättendes Gesichtswasser‹.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Expandere. Auß spannen breiten strecken tehnen.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
want mit gestractim arme | und mit gewâpintir hant | slûc des tûvils wigant | in gar mertirlîchir nôt | al die aldin cristnen tôt.
Volkmar (
Danzig
1596
):
ich recke / strecke / dehne mich.
Luther, WA (
1521
/
2
):
den die lieb tregt alle ding und nehet sich zum leybe, das ist zu unßerm nehsten, aber der glawb streckt unß von sich zu got.
Ebd. (
1527
):
Iuxta proverbium Germanicum: Man mus sich strecken, darnach die decke ist.
Ebd. (
1533
/
4
):
Es ligt sonst ein paralyticus wie ein geschlacht schwein, streckt alle viere von sich.
Steer, Schol. Gnadenl.
3, 140
(
rhfrk.
,
1375
):
der sine hant zuͦ der gebunge nit strecken wil.
Dedekind/Scheidt. Grob.
199, 28
(
Worms
1551
):
Vnd daß man dar frisch wasser tregt | Solt du dein hend der erst dar strecken / | Vnd waͤschen auß dem saubern becken / | Das maul vnd naß ein guͦte zeit.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Und lege dich uff das crucz dar | Und streck din fuß und arme gar!
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Was bey den Zeun vnd kleinen Hecken | Geht, daran sol er sich nit strecken.
Helm, Maccabäer (
omd.
/
nrddt.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
sie liezen en heruz recken | die zungen vor den munt strecken.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Streckende unser schinkel | Begunde wir uns rischen | En kegen uf irwischen | Mit ein andir an der tat.
Strauch, Par. anime int.
89, 14
(
thür.
,
14. Jh.
):
min vigint ist mir verre, und sal min minne da hine reͤchin, so muiz si sich denin und streckin und reckin.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1513
?):
Stregt man sy [zwerchlinien] weit van ein ander, so erlengt sich das bild, rugt mans nahent zamen, so machtz das bild kürtzer.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
alem.
,
M. 14. Jh.
˺):
dc unsir herre Got gar milte ist, wan er strahte sin arme an dem cruce dar umbe das er den súnder umbe vahen mehti.
Ebd. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
lachen ane zen embleken; sehen ân ogen steken; reden ân hende streken und ân vinger zaigen und ane hobet wegen
(hier als
die maz übergehen
exemplifiziert).
Spanier, Murner. Narrenb.
94, 15
(
Straßb.
1512
):
Ein wasser ist den schweren gemein, | Das macht ein menschen glat vnd rein, | Streck wasser nent das hypocras, | Streckt im die backen.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
sich Strecken mit gewung als einer der erst vom schlaff aufferweckt ist.
Bremer, Voc. opt.
1167
(
halem.
,
1328f.
):
Palma gestrachtihant [...] est manus extensa; et dicitur a verbo pando/-is/-ere, quod (significat) apperire uel dilatare.
Dierauer, Chron. Zürich (
halem.
,
1415
/
20
):
die helgen ritter stracktent dar mit fröiden ir höipter und iltent einer nach dem andern dar.
Ukena, Luz. Sp.
3006
(
halem.
,
1575
):
Lupff den stil / alltter huß krüppel / | Streck dich du öder lur vnd düppel.
Wiessner, Wittenw. Ring
510
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Daz er also schiere | Streket alle viere.
Ebd.
5600
:
Also gtorst ıͤr kainr das gsmechen, | Í daumen auf daz beki streken.
Ebd.
8192
:
Hie sind cristan, twerg und reken; | Die schüllen sich ze velde streken | Ze ross und fuosse.
Maaler (
Zürich
1561
):
Die oren Strecken vnnd von nahem losen was einer rede. [...]. Jn die lenge Strecken. [...]. Sich Strecken vnnd rencken / als die vom schlaaf auffgeweckt sind.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
511
(
Genf
1636
):
Strecken / auß einander spannen vnd ziehen.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
O Parmeno es ist ain solich ding das du dein adern billich darumb streckest. [...] Sie ist der eren wol werd das du dich uͦbest mit allen deinen krefften henden füssen und haubt. Und dich streckest. das ist vast arbaitest.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Aristotiles spricht, daz die läut und diu tier in den kalten landen habent gestracktez hâr [...], aber in haizen landen als in môrnlant habent si kraus hâr und swarz. daz ist dar umb, daz die kelten den irdischen rauch strecket, dâ daz hâr auz wirt, aber die hitz krimpft den selben rauch.
wenn si [tiere, ochsen] vehtent, sô streckent si ir zungen her für und vehtent mit den hörnern.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Chunich Wentzla, dez nempt war, | Ewr flug die strekchet, | Habt ir gehertet tzu dem flug, | Hebt ew auf die raise.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
47, 20
(
noobd.
,
1347
/
50
):
idoch strekt er [ohs] seinen fuz uͤber den widerkerer des krebs.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
686, 5645
;
Karnein, Salm. u. Morolf
6483
;
v. Keller, Ayrer. Dramen ;
Wyss, Luz. Ostersp. vor
9011
;
Primisser, a. a. O. ;
Pfeiffer, a. a. O. .
2.
›jn. (auch: Jesus Christus), js. Glieder strecken, foltern‹; als Spezialisierung zu 1 auffassbar.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  5,  3, ,  1, , ,  2,  24,  3.
Syntagmen:
jn. / Jesum, einen keiben s., jn
. (z. B.
mit seilen, an der leiter, an des kreuzes ast, auf ein holz
)
s
.;
jn. als einen unrechten man s., jm. das har, die haut, die glieder s
., mit verschobener Bezugsgröße:
jm. den glauben s
. ›den Glauben durch
strecken
‚Foltern‘ stärken‹,
sein leben am kreuze s
. ›sein Leben der Folter unterwerfen‹.
Wortbildungen:
strekstul
›Folterbank‹ (dazu bdv.: vgl. , ).

Belegblock:

Luther, WA (
1527
):
Wil einer nicht antworten, so strecken und recken sie yhnen, wie sie dem ynn der Freystat gethan, der am Palmtag widerruffen hat.
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 99
(
rhfrk.
,
1382
):
daz sie in streckin und ufzohin als eynen unrechten man.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
[din son, der] An dem cruce hangende und sin leben | Auch daran hait gestrecket.
Gajek, Seidelius. Tych.
14, 2
(
Breslau
1613
):
Crœsus der Koͤnig in Lydia / | Vom Cyro Koͤnig in Persia | Wurd uͤberwunden / vnd gelegt / | Auff ein stoß holtz Elend gestreckt.
Sachs (
Nürnb.
1559
):
Hofmeister, laß die männer fahen | Und laß sie auffziehen und strecken!
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
3896
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
wie sye wolten / | Mit strecken oder andern peinen | Die worheit moͤchten werden innen.
Ders., Murner. Geuchmat
3437
(
Basel
1519
):
So bitt ich üch, nun streckt jn baß | Vnd ziehend vff den grossen gouch.
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 178,
Anm. 1 (
halem.
,
1490
):
so wöllen sy [...] ettlich usserm raͧt in vänknüß gefuͤrt und gestreckt haben.
Bächtold, N. Manuel. Abl.
121, 269
(
halem.
,
1525
):
wir wend den keiben strecken | Und mit dem seil sin gwerb erfecken!
V. Anshelm. Berner Chron.
6, 25, 3
(
halem.
,
n. 1529
):
haben die von Friburg diss jars etlich der iren umbs gloubens willen [...] mit dem henker geschmaͤcht und verjagt, [...], der stift singer, den kuͤnstlichen musicum und componisten, [...] und iren artlichen organisten, [...], ufs strekstuͤlle gesezt.
Ukena, Zuger Trag.
1528
(
halem.
,
1598
):
Ein König will ich dir [Juda] erwecken | Das Haar vnd dʼ uett
[›Haut‹]
muoß er dir strecken.
Wyss, Luz. Ostersp.
8988
(
Luzern
1545
):
wir wend vnns wol mit im ergeylen | vnnd inn strecken mit den seylen!
Maaler (
Zürich
1561
):
Fast strecken vnd folteren.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1506
):
also haben die von Franckfurt sie baid gefangen und gestreckt.
Ebd. Anm. 1 (zu
1561
):
weil diser [...] gesagt, man mueßt ine strecken und mit ruͤten ausstreichen.
Schottenloher, Flugschrr.
64, 13
(
Landshut
1523
):
ich leg auff alten haydelwerg, dann sy sagen, man streck einem den glauben daselbst dreyer artickel lenger dann er sunst ist.
Müller, Faustb.
931, 24
;
Cirullies, a. a. O.
320
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
121, 19
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Fuchs, Murner. Geuchmat
3437
;
ders., Murner. 4 Ketzer
3449
;
V. Anshelm. a. a. O. ;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Sappler, H. Kaufringer
16, 527
.
Vgl. ferner s. v.  3, .
3.
›von Natur aus oder von seiner Art her eine räumliche Ausdehnung bis zu einer äußeren Grenze hin haben, sich räumlich bis wohin ausdehnen‹; ütr. (auf das
gemüte
): ›sich über sich selbst hinausheben‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1, ,  1,  2, .
Syntagmen:
Russia, das reich sich bis an das mer s., die breite der wonung sich bis
[wohin]
s., der ruk sich unz an die mistpforte s., der sterb sich auf gegen Beiern s., der baum sich gegen den lüften s
., ütr.:
das gemüte sich über sich s
.;
der zagel, über das lewen rücken gestrecket
(nachgestelltes Attr.).

Belegblock:

Luther, WA (
1518
/
9
):
Was aber die gewalt und ubirkeit Romisches stuͤls vormag, und wie ferne sich dieselb streckt, laß die gelerten außfechten.
Koller, Reichsreg. Albr. II.
197, 18
(
1438
/
9
):
mit eynem uffgeworpfen zagele uber sich uber des lewen rucke gestreckt.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
75, 26
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Ruscia ist eyne groze provincie gelegin uf deme nordin und ist also groz das si sich streckit bis an das mer das do heyst Occeanum.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1967
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Der [boͧm] sich hoch gen den lúfften stracht.
Ruh, Bonaventura
327, 32
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
gaistlich wunn, nach der das gemuͤt gerainigt ist, das es sich vber sich strekt.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Der ruck hât seinen anvanch an dem hals und strecket sein leng unz an die mistporten.
und strekt sich der sterb auf gegen Paiern unz zu Pazzaw.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
52, 30
(
noobd.
,
1347
/
50
):
und strekt sich der wonung praiten piz an die stat.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
das römisch reich und kaisertum, so sich bis an das teutsch mer und offen sê nun gestreckt het.
4.
›etw. in der Fläche oder in der Länge ausdehnen, auf neue Gebiete ausrichten, neu und großzügiger bemessen, in eine bestimmte Richtung ausweiten‹; meist von Flächen, Ansprüchen, Rechten gesagt.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.
Syntagmen:
ein lehen s., die wagen
[der Wagenburg]
über das feld s., seinen gewalt in andere land, sein lehen den berg hinan, die fundgrube auf einen grund, in eine andere herschaft s
.; refl.:
die sonne sich s
. ›mächtiger werden, ausstrahlen‹,
die wagen sich s
. ›sich verteilen‹; subst.:
fische mit garnen strecken fangen
.
Wortbildungen
(am ehesten hier anschließbar):
streckerin
wörtlich ›Ausspannerin, Aufhängerin (von Vorhängen)‹; vgl. den Belegkommentar zu
Bömer.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Alsus hât er [wingarte] vil ebin | gestrackit sîne rebin | in gar wunniclîcher kêr | manchirwein unz an das mer.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Die handt
[der Habgier = der Betrug]
ist eine streckerynne | Der vorhenge und eine macherynne: | Sej machet den duͤchern vorhenge fin, | Uff das die farwe habe hubschen schyn.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
86, 22
(
omd.
,
um 1559
):
Alsdan muste er auch sein lehen und fundtgrube [...], den berg hinan strecken.
Ebd.
136, 7
(
1546
):
ob er nicht billich sein fundtgrube und maßen [...] uber die landgrencze in eines andern herrn landt und herrschaft strecken und nehmen mochte.
Ebd.
14
:
seine fundtgrube ader maßen uf diesen fal zuruck uf ro. kn. mayt. grunde, [...], strecken und nehmen mußen.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1506
):
geben wir dem gnanten herrn abte [...], zwee lehn in unser freyet und felt, so umb den stoll gelegen, zu strecken und zuvormessenn lassen.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
71, 26
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
die dreyhundert wegenn sol man streckenn jn das veldt, die sechs zeil hin vber das veldt.
Ebd.
74, 1
:
die vordersten wegen vnnd die jn der krumb liegen, dieselben sollenn sich streckenn funderhin.
Thiele, Minner. II,
14, 58
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
dar nach uns volkomen wirt | gen dem summer gantze, | wenn sich streckt der sunnen glantze | und uns nachet unmuͦß | und die monat joníus und julíus.
Klein, Oswald
19, 194
(
oobd.
,
1416
):
In grossen wassern michel visch | facht man mit garnen strecken.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Die fürsten [...] trachten nit weiter iren gewalt in ander land zu strecken.
5.
›etw. der Zeit Unterliegendes, eine vorgesehene Zeitspanne über das angesetzte Maß hinaus verlängern; (einen Textpassus) ausführlich gestalten‹; ütr. zu 4.
Meist narrative Texte.
Bedeutungsverwandte:
 17, ; vgl.  3,  2.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Der [Nicodemus] stracte vorbaz sine wort | wand er was mit jenen dort, | die Crist gevangen haten.
Altmann, Wind. Denkw. (
wmd.
,
um 1440
):
man solt clage und antwurt verhören und möcht das gericht strecken, umb das ein ieglicher fürst möchte mit im bringen, was im not were.
Chron. Mainz (
rhfrk.
,
15. Jh.
):
als dann die vorgerurten schuldigunge biß uf diesen itzgenanten mitwochen gestrecket und ofgeslagen waren.
Maaler (
Zürich
1561
):
Dein arbeit ist auff ein jar Gestreckt / oder man hat jren noch ein zuͦ gaͤben.
Den raͤchtstag weyter Strecken vnd verlengeren.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
derselb tag
[s.
tag
9]
ist gestreckt worden auf mittwuchen nach unser lieben frawen tag.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
und ward im solchs ampt und gewalt, so nur jerlich von recht, [...] solt sein, piß in das sext jar gestreckt.
6.
›sein Sinnen und Trachten auf etw. ausrichten, darauf setzen, dass [...]; etw. auf etw. verwenden, auf einen Zweck setzen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  6,  1,  2,  10.
Syntagmen:
das haupt s
.;
sich nach etw. s., den lust, das genügde nach jm. s., die kraft / ellenschaft wieder jn. / etw. s., habe / gut / leib / leben an etw. / jn. s., etw
. (z. B.
die sele, seinen sin
)
daran s., das [...], zu [...], seinen sin dahin s., das [...]
.

Belegblock:

Luther, WA (
1532
):
Wie auch S. Paulus von jm selbs sagt Philip. 2.: ‚Jch lasse mich nicht duncken, das ichs schon ergriffen habe, sondern jage jm nach, ob ichs zu letzt ergreiffen moͤchte, Und strecke mich nach dem, das noch fur mir ist‘.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
alliu diu volkomenheit und alliu diu sælicheit, die sant Pêter hât, und daz sant Paulus sîn houbet dar strahte, und alliu diu sælicheit, die sie dâ von hânt besezzen, diu smacket mir [...] ob ich ez selbe gewürket hæte.
Gille u. a., M. Beheim
237, 157
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Das ir nicht strekent euer chrafft | und grossen macht so ellenthafft | wider die argen heidenschafft.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1488
):
sie wolten auch vor allen dingen gut, leib und leben doran strecken.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Alles wolt ich dran strecken, | Daß ich bekomm das Weib.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Hie meint er das er [...] irdenscher dinge lust und genuͤgde, die mit minnen besessen sint der creaturen, nach im strecken und ziehen wil.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
348, 17
(
els.
,
1362
):
vnd was alle sine begirde daruf gestrecket daz er wurde ein lebendig opfer vnsers herren.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
ich streck mein seel daran, das ain incorporacio [...] nit gerecht ist denn all falsch.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
Die selben sind uf huͤt bliben, und dem hochwirdigen cardinal von Sitten enboten, dass sie al widerkêren zuͦm zuͤg, und ir lib und leben an dʼFranzosen strecken woͤllid.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
fürnemlich aber sträckte sich sein begeren dohin, das man den räuber one verzug nacheilen sollte.
Karnein, de amore dt.
186, 41
(
moobd.
,
v. 1440
):
wann jm
[dem Geliebten]
daran
[an
eren, güt
]
abgeet, so streckt sy [weib] ir hab vnd gut daran, vnd sy gert anders nicht von jm, dann jrs hertzen lust mit ym volbringen.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
und hat gueten frid gehalten im ganzen römischen reich, daran all sein sin gestrekt, solchs zuwegen zu pringen.
7.
›sich referenziell auf etw. / jn. beziehen, erstrecken‹ (mit Subj. d. S.); ›etw. auf etw. beziehen‹ (mit Subj. d. P.).
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3,  5,  8,  12.

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
1601
):
die weltliche Oberkeit ist [...] bekrefftiget, welchen alle Menschen schuldig sein gehorsam zuleisten in allen Dingen, zu welchem sich ihre Oberkeit strecket.
Luther, WA (
1520
):
Das aber Christus sagt zu Petro ‚Ich hab fur dich gebeten, das dein glaub nit zurgehe‘, mag sich nit streckenn auff denn Bapst, seintemal das mehrer teyl der Bepst on glauben gewesen sein.
Ders. Hl. Schrifft. Römer Vorr.
2260, 38
(
Wittenb.
1545
):
AM. IJ. CAP. STRECKET ER SOLCHE STRAFFE WEIter auch auff die / so eusserlich frum scheinen oder heimlich sündigen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
332, 6
(
thür.
,
1474
):
szo sulte dieselbige vorczicht nicht hocher gestrackt werden denn auff die summa, die bimelter seyn vater vor in hette ausßgegeben.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
sol das gelt yedẽ schultherren welcher der erst im insatz gewesen ist / bezalt werdẽ / so wyt sich sollich guͤt streckẽ mag.
8.
›sich [wohin] legen (auch als
fusfal
), zur Erde, zu Boden fallen, sich niederwerfen; jn. niederwerfen‹ (dies vom Tod als Handelndem gesagt); oft im Part. Prät., dann: ›hingestreckt‹; am ehesten hier anschließbar: ›jn. (den man überwältigt hat) ausnehmen, filzen, bestehlen‹; auch: ›jn. demütigen, erniedrigen, hänseln‹.
Gewisse Beleghäufung für narrative Texte.
Phraseme
(am ehesten hier anschließbar):
strek den stiel
›Gieb auf‹.
Bedeutungsverwandte:
 16.
Wortbildungen:
strekbein
Metapher für den Tod.

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
vnde hat her slege vordenit, der richter sol in vor sich heyzen strecken vnde heyzen slan so vil slege, so her vordenit hat.
Luther, WA (
1530
/
2
):
Aber wen der zug undt streckbein kompt, so wirstu es lernen, was das wortt sei ‚Alles, was mir der vater gibt‘.
Ebd. (
1541
):
sed veniente hora mortis, das des Streck bein, so ghet der freuden viel in momento hinweg.
Ebd.
688, 37
(
1540
/
5
):
Juncker streckbein, Der sihet nicht an, ob du reich, jung, gelert.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
635, 4018
(
Magdeb.
1608
):
DJe Froͤsch thaten dergleichen auch / | Streckten sich auff den kalten Bauch
(Der
froͤsch
Fußfall).
Ebd.
642, 4241
:
Vnd stieß mit seines Dengens Knopff / | Dem Mohrtantz hinden auff den Kopff / | Das er sich strecket in den Sand.
Ebd.
660, 4837
:
der Leckschwantz eilt jhm nach / | Macht jhm von hinten zu die sach
[›richtet ihn von hinden zu‹]
/ | Das er sich strackt auff seinem Bauch.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Idoch hort ich sine wort | Ligende gar umbekort, | Gestracket uf der nasen | Na an der erden rasen.
Bentzinger, Erf. Historienb., Gen.
27, 34
(
thür.
,
15. Jh.
):
Esau strackte sich und schrey lauter stimme.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
23, 15
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
so vallin alle dy do keginwortik sint, gestract uf dy erde czu virmolin unde anebetin chaam.
Sachs (
Nürnb.
1557
):
Sie, fauler, hast dich her gelegt, | Nach leng in die kammer gestregt?
Ebd. (
1563
):
Ihn hat gehackt deß todtes angel, | Und sein leben ihm abgeschrecket, | Daß er da ligt todt und gestrecket.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
162, 4
(
els.
,
1362
):
vf eime herten strote vf blose erde gestrecket waz ire ruͦwe.
Spanier, Murner. Narrenb.
3, 79
(
Straßb.
1512
):
Wann dich der todt würt strecken baß, | Vor gott muͦst alles sagen das.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
sich Strecken oder legen bey eim fluss.
Ukena, Luz. Sp.
1584
(
halem.
,
1575
):
Vogt Pylate du bist ein gfangner man | Vom Keiser ich das in bevelch han / | [...] | Streck den stil / dann es muͦß sin.
hail. altvaͤter (
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Do wurden sy gar ser beswaͤrd vnd strakten sich all fuͤr das tor an die erd vnd băten [...] das [...].
Haszler, Kiechels Reisen (
schwäb.
,
n. 1589
):
das er unns für gewüs umb ein namhaftes wurde geströct haben, dann ich von andern bülger vernommen, wölche dodurch gereisett, wann einr nun einen gutten rockh anhabe, ströct er in umb öttlich ducaten.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Also ist mein gueter doctor hiemit wol gestreckt und gespait worden.
Große, a. a. O. ;
Peil, a. a. O.
590, 2666
.
9.
›bis wohin reichen‹ (von Deutung und Reichweite religiöser Glaubensbestände gesagt); ›den Deutungsrahmen, den semantischen Ausgriff (über das Übliche hinaus) erweitern, bis wohin gehen lassen‹; anschließbar an 3; 7.

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
soll diße lere S. Pauli sich strecken so weytt, das sie allerley scheyden begreyffe.
Ebd. (
1527
):
das ist der unterscheid des alten und newen testaments, das die verheissung des alten testaments nicht weiter sich strecken denn so ferne das volck frum und gehorsam sein wurde.
Ebd. (
1523
/
4
):
Wie weit sich aber die figur und deutung strecket, kuͤnnen wir nicht besser treffen denn der Text selbs gibt.
Ebd. (
1537
/
40
):
,Den wo Zween oder Drei versamlet sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.‘ Alhier strecket der Herr Christus diesen Trost weitter aus.
Ebd. (
1540
/
5
):
Die Schrifft aber streckt das wort fleisch viel weitter denn weltlich Regiment.