streben,
V.
– Für 1 bis 3 gehäuft Texte gebundener Form.
1.
›zappeln‹ (vereinzelt); ›leben, sein Leben führen, wandeln, handeln‹ (selten); ›in einer durch widrige Umstände aller Art gekennzeichneten Situation festsitzen; mühevoll dahin leben, sich abmühen, abarbeiten, mit etw. ringen‹.Syntagmen:
j. s
. (absolut); j. ringer busse s
.; j. auf der erde s., j. in betrachtung / hunger / jamer / nöten / sorgen / trauren / ungemach, in gottes dienste, in einer suche
(s. 1
) s., j. in (js.) segene
(s. dazu ) s
.Belegblock:
dî bîgraft hatte dâ irwelt, | dî wîl er dennoch lebete | und in der sûche strebete | dî in bestandin hatte hart.
Di selben si beriefen | Und gelobn in langes lebn | Und ouch ringer buze strebn.
Wen goth will angefochten lasßen werden, den macht er fuͤr zcappeln, schuttern und streulen.
Der heide in sorgen strebete | Der grave mit vrevden lebte.
lass mich nicht in poser petrachtung strëbm.
Streben odʼ zabeln mit den fußen. obstrepare.
Bey dir ich / lieber Liendle, bleib: | Und wag mit dir Gut / Ehr und Leib. | Ich leb und strebe(!) mit dir fast / | So lang du Haar auff deim Kopff hast.
ich muß unnd soll | alczit one frewd leben | unnd stett in drurn streben.
Der tüfel sprach: ‚Für, wie er well, ain leben, | Wil er nument nit widergeben, | So wirt er in miner sege streben.‘
Seht, do sach man streben | Ein und zehen degen | Auf der erd und in dem bach!
Ebd.
1440
: Jn den selben streben | Die kuo ward messen eben | Bertschin über seinem dank | Zwen stich in einem swank.
Steben / sich bemuͤhen.
2.
›sich gegen etw. sträuben, e. S. widerstreben, gegen etw. / jn. angehen, sich jm. / e. S. widersetzen‹ (jeweils mit Subj. d. P.); ›einander entgegenlaufen‹ (von ordnungen
); ›gegen etw. sprechen‹ (von einer rede
).Phraseme:
wieder den strom streben
.Syntagmen:
eine rede
(Subj.) wieder etw. s., j. gegen etw
. (z. B. gegen ein ampt / testament
), mit jm., wieder jn
. (z. B. wieder vater / mutter, got
) / etw
. (z. B. js. gnade
) s., mit worten / werken wieder etw. s
.; refl.: sich gegen das testament, wieder etw., wieder ein best s
.; sich des richters / gerichtes
(Gen.obj.) s
.; im Part. Präs.: j. strebend nach jm. gehen
; wieder einander strebende ordnungen
; subst.: das streben sich erheben
.Wortbildungen:
strebgehorsam
Belegblock:
Dan der eygen will von Adam angebornn mit allenn glidern wyder die gute neygunge strebt.
Daruntgaen sich die meistere ind verdienden streveden, meinende, wes si daeinnen gedaen hedden, dat hedden si [...].
Sin vorsohn war uffgewassen, hat [...] den futter damit und sunst (mit) streffworten dermaissen erzornt und bekommert, das er [...].
[Valentinus] dreif vil moitwillens mit mir an, verachtet mich, spotte meiner, floichten mir, scloich und streift sich stetich mit mir.
Sin versohn war uffgewassen, hat [...] den fatter damit und sunst (mit) streffworten dermaissen erzornt und bekommert, das er [...].
er sol hangen, daz ist sein lan. | da wider nieman strebe!
Venus, die wil ich hän das leben, | und wider din gnad númer streben | dann allzyt leben indim gebott.
Ebd.
18, 286
: fast widerstellen, striben, streben, | bagken, blegen, ringken, rancken, | kropff stossen und winken, | wancken, | des huͦb sich vil.
ich streven leyder tegen stroem, | myne bitter klacht ist eme eyn droem.
iren weg sie gein dem schiffe vieng, | alles strebend
[hier: ›äußerst widerwillig‹]
er da nach ir gieng. wer ewig leben well erwerben, | Der sol wider vatter und muoter nit streben.
unwillen zuͦ loͤschen muͦst ein stat Bern iren strebghorsamen von Thun, [...], geschriftliche erluͤtrung geben.
[die] allezeit wider gott streben | und ligent in der sünden mail.
Wie vnsere zeit, mit sovil neuen, wunderbarlich wider einander strebenden
[›einander entgegenlaufenden‹]
Kirchen ordnungen genuͤgsam anzeigt. ich mach in offt zorens vol | und han vil wider in gestreben.
wo aber ainer ainen rumor [...] anfing, siech des dorfrichter und geschwornen widersetzet [...], sich des gerichts strebet, der [...].
‒
Vgl. ferner s. v. .3.
›etw. erstreben‹ (trans.; selten); ›sein ganzes Sinnen und Trachten auf einen weltlichen (hohen wie niedrigen) Wert oder auf ein geistliches Ziel hin richten‹; auch: ›von etw. wegstreben‹; im Einzelnen z. B. auch: ›nach der Minnedame streben‹.Syntagmen:
js. mut abwegs s., etw. mit zorn s., der glast (eines sternes) verre hin s., j. hoch, aus dem kloster, in den himmel, nach jm., nach eren / rum / tugenden, nach den künsten, nach dem ewigen leben, nach geld / wollust s., alle dinge nach vollkommenheit s., j. wieder / zu got s., die selen in gottes willen s., j. danach / dahin s., das [...]
; subst.: durch streben aus dem paradiese getrieben werden
; das streben des gemütes
.Belegblock:
die cristenheit, | Da Gotes irwelten inne leben | Und immer in den himel streben.
Eniti. Jrgend nach Ringen dringen fechten trachten stellen hengen sinnen jagen kempffen stehen streben arbeiten sehnen.
wie strebt der Bapst. Gott zcu seyn ynn vorigen artickelln.
sie habens darauff gesetzt mit jrem harten kopff hindurch zu reissen und fuͤrsetzlich darnach streben, das es uber jre koͤpffe ausgehe.
weil all ding zu seiner zeit / | Strebt nach seiner volkommenheit.
Ebd.
544, 1184
: Es wolt denn Gott das gluͤck nicht geben / | Denn widder Gott ist nicht zu streben.
beszernt vwer leben, | wollent ir zuͦ gode streben.
wie er zu der hellen quam | und die lieben selen dar uß nam, | die in sinem willen strebten | do sie hie uff erden lebten.
Wie kunge, keyser lebten | Hie vor und welche strebten | Noch erin.
hie ist selber das ewige leben: | Dar nach meget ihr alle streben.
Der Han zeigt an die tollen Leut / | So gar nach nichts dann wollust streben / | Fressen vnd saufen ist jhr leben.
Streben. Darnach stehen / all sein sinn vnd fleiß darauff schlagen darnach dencken / darnach trachten [...] ringen.
Al die wile daz ich lebe | Nach dir ich immer strebe.
du buman solt (nicht) hoher streben, | daz lere ich dich.
Alz wir menschen czu ainer weis | auss dem irdnischen paradeis | ainn weg wurden getriben | Durch sünd sam haffart, streben, | unmass, trakait, neid, czorn, unkeusch.
Ebd.
301, 79
: waz mit synnen lebt, | nach hahen kunsten strebt, | stainmeczen, singer, tichter.
Ebd.
1246, 1037
: Alz wir menschen czu ainer weis | auss dem irdnischen paradeis | ainn weg wurden getriben | Durch sünd sam haffart, streben, | unmass, trakait, neid, czorn, unkeusch.
Wenn du wilt zu den Göttern schwern, | [...] | Dein lebtag bhalten rein dein ehr, | Auß dem Closter strebn nimmermehr, | So will ich dir dein Leben schencken.
so wúrst du [...] mit follem streben dines gemüttes [...] dinem schöpffer anhangen.
Sin
[des
sternes]
liechter glast der strept | Úber allú lant gar verre hin, | Vil me denn aller sternen schin. was ir mit zoren strebt, | des achten sʼ gleich aim hare.
wie ich durch preis sust von dir [fraw] streb, | so sen ich mich nach deiner mynn doch ymer.
4.
›aufrecht stehen‹.Wortbildungen:
strebholz
strebpfeiler
strebweise
Belegblock:
Do gienc sin schin wol under, | Do man in legete in daz grab | Strebende tot als ein stab.
das dach bleyb stende unvorserit [...] mit deme stender hangende in der luft, strebinde unwegelich von der arnunge
[s.
arnung 1]
sente Johannis baptistin. Dan dÿ fersen soll ein wenig avswertz getzogen werden, also das sÿ vürtreff den ewssern knoren des schinpeins fan der streb wegen dest sterker zw tragen.
Diss jars Aprel ist das ek im spiz an der kilchofmur 32 schuͦch dik angelegt und in straͤbwis ufgefuͤert.
Strebholtz / ein holtz / welches an einem baw / so fallen will / gesetzet wirdt / damit es dem fallen wehre.