stolzieren,
V.
1.
›sich (gegen Christus) überheben; auf seine Eigenständigkeit (ohne Rückbezug auf Gott) pochen und danach handeln‹, als geistliche Fehlhaltung, bei Bezug auf Gottes Wort auch positiv bewertet; vgl. (Adj.) 1; offen zu 2.

Belegblock:

Luther, WA
10, 2, 256, 30
(
1522
):
Hie stehe ich [...], hie stoltzire ich und sage: Gotis wort ist myr uber alles.
Ebd.
16, 249, 16
(
1524-27
):
das kein volck auff erden inen solte vorgezogen werden, die [die Juͤden] stoltzieren auff ire Erstegeburt, werden aber todgeschlagen.
Ebd.
22, 157, 16
(
1544
):
das sie [Christen] dennoch schuͤldig sind hinfurt in seinem gehorsam zu leben, nicht wider jn [Christum] stoltzieren und pochen noch seiner gnade misbrauchen.
Ebd.
28, 660, 10
(
1529
):
Da sollen wir uns huͤten, das wir aus dieser freiheit nicht ein Mut fassen, das wir stoltzierten, gleich als duͤrfften wir Gottes nicht mehr.
Ebd.
49, 565, 13
(
1544
):
ein lauter frey donum patris coelestis. Warauff kan ich denn stoltzieren?
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 256, 24
([
Augsb.
]
1548
):
Also segenen sy sich selbst / stoltzieren und prangen / brüsten sich mit irer person / wie ain faißter Wanst.
Luther, Wa
24, 440, 18
.
2.
›sich hochmütig, überheblich benehmen, sich aufblähen, hoch aufschwingen; vermessen handeln‹; im Unterschied zu 1 eher auf innerweltliches Handeln bezogen;
vgl. (Adj.) 2.
Wortbildungen:
stolzierer
(a. 1603).

Belegblock:

Schöpper
18b
(
Dortm.
1550
):
Superbire. Stoltzieren hochtraben sich breit machen prangen auffschwellen schwantz vffwerfen den kam vffrichten sich vff blähen sich auffbruͤsten hochfart treiben sich vbernemen vberheben vffblasen. Lactitare. Verwegen vermessen beruͤmen.
Luther, WA
16, 202, 12
(
1524
):
wenn ein feind tobet, wuͤtet und stoltzieret und lesset sich duͤncken, der Himel henge alles voller Geigen.
Ebd.
23, 695, 20
(
1527
):
[Wer] wil rachgyrig sein, niemand nichts nach geben, stoltzieren und pochen, wil hochmuͤtig, frech und gefeyert sein und sich allzeit empor heben, der verwirfft Christus suͤsses joch.
Ebd.
30, 2, 181, 11
(
1529
):
unser Jungkern vom Adel haben bis her gnug gebrasset, geschlemmet, gerennet, gestoltzirt, gebranget mit alzu uberfluͤssiger kost und kleidung.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
329, 2140
(
Magdeb.
1608
):
Sehe man das Haͤupt vornan stoltzieren / | Der Schwantz must in dem Staub nachtrecken.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
293r, 7
(
Leipzig
1588
):
nuͤtzliche Lere / wie sich alle / die in hohen Emptern / vnd Ehren sitzen / [...] / des nicht vberheben / damit nicht stoltzieren / pralen noch prangen.
Sachs
3, 602, 36
(
Nürnb.
1540
):
All, die sich plehten auff | Inn hoffart unnd in ubermut, | Mit dem har man abpüffen thut | Ir rümen, geuden und prenckieren, | Ir groß auffblasen, und stolzieren, | Ir putzen, schmucken, hoch geberd.
v. Keller, Ayrer. Dramen
17, 26
(
Nürnb.
1610
/
18
):
als er [Regent] anfang, zu stoltzirn, | Wurd er von seinem Volk erschlagn.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 638, 1
(
Nürnb.
1631
):
WO kompt es here, | Das eytel Ehre, | So hoch stoltzieret | Jnn dieser Welt.
Turmair
4, 61, 21
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Es wird mich’s halt noch ie kainer mit gelerten worten überreden, das stolzieren schwanzen puchen laichen, hochmuet treiben, unwirden, anainder verachten, nach aigner êr und guet ringen, dringen, guete wort nichts darhinder, vornen lecken hinden kratzen, fressen saufen trinken schlemmen, junkfrauen swechen, [...], den armen nit helfen.
Luther, WA
17, 1, 235, 23
;
28, 580, 22
;
46, 617, 31
;
Peil, a. a. O.
63, 616
;
Sachs
2, 114, 9
.
Vgl. ferner s. v. ,
1
 2.