stilstehen,
stilstan,
V.,
unr.
1.
›physisch unbewegt, ruhig, still stehen (von Personen)‹; auch: ›vor Gericht stehen‹; ›unbewegt, fix, fest stehen (von Sachen, oft von Himmelskörpern)‹; ›stehen, nicht in Betrieb sein (von Geräten)‹;
vgl.  1,  167.
Gegensätze:
 1.
Syntagmen:
j
. (z. B.
die königin, das volk, die klappermäuler
)
/ etw
. (z. B.
der himmel, das wasser, die planeten
)
s., etw. onbeweglich s.; js. augen stilstande sein; das stilstande mer / wasser
›stehendes Gewässer‹;
das stilstehen des gestirns
;
das ziel des stilstehens
.

Belegblock:

Luther, WA
47, 828, 28
(
1539
):
Die Klappermeuler, die uberall auffm wege still schtehen und reden.
Froning, Alsf. Passionssp.
120
(
ohess.
,
1501 ff.
):
so swiget und horet unser redde | Und stehet stille.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
184, 21
(
Frankf.
1535
):
so findet man saltz bey den stilstehenden wassern.
M. Cunitia. Ur. Prop.
152, 26
(
Öls
1650
):
commutation, in dehren ersten ein ieder Planet in seinem lauff 24 Stunden ohnbeweglich still zustehen [...] scheinet.
Gille u. a., M. Beheim
199, 137
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wann ein wasser allweg still stett, | das faulet und verdirbet.
Schmidt, Rud. v. Biberach
15, 12
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Die selben werk moht vͤben menschlicher geist, ob der himel stille stvͤnde vnd ob enhein zit were.
UB Zug
1718, 13
(
halem.
,
1498
):
so hatt er únns [...] etlich holtz geschent und tannen gesumpett unerloupt, und uber das er still stan soͤlt.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
319, 41
(
halem.
,
1538
):
was zuͦ den muͥlinen gehört und still stat –, alß namlich die trumlen, das anreiß mit der haͤli.
Sappler, H. Kaufringer
14, 533
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
wann si [küngin] stuond nicht ferr daneben | in der kamer gar still.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
43, 28
(
oobd.
,
1349
/
50
):
welhes augen sô gar still stênde sint als die stain, der ist listig.
Jahr, H. v. Mügeln
1193
;
2329
;
M. Cunitia. a. a. O.
151, 6
;
Bihlmeyer, Seuse
191, 16
;
Sappler, a. a. O.
3, 212
;
Pfeiffer, a. a. O.
102, 24
;
Niewöhner, Teichner
396, 62
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 294
.
2.
›physisch stehen bleiben, in seiner Gehbewegung, in seinem Lauf (o. ä.) anhalten (von Personen und Sachen)‹; auch: ›säumig herumstehen, untätig sein‹;
vgl.  1,  1.
Gegensätze:
, ,  1.
Wortbildungen:
stilstand
1 ›Stillstand von Himmelskörpern‹,
stilstandung
›physischer Stillstand‹; ütr.: ›säumiges Verhalten‹.

Belegblock:

Alberus, Barf.
83, 3
(
Wittenb.
1542
):
wenn Christus still stund / so stund franciscus auch.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
4350
(
Magdeb.
1608
):
Folgen hernach mit zum Geleit / | Nehmen mit stillstandt den Abscheidt.
Knape, Messerschmidt. Bris.
22, 113
(
Frankf./M.
1559
):
Herr Brissonetus [...] steht bey jhnen still / es sey bey jm wer da woͤlle.
Vetter, Pred. Taulers
28, 22
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Die bredige usser sancte Matheus ewangelio [...] leret einen iegelichen menschen fúrbas ufgon in sime grote sunder alles stilleston.
Dasypodius
28r
(
Straßb.
1536
):
Cessatio, Ein stillstandung / saumung / hinderhaltung.
Päpke, Marienl. Wernher
3422
(
halem.
,
v. 1382
):
Ob dem huse er [sterne] stille stuͦnd | Da der kúneg inne was.
Maaler
388v
(
Zürich
1561
):
Stilston / sich stelle͂ / sich an eim ort saume͂. [...]. Stillston vnd fliehen. Contraria. [...]. Das Stillston / Wenn einer [...] nit fürgadt.
Winter, Nöst. Weist.
4, 319, 42
(
moobd.
,
16. Jh.
):
so soll das gemeir still sten.
Hoffmeister, Kuffstein. Gef. A iijv,
25
;
Karnein, Salm. u. Morolf
61, 2
;
Sappler, H. Kaufringer
1, 294
.
Vgl. ferner s. v.  1.
3.
›mit einer Tätigkeit anhalten, von etw. ablassen, mit etw. aufhören, warten, bis [...]‹; auch auf nicht physisch denkbare Tätigkeiten bezogen;
vgl.  18.
Syntagmen:
einer handlung s
.;
mit etw
. (z. B.
mit dem singen / ausroden, mit der geschrift
)
s
.;
s., bis / unz [...]
;
ein jar s
.
Wortbildungen:
stilstehung
(z. B.
von der arbeit
).

Belegblock:

Küther, UB Frauensee
415, 33
(
thür.
,
1540
):
doruber soll mit weythern ausrodenn [...] stilgestandenn werden.
Bihlmeyer, Seuse
437, 13
(
alem.
,
14. Jh.
):
ein alwent stillestan mag nieman in zit han.
Dasypodius
154r
(
Straßb.
1536
):
Ocium, Muͦß / feirunge / stillstehung von der arbeyt.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 321, 4
(
halem.
,
n. 1529
):
darab ein Eidgnoschaft gwaltiger handlung stil zeston und gemelte ubergebung fuͤrgon zelassen nit wenig bewegt ward.
Jörg, Salat. Reformationschr.
636, 19
(
halem.
,
1534
/
5
):
ob glych die andern mitlenden ort [...] ettwan zuͦ tagen ansachend / das bed partyen still stan / mit den gotzhüsern / und obgemellten angriffen / nit wyters fürnemen.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
82, 28
(
halem.
,
1546
):
des artigkhels mit dem singen soll wie vernd stillston und nit glesen werden.
Ebd.
303, 17
(
1525
):
die denen man vor schuldig gesin, nüntzdesterminder still ston müssent, vntz [...].
Roder, Hugs Vill. Chron.
105, 32
(
önalem.
,
1524
):
Allso bereten sy die puren, iers furnemens still zuͦ stond bis uff mentag.
UB Zug
2492, 5, 2
;
Qu. Schweiz. Gesch.
1, 178, 8
;
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 522, 2
;
Kohler, Ickelsamer. Gram.
47, 10
.
4.
›in sich selber ruhen‹;
vgl.  3.
Älteres und mittleres Frnhd.; Gehäuft Texte der Mystik.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 250, 16
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
got ist ain vnbeweglich guͦt, in im selber still staͤnd, vnberuͤret vnd vnbewegt vnd aͤlluͥ ding bewegend.
Ebd.
2, 420, 7
:
daz disem selben liehte niht engenüeget an dem einvaltigen stillestânden götlîchen wesene.
Bihlmeyer, Seuse
10, 24
(
alem.
,
14. Jh.
):
Es waz dez ewigen lebens ein usbrechendú suͤssekeit nach gegenwúrtiger, stillestender, ruͤwigen enpfintlicheit.
Bachmann u. a., Volksb.
256, 27
(
alem.
,
15. Jh.
):
er [warer frid] machet in allen dingen ein gelaussenen undergang, einen fryen durchgang und ein sicher stillstan.
Quint, a. a. O.
1, 218, 8
.
5.
›bei etw. verbleiben‹.

Belegblock:

Dinklage, Frk. Bauernweist.
86, 37
(
nobd.
,
1445
):
wan die ruge geschehen ist, wer es dan, daz des closters schulteise von des closters lantsidel eynem zu clagen hette als von des closters gutter wegen, den mag er still heissen stene on alle widderrede bie der busse.