1
stiftung,
die
.
1.
›Gründung einer auf dauernden Bestand angelegten Einrichtung‹ mit Einschluß der zugehörigen rechtskräftigen
befestigung, confirmation, kräftigung
; mit Tendenz zur Metonymie ›Stiftungsurkunde‹;
vgl.  1.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
,  7, , (s. v.  2), ; vgl.  2,  3,  1,  7,  3,  2,  8, (
das
2.
Syntagmen:
die s. etw. einhalten / ausweisen / glauben
;
die kirche, das kloster eine s. sein
;
der s. abträglich sein
;
ein spital durch s. widmen, der orden von der s. 200 jar stehen
;
die s. der bruderschaft / schule
.
Wortbildungen:
stiftungbrief
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
533
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
daz er [pâbest] mit stiftunge | und bestêtigunge | gerùchte widemen zuhant | daz nûwe spittâl vorgenant.
Ebd.
24414
:
den ordin der Templêre, | der dâ hatte gewêre | gestân von der stiftunge dar | ebbene zweihundirt jâr.
Luther, WA
16, 210, 30
(
1524
):
du solt Gottes Ordenunge und stifftung gleuben.
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
342, 27
(
nobd.
,
1510
):
volfuren und tun wil, was die confirmacion und stiftung uber soliche vicarei inhelt und ausweist.
Merk, Stadtr. Neuenb.
164, 13
(
nalem.
,
1429
):
[Alz ich] daselbs [...] ein priester pfruͦnd gestiftet [...] han, alz denn der stiftung brief dar úber geben bewiset.
Bernoulli, Basler Chron.
5, 466, 15
(
alem.
,
1459
):
Ein meynung zuͦ einer úffnunge und stifftunge einer hohen schuͦle.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
124, 4
(
halem.
,
1527
):
dehein intrag, fuͥrwort, ußzuͥg, [...], so obbemeldter – stiftung, gruͥndung und uffrichtung und den vorgelütterten artickeln abzügig sin moͤcht, zetuͦnd.
Nyberg, Birgittenkl.
2, 156, 4
(
schwäb.
,
um 1522
):
Da freiten die graffen das closter mit aller zuͦgehoͤrung vnd notturft, wie wir dan in der styfftung haben.
Koller, Reichsreg. Albr. II.
178, 26
;
179, 16
;
Rennefahrt, Recht Laupen
145, 27
.
Vgl. ferner s. v.  3.
2.
›Stiftung, Schenkung (in der Regel vermögender Personen) an eine meist religiöse Institution‹; sowohl als Handlung wie metonymisch als das Vermögen, als die Gabe gedacht, aufgrund deren die beschenkte Institution aufrechterhalten wird und ihre Funktion ausüben kann; auch: ›als Schenkung Jesu Christi verstandene Einsetzung des Heiligen Abendmahls‹;
zu  2; vgl. (
der/die/das
7.
Gehäuft rechts- und wirtschaftsbezügliche sowie berichtende Texte.
Bedeutungsverwandte:
 1, ,  1.
Syntagmen:
eine s. anfangen / geben / halten / rümen / stiften / tun, die altäre stiftungen haben, die s. in ewige zeit halten, den geistlichen / kirchen eine s. tun
;
die s. in klöstern / spitalen jn. verderben
(finanziell);
etw. zu einer s. geben
;
die s. des heiligen nachtmals, der kirche / pfründe / messe
;
die grosse / järliche / köstliche / rechte s
.;
die pfarre samt s
.
Wortbildungen:
stiftungebrief
.

Belegblock:

Küther, UB Frauensee
188, 33
(
thür.
,
1403
):
als daz auch der vorgenante stifftungebrieff derselben vicarie eygintlichen uzwiset.
Skála, Egerer Urgichtenb.
224, 12
(
nwböhm.
,
1577
):
sej ein thag vnd nacht do geweßen, In deß h. Enders am hoff stifftung.
Logau. Abdank.
169, 29
(
Liegnitz
1651
):
Cosmus Medices, [...] / sagte alß seine grosse Stiftungen zu Gottseellgen Wercken / in seiner gegenwart mit verwundern geruͤhmet worden [...].
Rupprich, Dürer
152, 144
(
nobd.
,
1520
):
Und haben altar köstlich stifftung; do sind bestellt die besten musici.
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
437, 33
(
nobd.
,
1526
):
Es sol im auch zu erhaltung und gedechtnus solcher zusagung und stiftung ein kurze schrift sambt seinem wappen [...] in gedachter unser liben frawen capellen, [...] hiemit zugelassen [...] sein.
Merk, Stadtr. Neuenb.
176, 22
(
nalem.
,
1527
):
[das wir] zulassen und bewilligen die obgemelt [...] pfarr sampt aller und ieder derselben stiftungen, pfrunden, caplanien, lipfal, sibenden, dreissigisten, jargezeiten und aller anderer recht und gerechtigkeiten.
Lauater. Gespaͤnste
71v, 30
(
Zürich
1578
):
wie man vff die gsichten vnd ander derglychen wunderbare ding vil gesetzt / vnd stifftungen gethon.
Andreae. Ber. Nachtmal
21v, 20
([
Augsb.
]
1557
):
weil die Euangelisten die stifftung vnd einsatzung des hailige͂ Nachtmals nit mit einerlay worten beschriben haben.
Nyberg, Birgittenkl.
2, 249, 10
(
schwäb.
,
um 1522
):
daz man die vorgemelten sum gelts wider anlegt, vff daz di stifftung in ewig zeit gehalten werd.
Barack, Zim. Chron.
1, 49, 33
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Diser grafen vorelter sein vor jaren gar vermögenlich und vernampt gewest, aber die stiftungen in clöstern, spittelen und anderswa haben sie auch verderpt.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
153, 3
(
tir.
,
1525
):
aŭch etlich gŭetter innhat, daraŭs stifftŭng den kirchen gethan sein.
Luther, WA
10, 3, 196, 14
;
22, 414, 31
;
Weingart u. a., Seelb. Rhodt
6, 61
;
Küther, a. a. O.
188, 12
;
Dietrich. Summaria
30v, 24
;
Merz, Urk. Wildegg
98, 3
;
Nyberg, a. a. O.
1, 42, 40
;
Andreae. a. a. O.
20r, 11
;
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
188, 14
;
Wopfner, a. a. O.
65, 14
.
Vgl. ferner s. v.  19, (V.),  1.
3.; 4.,
s.  36.
5.
›Besetzung einer Stelle unterschiedlicher Art (Gutsstelle; Baderstelle)‹; als Metonymie: ›Taiding, Versammlung der jeweils berechtigten Gemeinde-, Genossenschafts-, Rechtsgruppe‹; vgl.  9a, (
der/die/das
8g.
Oobd.; Rechts- und Wirtschaftstexte.

Belegblock:

UB ob der Enns
10, 62, 26
(
moobd.
,
1381
):
es sollen die obgenannten nucz vnd güetter alle allzeit still ligen vnd der stifftung wartund sein vnd nindert andertwo hin gefallen dann zu der stifft vnd auch ewiglich dabey bleiben.
Winter, Nöst. Weist.
1, 516, 33
(
moobd.
,
1615
):
wo aber der paader selb der wuntarzeneu vnerfahren [...] wehre, den soll der richter sambt den gschworenen zu urlauben und die stiftung aufzulegen und darzuo zu halten fueg und macht haben.
Ebd.
3, 585, 6
(
E. 15. Jh.
):
Hie sind vermerkeht di recht des goczhauß di ir leit in der stiftung meldn solln. Von erstn haben wir ain gepotns pantaiding das an zwaier taiding (stat) stet, haist die stiftung, darzu reich und arm koment solln, von iedm haus ain mensch, und sülln iri recht melden darinn [...]. und bei selbm rechtn sol man si also behalten.
Mell u. a., Steir. Taid.
96, 31
(
m/soobd.
,
15.
/
16. Jh.
):
Auch ist das recht, das man alle iar die stiftung ruefen sol vierzehen tag vor stiftzeit.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
17, 35
.