stiften,
wmd. auch
stichten,
V.
(zum Wechsel
-ft-
/
-cht-
s. Frnhd. Gr. § L
56, 3
).
1.
›etw., dessen dauernder Bestand in den Belegtexten präsupponiert wird, gründen, einrichten‹; oft untrennbar ebenso auf die gegründete Institution wie auf die damit verbundenen Baulichkeiten, Gebäude u. ä. bezogen, teilweise mit Gewichtung des ersteren (häufiger) oder des letztern (seltener); hier anschließbar: ›etw. (die Welt) erschaffen‹; auch: ›einen Stand (z. B. den Herrenstand) einsetzen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,  2, , , ; vgl. .
Syntagmen
(jeweils mit effiziertem Obj.):
Babenberg s., den glauben, einen altar / convent / dom / tempel / orden, die / eine kirche, eine bruderschaft / canonei / kapelle / schule / stat / vicarei, ein ewiges liecht, ein bistum / gotteshaus / kloster / münster / reich, das testament, könige / herren s
.
Wortbildungen:
stiftbulle
›Gründungsurkunde einer Institution‹ (dazu bdv.: vgl.  1),
stifte
›Gründung‹ (15. Jh.),
stiftigung
›Stiftungsurkunde einer Vikarei‹,
stiftlich
1 ›stiftungsgemäß‹ (16. Jh.).

Belegblock:

Luther, WA
22, 236, 15
(
1544
):
Weil denn Gott solch Testament erstlich on Gesetz gestifftet.
Wyss, Limb. Chron.
88, 32
(
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
Unde wart in der selben zit da selbes gestiftet ein canonie von nuwen uf.
Feudel, Evangelistar
72, 27
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
wen du mich hattes lyp er dy werlt gestiftet wart.
Valli, Baldemann
320
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Vil lant zuͤ dıͤnst mir stellin | Kond her mit stritis herter trift, | Der da hot Babenberg gestift.
Voc. Teut.-Lat. ff ijv (
Nürnb.
1482
):
Stifften grunden oder gruntfestmachen. fundare.
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
370, 31
(
nobd.
,
1513
):
und tun will, wes di confirmacion und stiftigung uber solche vicarei inhelt.
Thiele, Minner. II,
10, 133
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
wan got selb gestifft konig unnd herrn, | das sie witwenn unnd weisen nern.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 1186
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
do warent die pfaffen, bischoͤfe vnd priester gemeine, wan sú [...] stiftent die heiligen kirchen vnd vnsern geloͮben.
Chron. Strassb.
35, 31
(
els.
,
1362
):
Heinrich der ander [...] der maht und stift das bistuͦm zu Bobenberg.
Lauater. Gespaͤnste
71v, 17
(
Zürich
1578
):
Sy habend capellen / altaͤr / kloͤster / eewige liechter / jarzyt / bruͤderschafften / vnd anders gstifft.
Morrall, Mandev. Reiseb.
29, 6
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Die hoptstatt in Affrica haisset Carthago; die stifft Dydo.
Heydn. maister
22r, 23
(
Augsb.
1490
):
Hat ãuch zuͦ athen gestift ein tempel die goͤtter darjñ zuͦ erwirdigen.
Nyberg, Birgittenkl.
2, 279, 19
(
oobd.
,
1538
/
40
):
Vom stifter oftmals gen Rom geschickt, dy original stifftbullen expedirt, auch bewilligung in die erhebung sant Althonis erlangt.
Turmair
5, 46, 9
(
moobd.
,
1522
/
33
):
die alte römische reichstat, [...], liessen die fürsten wider aufpauen, [...], stiften alda zwai gotsheuser.
Piirainen, Stadtr. Sillein
52a, 2
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Von keyser otten dem rotem der den halten tvͤm stifte czu meideburg.
Luther, WA
21, 261, 26
;
Küther, UB Frauensee
188, 11
;
Koller, Ref. Siegmunds
207, 37
;
Koppitz, Trojanerkr.
25097
;
hail. altvaͤter
74v, 16
;
Hör, Urk. St. Veit
112, 27
;
Schmitt, Ordo rerum
641, 2
.
Vgl. ferner s. v. ,  10,  3, .
2.
›(jm.) etw. (Materielles, eine religiös begründete Gabe, ein Heiltum o. ä.) schenken, vermachen, stiften; etw. mittels einer Schenkung für eine bestimmte Zeit oder auf Dauer einrichten‹; mit letzterer Nuance offen zu 1.
Bedeutungsverwandte:
 8,  1, , .
Syntagmen:
etw
. (z. B.
einen sold, eine jarzeit / messe / pfründe, ein selgeräte, die ehe, gnaden
)
s., jm. etw
. (z. B.
das abendmal, ein bad
[ütr.],
ein gedächtnis
)
s., die gift
(›Gabe‹)
für die menschheit s., den armen etw. zu gute s
.;
mit einem gut an den gemeinen nuz s
.;
das gestiftete almosen
.
Wortbildungen:
stiftiger
›Stifter (z. B. einer Messe, eines Gotteshauses)‹,
stiftlich
2 ›aus dem Stiftsvermögen stammend‹,
stiftmesse
(dazu bdv.: ) ›bezahlte Messe‹ (in negativer Wertung durch die Protestanten),
stiftvater
(möglicherweise zu 1).

Belegblock:

Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
117, 10
(
preuß.
,
1437
/
8
):
der kirchen stiffater
[Schwund des
-t
des Bw bei Dreikonsonanz]
czinset von 2 morgen 4 sc.
Toeppen, Ständetage Preußen
3, 124, 13
(
preuß.
,
1450
):
Ydoch nam der burgermeister zcu sich den rath und den scholczen und der kirchen stiffveter und gingen uff das rathhuws.
Luther, WA
30, 2, 333, 32
(
1530
):
was gebt und helfft jhr dazu aus ewren Stifftlichem Mammon, das jrgent einer studire.
Ebd.
30, 2, 601, 3
(
1530
):
es ist Gott kein schertz noch vergeblicher anschlag gewest, das er uns menschen dis Sacrament gestifft [...] hat.
Ebd.
35, 469, 1
(
1543
):
Da wolt er stifften uns ein Bad, | Zu waschen uns von suͤnden.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
106, 13
(
um 1571
, Hs.
1615
):
hat er vnns in disen löben, ain gedehtnus gestifftet, dadurch wir soliches glaubens erJnnert werden.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
7334
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Waz Got genaden gestift | Hat mit menschlicher mur.
Ebd.
7430
:
Also glich wart sines todes gift | Vor al die menscheit gestift.
Neumann, Rothe. Keuschh.
232
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
das god die e had selbir gestifft.
Burkhardt, UB Arnstadt
396, 12
(
thür.
,
1487
):
in welcher messe eyn ixlicher vicarius adder officiant in czukunfftigen gecziten werden mochten, fliszlich beten sal vor die selen der stifftigern.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 203, 1
(
Nürnb.
1613
):
Ein Abendmal er stifften wolt.
Merk, Stadtr. Neuenb.
664, 12
(
nalem.
,
1429
):
Alz ich [...] uf sant Nicolaus altar ein priester pfruͦnd gestiftet, geordinet und gemachet han.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 263, 26
(
Hagenau
1534
):
die Fursten hetten sonst eynen soldt dazu auß yhren kammern gestifftet.
Müller, Stadtr. Ravensb.
118, 1
(
oschwäb.
,
1357
):
daz niemant, [...], fuͥro kain messe noch kain selgeraͤt noch jarzit stiften noch ordenen (sol) mit kainen guͦten noch zinsen, die [...].
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
507
(
Genf
1636
):
Stifften / zur ehren Gottes vnnd erhaltung der seinen etwas in ein Kirch / Schul / Spital oder Allmosenkasten / vermachen.
Barack, Zim. Chron.
2, 283, 27
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Die grafen von Calv sein vor jaren auch mechtig grafen gewest, aber das stiften hin und wider geben hat sie zu armuet [...] hingericht.
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
193, 21
(
schwäb.
,
1358
):
Herr Vlrich Bonwolff stüfftet dem closter Weihenberg einige güetter.
Luther, WA
8, 542, 1
;
Helm, a. a. O.
1816
;
Weingart u. a., Seelb. Rhodt
1, 4
;
Köbler, Ref. Wormbs
200, 27
;
Staub, Qu. Wien
3, 2, 2844, 16
;
Fuchs, Kart. Aggsbach
145, 18
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3, 4672
;
Schweiz. Id.
10, 1476
;
Vorarlb. Wb.
2, 1311
;
Goertz, Liturgie.
1977, 270
.
Vgl. ferner s. v.  3,  2.
3.
›(positiv Bewertetes) bewirken, stiften, verwirklichen; etw. ins Werk setzen, ausüben, vollziehen‹; auch: ›etw. bestimmen, festlegen‹.
Bedeutungsverwandte:
 13, .
Wortbildungen:
1
stiftung
3 (Beleg s. v.  7).

Belegblock:

Chron. Köln
2, 442, 21
(
Köln
1499
):
[he] begaefde dat [monster] richlichen, ind stiefde, dat in dem cloister zo ewigen dagen anders niet dan moenich uis Schotlant sin sulden.
Ulner
190
(
Frankf.
1577
):
Frieden anrichten / schaffen / stifften / vereinigen.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
32, 29
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
machen mülwerk, zünden ofen, tun zehent und zins zu bestellen
[Var. D, schwäb./bair., 1468:
stiften
]
fischerei.
v. Birken. Erzh. Österreich
83, 24
(
Nürnb.
1668
):
ließ sich Fr. Mechtild mit ihm vermaͤhlen / uͤm / also Freundschafft und Frieden im Reich stifften zu helffen.
Kottinger, Ruffs Adam
1532
(
Zürich
1550
):
du wirst im aber d’ fersen hecken, | zum tod in stifften
[›zum Tode bestimmen, bringen‹],
das volstrecken.
Wyss, Luz. Ostersp.
9320
(
Luzern
1545
):
vil nutz hast du vnns gstifft vff erden, | dorumb sollt billich blonet werden.
Maaler
388r
(
Zürich
1561
):
Nutzbarkeit Stifft freündschafft.
Klein, Oswald
31, 10
(
oobd.
,
um 1422
/
3
):
Der manig wunder hat gestifft, | die hell erbrach.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
175r, 24
;
Mayer, Folz. Meisterl.
75, 215
.
4.
möglicherweise an 3 anschließbar folgende, nur je einmal belegte Verwendungen: ›jn. (z. B. Theologen) hervorbringen‹; ›etw. auf etw. auf-, einprägen‹.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
96, 33
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
das dy schul hat gestiffte | Thëologas, artistn und vil | puchärczt.
Wyss, Luz. Ostersp.
6547
(
Luzern
1545
):
Wess ist das bild vnnd übergschrifft, | so vff dem pfenning ist gestifft?
5.
›(Böses) bewirken, anrichten, anzetteln‹; auch: ›jn. zu etw. (Bösem) anstacheln, reizen, anstiften‹.
Bedeutungsverwandte:
 1516.
Syntagmen:
arges / beschis / bosheit / diebstal / gewalt / hader / hochfart / ketzerei / krieg / meine / mord / raub / übel / unglük / unruhe / verrätnis / zank / zweitracht, ein feuer
(ütr.)
s., der wein das laster s., die worme
(ütr.)
vergift s
.;
s., das
[+ Inhaltssatz],
jn. darauf s., das
[+ Inhaltssatz].

Belegblock:

Chron. Köln
2, 560, 17
(
Köln
1499
):
guam bischof Conrait wederumb in die stat ind stichde ein quait vuir binnen Coellen.
Froning, Alsf. Passionssp.
290
(
ohess.
,
1501 ff.
):
Ich hon auch gestifftet under en [Juden], | Daß sie en nit woln horen adder sehen.
Neumann, Rothe. Keuschh.
2174
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
der kusch mensche sal flyen den win | [...] | wann her alle laster stifft.
Ebd.
3909
:
[sin horn] treib van den luten alle vorgifft | di di tuvelschen worme haben gestifft.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
76, 9
(
Nürnb.
1548
):
Die gern alle augenblick [...] schaden thun / vnnd alles vngluͤck stiften woͤlten.
Chron. Strassb.
304, 12
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
dovon samete er ein volg an sich und stifte ein verretnyße wider Philippum.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 151, 22
(
halem.
,
1508
/
16
):
als derselb jung herzog jetz 12 jar alt was, da stiftet in sine redt daruf, das er sin land von dem kúng, sinem vettern, vordere.
Wackernell, H. v. Montfort
4, 8
(
soobd.
,
A. 15. Jh.
):
Y gitikeit, du bitter hort! | du stifftest mein, du stifftest mord.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
97, 1710
;
Thiele, Minner. II,
23, 267
;
Kurz, Waldis. Esopus
2, 67, 19
;
Knape, Messerschmidt. Bris.
2, 87
;
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
16, 25
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2445
;
Köbler, Stattr. Fryburg
206, 31
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
549, 1
.
Vgl. ferner s. v.  1,  1,  1,
1
 3.
6.
›etw. ersinnen, erdichten, bilden, gedanklich hervorbringen; etw. fingieren, das über dem literalen Sinn des Textes liegt und der Erregung der Leidenschaften dient; etw. simulieren, sich wie stellen‹; oft negativ konnotiert und unter die Aussage oder den Verdacht von
betriegen
1,
1
leichen
1,
lug
,
2
liegen, sünde
gestellt; bei der seltener begegnenden positiven Bewertung erscheint
stiften
als rechtfertigungsbedürftig.
Meist älteres und mittleres Frnhd.; gehäuft Texte religiösen und didaktischen Inhalts, teils in Versform.
Wortbildungen:
1
stiftung
4 ›Werk, Kunstwerk, Dichtung‹.

Belegblock:

Klett, J. v. Soest
6, 2183
(Hs. ˹
wmd.
,
1470
/
80
˺):
du solt aber nit solchem schyn | gelauben, als yn helt dy scryfft. | es ist geloghen und gestyfft.
Gille u. a., M. Beheim
82, 445
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
es [das puchlein der kinthait] ist getichtet und gestifft | von der krafft und vermugend | Der verkerer und keczer, | zu laichen und petriegen die / glaubigen menschen.
Bremer, Voc. opt.
39014
(
wobd.
,
A. 15. Jh.
 ff.):
Poema das gediht [...] ain geticht gestifter ding [...] ain geticht gaistlicher ding [...] est carmen metrice conscriptum et vnam exprimens sentenciam litteralem et aliam mentalem sub similibus confictis occultans ad excitandum in hominibus vehementes animi passiones. Et dicitur a poio [...], quod est fingo.
Bihlmeyer, Seuse
449, 27
(
alem.
,
14. Jh.
):
heint sú [die valschen minnerin] aber icht dúplicher gestifter schoͤne oder lútselikeit, daz bútent sú her fúr.
Ebd.
514, 4
(Hs. ˹
mfrk.
,
15. Jh.
˺):
Uff der lude wort ist recht zu buwen, als abe eyn halme eyn brucke were uber den groszen Ryne [...], – also sicher ist man diesses wesens und dieser gelaszenheit. Disz synt gestiffte gelaszenheit.
Vetter, Pred. Taulers
287, 7
(
els.
,
1359
):
das sint ir [lúte] ufsetze und ir wisen, die si in irem guͦt dunkende gestiftet und gesast hant.
Martin, H. v. Sachsenh. Temp.
101
(
schwäb.
,
1455
):
Du [Maria] kastel und zyttidell | Mit wol beschlossener porten, | Hilff mir mitt kluͦgen worten | Min stifftung spech subtyln!
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2664
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
do er [schlange] des menschen klaid | Mitt siner falschen worten gifft | Im baradÿs des ersten stifft.
Adrian, Saelden Hort
97
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
swie doch genuge lúte daz | sprechen daz man nit enmuge | minnen tihten ane lug | und frómd núwe fúnde | vinden ane súnde. | [...] | min herr sant Augustinus giht | daz wir denn sunden niht | so wir it guͦtes stiften | daz man in allen sriften | noch nie gehort noch gelass | ob wir eht guͦtes etwas | da mit stette mainen.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 75, 11
(
halem.
,
n. 1529
):
dis alles ist gestift und erdacht, uwer vest, handhaft gemuͤet und guͤten willen neben- zuͦ- und uberzwers abtrinnig zemachen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
163, 33
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wenne in [fuhs] hungert und er nihtes vint daz er ezz, sô stiftet er sich tôt sein.
Wiessner, Wittenw. Ring
4507
;
8430
.
7.
›etw. (z. B. einen Vertrag) aushandeln und abschließen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  7,  2,  4,  3,  11,  2,  1.
Syntagmen:
einen kauf / vergleich / vertrag s
.

Belegblock:

Allg. Schau-Buͤhne
59, 15
(
Frankf.
1699
):
ist durch Vermittelung der Herren Staaten abermal ein Vergleich gestifftet [...] worden.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
584
(
schles. inseldt.
,
1478
):
wÿ sÿ haben eÿnen kawff gestefft czweschen eynander von des erbes twayn.
Auer, Stadtr. München
326, 7
(
moobd.
,
n.  1347
):
wan die underkäufel versworen habent, daz sie nicht chauffen an chainem chauf, der wider der stat gesetzt gestift wirt.
Weise. Jugend-Lust
197, 8
.
Vgl. ferner s. v.  3.
8.
›etw. auf etw. gründen, stützen, basieren‹; hier anschließbar (oder zu
steft
1?) der Beleg
Meijboom
(ebenso in der Ausgabe von Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
3809
) im Sinne von: ›jn. aufrichten, erbauen, stärken‹ (?).
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3,  2,  5,  8.

Belegblock:

Thiele, Minner. II,
12, 98
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
uff das sie [beumlin] pfiler werden | des trons, gestifft von eren unnd vonn zuchten.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
3809
(
rib.
,
1444
):
wanne du bis gesticht | An die beide appel ind up gericht, | Sagen ich dir dat du sicherlich | Wale vort machs gaen.
Vetter, Pred. Taulers
386, 11
(
els.
,
1359
):
als ein mensche sich vor wol gewarnet hat siner werke und sich uf die tugende gestiftet hat.
Goldammer, Paracelsus
2, 133, 15
(
1530
/
5
):
so folgt, daß die obrigkeit auf die bösen gestift, nit auf die guten.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 160, 32
(
thurg.
1520
/
21
):
Des Luthers dicht | Ist ganz gericht | Auf bwerte gschrift | Und nit gestift | auf abenteur.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
70
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Enphach das selb Ave | Gabrielis munde, | den namen wandel Eve, | stift auf frides grunde.
9.
a) ›(jm.) etw. (Rechte o. ä., Güter o. ä.) nach bestimmten Rechten zur Bewirtschaftung übergeben und dies bewirtschaften lassen‹.
Syntagmen:
die hofstätte, das eigen / gut / lehen s., freiheiten / gewonheiten / rechte s., dem holden ein dritteil s
.;
eines hauses / gutes s
.
Wortbildungen
stiftartikel
›Urkunde über die Vergabe- und Bewirtschaftungsrechte eines Grundbesitztums‹ (dazu bdv.:  3),
stiftbrief
3 (a. 1573; dazu bdv.:  ).
b) ›jn. in ein Gut (o. ä.) zum Zwecke von dessen Bewirtschaftung einsetzen‹.
Bedeutungsverwandte:
 5,  13, .
Syntagmen:
jn. auf ein gut, zu einem haus s
.
c) wegen fehlenden Objekts nicht entscheidbar, ob etw. vergeben oder j. begabt wird.
d) ›mit jm. einen „Stiftsvertrag“ aushandeln‹.
e) ›die
stift
entrichten‹.
Für alle Varianten nahezu ausschließlich oobd.; Rechts- und Wirtschaftstexte.

Belegblock:

Zu a):

Boos, UB Aarau
98, 24
(
halem.
,
1363
):
daz wir in allen unsern landen [...] alle weltliche recht, fryheit und gewonheit stiften und stoͤren, [...], lúterren und bezzern mugen.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
130, 22
(
moobd.
,
1468
):
wie meniger unser burger daselbs zu Krembs und Stain sich aus denselben unsern steten cziehen und ire hewser, darin sy wonhaft und gesessen gewesen, öd ligen lassen und der nicht stiften noch anndern verkauffen.
Mell u. a., Steir. Taid.
158, 2
(
m/soobd.
,
1. H. 16. Jh.
):
Auch hat ain ider marktrichter [...] was dem gericht stab underworfen zu stiftn und steuern.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
310, 4
(
m/soobd.
,
1586
):
Beruef oder stiftarticl so den underthonen der pfarr Sanct Veitsperg bei Leoben jarlich nach alter gewanheit in der stift verlossen wiert.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
121, 21
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
Auch sind in derselben gassen niderhalb des pruns ettleich hoffsteten gebest, kan niemant gedenken, das se gestifft sein gebest.
Ebd.
301, 25
:
Auch ist daselbs ein hayd oder ein perig, [...], do pawt man nw weingarten; was ir daran gestifft werdent, da habent mein herrn von Liechtenstain zway tail zehent.
UB ob der Enns
9, 67, 36
;
10, 464, 3
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 1, 1050, 7
;
Seuffert u. a., Steir. Landtagsakten
2, 180, 12
;
Bischoff u. a., a. a. O.
107, 7
;
Bretholz, a. a. O.
46, 30
;
Öst. Wb.
3, 948
.
Vgl. ferner s. v.  1.

Zu b):

Weissthanner, Urk. Schäftlarn
225, 33
(
moobd.
,
1383
):
auf welches guͤt, ez seyͤ gros oder chlain, si mich vordernoͣt vnd auch stıͤftten vnd setzen wellent.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
47, 30
(
smoobd.
,
17. Jh.
):
so ainer von ungehorsam [...] in der stift nit wurd aufgenommen und gestift wurd, wie lang dasselb ain anstant haben soll.
Vgl. ferner s. v.  4,  6.

Zu c):

Fuchs, Urb. Göttweig
29, 31
(
moobd.
,
um 1345
):
Er hat auch ze stiften und ze stoͤren.
UB ob der Enns
10, 310, 34
(
moobd.
,
1385
):
Ez soll auch der vorgenant chappellan die egenanten güter [...] nuzzen [...] mit allen eren rechten vnd nuzzen, die darczu gehörent oder dauon bechomen mugen versuecht vnd unuersucht mit stifften vnd entstifften.
Primisser, Suchenwirt
38, 126
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Wer gern stifftet und nicht stoͤrt, | Dem mach herschafft undertan.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 2, 3189, 15
.

Zu d):

Winter, Nöst. Weist.
1, 6, 20
(
moobd.
,
E. 16. Jh.
):
Wer sich weg wil ziechen aus dem purkfrid, der schol stiften mit ainem andern erbern man oder jungen gesellen der do gelobt er wel sich setzen.

Zu e):

Siegel u. a., Salzb. Taid.
111, 14
(
smoobd.
,
1405
):
der ist ze wandel verfallen meiner frawen gnaden umb ain halb pfund zwen pfening und sol darnach in vierzechen tagen stiften nach meiner frawen gnaden.