stier,
der
 ;
–/
auch
.
1.
›männliches, in der Regel unverschnittenes (und dadurch vom
ochsen
unterschiedenes) Rind‹, in den Belegen angesprochen unter weiderechtlichen Aspekten, als Zuchtbulle für eine Gemeinde, als Gegenstand grundherrlicher und gewohnheitsrechtlicher Bestimmungen; oft Bezug auf seine Wildheit; mehrfach Nennung im Zusammenhang mit anderen Tieren wie
1
ber, farre, ochse, rind, ros, schaf
.
Phraseme:
der stier von Uri
Stierkopf als Wappenzeichen von Uri ( Schweiz. Id.
11, 1226
).
Syntagmen:
stiere ziehen, einen s. abschaffen / (unter)halten, jm. einen s. stellen, das stierlein auf die weide gehen lassen, den s. nimmer unter die herde treiben
;
j. sam ein s. darein sehen; der s. lüen, dem kirchspiel nütze sein, in js. schaden gehen
;
dem s. nicht verschnitten sein
;
der balde / wilde / geheilte
›kastrierte‹
/ gehodene s
.;
grob als ein s
.;
die galle von einem s
.
Wortbildungen:
stieralb
›Sonderalm für den Stier‹ (17. Jh.),
stierauge
,
stieren
(Adj.) ›vom Stier‹,
stierfel
›Stierhaut‹,
stierfleisch
(a. 1410),
stiergalle
,
stierhamme
(Gw zu  1; a. 1563),
stierhaut
,
stierig
›trotzig, widerborstig‹ (a. 1399),
stierkalb
›männliches Kalb‹,
stierlikraut
eine Pflanze (a. 1555; zur Motivation s. Schweiz. Id.
3, 913
),
stierkopf
1,
stiermene
(Gw zu mhd.
mene
›Fuhre‹; Lexer
1, 2098
) ›mit Stieren bespanntes Fuhrwerk‹ (1. H. 17. Jh.),
stierrind
›männliches Rind‹ (a. 1302),
stiersmark
,
stiersmist
.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 476, 14
(
rib.
,
1497
):
umb eine mirkliche boisse, Arnt vurs. entgain dat genante ampte der wijsgervere verbuirt ind verwravelt sal haven, deshalven hei oissen-, koe- ind stiervelle eine mit kalfsvellen wijs gemacht ind bereidt sall haven.
Koeniger, Sendgerichte
99, 22
(
rib.
,
n. 1479
):
so sullen die doemheren halden eynen steyr up der weyden, de den kyrspel nutz sy, und off der steyr off beyr in emans schaden genge, da sal sy gutlich oiskeren.
Hilliger, Urb. St. Pantaleon
524, 45
(
rib.
,
1650
, Hs.
1688
):
item sollen sie das venerabule beleuchten, stier und bieren unterhalten.
Kollnig, Weist. Schriesh.
159, 35
(
rhfrk.
,
1598
):
Soll ein vierspänniger bawer auf die waid gehen lassen neun stück, es seyen kühe oder kälber. Ein einspänniger fünf stück [...], aber keine stier sollen darunder verstanden werden.
Küther, UB Frauensee
266, 42
(
thür.
,
1491
):
was kelber von denselbigen kuwen gefallen, sal man alle iar acht kelber tzyhin styer unnd kalben unnd dieselbigen nach geburlicher tzyt der jar teyln.
Keil, Peter v. Ulm
41
(
nobd.
,
1453
/
4
):
ein gut pflaster zu der vistelen. So nym ein stiergallen oder zwo vnd thu das in ein sauber pfannen.
Ebd.
219
:
Für die faistigkeit des leibs Nym ein gallen von einem stier vnd nicht von einem ochssen.
Rohland, Schäden
533
(
nalem.
/
schwäb.
,
1400
/
33
):
nym ... stiers marck.
Ebd.
nym stiers mist.
Bremer, Voc. opt.
45019
(
wobd.
,
moobd.
,
1328 ff.
):
Iuuencus stier [...] (Hic) Iuuencus/-ci est bos annis et viribus ydoneus ad arandum [...] et dicitur (iuuencus) a iuuo/-as/-are, quia incipit iuuare labores (hominum).
Dasypodius
19r
(
Straßb.
1536
):
Bovini oculi, Stieraugen.
Ebd.
430r
:
Stier dem nit verSchnitte͂ ist. Taurus.
Golius
275
(
Straßb.
1579
):
Taurus, Stier / Farr / Brummer. [...]. Vitulus, Stierkalb.
Wiessner, Wittenw. Ring
5724
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Lastersak hiet gross begıͤr: | Er sach dar ein recht sam ein stıͤr.
Koppitz, Trojanerkr.
1504
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Do kertt er [sun] ze walde | Mitt mangem stiere balde, | Rinder, schaff unde schwin, | Daz warend die schiltgenossen sin.
Welti, Stadtr. Bern
572, 3
(
halem.
,
1474
):
Das sol man zinen vnd schoͤnen als von alltem harkommen ist. boͤckin stierin kuͤgin allt schaͤffin kalbfleisch.
Jörg, Salat. Reformationschr.
806, 24
(
halem.
,
1534
/
5
):
alls [...] die vyend sich allso ann hüfflinen liessend sechen / so faatt an lüien / der stier von Urj.
Rennefahrt, Statut. Saanen
225, 23
(
halem.
,
1598
):
so mag er (dan) als dan wider bsetzen by einem tag, das sin nützen wie die andren mit allerlei vech, ußgnomen mit roßen und geheilten stieren.
Ebd.
270, 11
(
1647
):
die gehoden stieren, wan man sie schon am schaden, was in weidenen antrifft, findt, soll man sie ouch nit an recht stellen.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 784, 6
(
schwäb.
,
1622
):
es solle jede kue-, ochsen-, stüer- oder roßhaut, so aime uff dem margt verkauft werdten, von jeden fl zwen pfennig zoll geben, nemblich der käufer und verkäufer jeder ein pfenning erlegen.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 329, 19
(
schwäb.
,
1643
):
Wan auch ein stüer zweyjörig würdt, soll derselbe nimmer under di gemeine herd getriben, sondern zu den oxen geschlagen werden.
Klein, Oswald
103, 34
(
oobd.
,
1432
):
für wär, ich geb dir auch ain stoss | zu deiner brust, als du mir tüst | mit valscher gier, grob als ain stier.
Wopfner, Urk. Agrargesch.
345, 40
(
tir.
,
2. H. 14. Jh.
):
so sol uns der frei zehent ainen stier stellen auf sand Georgen tag unz auf sand Gallen tag.
Helbig, Qu. Wirtsch.
3, 72, 6
;
Jahr, H. v. Mügeln
241
;
Koppitz, a. a. O.
1526
;
Welti, a. a. O.
450, 14
;
Kläui, Urk. Kaiserstuhl
248, 29
;
Winter, Nöst. Weist.
2, 14, 23
;
Lampel, Qu. Wien
1, 8, 16486, 41
;
Lehmann, Rezeptb. S. 
263
 f.;
Schmitt, Ordo rerum
298, 13
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
6, 584
;
Schweiz. Id.
2, 1270
;
6, 1032
;
Vorarlb. Wb.
2, 1311
;
Öst. Wb.
1, 130
.
Vgl. ferner s. v.  1,
1
 2, .
2.
›Sternbild des Tierkreises‹.
Wortbildungen:
stierkopf
2.

Belegblock:

M. Cunitia. Ur. Prop.
170, 29
(
Öls
1650
):
Die uͤberschrifft weiset 6 benamte Zeichen Widder. Stier. Zwillinge. Waage. Skorpion. Schuetze.
Dasypodius
94v
(
Straßb.
1536
):
Hyades, Ein gestirn im styer kopff am himmel / das man sunst latine Suculas nennet.
Sudhoff, Paracelsus
10, 144, 28
(
1536
):
was wunden im zwiling, jungfrauen, steinbock gehauen werden, sind die bösisten dem glück nach zu rechen, nachfolgend der stier, löw, demnach der widder.
Ebd.
14, 411, 28
(
um 1567
):
auch so hat luna vom jupiter schütze, stier die weiß farb und ein große bestendikeit wider das feur jupiter schütze stier.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron.
265, 1
(
schwäb.
,
um 1564
):
und ward das zeychenn im styr und und um eins nuws nemlich des monatt Maey.
Klein, Oswald
22, 29
(
oobd.
,
1419
;
1426
?):
Stier, Wider, die Junckfraue, | das Zwiling, Visch, ain Schütz | leg auf die Wag und schaue.
Menge, Laufenb. Reg.
1372
;
Martin, H. v. Sachsenh., Tempel
307
;
Barke, Spr. d. Chymie.
1991, 350
;
Maaler
388r
.
Vgl. ferner s. v. .