1
stiege,
die
;
zu
mhd.
stieg(e)
›Treppe‹
(Lexer
2, 1189
).
– Nahezu ausschließlich obd. belegt.
1.
›Treppe‹; ein Teil der Belege offen zu einerseits ›Treppenstufe‹, andererseits ›Treppenhaus‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.
Syntagmen:
eine s. machen, das fas die s. einfallen
;
die s. aufgehen / auflaufen / aufspringen / niedereilen, zu tal fallen, die s. hinab müssen
›das Haus verlassen müssen‹,
jn. die s. einwerfen / hinauftragen / hinabwerfen, jm. 2 stiegen auf entgehen
;
die s
. (Subj.)
zu einer tür leiten
;
an der s. stehen, jn. zu der s. ziehen, jm. ein bette in die s. schaffen; die s. von 14 staffeln
;
die hohe / finstere s
.;
die kamer bei / unter der s
.
Wortbildungen:
stiegtrippel
›Treppenstufe‹ (a. 1614).

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
267, 48
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wol spannenweit zerreisset sy den gil. | man höret ez herkrachen, | alz viel ain vas ain stiegen ein.
Sachs
17, 188, 1
(
Nürnb.
1554
):
wo ich euch mehr find darniden, | So würff ich euch all stiegen ein, | Die in dem gantzen hause sein.
v. Keller, Ayrer. Dramen
1600, 11
(
Nürnb.
1610
/
8
):
Vor der Kuchen hat es ein Stiegen, | Darein will ich dir ein Beth schaffen.
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 80, 17
(
Coburg
1634
):
Es ist gestorben ein listiger / hoͤfflicher vnd possierlicher Schmorutzer / ein Eichhorn die stiegen auffzuspringen / ein Amboß die Stoͤsse zuverdawen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 335, 5
(
Hagenau
1534
):
Ich kam nye recht / denn ein mal da warff man mich die stiegen ein.
Morrall, Mandev. Reiseb.
57, 6
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
mitten in dem tempel ist ain stieg von vierzehen staffeln.
Chron. Augsb.
2, 163, 7
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
da hett man willen, die stieg auf das rathaus und das vogelnest auf dem tor [...] ze machen.
Klein, Oswald
19, 107
(
oobd.
,
1416
):
Das ich ain stiegen viel zu tal | in seuberlichem pumpern.
Schottenloher, Flugschrr.
63, 17
(
Landshut
um 1523
):
und pitt fur den Putzer, der muesz beschaid thun und darnach etwas ewangelisch lernen oder dy stiegen hinab.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
40, 56
;
Hoffmeister, Kuffstein. Gef. Avv,
25
; Biv, 7;
Gille u. a., a. a. O.
104, 500
;
Mayer, Folz. Meisterl.
95, 24
;
35
;
Chron. Nürnb.
3, 273, 8
;
394, 12
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
132, 18
;
Haszler, Kiechels Reisen
311, 23
;
Gilman, a. a. O.
2, 74, 18
;
Staub, Qu. Wien
3, 2, 2630, 17
;
2869, 18
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 237
;
Patocka, Salzwesen.
1987, 184
;
Schmitt, Ordo rerum
54, 18
;
Schwäb. Wb.
5, 1758
.
Vgl. ferner s. v.
2
(Adj.) 4,
3
 20,  1,
2
 3.
2.
›Geschoß, Stockwerk (entsprechend der Höhe einer Treppe)‹; Metonymie zu 1; hier anschließbar: ›treppenartig ansteigende Geländestufe‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3,  5,  2,
1
 5,  7.

Belegblock:

Kurrelmeyer, Dt. Bibel
3, 61, 20
(
Straßb.
1466
):
die túr der arch setz ainhalp an der seiten. Mach
˹
soler vnd stiegen
˺ [Luther
1545
zu 1. Mose 6, 16:
boden
; Dietenberger
1534
:
zweischichtige vnd dreischichtige Kammern
; Eck
1537
:
soler vnd trigeding
]
in ir.
Haszler, Kiechels Reisen
325, 11
(
schwäb.
,
n. 1589
):
alsdann kamen wür an ein sehr hohe steüg des gebirgs Libani.
3.
›Sturmtreppe (bei der Belagerung befestigter Plätze)‹.
Wortbildungen:
stiegleiter
(dazu bdv.: vgl.  1).

Belegblock:

Chron. Nürnb.
1, 177, 30
(
nobd.
,
1388
):
die sullen iren gezeug neben der grossen puhsen uffrihten. die mussen haben ... item primo zwuͤ prukken und ein stiegen.
Ebd.
179, 7
:
Herman Schatz sol mit den 3 prukken bey dem Zapfenmacher sein an seinem stuͤrm, und sol die stiegen auch uffrihten.
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989,
S. 294.