stieben,
V., unr. abl.
1.
›stieben, wirbelnd aufsteigen (z. B. von Federn, Funken)‹, ütr. auch vom Kampfgetümmel.
Syntagmen:
blätter / federn / feuer / funken / fürze / sand / schne / trauben s
.;
es stiebt
[wohin],
es stiebt, das [...], schiessen, das es stiebt
;
jm. etw. in die nase s
.

Belegblock:

Luther, WA
37, 543, 35
(
1534
):
wird ein engel komen, Gott schmeis, der wird dreinschlagen, das wird stieben, steuben.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
238, 5972
(
Magdeb.
1608
):
Das die federn stieben vmbher.
Thiele, Minner. II,
26, 203
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
dasschen stoben, die wolken vlogen, | nyemand cuͦnde dair mit oghen | den andren wol bekinnen.
Ebd.
32, 346
:
so die mynne mynnenclich | sent hore brende in tzwei geleven, | das vuer moes leschen und stieven.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
330
(
Köln
1476
):
Dye Nuysser rieffen: ,her iohan darm!‘ | Jnd schussen, dat ydt stouff.
Dedekind/Scheidt. Grob.
120, 5
(
Worms
1551
):
Jm schlaff laß fúrtz in lufft hin stieben.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
5, 20
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Got beraube euch euer macht und lasse euch zu pulver zerstieben!
[Var. schwäb./bair., 3. V. 15. Jh.:
stieben
].
Vetter, Pred. Taulers
117, 18
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
so kummet das goͤtteliche abgrunde und lat do sine funken stieben in den geist.
Ebd.
152, 14
(
1359
):
alles das do fliegen oder stieben mag, do enker dich zemole nút an, denne trucke dich zemole in wore demuͤtkeit und in din nicht.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 451, 1
(
halem.
,
1508
/
16
):
Also griffend bede reisigen züg ein ander an; nun hat es lang nüt geregnot; dar um es so vast stoͧb, das nieman wust, wer fründ oder vigend war.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 57, 86
(
schwäb.
,
1471
):
die andern ims [rosen platt] ze stund | Zerrissen vnd zercluben, | Das die rosenpletter stuben.
Mollay, H. Kottanerin
31, 11
(
moobd.
,
1439
/
40
):
es was auch ettwann der wint als gros, daz es in die wiegen stab.
Luther, Wa
38, 85, 31
;
Fastnachtsp.
1059, 22
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
258, 2
;
Schwäb. Wb.
5, 1755
.
2.
›aufflattern, auffliegen (von Vögeln)‹; ütr. vom Menschen gesagt.
Phraseme:
stiebendes vieh
›Geflügel‹.

Belegblock:

Wiessner, Wittenw. Ring
2580
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Sei stob hin sam ein spreuwersak.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 92, 24
([
Augsb.
]
1548
):
Unter die Tauben werffen / das sy stieben.
Schade, Sat. u. Pasqu.
1, 59, 161
(
1542
):
er sei zu frau Marien gen Burgund gezogen. | Man weiß nicht wo er hin ist gestoben oder geflogen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
490, 7
(
m/soobd.
,
1608
):
obe auch im markt paurn- oder andere frembde hunt betrötten, die leut [...] petler, fliegents oder stiebents viech anlaufen, angreifen.