sternseher,
rib. infolge Hebung des
-e-
im Gw auch
sternsiener
,
der
 ;
–/-Ø
;
Unterscheidung zwischen 1 und 2 schon in frnhd. Zeit schwierig; die zeitgenössischen Glossare geben sowohl
astrologus
wie
astronomus
an (z. B. Voc. Teut.-Lat. jj ijr; Rot
291
; Beleg s. v.
astrologus
), ebenso findet sich die heutige Unterscheidung; s. u. den Beleg
Bremer
; Ansatz 1 deutlich häufiger belegt als 2.
1.
eher ›Astrologe‹ als ›Astronom‹, ›Person, die den Lauf der Sterne beobachtet und daraus Zukunftsdeutungen ableitet‹, teils positiv, teils negativ konnotiert (im Wertungsfeld von
fabel, märe, zauberei, teufel
 ).
Syntagmen:
den s. um etw
. (z. B.
um eine glükliche stunde
)
fragen
;
der s. sprechen / weissagen, von etw. sagen / schreiben, die zukunft sagen, etw. wissen, jm. etw. raten, finden, wie [...], auf den lauf des himmels merken
;
dem s. etw. sagen
;
aus einem s. etw. ansagen
;
der alte / grosse / hoffärtige s
.;
das gehirn, die kunst / praktik / sage, der rat der s
.
Wortbildungen:
sternseherkunst
1.

Belegblock:

Luther, WA
21, 20, 33
(
1530
):
das unsere klugen meister, die Sternseher, daher faren und sagen, [...].
Ders. Hl. Schrifft. Dan.
1, 20
(
Wittenb.
1545
):
der König fand sie in allen Sachen [...] zehen mal klüger [...] / denn alle Sternseher
[
Cranc
:
sternluger
 ; Wormser Proph.
1527
/ Dietenberger
1534
/ Eck
1537
:
warsager
 ; Froschauer
1530
:
warsager vnd schwartzkünstler
]
/ vnd Weisen in seinem ganzen Reich.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
200,
Marg. zu 4809 (
Magdeb.
1608
):
Der Alchymist fragt die Sternenseher vmb eine gluͤckliche stunde.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
14352
(
omd.
,
1338
):
Pliades, di sterne sin, | Di das povel phliget nennen | Sechs kuechel mit der hennen, | Das ist das sibengestirne | Nach der sternseher gehirne?
Beckers, Bauernpr. (
Köln
1515
/
18
):
DJe Wijsen vñ cluͦgen meister vñ sternensyener hauen funden wie mã in d’ heilger kerst nacht mach syen uñ myrcken an de͂ wedder wie dat gantze jair sich regieren vñ halden sal.
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
20, 2
(
Frankf./M.
1563
):
Dise ding seind von dem Teuffeln erfunden worden / nemlich die kunst der Sternenseher / und die Aruspicina.
Bremer, Voc. opt.
38023
(
wobd.
,
1382 ff.
):
Astronomus ein sternseher [...] ain sternenseher [...] (Inter) Astronomus (et) astrologus differencia est, quia astronomus est artifex considerans motus astrorum et distancias eorum adivicem et certa loca planetarum sub signis. [...]. Sed astrologus est artifex ex motibus astrorum et eorum adinvicem distanciis et certis corum locis sub signis precognitis presciens et predicens futuros naturales effectus, vt pestilenciam, sterilitatem, bellum.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
505
(
Genf
1636
):
sternseher kunst / f. Astronomie.
Rot
291
(
Augsb.
1571
):
Astrologus vnd Astronomus, Auslegen / des Gestirns / Sternseher.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
16, 17
(
noobd.
,
1347
/
50
):
daz widerspricht Ptolomeus, und alle sternseher sprechent also: ,wo der mensch wont auf ertreich, do gent im sehs himelhzaichen auf ‘.
Gereke, Seifrits Alex.
457
(
oobd.
, Hs.
1466
):
die [maister] zu den selben stunden | die trawm aus legen chunden. | ain sternsecher dar becham.
Turmair
1, 196, 36
(
moobd.
,
1529
):
Der beredtest christ Lactantius [...] zaigt etlich weissagung auß sibyllen, auß etlichen propheten, auch auß Hydaspe, ainem gar alten künig und sternseher auß Indien an, wie das römisch reich vor dem jüngsten tag wider in Asien soll komen.
Ebd.
5, 446, 35
(
1522
/
33
):
im closter ward er gewarnt von abt Engelbrecht und Bartelme einem sternseher, die sagten im weis, er würd [...] geschlagen werden.
Luther, WA
2, 60, 40
;
Peil, a. a. O.
207, 5011
;
Hübner, Buch Daniel
573
;
Karsten, a. a. O.
5494
;
Schottenloher, Flugschrr.
106, 18
;
Chron. Nürnb.
4, 328, 12
;
Sachs
20, 91, 5
;
Goedeke, P. Gengenb.
143, 976
;
Löffler, Columella/Österreicher
2, 193, 6
;
Chron. Augsb.
5, 204, 15
;
Brévart, a. a. O.
24, 26
;
Niewöhner, Teichner
65, 93
;
649, 37
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
59, 23
;
Seemüller, Chron.
95
Herrsch. 17, 10.
Vgl. ferner s. v.  11, (
der
1.
2.
eher ›Astronom‹ als ›Astrologe‹, ›Sternkundiger, Wissenschaftler, der den Lauf der Sterne beobachtet und danach Messungen vornimmt‹.
Syntagmen:
der s. etw. sprechen, etw. von etw. nemen
›etw. wonach bemessen‹,
die s. etw. nadir heissen
;
kunst als die s. haben
;
der scharfsinnige s. Kopernikus
.
Wortbildungen:
sternseherkunst
2.

Belegblock:

Karsten, Md. Paraphr. Hiob
14254
(
omd.
,
1338
):
Di breite des ertriches, sayn | Sternseher und nicht verdayn, | Man nimit von dem mittage | In daz norden.
Bihlmeyer, Seuse
250, 7
(
alem.
,
14. Jh.
):
Hettist du als vil kunst als alle sternseher, [...], daz enkoͤnd dich niht als vil ze einem guͦten leben gefúrderen, als ob du dich in allem dinem lidenne got kanst geben.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
24, 14
(
noobd.
,
1347
/
50
):
Ein iegleich zaichen wirt getailt in dreizig stukke, und die haizzen grad. Und davon sint in dem tyrkraizze drei hundert und sehtzig grad, als die sternseher sprechent.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
60, 23
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Alfragânus der sternseher spricht, daz si [sunne] hundert stunt und sehzig stunt grœzer sei wann daz ganz ertreich.
Ebd.
106, 14
:
alsô spricht unser puoch [...], daz kain mensch daz für ain missagen hab [...], wan ez ist mit grôzer arbait und mit kluogem gezeug in der sternseher kunst funden.
Brévart, a. a. O.
58, 28
;
Schmitt, Ordo rerum
140, 5
;
Maaler
387v
.
Vgl. ferner s. v.  2.