stengel,
stängel,
stingel
(letztere beiden Schreibungen vereinzelt),
der
 ;
-s/-Ø
.
1.
›Stengel von Pflanzen (generell)‹; Bezug auf ›Krautstengel‹ typischer als auf ›Halm von Gräsern (darunter Getreidepflanzen)‹, nur in 1 Beleg Bezug auf ›Stamm‹; auch ›innerer, die Trauben haltender Teil der Weinrispe‹; in 1 Beleg: ›Stengelglas‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, , , , , ; vgl.  1.
Syntagmen:
die kreuzwurz / lilie einen langen s. haben, das gewächs s. gewinnen, die s. aufspalten / mit sensen verhauen
;
der s. wachsen, hundert körner bringen
;
aus der wurzel ein s. werden
;
blätter auf dem s. haben, an einem s. äpfel tragen, die nieswurz am s. adern haben, das blut von dem s. reren
;
der s. des krautes
;
der gestrekte / hole / lange / subtile s
.;
die länge des stengels
;
das kraut auf dem s
.
Wortbildungen
stengelknote
(dazu bdv.:
2
,
das
, 3,  ),
stengeln
›Stengel treiben‹.

Belegblock:

Goedeke u. a., Liederb.
142, 32
(o. O. o. J.):
es gilt dir, nechster neben, | so vil der stingel helt!
[Zuspruch beim Trinken]. Mayer, Folz. Meisterl.
34, 120
(
nobd.
,
v. 1496
):
Do
[Bild zur Beschreibung der Empfängnis Christi]
wart yn ein gewymert | Gancz unerfreist | Das frey behend geschicke | Wunderperlich, nymant weiß wy | Sich eint wurcz, plum unnd stengel.
Voc. Teut.-Lat. ff ijr (
Nürnb.
1482
):
Stengel ein kolstock od’ kag. od’ dorß. maguderis.
Hulsius K ijr (
Nürnb.
1596
):
stengelKnod / halmKnod.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 11, 27
(
Hagenau
1534
):
ich uberkomme von demselbigen zwen [koͤrnlein] oder drey stengel / unnd eyn itzlicher stengel bringt dreissig / sechtzig / ja offt hundert koͤrner auß unsers schöpffers bevelh.
Maaler
387r
(
Zürich
1561
):
Stengel (der) Stipula. Stengel allerley kreüteren. Caulis, Thyrsus. Der gestrackt Stengel von eim kraut. Scapus.
Ebd. :
Stenglen / Jn stenglen aufwachsen / Ein stengel gewünnen / zuͦ eim stengel werde͂.
Rauwolf. Raiß
38, 2
([
Lauingen
]
1582
):
Das ander [gewaͤchß] gewinnet auch vil stengelein / welche wie das Schaffthew mit vilen knoͤpflein / oder glaichlein abgesetzet.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
313, 5
(
oobd.
,
1349
/
50
):
und sprechent die maister, daz er [paradis paum] der öpfel mêr den hundert trag an ainem stengel.
Deinhardt, Ross Artzney
343
(
oobd.
,
1598
):
Wann ein pferdt den vngenannten hatt [...] spalt den stüngl
[von
eisen khraut
]
auf mit ainem messer.
Winter, Nöst. Weist.
2, 409, 7
(
moobd.
,
1615
):
so soll derselbig [reisender ...] in den weingarten geen und ein weinbör, zwei oder drei und nit mehr abbrechen, dieselbigen essen und den stingl zum warzeichen under den stock legen.
Luther, WA
34, 2, 121, 29
 f.;
34, 2, 124, 24
;
36, 649, 24
;
J. W. von Cube. Hortus
83, 7
;
85, 10
;
Rohland, Schäden
532
;
Lehmann, Rezeptb. S. 
263
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 272
;
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
18
;
1702
;
Schmitt, Ordo rerum
409, 31
;
Schöpper
78a
Vgl. ferner s. v. ,  21; ,  1,  6.
2.
tropisch im Sinne von ›tragender Pfeiler, Träger(in)‹ mit Bezug auf Johannes den Täufer, auf Maria, auf die Minnedame; teils mit genitivus explicativus.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  3.

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm
2108
(
preuß.
,
1331
):
Von der genaden stengil, | Von dem ersten ursprunge, | Von Gotes ordenunge | Ettelich minnir und me | Vernemen, als ich sayte e.
Adrian, Saelden Hort
3453
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
sus inden himel tuͦmen | ist er
[Johannes d. T.]
mit allen bluͦmen | ain wol beclaiter stengel.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
1, 129, 32
(
schwäb.
,
1471
):
In gottes hag | Bist du [muͦter] der gnaden stengel!
Weber, Füetrer. Poyt.
335, 1
(
moobd.
,
1478
/
84
):
FRaw, meiner frewden stenngel | seit ir, uil süesses weib.
3.
›stengelähnliches Stäbchen‹.

Belegblock:

Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
82, 16
(
Frankf.
1535
):
Alaun ist vast guͦt den gschweren in der kelen / vnd sonderlich das blat das eim für die kelen scheußt / magst du mit einem hoͤltzin stengel des puluers von alaun mit imber vermengt vnd mit bertram / darein lassen.