stempfel,
stempel,
der
 ;
–/-Ø
;
beide Schreibungen in annähernd gleicher Häufigkeit belegt; erstere eher obd. und omd., letztere eher wmd. und nrddt., seit dem 15. Jh. zunehmend gebräuchlich; vgl. die Bedeutungsfelder von
petschaft
und
stampf
.
1.
›Holz als Material, z. B. als Feuerungstoff‹.
Phraseme:
aus dem selben stempfel gewurkt sein
›aus dem gleichen Holz geschnitten sein‹.

Belegblock:

Buch Weinsb.
2, 180, 4
(
rib.
,
1568
):
2 karn stempel, die kar 28 alb.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
32, 3
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Du [Tot] bist auch aus dem selben stempfel gewürket!
Buch Weinsb.
2, 196, 6
.
2.
›in der Regel etwas schräg aufgestellter, starker Pfosten zur Abstützung des Wandgesteins eines Stollens‹; auch: ›Stuhlbein‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Siegel u. a., Salzb. Taid.
197, 8
(
smoobd.
, Hs.
15. Jh.
):
wer ainen newfund vervecht [...], dieweil er nit joch und stempel geseczt hat in seine paw, der hat nit lenger frid.
Rechn. Kronstadt
1, 480, 5
(
siebenb.
,
1523
):
eidem pro gestilt 5 bell a molendinum stempl asp. 10.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz S. 
155
;
Patocka, Salzwesen.
1987, 184
.
Vgl. ferner s. v.
1
 10.
3.
›kleiner, mit der Hand bedienbarer Stößel zum Zermalmen, Zerkleinern von Früchten, Materialien o. ä.; Stampfvorrichtung unterschiedlicher Größe, Stampfwerk; Locheisen zum Ausstampfen von etw.‹; mehrfach ütr., z. B. obszön auf den Penis (in Parallele zu
mörser
für die Vagina), auch auf einen starken Menschen.
Phraseme:
den narren mit dem stempfel zerstossen
.
Bedeutungsverwandte:
, ,  ; vgl. ,  23.
Syntagmen:
den s. stossen
;
etw
. [Arzneimasse]
an dem s. hangen
;
der s. in dem pulferstampf, zu einem mörsel, von beine
›Knochen‹;
der beinene / hölzerne s
.;
der kessel / mörser mit einem s
.

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Ämterb.
146, 26
(
preuß.
,
1409
):
do wart is [snyczampt] ym alzo gelassen: [...] 2 stempel, item 4 ruweysen.
Luther. Hl. Schrifft. Spr.
27, 22
(
Wittenb.
1545
):
Wenn du den Narren im Mörser zu stiessest mit dem stempffel wie grütze.
Buch Weinsb.
2, 149, 28
(
rib.
,
1565
):
einen kessel mit 3 stempel 12 alb.
Sachs
21, 333, 32
(
Nürnb.
1545
):
Sag deinem pfaffen gleich | Meinn mörser ich im nimer leich. | Der dewffel im sein stempfel hol!
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
502
(
Genf
1636
):
Stämpffel / stoͤssel oder stoͤsser zu einem Moͤrsel / Walck oder schlagmühl: Item / Kelter.
Zingerle, Inventare
120, 2, 13
(
tir.
,
1478
):
i klain mörsser mit ii stempfel.
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 272
;
Schmitt, Ordo rerum
167, 32
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
339
;
Schweiz. Id.
11, 486
;
Schwäb. Wb.
5, 1628
.
Vgl. ferner s. v.
1
 6, (Adj.).
4.
›Ladestock für Büchsen, Feuerwaffen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , .

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
663, 20
(
preuß.
,
1435
):
Geschos: [...] 1 grose steynbuchse. item an buchsensteynen und an stempeln 1 gute notdurfft.
Ebd.
760, 19
(
15. Jh.
):
Smede: [...] 5 schroitbyllen und 1 stempell, item 1 radeysen.
Ebd.
63, 33
;
312, 36
.
5.
›Prägestock mit dem eingravierten Muster für Münzen; Stempel zur Kennzeichnung von Geweben‹.
Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  12,  4.
Wortbildungen:
stempelgeld
eine Abgabe für die Stempelschneider (offensichtlich als Gebühr für korrekte Stempel).

Belegblock:

Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 243, 9
(
hess.
,
1511
):
Davon sal der meister deß wergks von eyner margk biß inne zwo marck sehs heller [...] zu stempelgelt gefallen, und waß wergks von geßlagen wergk von acht lote oder von gegosßem wercke, daß vier loit biß an eyn margk wiget, davon sollen 2 heller zu stempelgelt gefallen.
Ebd.
327, 32
(
E. 16. Jh.
):
es soll ein jeder maister des burschidwoberhandtwercks sein aigen gemerck mit ainer sundern zale auf einem ißern stempfell oder puntzen geschnitten haben.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 193, 28
(
schles.
,
1640
):
iedoch dass das gold nit geringer als ducatengold gschlagen werde, zu welchen dan die stock und stempel er von dem seinem zu verschaffen und dasselbte, wan ihme gedachte stempel von nöten, uns oder unserer hochfürstl. Neissischen regierung zuvor andeuten solle.
Rennefahrt, Gebiet Bern
234, 14
(
halem.
,
1545
):
daß er [Münzmeister]
etwas untrüw mit den stempflen und secklinen, darin die blatten verslossen gewesen, geprucht.
Ders., Gebiet Bern
267, 10
(
halem.
,
1656
):
zuͦgleich auch, so es an den stempflen und schilten fählen, daß selbige nit recht wurden trucken oder sonst, söliches zuͦ reparieren.
Maaler
383v
(
Zürich
1561
):
Der Staͤmpffel darmit man müntzet / oder die müntz schlecht. Forma.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
339
;
Schwäb. Wb.
5, 1628
.
6.
›Hoheitszeichen bei der Vermessung von Grubenfeldern‹ (so Piirainen, s. u., S. 
155
ohne nähere Erläuterung über das Aussehen des Zeichens).

Belegblock:

Piirainen, Stadtr. Kremnitz
20
(
mslow. inseldt.
,
1492
):
mo(n) sol den selb(e)nn Stempel
[vorher:
Marschafft Stemp(e)ll
 ]
czaichn(en) mit eine(m) Creucz.