sanft,
sänfte,
senfte,
im Omd. gelegentlich
sacht,
Adj.;
zum
nd.
sacht
als Entsprechung zu hd.
sanft
s.
Duden
7, 2014, 712
;
717
.
– Zur Charakterisierung all desjenigen gebraucht, das jede Art von personaler bzw. personal gedachter Beziehung sowie aller sinnlichen Wahrnehmung von Gegenständen oder Setzungen solcher als angenehm, freundlich fingiert; 1–5 von Personen, ihren Haltungen und Handlungen gesagt; 6–9 von Vorgängen und Dingen im Bezug auf ihre sinnliche Wahrnehmbarkeit.
1.
›freundlich, angenehm, lieb, zart, milde im Urteil, wohltätig, wohlgesonnen, mitfühlend, friedfertig, ernsthaft aufrichtig‹ (als innerste Einstellung vom Menschen und seiner Natur [vgl. 1; 5], seinem
herzen
und seiner
sele
gesagt, auch von Jesus und Maria, vom Lamm, das mit dieser Eigenschaft auf Christus verweist); offen zu 2.
Gehäuft ˹älteres und mittleres Frnhd.; Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘˺.
Bedeutungsverwandte:
2, 2, 1, 2, , , , 1, 2, , (Adj.) 1, (Adj.) 1, 7, 1, ; vgl. 1, (Adj.) 2.
Gegensätze:
1, (Adj.) 6, 5, (Adj.), (Adj.) 2; 3, 2, , , ; vgl. 15.
Syntagmen:
j
. (z. B.
Christus, der mensch, das kind
)
s. sein, js. herz
(Subj.)
s. sein, j
. (z. B.
der könig
)
s. werden, die werke der sele
(Subj.)
s. werden
;
j. sich s. stellen, sich etw. s. sein lassen, j
. (z. B.
got, ein sanfter mensch
)
einen menschen s. machen
;
ein sanfter man, der sanfte geist / herre / mensch / mut, die sanfte frömmigkeit / natur / tugend, das sanfte gemüt / herz / tier
.
Wortbildungen:
sanftmiltiglich
(dazu bdv.: , Adj., 2).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Nu sit mir
[Pilatus]
senftes mutes, | wend ich bin unschuldic gar.
Luther, WA (
1519
/
20
):
Ir knecht sollt gehorsam seinn ewren herrenn umb gottis furcht willenn, nit allein denn gutigen und senfften, sondern auch den wunderwilligenn und unschlachtigen.
Christus ist auch nit alltzeytt gleych suͤß unnd senfft geweßen. Er wart ettwan tzornig und ubirdruͤssig.
Ebd. (
1522
):
Darumb lerne hie dich fur menschen hutten, ßonderlich, wenn sie freundtlich und sanffte sich stellen.
Jostes, Eckhart
14, 8
(
14. Jh.
):
Daz ander daz Moyses senftmutig waz; alzo sol der mensch eines so senftes geists sein, da mit er alle widerwerticheit winde.
Strauch, Par. anime int.
12, 34
(
thür.
,
14. Jh.
):
Also sal die sele Got smeckin in allin iren werkin daz alle ire werc suze werdin und senfte.
Gille u. a., M. Beheim
82, 478
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Also het er [Jhesus] durch ander | menschen red senfft gemut, vernunfft, | verstentnis fur ander leut.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
10, 28
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
[Der mensch] sol auch betrachten [...], ob er sey senft oder grymmig und unruig und ungestöm.
Sachs (
Nürnb.
1537
):
Ich hab gar lindigklich regiert | Und senfftmiltigklich guberniert.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Also sol ein senfter mensche einen herten strengen menschen senft machen mit siner gedult.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
4r, 21
(
Zürich
,
1521
):
Gemeinlich sind ouch dem mentschen jngepflanzt [...] ein tugenthaffte art / vñ senffte natur / geneygt zuͦ früntlicher guͦtwillikeit.
Sappler, H. Kaufringer
17, 239
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
das herz sei sänft, mit tuget behuot, | diemüetig oun zergenklich guot.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
ain lamp [...], daz ist sänft, wan ez ist ain sänftez tierl.
Helm, a. a. O. ;
Schmitt, Ordo rerum
672, 14
;
Adrian, Saelden Hort
1557
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Sappler, a. a. O.
16, 265
;
Pfeiffer, a. a. O. ;
Voc. Teut.-Lat.
bb vijr
;
2.
›barmherzig, gnädig, gütig, trostreich, behutsam, zartfühlend‹ (von Gott, Jesus, Maria gesagt, ihre Haltung gegenüber dem Menschen charakterisierend); ›mild, freundlich, lieblich, gnadenbringend‹ (in poetischen Bildern für Maria verwendet); ›freundlich, milde, hilfreich, gut, zugewandt‹ (vom Geist Gottes gesagt).
Gehäuft älteres und mittleres Frnhd.; Texte der Sinnwelt ,Religion‘.
Bedeutungsverwandte
(teils katalogartig gereiht): 3, (Adj.) 1, , (Adj.) 7, (Adj.) 2, (Adj.) 5, 5; 7, ; vgl. 1, 1.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
j
. (z. B.
got / Jesus, der geist
)
s. sein, die erbarmung
(Subj.)
s. sein
;
Jesus sich s. erzeigen
;
der sanfte mut / tag / trost, die sanfte mauer / nacht / odmut / süssigkeit, das sanfte fenster / gemüt / herz
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz tet sin [gottes] senfte otmute | und sin gotlich gute | sin unzellich milde | daz er sin selbes bilde | [...] | enwolde niht vorliesen.
Luther, WA Tr. (
1530
):
Auch sehen wir allzumal im Euangelio, wie sanft und linde er [Christus] sich gegen seine Jünger erzeiget.
Ders. Hl. Schrifft.
Weish. 7, 22
(
Wittenb.
1545
):
es ist in jr [Weisheit] der Geist / der verstendig ist / heilig / einig / manchfeltig / scharff / behend / beredt / rein / klar / sanfft / freundlich / ernst / frey / wolthetig / Leutselig / fest / gewis / sicher.
Dubizmay, kurß zu Teutze
25, 15
(
hess.
,
1463
):
Lobet | seynen nomen wen er | ist suße vnd senffte ymmer | werdt sein erbarmung sein.
Ebd.
37, 16
:
du [Maria] bist des hymels | thor worden vnd auch ein | senfftes femsterlein.
Eggers, Psalter
73, 12
(
thür.
,
1378
):
Smeckit vnde sit, daz got semfte ist.
Henschel u. a., Heidin
831
(
nobd.
,
um 1300
):
Nv la mich vrowe an dir sehen | Senften tag vnd naht.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
201
(
schwäb.
,
1455
):
Dis port
[›Pforte‹]
die wil ich schliessen | Zuo einr senfften suessen murn, | Die uns wol alles trurn | Kan wenden unde büssen
(als Marienlob in Bildern des Tempelbaus).
Spechtler, Mönch v. Salzb.
3, 49
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Jesus hat ain senft gemüt, | wenn er siht dein prüstlein an.
Helm, a. a. O. ;
Langen, Myst. Leben
190, 25
;
Warnock, Pred. Paulis
17, 44
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1353
;
Spechtler, a. a. O.
33, 1
.
3.
›wohlgefällig, getröstet, sorgenfrei, ruhig, gütig‹ (als Attribut des Herzens, der Seele, des Lebens, das der Mensch in Gott führt); in Verbindung mit dem Verb ,tun‘ ›jm. wohltun, guttun‹, auch: ›jm. schmeicheln‹; speziell im theologischen Kontext: ›leicht zu ertragen, angenehm‹ (z. B. vom Joch gesagt, das Christus dem Menschen auferlegt; Mt. 11, 30).
Nrddt., md., nobd. und wobd.
Bedeutungsverwandte:
3, 1; 2, (Adj.) 1, 2, (Adj.) 1; 3, 3, 7,
2
(Adj.) 4, 3, 7, .
Gegensätze:
(Adj.) 1; 4, (Adj.) 2,
2
7, ; vgl. (Adj.) 2.
Syntagmen:
jm. etw
. (Subj., z. B.
das gesetz / joch
)
s. sein, jm. etw
. (Subj., z. B.
der sin, das herz
)
s. getröstet sein / werden
;
jm. etw. am herzen s. tun
;
j. s. leben, j. / etw
. (Subj., z. B.
Christus, ein guter rat, die ehe, die kraft des weins, so freund beim freunde steht
)
s. tun
;
das sanfte herz / joch / leben
.

Belegblock:

Pfefferl, Weigel. Ges.
9, 16
(
Hamb.
1646
):
Allso muste dem Adam, dieweil er in den vngehorsam fiele, das gutte gesetze, zum bösen gereichen, vnd welches ihm zuuor sanfft vnd leicht war, wardt Jhm zu einem vntreglichen harten Joch vnd bitterkeit.
Luther, WA (
1512
/
8
):
Der gute geist ist der heylge geist, der macht sanfft, gelinde und gutig hertzen.
Ebd. (
1518
/
9
):
ein yglicher seyns stands sich pruͤffe, [...], der Tauff gnug zu thun, das ist, die sund zu toͤdten und sterben, auff das alßo leycht und senfft werd die puͤrde Christi.
Darumb ist ein Christen leben ein wunnselig und frewdenreich leben, unnd das joch Christi ist senfft und suͤsse.
Ebd. (
1544
):
Darumb gehet er [Nicodemus] mit solchen gedancken zu Christo, Er werde fro werden, das er zu jm kompt, und jm sanfft und wol thun.
[sie] stelen mir also meine sprache [...]. Aber ich gan es jn wol, den es thut mir doch sanfft, das ich auch meine undanckbare juͤnger, dazu meine feinde reden gelert habe.
Ebd. (
1524
):
Myt frid und freud ich far do hyn | ynn Gotts wille, | Getrost ist myr meyn hertz und syn | sanfft und stille, | Wie Gott myr verheyssen hat, | der tod ist meyn schlaff worden
(offen zu 4).
Ebd. (
1558
):
Ein Eheman sol geduͤltig sein, | [...] | Da wird Gott gnade geben zu, | Das jn die Ehe gar sanffte thu.
Ders. Hl. Schrifft.
Mt. 11, 30
(
Wittenb.
1545
):
mein Joch ist sanfft / vnd meine Last ist leicht.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Es tuͦt vil sanfte, so ein fruͥnt bi sinem fruͥnde stat.
Feudel, Evangelistar
14, 26
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Wen myn joch ist senfte unde myne burde lichte.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1506
):
es sind so [zw Venedich] vill ertiger geselln vnder den Walhen, [...], daz es eim am hertzen sanft solt dan.
Turmair (
Nürnb.
1541
):
do er aber des selben [weins] ein wenig zu vil trank, denn er dem alten kalten leib wol zimmet und sanft tet, ward er trunken.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
183, 32
(
Nürnb.
1548
):
so werdet jr ruhe finden fuͤr ewre seele / denn mein joch ist sanfft / vnd mein last ist leycht.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
178v, 45
;
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
13, 13a
;
Gille u. a., M. Beheim
68, 29
;
Dietrich. Summaria
20r, 35
;
4.
›friedlich, schmerzlos, ruhig‹; daran anschließend auch: ›gnadenvoll, getröstet‹ (vom Schlaf und seinem Bruder, dem Tod, als der letzten Ruhestätte des Menschen bzw. seines Körpers nach der Arbeit des Lebens gesagt); offen zu 5.
Bedeutungsverwandte:
1,
2
3; 4.
Syntagmen:
j. s. ruhen / schlafen / verscheiden, in den tod gehen
;
der sanfte schlaf / tod, die sanfte ruhe, das sanfte ruhekämmerlein / sterben / wegfaren
.
Wortbildungen:
sanftbetlein
›Wiege‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Karlstadt, Beide Gestalten E
2r
(
Wittenb.
1521
):
alle menschen [...] haben fur gewiß / das sie der leipliche tod nit in ewigẽ tod brẽgt. sonder durch leiplich absterben tzu rhu vnd senfftẽ schlaff in Christo.
er wirt nit liegen, das der Christen todt eyn schlaff und senffte sterben sey.
die Juden, da sie Christum ertodtet, seyn wort vorpotten, seyne Apostel veriagt hatten, kundten sie nit sanfft schlaffen, sie musten auch die Roͤmer auff sich laden, die sie auß wurtzeleten unnd vertilgeten
(hier als antijudaistische Polemik).
eyn Christen schmeckt odder sihet den tod nicht, das ist, er fulet yhn nicht [...] und gehet sanfft und still hyneyn, als entschlieff er und stoͤrbe doch nicht.
Ebd. (
1526
/
7
):
non vocat mortem [...] er nennet es ein sanfft weckfaren.
Ebd. (
1544
):
Also ist es [...] deines fleisch und bluts [schuld], das da nicht verstehen kan, das sein pestilentz, tod und grab nicht anders ist, denn das dich Gott seuberlich als ein Kind in die wiegen oder sanfftbettlin legt.
Göz. Leichabd. (
Jena
1664
):
Inzwischen gehet der abgeseelte Koͤrper in sein sanftes Ruhekaͤmmerlein.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 13, 27
(
Hagenau
1534
):
Der da wonet undter dem schirm Gottes / der wirt im schirm des hochsten sanfft rwen.
Eis u. a., G. v. Lebenstein
60, 1
(
oobd.
,
1. V. 15. Jh.
):
Wer nicht geslaffen mag, der necz ein tuch in das wasser vnd pint es vmb das haupt, [...]: so slafft er gar sanfft.
Wedler, W. Burley. Liber
147v
(
moobd.
,
v. 1452
):
Da erwellet er [Nero] im [Seneca] ain senfften tod vnd lies im die armadern schlahen in ainem wasserpad.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
37, 82
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
3, 2
.
5.
›angenehm, weich, bequem‹; vielfach von einer Lagerstatt (vgl. 7a) ausgehend ütr. auf die Lebensweise des Menschen gesagt, dann auch: ›unbeschwert, leicht, mühelos, sorgenfrei‹; in negativer Konnotation: ›leichtfertig, träge, sündhaft‹ (als Auswirkung der Melancholie bzw. Acedia); speziell: ›geringwertig, oberflächlich‹ (von einem geringzuschätzenden Bildungsstand gesagt).
Phraseme:
die rache sanft tun
in etwa: ›Rache ist süß‹;
j. seinen kopf sanft legen
›etwas unwidersprochen hinnehmen‹.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 1,
2
(Adj.) 3; 6, 7, , .
Gegensätze:
(Adj.) 1.
Syntagmen:
j. s. gelert sein
;
j. s
. [wo]
ligen, jn. s. betten, jm
. [wo]
s. beschehen, etw
. (Subj., z. B.
das gewissen
)
s
. [wo]
ruhen
;
der sanfte dienst, die sanfte ruhe, das sanfte gelieger / leben, die sanften betten / pfüle
;
die s. gelerten juristen / theologen
.
Wortbildungen:
sanftmachen
›lindern‹ (dazu bdv.: 1; 2).

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
Ich wil meinen kopff nicht sanfft legen, er sey denn wider bezalet.
Ebd. (
1536
):
und fallen drein die sacht
[hier: ›oberflächlich‹]
gelerten Theologen und Juristen.
Ebd. (
1549
):
Darumb sie [...] jrem fleischlichen sinn folgen, Des fruͤchte sie auch (an stat der zeitlichen wolfart vnd sanfften lebens, das sie gesucht) nemlich die Helle vnd ewiges verdamnis ernten werden.
Ebd. (
1540
/
5
):
Die Rach [...] thut auch sanft und schmeckt sußer denn honig, wie die Poeten sagen.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
so will ich denselben [Richtern] noch [...] Kunststuͤcklein mittheilen / mit welchen sie ihr Gewissen [...] stillen koͤnnen / daß es gleichsamb in einem pflaumen Bette sanfft ruhen moͤge.
Strauch, Par. anime int.
21, 20
(
thür.
,
14. Jh.
):
diz fuir [Christus] machit ouch hart di fore alse wech waren daz in nicht gnugite an senften betten: den gnugit sider wol an deme stro.
Gille u. a., M. Beheim
81, 210
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
het ich [burger der himelischen state] czu himel einen fus, | ich czuket in herab als sus | und sanft mir hie peschichte.
Voc. Teut.-Lat.
bb vijr
(
Nürnb.
1482
):
Sanfftmachen oder lynden. lenire.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Ir seit geborn eins Fürsten Kindt, | Seit aufferzogen zart vnd lindt. | In wolleben vnd sanffter ruh.
Bauer, Geiler. Pred.
318, 30
(
Augsb.
1508
):
Wenn suͦchet man mer trost in wercken? Das ist mit senfftem gelyger [...] oder so man fleiß und lieb an claider legt.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Man ligt sanffter auff eim banck / denn auff einem purpurbett.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
er müsst [...] ain ritterlicher held in nöten [sein], nicht verlegen, als ir seit, wann all die ewern streiten yetz [...]; sunder ir ligt darfür auf senften pfulmen.
Bauer, Imitatio Haller
104, 17
(
tir.
,
1466
):
Der geistleich mensch, der da lebt ausserhalben der czucht, [...], der suecht nur den wolust vnd das sënfft vnd ring leben.
Roloff, Brant. Tsp.
467
;
Plant u. a., Main. Naturl.
297ra, 28
;
6.
›klangvoll, wohlklingend, leise‹ (von der Stimme und ihrer Klangqualität gesagt); im Einzelnen auch (in verschiedene Richtungen tropisiert): ›stimmhaft, weich‹ (als Eigenschaft von Konsonanten); ›unmittelbar, unverfälscht, ungehindert‹ (vom Strom des Wortklangs); ›freundlich, zugewandt, lieblich, mild, demütig, feinfühlig, verständnisvoll‹ (von Worten und der Wirkung einer Rede gesagt); speziell: ›schmeichelnd‹; ›maßvoll, gerechtfertigt‹ (in dieser Nuancierung auch in Verbindung mit
schreien
oder
strafen
verwendet).
Phraseme:
etw. auf der sanften geige ziehen
›sagen, was j. gern hört‹.
Bedeutungsverwandte:
, (Adj.) 11,
1
2, 2, (Adj.) 1, (Adj.) 1, .
Gegensätze:
(Adj.) 3, (Adj.) 9, 6.
Syntagmen:
j. s. reden, der hund s. bellen, die schrift s. anheben, j. jn. s. grüssen
(hier: ›segnen‹; zu 4)
/ preisen / unterweisen, j. einen artikel s. setzen, mit allegorien s. umgehen, der schal / ton s. rausgehen, die buchstaben s. lauten, die silben s. aufeinander gehen, aneinander gehängt werden
;
der sanfte gesang, die sanfte anweisung / geige / rede / sprache / stimme, das sanfte aussprechen / getöne, die sanften worte
(häufig).
Wortbildungen:
sanftreden
›schmeicheln‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Er hiez Jesum ledic lazen | und begund en sanfte gruzen.
Luther, WA (
1520
/
1
):
Drümb hab ich dießen artickel widderruffenn vnnd noch itzt widderruff. alß den ich viel zcu mild vnnd sanfft gesetzt habe.
Ebd. (
1521
/
2
):
Zum andern sind ettliche, die solchs tzuvor nit mehr gehort habenn [...]. Dysse soll man nitt ubirpoltern [...], sondern sie freuntlich unnd senfft unter weysen.
Ebd. (
1522
/
3
):
die schrifft hebt fein sanfft an und fuͤret uns zu Christo.
Ebd. (
1524
/
7
):
Man sols und kans wol nicht weren, aber gehet mit den Allegorien sanfft umb: wenn ir die Historien gelegt habt, denn thut eine seuberliche Allegoriam darzu.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
Die ebdisse sal ummer an irre lerunge die gewonheit des aposteln halden [...], daz ist daz sie undermengen sal die bittere wort pen senften.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Bautzen
1584
):
Vnd sprach aus rechter innigkeit, | [...] | [...] mit senffter stimme: | Vergis Vater sie wissen nit, | Was sie an mir verbringen.
Böhme, Morg.R.
156, 31
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
darumb haben die 7. Geister Gottes den Creaturen ein Maul geschaffen [...] das der schall oder thon fein sanffte rauß gehet.
v. Ingen, Zesen. Ged.
391, 16
(
Breslau
1641
):
kan ihr Pulster⸗Huͤndlein wohl so sachte bellen / daß es auch die Naͤhsten bey Ihm nicht hoͤren.
Voc. Teut.-Lat.
dd iiijv
(
Nürnb.
1482
):
Senfftreden oder smaichen.
Müller, Quellenschrr./Kolr. (
Basel
1530
):
diewyl b. vnd d. lyß lind / oder gantz sanfft / dargegen p. vnd t. starck ir vßsprechen hand.
Jörg, Salat. Reformationschr.
185, 21
(
halem.
,
1534
/
5
):
Stuͦnd Zwinglj allso an die geystlichen / bropst und cappittel zum grossen münster [...] aber mit siner senften gygen / daruff er jedem zog was er gern hortt.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Derhalben [...] wardt er seiner überschwengklichen hoffart halb von aim andern caplon [...] mit senften und gueten worten darumb gestraft.
Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Man sol mercken vnd bruͤfen, welche Buchstaben die silben in der mitte des worts schliessen moͤgẽ. Naͤmlich, die nit zu hart, sonder feyn lieblich vnd senfft lauten.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
der bischof erweicht Tassilo sein hertz mit vil senften worten.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
89, 24
(
tir.
,
1464
):
da hueb der sellig pischolf Silluanus an zu schreien mit züchtigen vnd senften worten.
Schmitt, Ordo rerum
670, 18
;
Gille u. a., M. Beheim
267, 98
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
145, 41
;
Goldammer, Paracelsus
5, 179, 12
;
Kohler, a. a. O. ; ;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ;
7.
von der positiven Qualität sinnlicher Wahrnehmung gesagt, im Einzelnen:
a) die haptische Wahrnehmung als ›angenehm, glatt, zart, weich, lind‹ charakterisierend.
Bedeutungsverwandte:
, , 1, (Adj.) 1, 2, (Adj.) 1, 7, ; vgl. 2.
Gegensätze:
2, , 1.
Syntagmen:
der stein
(Subj.)
s. (zu greifen) sein
;
der sanfte grif / stein / wind, die sanfte haut / luft, das sanfte bette, die sanften hände
.
Wortbildungen:
sanftfeucht
›von geringer Feuchte‹,
senftenier
›weich gepolsterte Binde unter der Rüstung zum Schutz des Unterleibs‹.
b) den Geruch oder Geschmack e. S. als ›lieblich, mild, süß, wohlriechend‹ charakterisierend (auch im Orientierungsfeld mit , Adj., 6).
Bedeutungsverwandte:
, 3, 1; 2.
Gegensätze:
(Adj.) 1, 2.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
das öl
)
s. sein, etw
. (Subj.)
von etw
. (z. B.
von fisch / fleisch /gemüse
)
s. sein, die qualität e. S. s. werden
;
der sanfte atem / wein
.
c) visuelle Reize als ›ästhetisch, schön‹ charakterisierend.
d) das Zusammenspiel aller Sinneswahrnehmungen als ›lieblich, angenehm, mild, schön‹ charakterisierend (z. B. vom Tag, von den Jahreszeiten gesagt).
Bedeutungsverwandte:
2, (Adj.) 5, 1, , .
Gegensätze:
6.
Syntagmen:
etw
. (Subj., z. B.
der tag, die sonne
)
s. sein, der lenter
›Frühling‹
s. werden
;
der sanfte winter, die sanfte luft
.

Belegblock:

Zu a):
J. W. von Cube. Hortus
84, 4
(
Mainz
1485
):
Camillen blomen machen dem menschen eyn sanfft weich hüt.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
74, 4
(
Frankf.
1535
):
Armenus ist bleych weißfar [...] vnnd ist sanfft zu greiffen.
Ebd.
148, 9
:
Der Lazursteyn [...] ist [...] sanfft glat / nit grob.
Plant u. a., Main. Naturl.
297ra, 27
(
ohalem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
So man danne gisset ze inbisse so sol man vf senften betten ein wile slafẽ.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wâ daz vel dik ist, dâ ist ez sleht und ains senften griffs, wâ ez dünn ist und zesträut auz ainander, dâ ist ez oft gar rauch und hertgriffig.
Der ander planêt haizet Jupiter ze latein, daz ist ze däutsch helfvater, dar umb, daz der stern sänftig ist, warm und trucken, niht sêr, daz ist sänftfäuht.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
4588
;
Rosenqvist, Frz. Einfluß.
1932, 216
.

Zu b):
J. W. von Cube. Hortus
88, 22
(
Mainz
1485
):
capillus veneris
[Frauenhaarfarn]
reyniget das gebluͦde vñ machet dem menschen guͦt farbe vñ eyn sanfften adem.
Böhme, Morg.R.
147, 10
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
Jn diesem auffsteigen wird die herbe qualitaͤt [des quell-wassers] sanffte / liechte / duͤnne und lieblich [...] und das ist nun der rechte Brun-quell der liebe
(auch zu d stellbar).
Barack, Teufels Netz (
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Was döuwig ist, senft und süsz, | Von fisch, von flaisch ald von gemüs, | Das muos man in wol durkochen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
sein öl
[des Olivenbaums]
ist grüen, sänft und vaizt.

Zu c):
Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
In [Crist] schouwen dar die guten | An semfter ougenweide.

Zu d):
Beckers, Bauernpr.
50, 24
(
Köln
1515
/
8
):
Der lynter wyrt sanfft / warm vñ naß.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
diu pein
[Biene]
ant vor hin an ir nâtûr, ob der tag sanft well sein und schœn.
wenn aber daz würmel an dem end [in dem laubapfel] ist, sô kümt ain sänfter winter.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
23, 30
;
8.
›still, leise, langsam, vorsichtig, behutsam, unmerklich, geräuschlos, ohne Erschütterung, bequem‹ (von Bewegungen gesagt, die Menschen, aber auch Tiere oder Dinge vollziehen oder erfahren); auch: ›schmerzlos, leicht‹ (vom Vorgang des Entweichens, Schwindens z. B. einer Krankheit gesagt).
Bedeutungsverwandte:
2, 2; vgl. (Adj.) 2.
Gegensätze:
(Adj.) 3.
Syntagmen:
jm. etw
. (Subj.)
s. sein
;
j. s. gehen / laufen / reiten / schleichen / sitzen, das weib
(Subj.)
s. genesen, das geschwer
(Subj.)
s. brechen / weichen, etw
. (Subj.)
s. zugehen, j. sich s. strecken, sich s. ertränken, j. etw. s. getun, das kind s. wiegen, j. etw
. (z. B.
das ferkel
)
s. braten, in einen kessel legen, etw
. (Subj., z. B.
die krankheit
)
s. von jm. kommen
;
der sanfte stam / stulgang
.
Wortbildungen:
sanftrinnend
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
867, 14
(
Lübeck
1639
):
Wenn sich einer ertrencken wil / der thuts saͤnffter im saubern Wasser / als im wuͤsten.
Hajek, Guͦte spise
8
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
nime des fleisches [...] vnd fuͤlle da mit daz ferkelin [...] vnd legez sanfte in einen kezzel.
v. Ingen, Zesen. Ged.
391, 18
(
Breslau
1641
):
die so sachte schleichen werden zum ersten ertapt.
Adrian, Saelden Hort
1604
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
du solt es [das kint] heben und legen | samft wiegen und wegen.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
210v, 28
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Der ain geswer / oder ain blater hab, der nem boͮmoͤl vnd / salbe sich [...], so waichet es vnd brichet sanft.
Ebd.
215 v
, 17:
Das das wib sanft / genese: Nim das safft jerobotten [...] vnd gib ir das ze trinkend.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
umb completzeit [...] satzt sich der turn selb nider, das gar nach ain stain bei dem andern nit beleib, [...] gieng als senft zuͦ, das die münich in dem closter nit gehört hetten.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
der has hât hinden lenger füez denn vorn, dar umb läuft er sänfter und palder ze perg wan ze tal.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
25, 53
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Paum hoch, dikch kreuz, peug dein este, | Christi gelidern [...] | [...] | der menschleichen krankhait gib auf erd, | das sie in sanftes stames
[›Baumstammes‹]
art | hald so hohes / künigs gelider zart
(mit Bezug auf die Kreuzholzlegende anschließbar an 2).
Eis u. a., G. v. Lebenstein
32, 13
(
oobd.
,
1. V. 15. Jh.
):
Welcher frawen ir cranckait hart get, die trinck das wasser [Lilium conualium]: so kumpt es sanfft von ir.
Bauer, Imitatio Haller
55, 28
(
tir.
,
1466
):
Der mensch der reitet gar sicher vnd sanfft, den da tragen ist die genad gottes.
Helm, H. v. Hesler. Nicod. ;
Voc. Teut.-Lat.
bb vijr
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 102
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 170
.
9.
›leicht, einfach, mühelos, unkompliziert‹ (von Einstellungen und Handlungen unterschiedlicher Art gesagt); auch: ›schwach, wenig, gering‹ (als Charakterisierung von Sachgrößen oder Vorgängen); speziell vom Erdreich: ›locker, durchlässig, wenig sauer‹.
Bedeutungsverwandte:
, (Adj.) 3, 1.
Gegensätze:
, (Adj.) 6, .
Syntagmen:
j. etw. s. glauben, s. scheren, das brot s. hefeln, den unwillen s. stillen, s. auf seine feinde, durch ein nadelör, zu dem bistum kommen, die leicherei
(Subj.)
s. aus etw. wachsen
;
die sanfte glut / hitze, das sanfte erdreich
.

Belegblock:

Ermisch u. a., Haush. Vorw.
266, 1
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Kastanienbeume stehen gerne auf senften und fruchtbarn erdrich.
Keil, Peter v. Ulm
41
(
nobd.
,
1453
/
4
):
seud es [das puluer] denn [...] mit einer senften glut.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
donoch maht der bischof [...], daz eht er [pfleger des bistuͦmes] deste sanfter zuͦ dem bistuͦm keme noch sime
[des Bischofs]
tode.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Wer spise nút inim hat, | So ain unwillen in bestat, | Dem wirt vil wirs [...] | Denne ob er wære spise vol, | Da mit er den unwillen | Vil sanfter moͤchte stillen.
Wyss, Luz. Ostersp.
5207
(
Luzern
1571
):
Wann senfftter mag ein Camelthier | Gan durch ein nadelör.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
sô wæn ich des, daz sanctus Johannes im selber niht sô güetleich lebt [...], daz er allzeit flaisch æze [...]; ez ist sänfter ze gelauben, daz er der würm gelebt.
Keil, a. a. O.
460
;
Jörg, Salat. Reformationschr.
787, 10
;
Fischer, Eunuchus d. Terenz , ;
Pfeiffer, a. a. O. ;
Bremer, Voc. opt.
13218
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 242
.