samnung,
samenung,
sammung,
die
;
-Ø/-en
.
– Älteres Frnhd.
1.
›zeitlich begrenzte Zusammenkunft einer Gruppe (von Menschen) ohne oder mit (dann angegebenem) spezifischem Zweck‹; darunter z. B.: ›Versammlung mit bestimmten Inhalten oder Aufgaben‹; im Einzelnen: ›Ratsversammlung‹ (dazu metonymisch: ›Mitglieder einer Versammlung‹); ›Prozession zum Empfang von Würdenträgern‹; auch: ›Heirat‹; negativ konnotiert: ›Zusammenrottung‹; ›Verschwörung‹;
teilweise offen zu 3; zu  1.
Oft narrative Texte.
Phraseme:
die leibliche samnung
›Geschlechtsverkehr‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  1,  45,  1,  1,  1, ; vgl.
1
 1.
Syntagmen:
j. eine s. erheben / haben
, [wann] (z. B.
auf einen
[Wochentag],
zu morgen
)
machen
;
die s
. (Subj.) [wo]
sein / zusammenkommen, beieinander stehen, js. todes geren
;
der könig von der s. zum römischen könig gefordert sein, j. sich vor der s. erklagen
;
die s. der pfafheit, des volkes, der fürsten / prelaten
;
die gemeine / heimliche / mächtige s
.

Belegblock:

Dat nuwe Boych (
rib.
,
1396
):
darvmb So machden sij eyne samenunge vp eynen dynstach zo morgen.
Chron. Mainz (
rhfrk.
,
15. Jh.
):
eß sal auch niemants dheine sammenunge heimelich gespreche odir verbuntniß hinder dem rade [...] haben.
Werbow, M. v. Amberg. Gew.
365
(
omd.
/
oobd.
,
v. 1382
):
in der heyligen ee schol ein yegleicher mensche der leipleichen sammenung geprawchen.
Ebd.
372
:
in welcher weiz auswendig der ee die leipleich sampnung vorprocht wurd, daz were alle wege ein totsunde.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
schigkten sich dy geistlicheit [...] oͤn zcu entphaende. Zcum ersten rector universitatis [...] unnd studentibus mit grossser sammenunge in processione.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1402
):
daz sie des geladen zewgen wern umb sölch sammung und heyrat, als geschehen wer zwischen [...] Margreten [...] und Andresen.
Ebd. (
1449
/
50
):
In der zeit het der marggraff eine große samnung zu Swabach und het vil volcks bei einander.
Dienes, E. Gros. Witwenb.
75, 13
(
nürnb.
,
1446
):
Do qwam eyne sülche samenung der stat zu Rom zu samene, reich vnd arm.
Voc. Teut.-Lat.
bb vijr
(
Nürnb.
1482
):
Sãpnung machen einigẽ teidigẽ. friden abreden.
Ebd.
bb vjv
:
Sampnung des volcks. pleberiũ. cetus idẽ.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
zuͦ Mentze was ein gespreche und ein samenunge der pfafheit und prelaten.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Du hast mich beschirmt von der samnung
[
Luther
1545, Ps. 64, 3:
samlung
]
der vbeltuͦnden.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 103, 6
(
halem.
,
n. 1529
):
bi verlust des lebens abgestrikt alle rotung, samnung, gespraͤch, geschrei.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1500
):
der margraff [...] wolt sich erklagen for der sammung zuͦ Augspurg als for des reichs tag.
Gierach, Märterb.
4005
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
dye sampnung seines
[Christi]
todes gert.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
[sy] bedeücht [...] wie in mengern winckeln [...] die sammungen, ye zehen oder zwelff iuden beyeinander stuͦnden und [...] besprachen sich auff den tod Christi.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
konig Heinrich [...] sprach, er wer von einer gemeinen sambung gefordert zuͦ einem romischen konig.
Hertel, UB Magdeb. ;
Welti, Stadtr. Bern ;
Leidinger, A. v. Regensb. ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
2.
›Heer‹; metonymisch: ›das Zusammenkommen bzw. Zusammenagieren von Einheiten bei einem Kriegszug‹; Spezialisierung zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 4,  1.

Belegblock:

Feudel, Evangelistar
116, 8
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Wen ir sed Jerusalem umme vangen von der samenunge, so wizzit daz syne czustorunge naen ist.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
also rethin die sampnungen alle [...] vor den bemischen walt unde [...] qwomen bei die ketzer vor Ussigk.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
15. Jh.
):
der hub sich auf ee sein samung in Peyrn zu samen kam und eilt [...] den feinten [...] zu und greif sie an mit freuden.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Der edel kaisser gemaitt | Ze Troye an die mure raitt | Mitt großer samenunge.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
15. Jh.
):
sampnung was ze Augspurg und zugen [...] mit gewalt gen Regenspurg und herwider heim ungevochten.
Ebd. (Hs.
16. Jh.
):
der von Wirtemperg [hett] ain groß samung [...] mit vil graffen, rittern und knechten und [...] wolt die von den Reutlingen überfallen.
Uhlirz, Qu. Wien (
moobd.
,
1458
):
geprüder von Satcziehl [...] und ander herren, ritter und knecht, die jecz bei der sambnung zu Brünn gewesen sind.
3.
›zeitlich unbegrenzt zusammengehörige, teils institutionell organisierte Gruppe, Schar, Menge verschiedener menschlicher oder als menschlich gedachter Bezugsgrößen‹ (z. B. der
allerhöchsten engel
; der
frauen
); häufig speziell z. B.: ›(christliche) Glaubensgemeinschaft‹; ›Konvent‹ (als Institution und / oder Gemeinschaft von Ordensmitgliedern); ›Gemeinde im Gottesdienst‹.
Bedeutungsverwandte:
,  17814,
1
 3,  3,  1, (
die
1, I, 1; vgl.  34,
1
 3,  2.
Syntagmen:
j. eine s. machen / stiften, die s. beschauen, wissen lassen
;
die s
. (Subj.)
werden, eine kirche sein, aus dem heiligen geist gestiftet sein, sich teilen lassen
;
j. der s
. (Dat.obj.)
etw. geben / verkaufen
;
j. sich in die s. geben, von der s. sein, vor die s. kommen
;
die s. der christenheit, des klosters / teufels, des gemeinen capitels / römischen volkes, allen volkes der welt, der brüder / christen / geistlichen / gläubigen / heiligen / klosterfrauen / mönche, der üblen / bösen geister
;
die schwestern der s
.;
die feindliche / ganze / werte s
.

Belegblock:

Luther, WA (
1520
/
1
):
Samaria uff deutsch ist ein huͦtehaltung oder sunderlich dienst, das ist die kirch oder samnung der Christen.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
Den vers sal die samenunge driwerbe antwortin.
Eggers, Psalter
54, 14
(
thür.
,
1378
):
Ich hazzete di samenunge der vbilen.
Wolf, Rothe. Ratsged. B
231
(
thür.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Wa sich eyn samenunge lesset teile, | Daz kumpt in allen zu vnheil.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
22, 7
(
schles.
,
1347
):
Conrat [...] hat [...] verkouft [...] der Eptissinnen vnde der Samenunge vnsers Closters [...] Drisik mark geldes eweges czinses.
Gille u. a., M. Beheim
71, 437
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Der [Luciver] da was von der sampnung | der aller hachsten engel rein, | der selbig ist [...] | gevallen in verdampnung.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1474
):
daß eyn samenunge der cristenheyt werden mag in eynnem heligen concilio.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
do begunde er ime vil úbel fúrten die fientlichen samnung der boͤsen geisten.
Geier, Stadtr. Überl. (
nalem.
,
um 1400
):
Wir hand ouch gesetzt, daz kein unser burger kainem closter [...] noch kainer sammung [...] guͦt ze kouͤfen geben sol.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Dú samnung sol ain schoͤnú wise sin uff der maͤnger hande bluͦmen wachsent.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Die hailigen mægt und frowen gar | Die da warent inder schar, | Alte und junge, | Ain werde samnunge.
Leidinger, A. v. Regensb. (
oobd.
,
um 1430
):
Plectrudis [...] machet daselbs ein sammung der klosterfrawn.
Buijssen, Dur. Rat.
7, 6
(
moobd.
,
1384
):
Under aller heiligchait der chirichen, daz ist in der sampnung der gelaubigen.
Fuchs, Kart. Aggsbach (
moobd.
,
1394
):
Dem duͤrchleuchtem [...] fürsten [...] enpieten wıͤr pruͤder Cristoff prior ze Carthus und dyͤ gancze sammung unsers gemainen capitels unser dyemuͤtigs gepet.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
die syben gab desselben heyligen geists, domit durch die guͦtten ebenpild des [...] appt Hermannes und seiner brüder sammung [...] das lannde solt erleücht werden.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
der bergk zuͦ Freising, daselb er [sand Corbinian] die ersten kirchen pawͦt [...] und macht ein sambung der münch.
Sievers, a. a. O. ; ;
Schmidt, Frankf. Zunfturk. ;
Neumann, Rothe. Keuschh.
750
;
Palm, Veter Buoch ;
Strauch, Schürebrand ;
Barack, Teufels Netz ;
Buijssen, a. a. O.
20, 31
;
Gierach, Märterb.
18885
;
Wackernell, Adt. Passionssp. St. I,
1080
;
Schmitt, Ordo rerum
84, 25
;
Voc. Teut.-Lat.
bb vijr
;
4.
›Vereinigung, Zusammentreffen‹ (unterschiedlicher sachlicher Bezugsgrößen in je verschiedenen Zusammenhängen), dazu resultativ: ›Gesamtheit solcher Größen‹; im Einzelnen z. B.: ›Ansammlung; Summe diverser Bezugsgrößen‹; ›Zusammenfluss‹ (von Wasser); ›Konjunktion, bestimmte Ausrichtung von Himmelskörpern‹; ›Zusammenfügung der vier Elemente‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Schmitt, Fachprosa
32, 27
(
rhfrk.
,
2. H. 15. Jh.
):
sich daz funfft wesen [...] scheidet von der verbrochlicher samenung ader vermischung der vyer element.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
nach vil guͦter werke samenunge der mensche ein volles vas wurt aller túgende und gnaden.
Morrall, Mandev. Reiseb.
166, 16
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Das erst wasser [...] haisset Physon, das ist in ir sprach [...] ,ain samnung‘, wan sich samlent gar vil wasser dar in.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Diu haut [...] ist gestrecket über alliu glider, dar umb, daz ain alsô grôzeu samnung der glider mit einer decke gepunden sei.
etleicher stern samnung die aller trægest sint wert neur ain jâr.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
60, 2
(
noobd.
,
1347
/
50
):
daz geschiht in der samenung des monen mit der sunnen, so mag geschehen, daz der mon kuͤmt zwischen unser gesiht und zwischen die sunnen.
Steer, K. v. Megenberg. Sel
279
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
Pitagoras spricht, das die sel sei armonia, das ist ein guͤte vnd edle samnung der doͤn, die ein suͤssichait macht.
5.
›Sammlung von Geld als Handlung wie als Ergebnis der Handlung‹; in letzterem Falle: ›Kollekte (in der Kirche)‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1.

Belegblock:

Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
die marggraven von brandenburg [...] liessse [...] gebe [...] in die sammenunge vier gulden.
Voc. Teut.-Lat.
bb vijr
(
Nürnb.
1482
):
Samnung. collectio.
Schmitt, Ordo rerum
117, 21
(
oobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Collecta [...] gut samnung.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
Was verstest du von der prediger leben, [...] die durch sammung des gelts willen der heyligen gepain in den lannden hin und her füren.
Reithmeier, B. v. Chiemsee (
München
1528
):
Darauf hat er derselben armen zuo jherusalem fleissiklich gepflegen vnd jnen bey vil kirchen sammen auch solhe sammung vnd almosen zuobringen lassen.