sam,
Partikel
in adverbialer, konjunktionaler und präpositionaler Funktion.
1.
›(in gleicher Weise) wie, so wie, gleichsam wie‹; setzt eine Bezugsgröße oder einen Bezugssachverhalt hinsichtlich einer bestimmten Eigenschaft in Vergleich mit einer anderen Größe bzw. einem anderen Sachverhalt, für die bzw. den die gemeinte Eigenschaft prototypisch ist.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 2,  2.

Belegblock:

v. Bunge, Livl. UB
4, 68, 24
(
nrddt.
,
1395
):
ouch dirclagen sich in andern landen wider ewern herren und euch, säm wider die, die do beschedigten die heilige Cristenheit.
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Swellich richtere guͦt nimt von eyneme, de nicht rechtes ne hat, [...], der tuͦt sam Iuͦdas.
Dubizmay, kurß zu Teutze
17, 2
(
hess.
,
1463
):
Sam die edel mirre Gib | ich [zederbawm] süßen smack.
Jahr, H. v. Mügeln
1897
(
omd.
, Hs.
1463
):
der basiliscus noch sin art | dem menschen nie so giftik wart | sam falscher rum.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
19, 25
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
tysym, und ist eyn gros tyr und ist geverbit sam eyne kacze.
Ebd.
55, 1
:
di lebin sam das vy.
Henschel u. a., Heidin
525
(
nobd.
,
um 1300
):
Die vrow tet sam ein reines wip.
Pyritz, Minneburg
1942
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Sie [die fraw] luchtet sam der mornstern.
Weitz, Albich v. Prag
170, 7
(Hs. ˹
nobd.
,
2. H. 16. Jh.
˺):
vnd scholt essen crawt sam spenat.
Wiessner, Wittenw. Ring
7222
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
War aus sein die fürsten gmacht? | [...] | Sein seu nicht als wol sam wir | Adams kinder?
Sappler, H. Kaufringer
3, 2
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
Niemant pringt die lüt in swär | als vil sam untrew richter.
Ebd.
26, 5
:
gott nichtz hab so lieb, [...] | [...] | sam den menschen, der leiden hat.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Die zend sint auz hertem pain und dar umb verprinnent si niht [...] sam die andern glider.
die krâen anvehtent ander edel vögel sam ir veint.
Leidinger, A. v. Regensb. (
oobd.
,
um 1430
):
das ich mit churczweiligen warten sam in gehaymen gesprächh [...] mit ew reden wil.
UB ob der Enns (
moobd.
,
1379
):
der Amptman sagt auf seinen Ayd, er hitz auch kvnt getan hincz dem Güt, sam er durch recht tvͦn scholt.
v. Tscharner, a. a. O.
37, 17
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ; ;
Loose, Tuchers Haushaltb. ;
Sappler a. a. O.
16, 52
;
Pfeiffer, a. a. O. ;
Primisser, Suchenwirt ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
2.
›als ob‹; verglichen wird eine Handlung / ein Verhalten einer Bezugsgröße (hauptsächlich menschlicher Natur) mit einer zweiten (nicht in der Situation tatsächlich manifestierten) Handlung / Tatsache; der mit
sam
eingeleitete Satz steht im Konjunktiv; sein Inhalt ist irreal.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 9,  11.

Belegblock:

Luther, WA (
1539
):
der verdolmetzschunge halben [...] vil rede sich zutragen, Nemlich die feinde der warheit furgeben, sam were der text an vilen orten geendert.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. (Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
und wann ir einer spotten thuet, | sam sey er ir nit guet genueg – | sy lacht und sprach unhum.
Man thet den wachter suechen, | man legt in uff ein tisch, | man thet in clein zerschneiden | recht sam wer er ein visch.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Er legt sich in ein wagenleyß, | Sam wer er Todt, thet sich hinstrecken.
Sachs (
Nürnb.
1555
):
Der münnich thet erst hart erschrecken, | Samb thet ein messer in ihm stecken.
Ebd. (
1552
):
Du sichst gleich, sam habst nit außgeschlaffen.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
,
1610
/
8
):
Ich ein Thier gfangen han, | Das thut sich grausam wehren, | Sam es ein Teuffel sey.
Sappler, H. Kaufringer
13, 233
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
da lag der pfaff in der weis, | sam er kurzlich geminnet hät.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
kam ain junger starker gesell her und legt sich nider und tät, als sam er sterben wölt.
Deinhardt, Ross Artzney
266
(
oobd.
,
1598
):
Wann ain roß mauchen räch ist [...] Das thuet sam sey es harschlächtig.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
der vodrist [...] sass in einem stull [...], sam er ein herr wer.
Leidinger, V. Arnpeck (
moobd.
,
v. 1495
):
Anno 1478 kam ain grosse flucht in das volk [...] von den Türken wegen, sam zugen zy da her mit gewalt in das land; aber es war nichcz.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Do aber der [...] jung herr zue dem kaiserlichen geleger kam als ein unwissender kriegischer anschleg, sam er zue essen und trinken, nit zue fechten kumen wär.
Kopp, a. a. O. ;
Dienes, E. Gros. Witwenb.
84, 10
;
Bell, G. Hager
186, 2, 5
;
Bächtold, H. Salat ;
Sappler, a. a. O.
14, 523
;
Leidinger, a. a. O. ;
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
87
;
114
;
377
.
3.
phras.:
sam teglichs
›oft, ständig, gleichsam täglich‹; an 2 anschließbar.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1452
):
Darauff redtt der vatter, er sehe und merckte des fürsten wesen wol, sunder daz er auff einer maynung nit belibe, die sam teglichs verkeret.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
So soll der stat paumeister sam teglichs gedencken, wo er rechtz kaufs.
ein seiner reittenden knecht, [...], die den weg ser und sam teglichs prauchen.
so ist es gar nott, nutz und gut, das er sam teglichs und oft pei den arbeittern sei.