2
salben,
V.;
gelegentlich im Part. Prät. unr.;
zu
mhd.
salben
›salben, bestreichen‹
().
1.
›jn. / sich / etw. mit einer heilenden, reinigenden, kräftigenden (häufig: wohlriechenden) öligen Substanz, Paste bestreichen, eincremen, behandeln‹; im Einzelnen auch: ›zu verschiedenen Zwecken etw. geschmeidig machen‹; ›einen Leichnam zur Bestattung einbalsamieren‹; ›etw. (ein Körperteil) für die Rasur, Enthaarung einseifen‹, offen zu 2.
Gehäuft Fachtexte der Medizin.
Phraseme:
jn. mit einem eichenen butterwek salben
›jn. mit einem Eichenstock prügeln‹.
Syntagmen:
jn
. (z. B.
den räudigen menschen, die jungen
)
s., sich s., sich das haupt s., (jm.) etw
. (z. B.
den brand / kropf / leib / schmerz, die stat / wunde, das glied / har, die achseln / augen / flecken / füsse, die toten leichname der herren
)
s., sich / etw. mit etw
. (z. B.
mit aloe / mirre / öl, mit einer salbe, mit dem wasser, mit nesselsamen
)
s., etw. abends / morgens, die salbe alweg um den schaden s
.
Wortbildungen:
salbung
1 (dazu bdv.: , ),
salbunghaus
wohl ›Therme, heiße Quelle‹ (dazu bdv.: , ).

Belegblock:

Luther, WA (
1532
):
diabolus salbet vns mit eim eichen butterweck.
Alberus, Barf. (
Wittenb.
1542
):
Wie Christus gewaschen ward / als er begraben solt werden / vnd mit Aloe vnd Mirra gesalbt / vnd in ein New Leinwad ein gewickelt.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
64, 21
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Das volk der provincie sint alczu swarcz [...]. wen di jungin geborn werdin nicht gar swarcz, so salbin si di.
Strauss, A. v. Villanova dt.
161r, 16
(
obd.
, Hs.
1421
):
spricht Rasis, daz sy [mandeln] salbent dy kelen vnd machent sy glat.
Gille u. a., M. Beheim
433, 7
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Mari, dy unsern hern waz salben | Und mit irm har | sein fuss trukent.
Keil, Peter v. Ulm
233
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Domit salb den reudigen menschen.
Voc. Teut.-Lat.
bb vjv
(
Nürnb.
1482
):
Salbunghauße oder wilpade odʼ naturlichpade. terme aq.
Wickram
4, 23, 29
(
Straßb.
1556
):
[David] wuͦsch und salbet sich mit wolschmackendem oͤl.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
214r, 25
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Das din har vss ge: / Salb dich mit nesselsomen.
Sudhoff, Paracelsus (
1528
):
derselbigen arcana ist keins da, das der elephanzei verordnet seie, als nur salben, holzen, schmiren, weschen, purgiren ec.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
Darnach nam er einn salb, damit salbet er im die wunden.
˹ Wiessner, Wittenw. Ring
1590
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Zartend ward sei [Mätzli] dreistund mer | Mit streichen und auch salben | Die mutzen allenthalben.
Ebd.
2173
:
,Salbend [maister] mich [Mätzli] in diser frist | Zum dritten mal, als recht ist: | Ich pin laider ungenesen!‘
˺ (jeweils als sexuelle Metapher).
Morrall, Mandev. Reiseb.
104, 18
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
[das volck] salbent sich mit ainer salb, daz in der darm nit uß gatt.
Löffler, Columella/Österreicher (
schwäb.
,
1491
):
Aber das ander oͤl das nit ist ains unsuͤssen geschmacks, mag geben taͤglichy salbung denen die schmertzen der altenwachs oder geaͤder lident.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
aber ain erznei ist dâ wider [der sternslangen vergift], daz man zemült schorpenflaisch und salbet die vergiften stat dâ mit.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
227v, 3
;
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
186, 20
;
Keil, a. a. O.
79
;
453
;
Rieder, St. Georg. Pred. ;
Rohland, Schäden
511
;
Eis u. a., G. v. Lebenstein
46, 15
;
Weitz, Albich v. Prag
136, 10
;
153, 15
;
Voc. Teut.-Lat.
bb vjr
;
m jv
;
Lehmann, Rezeptb.
247
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 240
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 102
.
Vgl. ferner s. v. 2, , 1, .
2.
›jn. / sich / etw. in einem feierlichen, rituellen Akt durch Bestreichen mit Salböl heiligen, (Gott) weihen‹; meist speziell: ›jn. mit einem feierlichen Akt des Salbens durch Übereignung an Gott in ein geistliches oder weltliches Amt einsetzen‹; als subst. part. Adj. auf Christus bezogen; ütr. und generalisierend: ›jn. (auch repräsentiert durch die
sele
) mit etw. (mit
trost, gnade
u. dgl.) schützen, heilen, stärken‹; speziell: ›jn. christlich taufen‹; als Spezialisierung anschließbar an 1.
Texte religiösen Inhalts; Dichtung.
Zur Sache:
Lex. d. Mal.
7, 1288
ff.;
LThK
9, 259
f.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 3,
2
, , 4, 1,
1
2,
2
2, 2, ; vgl. ; als subst. part. Adj.: vgl. (
der
).
Wortbildungen:
salböl
.

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
Da hat er uns gekroͤnt, geweicht, und gesalbt mit dem hailgen gaist, das wir all zuͦmal in Christo priester seind.
Ebd. (
1526
):
Jhr wisset, was Christus ist, Das ist, der gesalbet. Im alten testament hat man zwo personen gesalbet, die priester und koͤnig mit Balsam, wie man bey uns auch pflegt die Keyser und die pfaffen zu salben.
Ebd. (
1539
):
Den wer getaufft ist, der wird gesalbet mit dem himmelischen Balsam, mit dem heiligen Geist.
Ders. Hl. Schrifft.
3. Mose 4, 3
(
Wittenb.
1545
):
Nemlich / so ein Priester der gesalbet ist / sündigen würde / das er das Volck ergert.
Ebd.
3. Mose 8, 10
:
VND Mose nam das Salböle / vnd salbet die wonung.
Ebd.
Lk. 4, 18
:
Der Geist des HERRN ist bey mir / Derhalben er mich gesalbet hat / vnd gesand zu verkündigen das Euangelium den Armen.
Ebd.
Apg. 4, 27
:
sie haben sich versamlet vber dein heiliges Kind Jhesu / welchen du gesalbet hast.
Pyritz, Minneburg
2355
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Daz minez hertzen inseln | Vor leide wurden winseln, | Ob mich ir trost niht salbet.
Gille u. a., M. Beheim
69, 177
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Herr, salb sy [sel] mit dein gnaden, | das sy sey wirdig.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
240
(
Nürnb.
1517
):
das schwert? nein, dann wir sein gesalbet mit dem öl der barmherzikeit.
Lauterbach, Orhein. Rev. (
nalem.
,
v. 1509
):
Die geistlichen handt funden man soll ein kunig salben, das ist crismasieren, als „crisma“ in kriechisch als vil als „salben“ in latin.
Ebd. 4:
eyn ÿedlicher cristen mensch ist gesalbet mit dem crisma im touff.
Karlstadt, Auslegung wort Christi d
2r, 1
(
Basel
1524
):
gebot gott bey verlust des lebens / das keiner das Salboͤle einem frembden anstreichẽ solt.
Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Darub haissen Christe auf Ghriechisch die gesalbten, naͤmlich die geweyhet vn gehailiget sein mit dem gayst des Christs Gottes.
Nyberg, Birgittenkl.
1, 410, 16
(
oobd.
,
1648
):
der aichstetische weybischoff den ersten stein zu solcher kirchen gelegt, welchen er zuvor nach babstlicher manier gesalbet mit dem heiligen crisam vnd ol.
Mollay, H. Kottanerin
27, 11
(
moobd.
,
1439
/
40
):
[Da nam] der Erczbischoue von Gran das heẏlig oͤl vnd salbat das edel Kungs kind zu Kung.
Luther, WA ; ;
568, 11
;
ders. Hl. Schrifft.
1. Kön. 1, 39
;
Jes. 61, 1
;
Harms u. a., Alberus. Fabeln
29, 30
;
Moscouia
D 2r, 41
;
3.
›sich jn. geneigt machen‹; im Einzelnen: ›jn. beweihräuchern, hofieren; (jm.) schmeicheln‹; ›jn. (mit Geld, Gütern u. dgl.) schmieren, bestechen‹; als Ütr. anschließbar an 1.
Phraseme:
˹
den karren salben
;
js. hand salben
˺ ›(jn.) bestechen‹.
Bedeutungsverwandte:
5, ,
1
5; vgl. .

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1396
):
ich en hedde ieme sine hant ierstwerf gesalft ind liefnisse darumb gegeven buissen sine oiverste herren.
Niewöhner, Teichner
587, 181
(
önalem.
,
um 1433
):
also ist nu smaichen und salben | an der bicht.
Jörg, Salat. Reformationschr.
378, 2
(
halem.
,
1534
/
5
):
alls ob die für gnomen disputacion um gellts willen bescheche / der karren waͤr gsalbett / und den allten orten / werend xxx
m
g(uldin) gen worden / die disputatz zevertigen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
die [diener und ambtleut] von denen von Rotweil wol gesalbet und bestochen, irem herren also gerathen haben.
Ebd. :
Der aignet inen Schenkenberg auch mit guetem willen, und dorft an dem ort kains salbens oder schmirbens.
4.
›etw. (z. B. Schuhe, Silber) mit einer (fetthaltigen) Substanz einschmieren (um es glänzend zu machen)‹.
Bedeutungsverwandte:
1.

Belegblock:

Sexauer, Schrr. in Kart.
223, 1
(
Basel
,
um 1510
):
wann si [prüder] grabent / oder die schuͦh salben oder rüben schnitzen [...]. söllen si still vnd einig arbeiten.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
man spricht auch, daz der asch auz dem unk
[einer Schlange]
geprant die art hab, wer silber dâ mit salb und temperier, daz nem goltvarwe.