1
sal,
der
;
-(e)s/-e, -Ø
+ Uml.
1.
›(Herren)sitz, Wohnsitz; Residenz, Hof‹ (z. B. eines regierenden Fürsten, Herrschers); speziell: ›Sitz einer Gerichtsbarkeit, Gerichtsstätte‹; vielfach bildlich verwendet, dann z. B.: ›Himmelreich Gottes‹; ›Ort, Aufenthaltsort, Zufluchtsort‹ (der Freude, des
leibes
u. Ä.; auch tropisch in der Anrede für Maria gebraucht); offen zu 2.
Phraseme:
die welt in einem sal beisammen sehen
in etwa: ›die ganze Welt in einer Nussschale betrachten‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 13, I, 4,  12, , , ,  1,  1,  3, (
das
3,  2,  4, ; vgl.  1; tropisch: ,  2.
Syntagmen:
js. marter
(Subj.)
den s. (des himmels) auftun, der antichrist seinen s
. [wohin]
setzen
;
j
. (z. B.
das weib
)
js. s. der freude sein
;
j. auf seinen s. faren, auf dem s. sitzen, auf den s., vor jn. in den s. geladen werden, in js. s. gehören, jn. in den s. einlassen / erwälen, zu sich nemen, die könige
(Subj.)
vögel in den sälen beschliessen, j. einen eid unter dem s. schwören
;
der s. des reiches, der eren
;
der sal bei dem baumgarten
;
der himlische / jungfräuliche / keusche s
.;
der advocat / assessor im s
.
Wortbildungen:
salgericht
,
salherre
1 ›Vorsteher, Besitzer‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
ein solche herrliche Wonung, Schlos und Saal, ja Paradis und Himelreich, da Gott auff Erden wonet.
Buch Weinsb. (
rib.
,
um 1560
):
Dess weigerten sich der pastoir, er wart vur den official in den sall geladen.
bin ich advocatus und assessor im sale und sunst worden.
Ebd. (
1592
):
ich hab in [Johan von Swolgin] gekant, das er bei schriber(n) und procuratorn im salgericht gewont, ein schlecht knecht, copiist ware.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
um 1480
):
Lob hab, du keuscher sal der ern.
Ebd. (
1517
/
8
):
Ave schrein, sarch, sal und kemnat, | Pallast der hochen trinitat, | [...] | Virgo mater Maria!
Turmair (
Nürnb.
1541
):
Es haben auch die Franken vor zeiten die Salingi, das ist die Saler geheissen; dan sal auf unser sprach laut eins königs oder fürsten hoff.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
ob wir einen eit gesworen hettent under dem sale.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
daz salomon dein sun reichsent nach mir
.
vnd er selb siczt auff dem sale
[
Eck
1537:
künigklichen stuͤl
;
Froschauer
1531 /
Luther
1545, 1. Kön. 1, 13:
Stuel
].
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
wer die Welt in einem Saal, in einem Sack, in einem Garten, in einem Garn, beysammen sehen will, der wird sie in Pariß gewißlich finden.
Thiele, Minner. II,
13, 370
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
sie [reynes wib] ist mynr frewdenn sal, | ein meyen insel werd, myns herczen awe.
Wyss, Luz. Ostersp.
10009
(
Luzern
1545
):
min martter [...] | hatt v́ch erlöst vs diser nott | vnnd vff gethan dess himells saal.
Völker, Antichrist
1798
(
wschwäb.
,
15. Jh.
):
das geschicht als die lerer bedútend auf dem berg Oliueti ze obrest, da der anticriste seinen sal wirt setzend.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
die vogel heten die alten küng hie vor beslozzen in irn säln und in irr wonung.
Klein, Oswald
40, 39
(
oobd.
,
1408
?):
Das hastu wol verschuldet zwar | umb mich, durchleuchtigs freulin klar, | mit deines zarten leibes sal, | der eren vol verstrecket.
Ebd.
61, 14
(
1417
):
Nas, zendlin, kin, kel, der hals zu tal | mit ganzer mass hat seinen val | bis auff der weissen brüstlin sal.
UB ob der Enns
10, 468, 15
(
moobd.
,
1387
):
dez edln ersamen herren hern Ullreichs dez Chamerauer ze dem Haitzstayn di czeit salherr dez egenannten hofs und zehenntz.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2838
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Hübner, Buch Daniel ;
Asmussen, Buch d. 7 Grade
604
;
Sappler, H. Kaufringer
17, 212
;
Bremer, Voc. opt.
5085
;
Rot
349
;
Vgl. ferner s. v. ,  6.
2.
›Halle, großer Raum, Versammlungsraum in einem (meist: öffentlichen) Gebäude mit unterschiedlicher Funktion‹; im Einzelnen z. B.: ›Festsaal‹; ›Prunksaal‹; ›Tanzsaal‹; ›Empfangsraum‹; ›Rüstungskammer‹; ›Schutzraum‹; ›Hörsaal‹; als Metonymie zu 1 auffassbar.
Bedeutungsverwandte:
, , (
das
2,  1,  1,  2, (
der
1,  4, .
Syntagmen:
etw
. (Subj.) [wo] (z. B.
das gezelt binnen, die bäder beim eingang
)
einen s. haben
;
der s
. (Subj.)
auf x säulen stehen, in dem palast sein
;
die truhe
(Subj.)
auf dem s. stehen, j. das positif
›Stubenorgel‹
auf dem s. schlagen, in dem s. sitzen / tanzen, sich erspazieren, zur nacht essen, ein mal anstellen / nemen, in den s. gehen / kommen, etw
. (Subj.)
in dem s. gemalt sein
;
der s. der helden
;
ein s. mit x gewelben, unten auf dem boden
;
der bürgerliche / goldene / grosse / herliche / königliche / lange / obere / reiche / schöne / weite s., die gepflasterten säle
;
der tron des sales
;
die anrichtung im s., das schlos von dem s
.
Wortbildungen:
˹
sal|diener
,
salherre
2 (a. 1547/8; dazu bdv.: ),
salknecht
˺ ›Hofbediensteter, der für den
sal
zuständig ist‹,
saltür
.

Belegblock:

Luther, WA /30 (
1537
):
Eß [gewisßenn] sahe ein konig In dem guldenen sall siczen, der rufft yhm [...]. Alß sie Nun mitten auff den gulden Sall kompt, Macht sich der Eßel unrein.
Ders. Hl. Schrifft.
Dan. 5, 5
(
Wittenb.
1545
):
EBen zur selbigen stunde giengen erfur Finger [...] die schrieben gegen dem Leuchter vber / auff die getünchte wand in dem königlichen Saal
[
Mentel
1466:
des kúnigklichen hoffs
;
Wormser Proph.
1527 /
Froschauer
1531:
pallasts
].
Ebd.
Mk. 14, 15
:
Vnd er wird euch einen grossen Saal
[
Mentel
1466:
esslauben
; nd. Bibel um 1478:
kamere
]
zeigen / der gepflastert vnd bereit ist / daselbs richtet fur vns zu.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
489, 7047
(
Magdeb.
1608
):
wie die Historien all / | Gemahlet sein in meinem Saal.
Ebd.
578, 2273
:
wie er [Koͤnig] in seinem Saal / | Darauff anstellt ein frewdenmahl.
Knape, Messerschmidt. Bris.
41, 14
(
Frankf./M.
1559
):
fuͤrten jhn die junckfrawen in die selbig burg [...] vnd in einem grossen weiten Sal / fiengen sie an zu dantzen.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
23, 6
(
Frankf./M.
1568
):
Auch Venedisch glaßscheiben rein / | In die Kirchen / vnd schoͤnen Sal.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
25, 3
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
dem geczelde ist czu gevugit eyn andir geczelt, das hot bynnen eyn kuniglich gemach odir eyn sal und eyne camere des herren chaam.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
gegen seim Gemach vber, in einem langen Saal, erspatzirte er sich manche stund.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
[Allard] gsach den harnisch glytzen durch die salthŭren von dem mănschin.
Wyss, Luz. Ostersp.
6678
(
Luzern
1545
):
nam ouch mit in [jungeren] sin letst nachtmal | zuͦ Hierusalem in einem saal.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
390
(
Genf
1636
):
Saal da man lieset [...] Auditorium.
Ebd.
391
:
Saaldiener / saalknecht [...] Cubicularius. Saalmeister [...] Oeconomus.
Morrall, Mandev. Reiseb.
156, 23
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
die schloß von den kamran und dem sal sind von cristallen.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
662
(
schwäb.
,
1455
):
Es ist ein herlich sal | Mit nün gewelben oben.
Sappler, H. Kaufringer
32, 58
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
ich sprach: „ist ditzs der held sal? | wollauf, will iemant ringen, | laufen oder springen? | [...]“.
Rot
349
(
Augsb.
1571
):
Sal, [...] ein weyter geraumer gmach oder plan in einem Hauß.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1482
):
Auf dem sal: Ain harnaschkastẹn, ist geschatzt vmb x gulden.
Ebd. (
1485
):
ain lange veichtne truhẹn, stet auf dem sal.
Loesch, Kölner Zunfturk. ;
Lemmer, a. a. O.
105, 3
;
Morrall, a. a. O.
130, 13
;
Rauwolf. Raiß
26, 23
;
29, 18
;
Voc. Teut.-Lat.
bb vjr
;
Vgl. ferner s. v. (
das
2, (V.) 4.