1
sal,der
;-(e)s/-e, -Ø
+ Uml.1.
›(Herren)sitz, Wohnsitz; Residenz, Hof‹ (z. B. eines regierenden Fürsten, Herrschers); speziell: ›Sitz einer Gerichtsbarkeit, Gerichtsstätte‹; vielfach bildlich verwendet, dann z. B.: ›Himmelreich Gottes‹; ›Ort, Aufenthaltsort, Zufluchtsort‹ (der Freude, des leibes
u. Ä.; auch tropisch in der Anrede für Maria gebraucht); offen zu 2.Phraseme:
die welt in einem sal beisammen sehen
in etwa: ›die ganze Welt in einer Nussschale betrachten‹.Syntagmen:
js. marter
(Subj.) den s. (des himmels) auftun, der antichrist seinen s
. [wohin] setzen
; j
. (z. B. das weib
) js. s. der freude sein
; j. auf seinen s. faren, auf dem s. sitzen, auf den s., vor jn. in den s. geladen werden, in js. s. gehören, jn. in den s. einlassen / erwälen, zu sich nemen, die könige
(Subj.) vögel in den sälen beschliessen, j. einen eid unter dem s. schwören
; der s. des reiches, der eren
; der sal bei dem baumgarten
; der himlische / jungfräuliche / keusche s
.; der advocat / assessor im s
.Wortbildungen:
salgericht
salherre
Belegblock:
ein solche herrliche Wonung, Schlos und Saal, ja Paradis und Himelreich, da Gott auff Erden wonet.
Dess weigerten sich der pastoir, er wart vur den official in den sall geladen.
ich hab in [Johan von Swolgin] gekant, das er bei schriber(n) und procuratorn im salgericht gewont, ein schlecht knecht, copiist ware.
Ave schrein, sarch, sal und kemnat, | Pallast der hochen trinitat, | [...] | Virgo mater Maria!
Es haben auch die Franken vor zeiten die Salingi, das ist die Saler geheissen; dan sal auf unser sprach laut eins königs oder fürsten hoff.
daz salomon dein sun reichsent nach mir
.
vnd er selb siczt auff dem sale [
künigklichen stuͤlEck
1537: ;
StuelFroschauer
1531 / Luther
1545, 1. Kön. 1, 13: ].
wer die Welt in einem Saal, in einem Sack, in einem Garten, in einem Garn, beysammen sehen will, der wird sie in Pariß gewißlich finden.
sie [reynes wib] ist mynr frewdenn sal, | ein meyen insel werd, myns herczen awe.
min martter [...] | hatt v́ch erlöst vs diser nott | vnnd vff gethan dess himells saal.
das geschicht als die lerer bedútend auf dem berg Oliueti ze obrest, da der anticriste seinen sal wirt setzend.
die vogel heten die alten küng hie vor beslozzen in irn säln und in irr wonung.
Das hastu wol verschuldet zwar | umb mich, durchleuchtigs freulin klar, | mit deines zarten leibes sal, | der eren vol verstrecket.
Nas, zendlin, kin, kel, der hals zu tal | mit ganzer mass hat seinen val | bis auff der weissen brüstlin sal.
dez edln ersamen herren hern Ullreichs dez Chamerauer ze dem Haitzstayn di czeit salherr dez egenannten hofs und zehenntz.
2.
›Halle, großer Raum, Versammlungsraum in einem (meist: öffentlichen) Gebäude mit unterschiedlicher Funktion‹; im Einzelnen z. B.: ›Festsaal‹; ›Prunksaal‹; ›Tanzsaal‹; ›Empfangsraum‹; ›Rüstungskammer‹; ›Schutzraum‹; ›Hörsaal‹; als Metonymie zu 1 auffassbar.Syntagmen:
etw
. (Subj.) [wo] (z. B. das gezelt binnen, die bäder beim eingang
) einen s. haben
; der s
. (Subj.) auf x säulen stehen, in dem palast sein
; die truhe
(Subj.) auf dem s. stehen, j. das positif
›Stubenorgel‹ auf dem s. schlagen, in dem s. sitzen / tanzen, sich erspazieren, zur nacht essen, ein mal anstellen / nemen, in den s. gehen / kommen, etw
. (Subj.) in dem s. gemalt sein
; der s. der helden
; ein s. mit x gewelben, unten auf dem boden
; der bürgerliche / goldene / grosse / herliche / königliche / lange / obere / reiche / schöne / weite s., die gepflasterten säle
; der tron des sales
; die anrichtung im s., das schlos von dem s
.Wortbildungen:
˹sal|diener
salherre
salknecht
sal
zuständig ist‹, saltür
Belegblock:
Eß [gewisßenn] sahe ein konig In dem guldenen sall siczen, der rufft yhm [...]. Alß sie Nun mitten auff den gulden Sall kompt, Macht sich der Eßel unrein.
EBen zur selbigen stunde giengen erfur Finger [...] die schrieben gegen dem Leuchter vber / auff die getünchte wand in dem königlichen Saal
[
des kúnigklichen hoffsMentel
1466: ;
pallastsWormser Proph.
1527 / Froschauer
1531: ].
Ebd.
Mk. 14, 15
: Vnd er wird euch einen grossen Saal
[
esslaubenMentel
1466: ; nd. Bibel um 1478:
kamere]
zeigen / der gepflastert vnd bereit ist / daselbs richtet fur vns zu. wie die Historien all / | Gemahlet sein in meinem Saal.
Ebd.
578, 2273
: wie er [Koͤnig] in seinem Saal / | Darauff anstellt ein frewdenmahl.
fuͤrten jhn die junckfrawen in die selbig burg [...] vnd in einem grossen weiten Sal / fiengen sie an zu dantzen.
Auch Venedisch glaßscheiben rein / | In die Kirchen / vnd schoͤnen Sal.
dem geczelde ist czu gevugit eyn andir geczelt, das hot bynnen eyn kuniglich gemach odir eyn sal und eyne camere des herren chaam.
gegen seim Gemach vber, in einem langen Saal, erspatzirte er sich manche stund.
[Allard] gsach den harnisch glytzen durch die salthŭren von dem mănschin.
nam ouch mit in [jungeren] sin letst nachtmal | zuͦ Hierusalem in einem saal.
Saal da man lieset [...] Auditorium.
Ebd.
391
: Saaldiener / saalknecht [...] Cubicularius. Saalmeister [...] Oeconomus.
die schloß von den kamran und dem sal sind von cristallen.
Es ist ein herlich sal | Mit nün gewelben oben.
ich sprach: „ist ditzs der held sal? | wollauf, will iemant ringen, | laufen oder springen? | [...]“.
Sal, [...] ein weyter geraumer gmach oder plan in einem Hauß.
Auf dem sal: Ain harnaschkastẹn, ist geschatzt vmb x gulden.