sänften,
senften,
V.;
auch
sänfteren
.
1.
›jn. besänftigen, milde stimmen, beruhigen, beschwichtigen, versöhnen‹ (bezogen auf eines Herrschers oder Richters Zorn oder strenge Haltung gesagt); ›etw. (js. Verstocktheit, z. B. in Glaubensdingen) stillen, mildern, erweichen‹; subst.: ›Besänftigung‹;
vgl.  12.
Phraseme:
mit sänften und drohen
›mit Zuckerbrot und Peitsche‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  2, ,  1,  9.
Gegensätze
zur Subst.: (
das
1.
Syntagmen:
j
. (z. B.
der könig
)
den / seinen zorn, j. den zorn des richters s., die geistlichen
(Subj.)
die tyrannei s., eine gute frau
(Subj.)
des mannes zorn s., j. weiber durch süsse wort s., jn. mit etw
. (z. B.
die fürsten mit gold, die leute mit guter rede
)
s., etw
. (Subj., z. B.
die heiligkeit / tugend
)
got s
.,
etw
. (Subj.)
etw. s
. (z. B.
die geduld die wiederwertigkeit, die götliche kunst den dunst des zorns, Marias blut des richters mut
).

Belegblock:

Luther, WA (
1521
/
2
):
Wie woll nu ich nit ungerne hore, das die geystlichen [...] wolten [...] yhr wutende tyranney senfften, und wolt got, solch schrecken und furcht were noch grosser.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1450
/
80
):
Im siebenden jare kunig Karls ym augusten zoch er von Beheym in deutzsche land und einlaittet daselbst die herren und stet mit senfften und droen, ein gemein frid zu halten.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
um 1480
):
Marey, dein keusch zertliches plut, | Dar von dez strengen richterz mut | Gesenfftet wort.
Weib senftet man dürch süsse wort.
Sappler, H. Kaufringer
25, 119
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
darwider kompt der hailig gaist | zuo der sel vil oft geraist | mit der gaub göttlicher kunst. | die kan des scharpfen zorns dunst | senften und vertreiben wol.
Buijssen, Dur. Rat.
26, 4
(
moobd.
,
1384
):
get haim zu ewren aıͤgen oder volgt Christo nach, wenn daz oblat oder die hailber heilichait ist gesant fuͤr ewch zw senften got den vater.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Also kam sy für den künig [...]. Sy [...] sprach: herr, senftet ewren ungestüemen zorn [...] umb des hails willen ewr schönen sel.
Moscouia
B 3v, 26
(
Wien
.
1557
):
daruͤber haben die andern Griechischen Fuͤrsten zu jme [Swatoslaw] geschigkht / mit Gold vñ Panedogkhen senfften woͤllen.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
20, 1
;
Neumann, Rothe. Keuschh.
1452
;
Buijssen, a. a. O.
24, 2
;
Voc. Teut.-Lat.
bb vijr
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
2.
›etw. stillen, lindern, heilen, mildern‹ (von Handlungen und Vorgängen im Bezug auf körperliche und seelische Wunden und Schmerzen gesagt);
vgl.  357.
Bedeutungsverwandte:
 78,  7,  12,  2,  5,  2,  3, ,  10, ; vgl.  2.
Gegensätze:
 1, (V.) 1, .
Syntagmen:
j. etw
. (z. B.
den schmerz, die not / pein / schwere, das leiden / ser / ungemach, die herzen / schmerzen
)
s., j. das mer s., etw
. (Subj.)
etw
. (z. B.
die salbe die wehen / wetage, das öl die pein
)
s., js. ser
(Subj.)
js. ser s. müssen
.
Wortbildungen:
sänftenung
›Linderung‹, ˹
sänftigung
,
sänftung
˺ ›Besänftigung‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Luther, WA (
1530
):
Die hertzen sind bereit [...], das wol not thut, mit demuͤtigem bekentnis und statlicher besserung die selbigen zu lindern, senfften und stillen, und nicht weiter zerren und reissen.
Ebd. (
1532
):
Mit solchem glauben mussen die Christen jr leiden senfften und stillen.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
daz oli heilet di wunden | und senftet pine zur stunden.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Und wold uch geben guten rat | Zu der smertzen senftenunge.
Henschel u. a., Heidin
1348
(
nobd.
,
um 1300
):
Si sprach vil liber herre min | Ich wil senften dine pin | So dv mit vrevden mvͦst leben.
Pyritz, Minneburg
1335
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Du [Mynne] senftest allen smertzen. | Du slichtest aller kruͤmen lertzen.
Keil, Peter v. Ulm
87
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Daz ist ein gut salbe, die do senftet vnd setzet die wetagen der schultern.
Voc. Teut.-Lat.
dd iiijv
(
Nürnb.
1482
):
Senfftigung. odʼ senfftmutigũg. lenitio.
Sachs (
Nürnb.
1564
):
So hilfft im gott doch mit genaden, | [...] | Daß im gesenfftet wird sein schmertz.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Herre, din darben si mir ein ewiges widergruͤnen, din hertes lenen ein geistliches ruͦwen, [...]; alles din ser muͤsse daz mine senften.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
unsers herren senf der ist suͤs und guͦt; nach sinem stroffende kumet ein suͤsse senftunge des gemuͤtes.
Bartsch, Reinfrid (
halem.
, Hs.
14. Jh.
):
senfterent mir armen | den bitterlîchen smerzen, | den ich trag in herzen, | und daz strenge ungemach.
Thiele, Minner. II,
29, 89
;
Henschel u. a., a. a. O.
1192
;
Keil, a. a. O.
79
;
Rohland, Schäden
521
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 108
.