rupfen,
auch
ropfen,
V.;
zu
mhd.
rupfen, rüpfen
›zausen, zupfen‹
();
Intensivbildung zu
raufen
(s. d.; ;
Kluge/S.
2011, 778
).
1.
›etw. (Gewachsenes) ruckartig aus seiner Verankerung ziehen, zerren, herausreißen‹; im Einzelnen: ›etw. pflücken, eine Pflanze aus dem Boden ziehen‹; ›einem Vogel Federn ausreißen‹; ›jm. Haare auszupfen, ausreißen‹.
Phraseme:
jn. rupfen, wo im har gebrist
.
Bedeutungsverwandte:
1, 1, , 1, 2; vgl. 2; 3; 4.
Wortbildungen:
rüpfeln
1 (dazu bdv.: , ),
rupfzänglein
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
504, 12
(
Lübeck
1639
):
Wer Federn hat den kan man rupffen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
238, 5988
(
Magdeb.
1608
):
Es fleugt ewr Hahr vber all / | Sie werden euch rupffen gar kahl.
Spanier, Murner. Schelmenz.
10, 2
(
Frankf.
1512
):
Wer gelt nimpt, do keyns nit ist, | Und rupfft mich, do myr hor gebrist.
Hulsius (
Nürnb.
1596
):
ein rupfzaͤnglin / pfetzeisen / des pincettes.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
so der hertzoge von Stroßeburg keme, so wolt er kole und latiche in dem garten zuͦ Stroßeburg ropfen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Rüpfflen / Rupffen. [...]. Das Rüpfflen / züpfflen / ziehẽ.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. ;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst ;
Schles. Wb.
2, 1135
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 237
.
Vgl. ferner s. v. .
2.
›jn. / etw. plündern, ausnehmen, ausbeuten‹; meist ohne Objekt: ›stehlen, rauben‹; speziell von Jagdhunden: ›das Wild reißen‹; Ütr. zu 1.
Bedeutungsverwandte:
4, 1,
1
2, 3, 2,
1
6, (V.) 3, , 3, 3, 1; vgl. 3.
Syntagmen:
j. die buben r
.;
j. dort / hier, von etw. r., die pfaffen
(Subj.)
täglich r
.;
der bär von den hunden gerupft werden
; subst.:
das rupfen der huren
(gen. subjectivus);
der schaden des rupfens
.

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu. (
md.
,
1521
):
also nemen, ziehen, reißen, rauben, ropfen und stelen die pfaffen täglich.
Schottenloher, Flugschrr.
84, 3
(
Würzb.
1523
):
Do ropfft einer hie, der ander dort, | Selten man fant ein sicher ort.
Franck, Decl.
335, 41
(
Nürnb.
1531
):
Da ist [...] kein end zuͦgeben / wie des buͦlers vnkeüscheyt wider lebendig wirt [...] vnd vnersaͤtlich ist / also der huͦren abreyssen / rupffen / vnd fürwitz ist on auffhoͤren.
Singer, Mhd. Lesebuch
13, 26
(
alem.
,
1332
):
Die hunde wurden angemupft, | der bere wart von in gerupft.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
E. 15. Jh.
/
A. 16. Jh.
):
der margraff und der hertzog tetten vil schaden an ain ander an volck, doch nur rupfens.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
157, 3523
;
Kurz, Waldis. Esopus ;
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 184
;
Schweiz. Id. , 1206 f; f.
Vgl. ferner s. v. 1.
3.
›jn. / etw. stoßen, an jm. (häufig: an js. Haaren) ziehen, zerren‹; auch: ›raufen, sich miteinander zanken‹.
Phraseme:
stupf und rupf
.
Bedeutungsverwandte:
1, ›an den Haaren ziehen; Haare ausraufen‹,
2
1, (V.) 4,
1
1, 1, 1, 14, , , ; vgl. 1; 2.
Wortbildungen:
rüpfeln
2 ›an jm. herumkritteln‹,
rupfer
(dazu bdv.: ),
rüpflein
1 ›Kämpfchen‹; 2 ›Beischlaf‹ (dazu phras.:
mit jm. des rüpfleins spielen
als sexuelle Metapher).

Belegblock:

Luther, WA (
1545
):
muß der unschuldige, arme Christus herhalten, jm in sein heyliges angesicht speyen, sich mit feusten schlagen, da und dort rupffen, stossen und hoͤhnen lassen.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
So muͤßtest warlich nit verzagen, | Vnd an die Feind ein ruͤpflin wagen, | Auff das wir vns gar weidlich wehren.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
Ein tags nun [...] wolt Amor, die seine vnderworffne offt stupfft vnd rupfft, sie nicht lenger in so grosser freud lassen.
daß man nicht gewahr würde, was stupff vnd rupff jm sein Gewissen gabe.
Sachs (
Nürnb.
1551
):
Bawr spricht: | Herr [Pfaff], müscht euch nit in unser spiel! | Mein weyb thut ahn das auff euch ziln, | Sie möcht mit euch des rüpffleins spiln.
Jörg, Salat. Reformationschr.
77, 20
(
halem.
,
1534
/
5
):
M(artinus) Lutrer [...] Alls er vil gefüntelet / suͦchlett / rüpflett / und zentzlett / um den bry gieng / vor ob gemelten jaren / jn synem us schriben und leren.
Wiessner, Wittenw. Ring
1567
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Do sach sei [Mätzli] ıͤr vil praunen mutzen: | Sölich zuchen, rupfen, smutzen | Huob sich auf den rauhen fleken
(hier in obszöner Verwendung).
Maaler (
Zürich
1561
):
Rupffer / Zupffer / Der einen rupfft odr zupfft vnd plaget / vnd sich darnach geschwind vmbkeert / als habe ers nit gethon.
rupffen / bey deñ Haaren zausen.
Morrall, Mandev. Reiseb.
145, 15
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
die fröwen tragend in dem land bruͤch als wol als die man. [...] Sie scheltend nit an ander in dem land, noch ruppfett ains das ander nit.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Balgen / sich rupffen vnd zupffen [...]. Die jungen Eheleut balgen sich schon mit einander.