runs,
der
;
vereinzelt
die
;
-es/-e
;
teils mit anorganischem
-t
;
zu
mhd.
runs
›das Fließen, Rinnen‹
().
1.
›Verlauf, Bett eines Fließgewässers‹;
zu  1.
Gehäuft wobd.; Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
,  5, .
Syntagmen:
dem wasser seinen r. lassen
;
der r. sich schwingen
;
j. den bach aus dem r. weisen, durch den r. leiten, das wasser
(Subj.)
ausser dem r. brechen, im r. rinnen
, [Name eines Fließgewässers]
in dem r. bleiben, etw
. [Name eines Fließgewässers]
in den r. bringen
;
der freie / rechte r
.

Belegblock:

Leisi, Thurg. UB
6, 234, 61
(
önalem.
,
1363
):
geben fúr mich und min erben das reht, das si den selben bach sont fúren und laiten durch den runs und durch die wasser laiti [...], da er gegangen ist und geflossen.
Rennefahrt, Statut. Saanen (
halem.
,
1470
):
Wa das wasser usser dem rechten runs brechi [...] und wol wider ingeleit moͤcht werden.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1585
):
Die wasser [...] soll ieder [...] in rechtem runnst rinnen lassen.
Welti, Stadtr. Bern ;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen ;
Rennefahrt, Recht Laupen ; ;
Merz, Urk. Wildegg
182, 11
;
2.
›das Fließen, fließende Bewegung‹; als Metonymie: ›kleiner Fluss, Bach‹, ›Rinnsal‹; in religiösen Kontexten bildlich und ütr.;
zu  1.
Erhöhte Belegdichte für das Wobd.; vielfach Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘, teils gebundener Form.
Phraseme:
rüns und rik suchen
›Ausflüchte suchen‹;
aus einem rünslein ein bach werden
.
Bedeutungsverwandte:
,  1, , , (
der
4,
1
 1,  4, .
Syntagmen:
j. (den) r. empfangen / suchen
;
etw
. (z. B.
das garn, die angeln
)
in den r. setzen, j. in die r. sprengen
›hineinreiten‹;
e. S. von den runsen schade
(Subj.)
beschehen, j. von dem götlichen r. trinken
;
j. den runsen der lere nacheilen
;
der r. des blutes / goldes
(hier: von prächtigen Gewändern)
/ sandes
›Treibsand‹
/ taufes, der freise, der süssen lere, des christlichen blutes
;
der r. von blut / wasser
;
der fliessende / grosse r
.;
die mülstat mit dem r
.
Wortbildungen:
runsig
›(schnell) fließend‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
der cristinegeloube | [...] | der dâ her gepflanzit | was sô swêrlich von begunst | mit vil manchir vreisin runst | cristinlîchis blûtis.
Kochendörffer, Tilo v. Kulm (
preuß.
,
1331
):
Do di sache also lac | Daz sich niman under want | [...] | Um des armen menschen brunst, | Der hin in des sandes runst | Was gedrungen jemerlich
(hier reimzwangbedingt mit Genitivmetapher).
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
,[...] mine sunde | Mit des toufes unde | Gewaschen werde hin von mir.‘ | [...] | ,Daz brenget dir des toufes runs.‘
Stackmann u. a., Frauenlob II,
3, 3
(Hs. ˹
schles.
,
14. Jh.
˺):
ouch sam von den brunnen schiuzet [...] | ein rivier [...] runsic [...] unde fin.
Pyritz, Minneburg
77
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Da het die sunne den tawe | Gesoten in der awe | Jn der blumen, kruter runsen, | Daz sie vor edelm smak dunsen.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Er nam die geisel her fúr, und vie an ze schlahent. [...] Do dú als vast troffen ward, do sprang daz bluͦt her us, daz im der runs des bluͦtes flos úber den fuͦss ab.
Argovia (
halem.
,
1400
/
50
):
Wir haben kouft [...] ein müli vnd ein mülistatt mit aller zuogehört, [...] mit dem runs vnd mit weg vnd mit steg.
Vetter, Schw. zu Töß (
halem.
, Hs.
15. Jh.
):
Die min Christi hat min hertz verwunt, | und ich wird niemer me gesund | e ich getrink von dem goͤtlichen runs.
Jörg, Salat. Reformationschr.
530, 11
(
halem.
,
1534
/
5
):
Deshalb aber Zwinglj (wie die aͤl jn ungstuͤmem waͤtter) usschlüpf / rüns / und rick suͦcht den verstendigen allten zuͦ entgan.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1625
):
Derohalben wellend wir, daß [...] die gemeinen fischer [...] nit [...] in den runß [...] einiche garn [...] noch setzangel setzen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
71, 20
(
Basel
1494
):
Das vß eym saͤchle / wurt eyn sach | Vnd vß eym rünsly / werd eyn bach.
Strehlke, a. a. O. ;
Fischer, Brun v. Schoneb. ;
Maag u. a., Habsb. Urbar
2, 1, 578
;
Bernoulli, Basler Chron. ;
Dierauer, Chron. Zürich ;
Vetter, a. a. O. ;
Schmidt, Rud. v. Biberach
152, 23
;
Bihlmeyer, a. a. O. ; ;
Klein, Oswald
13, 22
;
Voc. Teut.-Lat.
bb iiijv
.
3.
›Quelle‹ eines Wasserlaufs; ütr. auch von abstrakten Größen wie
gnade
1; 2; 4 und
gotheit
1 gesagt;
zu  3.
Älteres und mittleres Frnhd.
Bedeutungsverwandte:
 1, .
Syntagmen:
j. den r. vermachen
;
der r. durch den harten flins entspringen, sich in dem worte entgiessen
;
etw
. (Subj.)
sich von dem r. aus den felsen ergiessen
;
der r. der gotheit / gnade / minne, des wassers
.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
148, 35
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
durch den herten flinse | Entsprang des wassers rinse.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Dionysius seit, daz in dem vater sie ein usfluss oder ein runs der gotheit, und der runs entgússet sich naturlich in dem usgruͦnendem worte.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
so spricht sant Bernhart: ,si ist ain kaͤner und ain runs aller gnaden‘.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
daz ist ain wazzerstat [...] daz si die stat dâ pei gelegen wüest macht, und sô man ie ain runst vermacht, sô entsprungen drei.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. ;
Pyritz, Minneburg Prolog I,
20
;
Euling, Kl. mhd. Erz. ;
Pfeiffer, a. a. O. ;
Panzer, Seifrid Füetrers
457, 7
.
4.
›Kanal‹ als ein von Menschen angelegter künstlicher Wasserlauf; speziell auch: ›Abflussrinne‹.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl.  1.
Syntagmen:
einen r. graben, aus dem haus an die gassen richten
;
etw
. (Subj.)
mit dem r. hinschiessen
;
der gerade r
.;
die grabung des runses
.

Belegblock:

Rennefahrt, Gebiet Bern (
halem.
,
1641
):
Es soll angefangen werden
ohne verzug, [...] mit grabung deß graden runses in der lenge und breite, wie vonnöthen syn wirt.
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
1, 160, 23
(
moobd.
,
1524
):
Es söllen auch weder Geistlich Edl, noch vnedl, [...] aus Iren hewsern, Rynsal vnd runsen richten, heraus an die Gassen.
Adomatis u. a., J. Murer. Bab.
2607
;
Thiele, Minner. II,
16, 264
;
Geier, Stadtr. Überl. .