rum,
der
;
-es/–
;
vereinzelt (insbesondere in der Wbg.) auch
rüm,
rün
;
zu
mhd.
ruom, ruon
›Lob; Selbstlob; Pracht‹
().
1.
›Herrlichkeit, Größe, Verehrungswürdigkeit Gottes‹; ›Lob, (jubelnde) Lobpreisung Gottes‹; dazu konvers: ›Gnade, Auszeichnung, Erlösung, die Gott (auch durch andere Menschen) Personen, Personengruppen (insbesondere den Heiligen, Maria, seinem auserwählten Volk) zukommen lässt‹.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
 12, ,  2, ,
1
 34, (
der
56,
1
 1,  2, , ; vgl.  8, .
Syntagmen:
den r. aussagen / durchsingen / haben, got
(Dat.obj.)
r. geben
;
(der) r
. (Subj.)
auf js. haupt, jm
. (z. B.
got
, Dat.)
sein, jm. von js. trost werden
;
j. durch r. sprechen, zu js. r. etw. leiden / tun
;
der r. gottes
(gen. objectivus);
die würde des rumes
.
Wortbildungen
rumreiche
›Lobpreis‹ (a. 1522; dazu bdv.:  2, ).

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
1. Chron. 23, 5
(
Wittenb.
1545
):
Das Haus aber das dem HERRN sol gebawet werden / sol gros sein / das sein Name vnd rhum erhaben werde in allen Landen.
Ebd.
Ps. 48, 11
:
Gott / wie dein Name / so ist auch dein Rhum
[
Mentel
1466 /
Froschauer
1531 /
Eck
1537:
lob
]
/ bis an der Welt ende.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Zu jungest wart ir doch ein rum | Von sime troste, den er ir bot.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
do sprach gar lechelichen | durch rum die valsches vrie.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
228, 32/33
(
Nürnb.
1548
):
wen̄ die Christen erloͤset werden [...] da wirdt rhum vnd ewige frewd auff jhrem haubt sein / Rhum / das sie Gottes genade rhuͤmen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 255, 30
([
Augsb.
]
1548
):
dieweil das volcke den rhuͦm hatte / das es Gottes volcke hieß [...] So warn sy über alle massen stoltz.
Buijssen, Dur. Rat.
36, 6
(
moobd.
,
1384
):
„Ruͦm got dem vater“, daz bedewtt lob, wenn nach den werichen ist ze geben rum got oder preyz.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
25, 14
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
Vgl. ferner s. v.  4.
2.
›gesellschaftliche Wertschätzung, öffentliche Anerkennung, die jm. / e. S. entgegengebracht wird‹; dazu konvers: ›öffentliches gesellschaftliches (hohes) Ansehen, (gute) Reputation, die j. / etw. (erlangt) hat‹ (von Personen, vereinzelt auch von Vorgängen, der Wirkkraft sachlicher Bezugsgrößen); ›weltlicher Ruhm, Berühmtheit‹; metonymisch: ›Lob, lobende Äußerung‹; ›Macht, (seelische) Stärke, Standhaftigkeit‹; ›Erfolg, Auszeichnung‹; in Texten religiösen Inhalts häufig mit abwertenden Nuancierungen (mit Bezug auf Weltlichkeit, Falschheit, Nichtigkeit u. Ä.), dann offen zu 3.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):
1
 4, (
das
7,
1
 6,  34,  34, , hier ›Stärke, Mut‹,  1,  6,
2
 7,  3, (
das
4,  1,
1
 12, (
der
4,  1,
1
 1,  4, , , (
der
3,  5, (
der
3, , ; vgl.
1
 3,  3,  1,  1,  5.
Gegensätze:
 13, .
Syntagmen:
den r. behalten / erlangen / fliehen / geren / haben / suchen / verdienen, mit sich davonbringen, jm. den r. geben, j. vor got keinen r. haben
;
der r
. [wo]
sein, vergehen, sich legen, jn. fro machen, jm. gebüren, js. r
. (Subj.)
zur rechten gottes sitzen
;
j. mit r. vertrauen gegeneinander tragen, das herzogtum zu r. haben, niemand
(Subj.)
zu r. zu frummen / opfern gehen (sollen)
;
der r. gegen dem gemeinen volk
;
der ewige / grosse / rümliche / treffenliche / unsterbliche / üppige / weltliche r
.;
völker mit hohem r
.
Wortbildungen
rumreich
›erfolgreich‹ (dazu bdv.:  6,  3, , ),
rumwürdig
.

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
damit dein hertz den rhum und freidigkeit behalte [...], nicht aus Gottes gnade und seinem gehorsam in des Teufels dienst fallest.
Wisset jr nun, wo meine kraft ist, mein rum, trucz und sieg?
Ebd. (
1532
):
Sonst wird sich dein rhum und sicherheit bald legen und vergehen wie der rauch jnn der lufft.
Ders., WA Bibel (
1522
/
46
):
Am sechsten, Ermanet er [Paulus] die bischoff, das sie [...] der vnnutzen furwitzigen fragen sich entschlahen, die nur zu weltlichem rhum vnd reychthum zu suchen auffgeworffen werden.
Ders. Hl. Schrifft.
Hiob 20, 5
(
Wittenb.
1545
):
Weissestu nicht / das allezeit so gegangen ist / sint das Menschen auff erden gewesen sind. Das der rhum
[
Mentel
1466 /
Eck
1537:
lob
;
Froschauer
1531:
lob vnd er
]
der gottlosen stehet nicht lange, vnd die freude des heuchlers weret eyn augenblick?
Ebd.
Röm. 4, 2
:
Jst Abraham durch die Werck gerecht / so hat er wol rhum
[
Mentel
1466:
wunnicklich
; Var. 1475
1
:
ere
; 1475
2
–1518:
die glori
]
/ Aber nicht fur Gott.
Ebd.
1. Kor. 5, 6
:
EWer rhum
[
Mentel
1466:
wunniclich
; Var. 1475
2
–1518:
glori
; aus lat.
gloriatio
›Selbstlob‹]
ist nicht fein. Wisset jr nicht das ein wenig Sawrteig den gantzen Teig versauret?
Peil, Rollenhagen. Froschm.
66, 706
(
Magdeb.
1608
):
[Die gifftwurtz Moly genant] Wie Milch / so war jhr weisse Blum / | Hett bey den Goͤttern grossen ruhm.
Stoltzius, Chym. Lustg. (
Frankf./M.
1624
):
Dem vmbschweiffenden Voͤlcklein klein | Gebuͤhrt / Lob Ehr vnd Ruhm allein.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
17, 20
(
Frankf./M.
1626
):
Da doch Herr Martinus Opitius [...] den Lorberkrantz mit seinem vnsterblichem ruhm billich verdienet hat.
Sachs (
Nürnb.
1559
):
Dardurch wir zu ewiger zeit | Beide gedechtnuß-wirdig werden | [...] | Durchleuchtig, rumreich und auffrecht, | Ganz für-breißlich.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
die [durnaͤhtigen] vliehent lob und êre und allen uppigen ruͦm.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Pantimulus, der fürste werd, | Des hertze flissenklichen gertt | Rünliches rümes.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
n. 1437
):
das [...] nieman zuͦ liep noch zuͦ ruͦm, denn allein durch siner vnd siner uordren vnd fruͥnden selen willen, wol sol [...] gan ze fruͥmmen vnd zuͦ opffer.
Wiessner, Wittenw. Ring
8863
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Der ruom die risen machet fro | Und schritten ieso hin aldo | Gen den twerglin an den streit.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
389
(
Genf
1636
):
ruhmwuͤrdig / werth das es geruͤhmet werde.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
das alt burgerlich vertrauen, so sie hievor gegeneinander mit großem lob und ruem getragen, aufgehört, neid, haß und widerwillen an desselben stat gesetzt.
Reithmeier, B. v. Chiemsee (
München
1528
):
Der gerecht mensch [...], was guotes er thuot, dorjnn suoecht er weder ruoemb noch eyteln nutz, sonder allain sein hail.
Peil, a. a. O.
527, 650
;
v. Keller, Amadis ;
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
7, 7
;
Ralegh. America ;
v. Ingen, Zesen. Ged.
388, 24
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Barack, Teufels Netz ;
Wiessner, a. a. O.
7266
;
Vgl. ferner s. v.  1,
1
 6.
3.
›Selbstherrlichkeit, Überheblichkeit‹ (von Personen); im Einzelnen auch: ›Ruhmsucht, Gefallsucht, (falscher) Ehrgeiz‹; ›Arroganz, Anmaßung, Selbsttäuschung, Hybris‹; ›Angeberei, Prahlerei‹.
Phraseme:
ane rum
›ohne Übertreibung, Anmaßung; wahrhaftig, wahrlich‹;
mit rum
›prahlerisch, überheblich‹;
von rumes wegen
›aus Überheblichkeit‹;
jm. der rum gelegt sein
in etwa: ›jm. das Handwerk seiner Angeberei gelegt worden, verwehrt sein‹.
Bedeutungsverwandte:
,  3,  6, ,  2,  2,  6, , (
der
9, (
der
1,  2, I, 2, (
der
2, , , ; vgl. .
Gegensätze:
 1,  3,  1.
Syntagmen:
(den) r. suchen, vor jm. haben, mit künstlichen stimmen klingen lassen, got
(Subj.)
den r. ausrotten
;
der r. an jm. zu drek werden, nicht lange stehen
;
j. durch r. der warheit betrogen werden, etw. durch r. tun, sich in r. überheben, etw
. (Subj.)
jm. zu seinem r. dienen, Christus
(Subj.)
die gaben nicht zum r. geben
;
der r. der gotlosen
;
der eigene / grosse / hoffärtige / vergebene / weltliche r
.;
der gedanke des rums
.
Wortbildungen
rumgeitig
›ruhmbegierig‹ (dazu bdv.: ),
rumgierig
(dazu bdv.: , , ),
rumgierigkeit
(dazu bdv.: ),
rumlügner
,
rumreisig
›auf Kriegszügen nach Ruhm strebend; ruhmbegierig‹ (dazu bdv.: , Adj., 3, , Adj., 12),
rumreisigkeit
›Prahlerei‹ (a. 1588; dazu bdv.: ,
der
, 11),
rümsal
(dazu bdv.: ),
rumsucher
(dazu bdv.:  1,  2),
rumsucht
(dazu bdv.: ; ggs.: ,  3),
rumsüchtig
(dazu bdv.: , , , ),
rumsüchtiglich
,
rumwort
.

Belegblock:

Luther, WA (
1525
):
Solche rhumgyrige geyster greyfft hie S. Paulus an.
Ebd. (
1544
):
Haben wir nicht lange gesagt, es wuͤrde so ein ende mit jm nemen? Jch meine, der rhum sey jm nu gelegt, den er wider jederman gefuͤret.
Ebd. (
1527
):
wie den Papisten bis her an mir so mancher rhum ist zu dreck worden.
Ebd. (
1540
):
wie die falschen, rhumsuchtige Merterer und Muͤnche thun.
Ders. Hl. Schrifft.
Bar. 4, 34
(
Wittenb.
1545
):
Vnd ich wil wegnemen jre macht, dar auff sie [Babel] trotzet, vnd jren rhum
[
Mentel
1466:
erhoͤhung
; Var. 1475
2
–1518 /
Eck
1537:
frolockung
;
Froschauer
1530 /
Dietenberger
1534:
muͦt
]
in klage verwandeln.
Meisen u. a., J. Eck
3, 20
(
Leipzig
1520
):
was yme [Martin Luder] dienet tzu seiner rume und geschrey, ist er so ersuchtig [...], das es von stund an mhues yn die werlt durch den druck.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1468
):
das schreyb ich darumb an, nicht von rombs wegen, dann es streflichen ist sich zu rümen, allein das meine kinde daran ein spiegl haben.
Sachs (
Nürnb.
1533
):
Der rumlügner
[Überschrift]
. | [...] | Der [kerl] schray: | Ich hab verstigen mich | Mit grossem rhum hoffertigklich.
Schorer, Sprach-Verd.
10, 25
(
1643
):
wann ich [...] bey Gastungen gewesen / ich auch habe wissen etwas vorzubringen / (ohne Ruhm zu melden).
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Ostentator, Ein ruͤmer seiner thaten / ein hoffertiger anzeyger / ruͦm suͦcher.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
Man muͦss aber dem siger, insunders dem, so von art hochmuͤetig und ruͦmgidig, wie der Franzos ist, sinen muͦt und ruͦm mit vier fast kuͤnstlichen stimmen lassen klingen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Jm selbs einen Ruͦm suͦchen mit schmaͤhẽ ander leüten kunst vnd wüssen. [...]. Mit Ruͦm / ruͦmsüchtigklich.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
389
(
Genf
1636
):
ruhmgierigkeit [...] Ehrgeitz.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
v. 1536
):
schand und laster warden mit rom on alle scham begangen.
Rauwolf. Raiß Vorr.
7, 21
([
Lauingen
]
1582
):
darzuͦ mich nit Ehrgeytz oder rhuͦmsucht / sonder vil mehr der sachen nutz vnnd lustbarkeit beweget.
Bauer, Geiler. Pred.
469, 13
(
Augsb.
1508
):
seind ruͤm wort / so sich aines selb ruͤmet.
Rot
316
(
Augsb.
1571
):
Iactation, [...]. Jtem Ruͤhmsal / berühmung.
Turmair (
moobd.
,
1529
):
Wider die freien Schwaben und Franken, so allwegen die rumreisigsten, besten krieger und reiter sein haben wöllen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
71, 20
(
tir.
,
1464
):
darnach da pelaib chain pöse pegierd in mir oder gedankh des neides vnd hoffart oder des weltleichen rüemes.
Hübner, Buch Daniel ;
Opitz. Poeterey
4, 24
;
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
9, 27
;
50
;
v. Keller, Ayrer. Dramen ;
Vgl. ferner s. v.  10,  2.
4.
›Behauptung‹; meist: ›Gerede, Gerücht, Einschätzung (gegenüber e. P. / e. S.)‹; auch: ›Qualität, Kennzeichen, (zweifelhafter) Ruf‹.
Bedeutungsverwandte:
,  910,  1,  2, , (
der
16,
2
 2 (subst.), , , , ; vgl.  4.
Gegensätze:
(
der
3, .

Belegblock:

Luther, WA (
1527
):
mus sie Gott trosten und verkuͤndigen, das solcher rhum und schweren keinen bestand haben werden.
Ebd. (
1527
):
der Muͤntzerisch geyst anfieng aus den Christen Juͤden zu machen durch falschen rhum und missverstand des alten Testaments.
Ebd. (
1543
):
sihe dich wol fur, vnd merck drauff, das du durch falschen schein vnd rhum der Warheit nicht betrogen.
Schmitt, Ordo rerum
271, 10
(
omd.
,
1457
):
Susurri(um) susinghe [...] afftirgekose [...] runung [...] heimlich rume uel susunge [...] zueraününg.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 14, 32
(
Hagenau
1534
):
Diser rhum aber zeyget an eine forcht vor Gott / nicht Gottis freuntschafft.
Ebd.
2, 16, 8
([
Augsb.
]
1548
):
Also / das es ain sonderlicher rhuͦm und wunderwerck ist / wann yemandt für wolthat danckbar ist.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
hat doctor Eck mit sinem anhang vil ruͦms und sigs ussgespreit.
Luther, WA ;
234, 34
.