ruffian,
ruffianer,
der
;
-s/-Ø, -er
;
auch:
ruffiger
;
zu
mhd.
ruffiân, ruffiâner
Lotterbube, Hurenwirt‹
(), dies aus
ital.
ruffiano
/
afrz.
rufian
›Kuppler, Zuhälter‹
().
›liederlicher, übler Geselle, Schuft, Lotterbube‹ (als abwertende Bezeichnung für männliche Personen mit unstetem Lebenswandel, einem Hang zu kriminellem und gewalttätigem Handeln sowie einer grundsätzlichen Ignoranz gegenüber der gesellschaftlichen Ordnung); speziell auch: ›Spieler‹; ›Kuppler, Zuhälter‹; vereinzelt: ›außerehelicher Liebhaber, Verführer einer (Ehe)frau‹.
Überwiegend obd.
Bedeutungsverwandte:
2, 3, 1, (
der
), ›Schankwirt‹, , , 1; 2, , , , .
Gegensätze:
1
2.
Syntagmen:
j. den / einen r. erschlagen / fangen / leidigen, der bürger den r. schlagen, im land nicht dulden
;
der r
. (Subj.)
kein mensch, unstet an worten, der kammerknecht der frauen, dem teufel das liebste gesinde sein, umherziehen, die ere verlieren, am lon der bübin teilhaben, keine busse wirken, kein handwerk können, in lastern liegen, beim wein in der unzucht toben, sich der ere verwegen haben, jm. nach dem leben stellen, x wochen auf dem turn liegen, dem gemeinen man zur last fallen
;
j. ein r. sein, die pfaffen
(Subj.)
hosen wie die ruffianer tragen
;
das toppelspiel dem r. ziemen, j. den ruffianern das spiel verbieten, die schanze besinnen, js. haben den ruffianern werden
;
jn. zu einem r. zälen
;
j. seine mutter durch den r. ermorden lassen, j. mit den ruffianern sein erbzal verzeren
;
der bestelte / geunerte / kundige / offenbare / offene / rechte / verruchte r
.;
die handlung, das laster des ruffigers, der pabst der ruffianer
.
Wortbildungen:
ruffianbube
›übler Geselle‹,
ruffianin
›Kupplerin‹ (dazu bdv.: , , ),
ruffianisch
›kupplerisch‹ (dazu bdv.: 1, 1),
ruffiansbeutel
›Geldbeutel‹ (dazu bdv.: ),
ruffien
(V.) ›Unzucht treiben‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Jostes, Eckhart
65, 25
(
14. Jh.
):
lieb on huͤte die ist [...] ein luderinne der heimlich und ist ein ruffegenen under geistlichen leuten.
Wolf, Rothe. Ratsged. B
501
(
thür.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Die togen nicht hir yn, | [...] | [...] die ire lantrecht han fuloren | [...] | Lutten, riffan ader lugener.
Anderson u. a., Flugschrr.
27, 2, 14
([
Erfurt
1522
]):
mir wer vil lieber ein Riffyaner Papst dan ein Theologus.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
obd.
1521
):
si
[die Pfaffen]
tragen [...] wammes und hosen vornen hargegen der scham wie die Riffianer.
Gille u. a., M. Beheim
326, 20
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
nur ruffian, zinken, zelern, | den toplern und ach spelern | han ich ir schancz pesint.
Dienes, E. Gros. Witwenb.
45, 28
(
nürnb.
,
1446
):
wer nu [...] ist eyn kündiger rüffian vnd perntreyber, der ist weise.
Voc. Teut.-Lat.
bb iiijr
(
Nürnb.
1482
):
Ruffyanyn odʼ pubin. lena.
Ebd.
bb iiijv
:
Ruffyen oder vnkeuschen. fornicare. [...]. Ruffyanspeutel odʼ beygartel. crumena.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
115
(
Nürnb.
1517
):
die handlung des ruffigers und eegenossen sein eins wesens, wiewol dises handlung dem gesetz gemees, des andern widerwertig ist.
Sachs (
Nürnb.
1540
):
Dieb, spitzbuben, schelck und verreter, | Rifian, dergleich ubeltheter, | [...] | Muß man also ir laster fegn.
Ebd. (
1563
):
der müller [...] | Als ein verruchter ruffian, | Het mit teil an der bübin lon.
Matthaei, Minner. I, (Hs.
15. Jh.
):
keyn erlichs wyb [...] | vermag sich mans verzagt | oder der [...] | [...] in der untzucht dob, | wie riffian by dem win.
Chron. Strassb. (
els.
, o. J.):
[von einer Regelung betroffen sind:]
luͦderer, spiler, rippelreiger und riffion, die sich tage und naht nit anders begont denne spilendes.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
31, 5
(
els.
,
1362
):
Du [Lucia] hest din erbezal verzert mit den riffian.
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
8, 50, 1
(
Straßb.
1522
):
Nun hat das alles vnangesehen Martinus luther [...] so biebisch / riffigenisch vnd lesterlich vßgericht.
Barack, Teufels Netz (
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Und lit er tag und naht im luoder. | Nun sehend, wie das si ain bruoder. | Ich zell in zuo aim rechten riffion.
Sudhoff, Paracelsus (
1529
/
32
):
es sind rufianer, stellen mir nach meinem leben.
Sappler, H. Kaufringer
1, 204
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
die prüeder horten luten pracht | [...] | von rüffianpuoben.
Müller, Stadtr. Ravensb.
90, 30
(
oschwäb.
,
1330
/
34
):
ist daz ain burger ainen offenen riffian ald ainen offen buͦben als ain offen huͦrun sleht, darumb sol er den burgern nit bezzeron.
Bastian u. a., Regensb. UB
466, 25
(
oobd.
,
1378
):
Den leithaussern und den ruͤffian verpietent mein herren allez spil im pret.
Gille u. a., a. a. O.
115, 135
;
Barack, a. a. O. ;
Koppitz, Trojanerkr. ;
Mollwo, Rotes Buch Ulm ;
Voc. Teut.-Lat.
bb iiijr
;