Adj.
– Die Verwendung des Farbadjektivs ist weniger von den physikalischen (spektralen, durch Absorption und Reflexion von Licht bestimmten) Eigenschaften von Farben als von sprachlich-funktionalen Unterscheidungen her umreißbar. Die Skala der so zustande kommenden Nuancen reicht von hellen, gelblichen (z. B. Haar) über kräftige (z. B. Blut) bis hin zu dunklen, ins Blaue (Wein) oder Braune (z. B. Fell, Erde, Pflanzen) übergehenden Ausprägungen (vgl.
Jones, Hist. Lex. dt. Farbbezeichnungen
4, 2215
ff.; zum Frnhd. insbesondere 2218f.; zu phraseologischen Verbindungen mit
rot
vgl.
Wanzeck, Etym. lexikalisierter Farbwortverbindungen
49
ff.); die Gliederung in Einzelbedeutungen (sowie die entsprechende Zuordnung der Wortbildungen) erfolgt vorrangig anhand von Farbträgergruppen, mit denen
rot
in den Belegen in Verbindung gebracht wird: 1 allgemein; 2–4 mit dem Farbton des Blutes bzw. der Haut assoziierte Verwendungen; 5 Körperbehaarung; 6 Pflanzen(teile); 7 natürlich vorkommende feste Stoffe; 8 Kleider(stoffe); 9 handwerklich hergestellte Substanzen; 10 Wein u. Ä.; 11 Bezug auf Licht(phänomene); 12 geographische Namen / Ortsbezeichnungen.
1.
›rot‹; allgemein von je nach Farbträger unterschiedlicher Nuancierung; im Einzelnen z. B.: ›rötlich; rotbraun; orangerot‹; wohl auch: ›gebräunt‹ (von gebratenen oder gebackenen Speisen).
Phraseme:
rotes buch
jeweils als lokaler Eigenname eines Buches mit rechtsrelevantem Inhalt (z. B. Stadtbuch, Gesetzessammlung), das einen roten Einband besitzt (a. 1380); das Rote Buch von Ulm wird dagegen aufgrund der roten Initialen im Text so bezeichnet (
).
Syntagmen:
etw
. (Subj.)
r. werden
;
(etw.) r. färben / machen
;
der rote alabasterkopf / fus / koffer / schnabel, die rote schnecke
wohl ›Nacktschnecke‹,
die rote speise, das rote fleisch / gericht
;
r. gefärbt
.
Wortbildungen:
›rötlich(braunes) Bier‹,
›rötlich‹ (dazu bdv.:
), ˹
,
˺ ›dunkelrot, braunrot, schwarzrot‹,
,
.
Belegblock:
Peil, Rollenhagen. Froschm.
621, 3623
(
Magdeb.
1608
):
Das Wapen ein Rotkefferlein / | Der Reym: Fleugst nicht / so bistu mein.
Loesch, Kölner Zunfturk.
(
rib.
,
1482
):
Umb sich zo besprechen [...] ind eine ordinancie zo machen up dat roitbier.
Hajek, Guͦte spise
20
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
riche vaste koln dor vnder, daz er
[mit Teig übergossener Fisch]
rot werde.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
126, 19
(
Frankf.
1535
):
Corneolus ist [...] gleich dem geschnitten fleysch / das ist rotdunckel als das wasser von gewaschen fleysch.
Fuscus Rothschwartz / Mohrenschwartz / schwartzbraun.
Gib mir von dirr roten speys: wann ich bin gar múd.
Peters, Schäden I,
67, 1
(
nalem.
/
schwäb.
,
1400
/
33
):
Wiltu alten schaden heilen an beinen, So brenn rotten schnecken in einem löcherotten haffen.
Rotbraͤcht / Rotlaͤcht. Subrubicundus, Rufus. Rotbraͤcht machen.
Rinium rote dint [...]. Lagarium plae dint.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
(
oobd.
,
1349
/
50
):
die vaizten diu in dem swein ist zwischen der swarten und dem rôten flaisch
(›fettfreies Fleisch‹).
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
322
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Querci marini mancherley farben und arten sein vil verhanden, als purpurfarb, rott, leibf:, laimfarb und blaichgelb.
1 türckischer schreibzeug in rot scarlatem überzug.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
;
3.
›rötlich, gerötet, rot; blutig; blutunterlaufen‹; mit euphemistischem Charakter bezogen auf körperliche Beschwerden und Krankheiten, bei denen eine rote, in der Regel durch Blut verursachte Färbung von (z. B. entzündeten, geschwollenen) Körperpartien, Ausscheidungen u. dgl. als charakteristisches Kennzeichen gilt; mehrfach als attributiver Bestandteil in Krankheitsbezeichnungen sowie einmal in einer Charakterisierung der Menstruation; in medizinischem Kontext auch vereinzelt: ›von gesunder Röte, sauber, von Krankhaftem gereinigt‹ (von Wunden).
Phraseme:
die rote colera
›rote Variante der Galle als Körpersaft nach der Temperamentenlehre‹ (dies im Übergang zu den damit assoziierten Krankheiten; vgl.
); ˹
die rote rur
;
der rote bauch / schaden
˺ ›Durchfallerkrankung mit blutigem Stuhl‹;
der rote we
›Maul- und Klauenseuche‹;
die rote natur
›Menstruation‹;
der rote flus der frauen
wohl ›blutiger, nicht-menstrueller Ausfluss‹.
Syntagmen:
etw
. (Subj., z. B.
der harn, das bein / geschwer
)
r. sein, jm. die augen r. sein
;
der rote grind / gewülch
›krankhafte Hautrötung‹,
der rote ausflus des leibes, der rote einflus in die augen, das rote augenwe, die roten blattern
; subst.:
die schäden
(Subj.)
mit rotem verfast sein
.
Wortbildungen:
˹
,
,
,
˺ ›Durchfallerkrankung mit blutigem Stuhl‹ (dazu bdv.:
,
1).
Belegblock:
Peil, Rollenhagen. Froschm.
526, 605
(
Magdeb.
1608
):
wo ein riß jhrs
[der
Zeismaus
›Spitzmaus‹]
Zeenleins ist / | Die wund vol roter blattern brent.
Es sin auch mehe graven, ritter und beroimte leut im leger die zit an der pest, bennen und roitbuch gestorben.
disser keiser starf an dem roden buich anno 378.
Dubizmay, kurß zu Teutze
1, 5
(
hess.
,
1463
):
fur dy Roten Rur Recipe faul pirnbaum holtz zu puluer gemacht.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
132, 11
(
Frankf.
1535
):
Nütz diß puluer mit wegrich safft / es stopfet den weissen vnd roten fluß der frawen.
Sie [Perlin] seind auch guͦtt wider den bluͦttfluß vnd die rotruͦre.
Man legt jn [gips] auch vff das rot augen wee.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
75, 21
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Wann das vieh den roten wehe oder das durchlaufen hat, so gib ihnen notterwurzeln.
Palm, Veter Buoch
(
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
do waren den sundern ir antlicze swarcz vnd ir ougen rot vnd vol blutes.
Keil, Peter v. Ulm
239
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Ist es [ein stein] von hitz, so ist der harm rot, vnd leit vil sandes in dem glaß.
Dysenteria, latine Tormina, Der rot schade / die rot ruͦr / das rot außllouffen.
Arndt, biechlin
D ijr
, 19 (
Freiburg
1523
):
vil weins getruncken in etlicher menschen magen verwãdelt wirt in die rotẽ colera.
Peters, Schäden I,
10, 1
(
nalem.
/
schwäb.
,
1400
/
33
):
wen du nuͦn sichst das es [schaden] wol gereiniget vnd rot ist, So nim war ob kein ful fleisch dar inn sy.
alle die scheden die do sind hizig, brennig, mit rotem verfasset [...], sie standen am leib wo sie wöllen, so ist es einerlei arznei.
Der Rotschad. Tormina. Ein schaͤdlich bauchwee / vñ roter stuͦlgang / die rot ruͦr. Dysenteria.
nimb die wesch, so ain frau haimlich in druckht, wann sy ir zeit hat gehabt oder die rotte natur.
Strauss, A. v. Villanova dt.
170r, 16
;
Eis u. a., G. v. Lebenstein L
33, 16
;
‒
Vgl. ferner s. v.
2,
6.
4.
›gerötet; von frischer Farbe, nicht blass‹; von der menschlichen Haut, speziell auch von den Lippen gesagt, dabei als Zeichen von Frische, Lebendigkeit, Gesundheit sowie Schönheit fungierend; daneben: ›errötet; (dunkel)rot‹; als Folge emotionaler Erregung (z. B. durch Scham, Zorn).
Gegensätze:
1,
(Adj.)
1,
.
Syntagmen:
j. (von natur), js. angesicht (von zorn) r. sein, j. (von scham, von einer lüge, von schanden) r. werden, etw
. (Subj.)
r. werden
;
j. roten liegen
;
der rote mund, die rote farbe / scham, das rote angesicht, die roten backen / lippen / wangen
; subst.:
den roten
›Frischen, Lebendigen‹
für den toten nemen
.
Belegblock:
v. Ingen, Zesen. Ros.
84, 28
(
Hamb.
1646
):
Bald nahm sie lilien / bald rosen / und fuͤgte sie an ihren weissen hals und ihre rohte lippen.
Wan ich an in vil wol sach | Daz si mit des vleisches vrumen | Waren von der werlde kumen, | Schone unde rothaft.
Quint, Eckharts Pred.
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
als dâ ein mensche rôt wirt von schame und bleich, daz ist im ein zuoval und vergât im. Aber der mensche, der von natûre rôt und schœne ist, dem blîbet ez alwege.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
147, 6
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Als Ludewig diese rede hort / da uberlieff er mit roder farwe uber alle sin antlitze.
wenn der [Reuter auff dem fahlen Pferde] koͤmpt / so muss manch rother Mund verbleichen.
Henschel u. a., Heidin
844
(
nobd.
,
um 1300
):
Si wart von schamen also rot | Daz sie vor leide nider seik | Vn̄ lange wil sweik.
Keil, Peter v. Ulm
83
(
nobd.
,
1453
/
4
):
[Behandlung steifer Gelenke]
wasch in domit, do im we ist, vnd geuß es warm dor auff, pis es rot wirt.
man det den sarg uff: lag er rotten, als ob er lebte; wart im der munt uffbrochen, luff frúsch bluͦt von imme.
Ehe der Mann recht erkaltet, so hat sie schon einen warmen in den armen vnd nimt den rothen für den todten.
Schmidt, Rud. v. Biberach
156, 5
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Min geminnoter ist wis vnd rot vserwelt von tv́sengen.
Wyss, Luz. Ostersp.
584
(
Luzern
1583
):
Cayn, warumb zürnst du on nott? | Von zorn ist dir din angsichtt rot.
Sappler, H. Kaufringer
15, 94
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
zestund si im ir mundlin rot | gar lieplichen pote dar.
der allerschönsten frawen nie | wart soliche rotenhait verjehen, | in der man mich do muoßt sehen.
Nach dem ist ainer genant Daniel / dreissig Jar [...] alt / aines starkhen leibs / Rotten angesichts.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
118, 2341
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 94, 2
;
Munz, Füetrer. Persibein
277, 3
;
‒
Vgl. ferner s. v.
1,
1
2,
7,
1
1.
5.
›rot‹; von der Farbe der Körperbehaarung bei Menschen (bezogen auf Kopfhaar, Barthaar); im Einzelnen kommen Nuancen von ›rotblond‹ über ›kupferrot, orangerot‹ bis ›mahagonirot‹ in Frage, jedoch findet in den Belegen keine Spezifizierung statt; rotes Haar wird mehrfach mit negativen Eigenschaften (z. B. mit Untreue) assoziiert; von der Fellfarbe von Tieren, insbesondere Pferden: ›rotbraun, rötlich‹; auch auf das Federkleid von Vögeln bezogen (vgl. die Wortbildungen).
Phraseme:
rot gewild
›Tier(e) aus der Familie der Hirsche (Cervidae)‹, z. B. ›Rothirsch‹ (vgl.
).
Bedeutungsverwandte:
vgl.
(Adj.).
Syntagmen:
die farbe
(Subj.)
r. sein
;
der rote bart / ritter, die rote kobel / ku, das rote har / pferd / ros
.
Wortbildungen:
›von einem roten, kastrierten Eber‹,
›dunkelrot, rotbraun‹, ˹
,
,
˺ ›Rotkehlchen‹ (dazu bdv.:
3),
2,
›Person mit rotem Haar‹,
›fuchsrot‹ (von der Fellfarbe von Tieren), ˹
›rot(braun) und grau gemischt‹,
,
›rot(braun) und weiß gemischt‹˺ (jeweils von der Fellfarbe von Pferden),
wohl ›Rotschwänzchen‹.
Belegblock:
Mieder, Lehmann. Flor.
929, 3
(
Lübeck
1639
):
Roth Har boͤß Har.
Joachim, Marienb. Tresslerb.
(
preuß.
,
1409
):
6 m. vor 1 rotschymmelecht hengistpfert ouch von Wygenholcz gekouft.
Ziesemer, Marienb. Konventsb.
288, 22
(
preuß.
,
1412
):
6 m. vor eyne rothe kobel
kobel
]
von Peter Struch [...] gekofft, sy ist trechtig.
Also solte man gedencken, aber man thuts nicht, sondern man mus thun, wie das Rottkelchen thut
(es lässt sich mit einem Köder locken und wird gefangen).
Pfefferl, Weigel. Gn. S.
182, 6
(
Magdeb.
1615
):
Als da S. Petrus heilig vnd glaͤntzet ist / Judas aber ein Boͤßwicht / vnd rothen Bart hat.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth
(
Frankf.
1563
):
euwer angesicht und roter bart geben, daß nit vil guͦts an euch ist, zuͦ erkennen.
Jahr, H. v. Mügeln
1112
(
omd.
, Hs.
1463
):
Das erste ros das hiß das Sen: | rot was sin farbe, hör ich jen.
das Blut der Boͤcke vnd die Asche von der rothen Kuhe / kan von Suͤnden nicht reinigen.
[Fest der Vögel:]
Tischdiener waren der wonitz, | Rotkropff, klayber und der geubitz.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
(
Straßb.
1522
):
Ist es
[Speck]
von einer Moren
[s.
mor
,
die
]
oder von einem Rotberg?
rotfuchsichte tier sind alle gut.
Peters, Schäden I,
221, 3
(
nalem.
/
schwäb.
,
1400
/
33
):
nim nüw wachs vnd rot bergin schmer.
Rotbrüstle (das) Erythacus, Rubecula. [...]. Rotschwentzel / Ein voͤgele.
roth Fuchs / so ein rohtes Haar vnnd Bart hat.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron.
(
schwäb.
,
1549
):
die Hispanier hatten [...] den palmesel sampt der piltnus Cristi daruff mit ainem rottschimligen rosslin daran gespannt.
Darbey sollenn mir des wildfangs aberstan nemlich rott und schwartz gewildtt.
Der übermuetig man. den man den roten ritter nennet. vmb dz er ein rot har hett.
Roter bart / nie gut ward / sprach Moses. [...]. Roter bart / vntrewer art. [...]. Huͤt dich fuͤr schwartz vnd roten bart.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Psitacus haizt ain sitich [...] und ist grüener varb, aber sein halskraiz ist rôtvar.
Bastian, Runtingerb.
2, 227, 10
(
oobd.
,
1404
):
er pracht mir ain rotgrisigs ros, chost 10 Unger gld.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
187
(
oobd.
,
1607
/
11
):
2 klein indianische vögelein, außgedört, am bauch liechtgraw, uber den ruggen etwas rotbraunlecht.
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 235
.
6.
›rot; über charakteristische rote Bestandteile (z. B. Blüten, Stängel) verfügend‹; von Pflanzen, Pflanzenteilen und Früchten gesagt, dabei im Einzelnen auf unterschiedliche Farbnuancen referierend, z. B.: ›hellrot; dunkelrot; blaurot, lila; rotbraun‹ usw.; zum Teil kennzeichnet
rot
als klassifikatorisches Attribut in Pflanzennamen wohl eine bestimmte Spezies (z. B.
roter baldrian
) in Abgrenzung zu ähnlichen Pflanzen.
Syntagmen:
etw
. (Subj.)
r. an der farbe sein
;
der rote apfel / baldrian / beifus / brustberleinbaum / mangold, die rote blume / feige / pappel / pflaume / rose / rübe / zwiebel, das rote gauchheil, die roten blätter
.
Wortbildungen
›Erdbeere‹ (dazu bdv.:
),
eine Blume, laut Hrsg. wohl ›Heidenelke‹,
,
›Bachminze, Mentha aquatica L.‹ (dazu bdv.:
),
(dazu bdv.:
).
Belegblock:
Die wuͦrtzel ist lanck vnd roit an der farbe.
Gille u. a., M. Beheim
343, 9
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Graw, swarcz, rot, gel, grun, blaw, | in aller varb vermist, | mit blumen wal durch frist | mit rosen, lilgen, veiel.
Wan din zarten lefftzen, die da sint gewesen als die roten roͤseli, die noch nút us geschloffen sint.
Dein außlassungen seint alz der roten oͤpffel
[nd. Bibel 1494:
appele van granaten
roten granataͤpfel
;
Froschauer
1531 /
Luther
1545, Hld. 4, 13:
Granatepffeln
]
des paradises: mit den fruchten der oͤpffel.
Peters, Schäden I,
49, 2
(
nalem.
/
schwäb.
,
1400
/
33
):
ein bad das natürlich hicz bringt: hie zu nim rot mincze heideß boley salbey vnd fenchel.
nim zumm ersten wall würcz [...] vnd rot cöle manipulam unam vnd holder.
Rottannen oder baͤchtannen genañt (die) Picea.
Löffler, Columella/Österreicher
(
schwäb.
,
1491
):
als die bintz, der halm, das graß, der cle, attich und die waldischen rotten pflumen.
Neben denen
[mehreren Pflanzenarten]
fande ich da die Tartenrayre [...], rote Brustberlenbaͤum: Jtem den roten Baldrian.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
(
oobd.
,
1349
/
50
):
die früht sint dreirlai und die pest ist weiz, dar nâch sint die rôten veigen die pesten und swarzen die allerpœsten.
Schmitt, Ordo rerum
391, 31
(
oobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Fraga [...] erdber [...] rodper.
[Für den auswerffenden wurm] Nimb die rotenbluemen, die auf der haiden steen wie die negele.
‒
Vgl. ferner s. v.
1
1,
.
7.
›von rötlicher Farbe‹; von verschiedenen, vorwiegend natürlich vorkommenden festen Stoffen, z. B. Gestein, Erde, Mineralien, auch Edelsteinen; im Einzelnen je nach den Eigenschaften der farbtragenden Bezugsgröße z. B.: ›rotbraun; orange(rot); gelbrot‹; ›dunkelrot; purpurrot‹; ›rotglänzend; rot marmoriert‹; besonders in der Dichtung in Verbindung mit
gold
wohl im Sinne eines Epitheton ornans, wobei ebenfalls eine Verschiebung der Rot-Gelb-Grenze bzw. Bezug auf rotstichige Gold-Kupfer-Legierungen vorstellbar ist (vgl.
Jones, Hist. Lex. dt. Farbbezeichnungen
4, 2217
).
Phraseme:
rote speise
wohl ›Gold‹ (bezogen auf die Einnahmen der Kirche bzw. der Kleriker).
Syntagmen:
etw
. (Subj.)
r. von farbe sein
;
der rote balas / erdenklos / gulden / heinz / karfunkel / koralle / marmelstein / purpur / rubin / stein / vitriol, die rote erde, das rote gestirn / gold, die roten striche
.
Wortbildungen:
3,
›dunkelrot‹,
›Handwerker, der Kupfer verarbeitet‹,
›aus (rotem) Gold, Gold enthaltend‹,
wohl ›rot gebrannten Vitriol anwenden‹ oder ›gebrannten Vitriol herstellen‹ (durch fortgesetztes Erhitzen kann Eisenvitriol in ein rotes Pulver überführt werden),
›aus roter Koralle bestehend‹,
wohl ›verarbeitetes Kupfer (nach mehreren Schmelzvorgängen)‹ (dazu bdv.:
),
1 ›Rubin‹ (dazu bdv.:
); 2 ›roter, kreideartiger Ton‹ (dazu bdv.:
),
›aus roten Ziegeln gebaut‹.
Belegblock:
Peil, Rollenhagen. Froschm.
169, 3846
(
Magdeb.
1608
):
Sie zeigten mir einen bunten Kieß / | Das wer rohtguͤlden Ertz gewiß.
vp den .vvv. dach des Mertzen hait got geschaffen Adam van dem stüch der roeder erden in dem acker.
diß ist der beste bolus armenus der roit von farben ist.
Kehrein, Kath. Gesangb.
(
Mainz
1605
):
Die Heiligen drey Koͤnig kamen von ferne, | [...] | Opfferten jhm von hertzen gerne, | Weyrauch, Myrrhen vnd rotes Goldt.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
64, 10
(
Frankf.
1535
):
Antrax ist ein roter Carfunckel.
Corneolus ist ein rotgeeler stein / durchsichtig vnd dunckelfarb.
Epistrites ist ein glestennder rotfarber steyn.
Granat ist vonn der carfunckel geschlecht. Es ist aber ein roter durchsichtiger stein.
Den [Nitrum] acht mann für den besten / der nitt schwer ist / vnd sich gern laßt brechen / an der farb gar nahe wie rot purpur.
Rubin. Rubeus. Rotstein. Ein rubin stein ist minder vnd kleyner dann der Jacinct.
Dieser ist vnser dapffer Held / | Der gruͤne Loͤw
[alchemistisches Symbol einer Vorstufe in der Herstellung des Steins der Weisen]
/ wie ich dir meld: | Jn welches innerlichen Bauch | Das rothe Gstirn
[wohl symbolisch für: ›Stein der Weisen‹ oder eine weitere Stufe auf dem Weg zu diesem]
verborgen auch.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
305, 11
(
thür.
,
1474
):
Habin Jhaen unde Hans Possegke [...] Hartman Possegken [...] abegekoufft zcwo wesen [...], dye erste, genant dy Koningeßwese, vor funffczehen rote Rynsche gulden.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
(
schles.
,
1516
):
wo aus dem benomen ader vortriben stein [...] einich rott ader schwarczkupper gemacht wurde, dovon sall inen auch der dritte czenten gevallen.
Du bist doch daz rein rotguldin vaz, durchschmelzet mit gnaden.
einer rotheinzet, einer brant den alaun, dem anderen gefiel salmiar.
geprenten roten vitriol, den sie roten heinz heißen.
in ein pfunt baumöl 4 lot gestoßen rot corallen darunder gmischt.
Schade, Sat. u. Pasqu.
(
orhein.
1520
):
Wann man den Türken jagen wil, so eße der wolf
[bildlich für den Papst]
gerne rote spis. huͤt dich!
Merz, Urk. Bremgarten
454, 24
(
halem.
,
1467
):
6 Gl. ab der Burgkweger guͤtter von Vilmeringen, mit namen ab des Vogts guͦt, dartzuͦ das rottzieglin hus gehoͤrt.
Rotgiesser (der) Aerarius.
Morrall, Mandev. Reiseb.
48, 15
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
da malck sie die milch uff ainen rotten marmelstain.
Schmitt, Ordo rerum
164, 23
(
wschwäb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Creta rubea rotelstein [...] routstain.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
272
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 rauhe unballirte meermuschel, daruff im meer ein rotcoralliner zingkh gewachsen.
Munz, Füetrer. Persibein
141, 2
(
moobd.
,
1478
/
84
):
ir durch mynn dar sannde | den ring von golde rot, | den er trúeg an der hannde.
Peil, a. a. O.
577, 2244
;
Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 150, 18
;
‒
Vgl. ferner s. v.
,
1,
.
8.
›rot‹; z. B. ›scharlachrot; purpurrot‹; im Einzelnen jedoch meist ohne erkennbare Spezifizierung der Farbnuance; von der Farbe von Stoffen, Leder (selten: Garn) und Kleidungsstücken bzw. deren Bestandteilen; teilweise mit Symbolcharakter, z. B. sind Teile klerikaler Kleidung von roter Farbe, der Mantel des Kaisers ist (purpur)rot, auch die Hoftracht von Amtsträgern ist teilweise rot, Prostituierte tragen rote Bänder oder Schleier; zu verschiedenen Kennzeichnungsfunktionen roter Kleidung und roter Fahnen vgl.
ff.
Phraseme:
die rote hure zu Babilon
als abwertende Bezeichnung des Papstes mit Bezug auf Offb. 17, 3ff. (die Hure Babylon ist in Purpur und Scharlach gekleidet); eine zusätzliche Anspielung auf rote päpstliche Gewänder ist denkbar;
einen roten rok verdienen
›durch Schmeicheleien js. Gunst gewinnen‹;
jm. einen roten rok ins maul schieben
wohl ›jn. bestechen‹.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.); vgl.
.
Syntagmen:
etw
. (Subj.)
eitel r. gefärbt sein
;
j. das heidegarn r. färben
;
der rote mantel / pfel / weibsrok, die rote kappe, das rote hemd / kleid / kreuz / tuch, die roten feldzeichen / haubel / hüte / mesgewänder / schuhe / strümpfe / zeihen
hier wohl ›Leinentuch‹; subst.:
j. mit rot bekleidet sein
.
Wortbildungen:
wohl ›Person, die Stoffe, Garne rot (mit Hilfe von Färberkrapp) färbt‹,
›Gerber, der rötliches Leder herstellt‹,
›Träger eines roten Hutes‹; speziell: ›Kardinal‹,
›(feines) rotes Leder‹,
,
,
.
Belegblock:
Ziesemer, Gr. Ämterb.
248, 33
(
preuß.
,
1437
):
1 cleyn messal mit rotlasz obirczogen.
Wyss, Limb. Chron.
(
mfrk.
,
2. H. 14. Jh.
):
[die von Ort zu Ort ziehenden, sich geißelnden
menner
]
hatten hude uf, darane stunden vorne roden cruze.
Dat de gemeine frawen rode zeihen drogen.
Loesch, Kölner Zunfturk.
(
rib.
,
1397
):
Vort sowe hoidegarn roit verwen deit, die gilt eine halve m. zo boissen.
Herborn u. a., Rechn. Jülich
90, 30
(
rib.
/
snfrk.
,
1398
/
9
):
den medico zu Colne, ind meist(er) Johan vande(m) Nuwe(n)steyne, den gaff Jacop die Waile dat roide doich [...] zu wijnt(er) cleide(r)n.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
(Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
Das volk mueß sein bekleidet gleich | mit rott weiß schwarz ganz Ostereich, | mit grauer farb dardurch ein strich, | ein rottes creuz must iglicher haben.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
(
hess.
,
1606
):
die sattler und rothgerber alhie unns dem rhat [...] zu erkennen gegeben, welcher gestalt sy sich [...] verglichen.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth
(
Frankf.
1563
):
Solcher Reinickens gesellen einer [...] vermeinete auf ein zeit bey dem löblichen churfürsten zuͦ Sachsen einen roten rock [...] zuͦ verdienen.
[etliche landsknecht] zogen in der ordnung allesampt mit irer wehr und roten feldzeichen [...] der hellen zuͦ.
Schade, Sat. u. Pasqu.
(
obd.
1521
):
si
[Bischöfe und Erzbischöfe]
vernuͤgt nit der stand den si hant, si wöllen darzuͦ äpt und cardinel sin und rote huͤtlin fuͤren.
er muͦß mir ain roten rock ins maul schieben, wil er daß ich schweig.
alspald vor dem tore was bestelt ein rot seider himel mit 6 vergulten stangen.
Des jars am mitwochen nach Bartholomei da fund man früe in der Begnitz pei dem rotferber ein alte frau [...], was ertrunken.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
(
nobd.
,
n. 1525
):
darunder er den babst fur die rote hurn zu Babilonien, uff dem roten trachen sitzend, und fur den warn und rechten entchrist ercleret und abmalet.
drew rate, samatine messgewand, daruff schöne, silberine kreuz gewest.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 195, 26
(
Hagenau
1534
):
Es gehoͤret mehr zum tantze / denn rote schuch.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
463
(
schwäb.
,
1453
):
Vor in man heͣr ain baner truͦg, | Das was gefeͣrbet ytel rot
[die Blutgerichtsfahne]
: | Das solt betüten minen tod, | Das man wolt richten übers bluͦt.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
das misfellt manigem, das die rotten hawbel an der fursten hoff so gemayn sind worden.
an dem montag erschayn hertzog Maximilian inn ainem rottn, scharlachen manntl.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
707
(
oobd.
,
1607
/
11
):
2 antiquitetische kurtze wehren [...], die eine in einer zappensch:, die ander in rotwullinem fütter.
Mollay, H. Kottanerin
17, 12
(
moobd.
,
1439
/
40
):
Do nam mein helfër ainen Ratsamedeinen polster, vnd trennat den auf vnd nam der vederen ainen tail her aws.
Die pischof, pfaffen groß und clain, päbst, rothüetl, vogelseher, weteraussprecher [...] warn die voderesten am raien [...], sind mêrmals die fürnämlichist ursach gewesen der durchächtung unsers glauben.
Skála, Egerer Urgichtenb.
186, 7
;