ror,
das
;-es/-e
, -Ø
, teils + Uml.;rörlein
ist eine eindeutige Abgrenzung zu nicht immer möglich; vgl. auch f.1.
eine Sumpfpflanze mit langem, rundem, hohlem Schaft, Halm oder Stängel (z. B. ›Schilf, Phragmites communis‹; ›Rohrkolben, Typha latifolia‹; ›Reitgras, Calamagrostis‹); häufig als Kollektiv: ›Röhricht, mit Schilf bewachsene Fläche‹; metonymisch: ›abgeschnittene (Schilf)stängel (z. B. als Baumaterial)‹; ›aus einem einzelnen Rohrstängel hergestelltes Rohr; Stab, Stecke; Stange‹.Zur Sache:
Marzell
ff.; 3, 695ff.; 4, 893ff.; 5, 457.1, 707
Gegensätze:
›gemasertes Holz‹.Syntagmen:
(das) r. aufschneiden / füren / nemen / sammeln, mit einer sense hauen, ein r. entzweibrechen, die rore abstechen, jm. ein r. in die hand geben
; das r
. (Subj.) x ellen lang / x spannen breit, bei etw. schwer zu unterscheiden sein, in dem wasser wachsen, mit seinem nachgeben bleiben, von dem wind her und dar geworfen werden
; j. unstäte wie ein r. sein, wie ein r. hin und her wanken
; dem r. seine sünde klagen
; etw. auf ein r. setzen, bretter auf die rore legen, einen stab aus dem r. schneiden, durch das r. waten, in das r. gehen, sich in ein r. verschlagen, das dach mit r. decken, mit roren auf js. haupt schlagen, ein kästlein von r. flechten
; x schok r
.; das indianische r., die mosächtigen / zerbrüchligen rore
; ein blat an einem r., der brustharnisch, die pfeife aus r. (gemacht), ein karren mit roren, der stab, das blumenkrüglein / ding / glet / häuslein von r. (gemacht)
.Wortbildungen:
˹rörach
1
1, , ), röricht
das
)˺ ›sumpfiges, mit Schilf bewachsenes Areal‹, rorächtig
ror
(gemacht)‹; 2 ›dicht bewachsen mit ror
‹, ˹roracker
rorfeld
rorflek
rorwiese
ror
bewachsene Fläche‹, rorbinder
rorbusch
rordecke
ror
, Schilf‹, rordecker
rören
rorgans
röricht
rorkolbe
rorreigel
rorschaufel
rorschneider
rorspaz
rorsperling
Suolahti, Die dt. Vogelnamen.
f.), 1909, 78
rorstab
rorstaude
rorstossen
Belegblock:
Dy eyne
[von
czwu wezen]
ist gelegin in der roͤrwezen. 14 m. dren rordeckern mit eren knechten zur Memel die zigilschune zu decken. item 8 m. 9 scot dem schiffmanne, der die rorsnyder und decker mit erem gerethe zur Memel furte und der ouch das ror gefuret hat.
8 mistgabeln, 1 schuffel, item 2 spaten, 3 rorschuffeln.
Solchs kestlin
[in dem Moses liegt]
ist nu nicht schoͤn geschmuckt [...] oder von koͤstlichem Fladderholtz gemacht, sondern ist von Rohr geflochten. Esayas schreyet do wider und wil, man soll auff ein rhor stab nicht Bawen.
das haw nicht in hauffen, sunder unter einen schaur – 2 ader 3 auff den wiesen zu machen, mit rhordegken, das trugken liege dar unter dem regen.
Das nicht allein die Nachtigal / | Da sang das klang in Berg vnd Thal / | Sondern Rohrsperling / vnd Grasmusch.
Ebd.
412, 4721
: Das Rohr bleibt mit seinem nachgeben / | Der Bawm stuͤrtzt mit seim widderstreben.
Ebd.
520, 435
: da die Bawren die Quadmans / | Vmbkrochen [...] | Rohr zusamlen zu jhren Tachen.
ein karn mit rorn gibt ein schog rorn
(Zolltarif).
ich wil dem rore min sunde clagen. | [...] | ich enmag anders nit priesters haben.
zwischen einem öl- oder eychbaum und rohrstauden erhielt sich [...] ein streit.
[si] flâchten eine crône von dornen und satzten si ûf sîn houbit und ein rôr in sîne rechte hant.
zuͦhant einer [...] nam einen badeswamp und fulte en mit ezzige und satzte en ûf ein rôr und gab ime [Jhêsus] zuͦ trinkene.
in dem ingange der wustenunge ist rorecht, das ror ist von xv elin lank unde drier spannen dicke.
6 g. den rorbindern vigilia Laurencii.
Mehr ein calacutisch hülczen wehr und der rörichten hölzer eines.
Pappirin ding. [...] odʼ ding võ rore oder von pintzen gemacht.
Er sey ein bestendiger Prediger / der nicht wie ein Rhor hin vnd her wancke.
Mich duncket, ich si sin karrer und watte mit den grossen schuͦhen uffgeschúrtzet durch daz ror.
Es hatend sich oͧch bi 500 der vigiden in ein ror ferschlagen, das ir die Eignossen nüt gewar wurdend.
Rorboͤsch / Rorbusch (der) oder im ror / Da vil ror wachsend. [...]. Grosser Rorreigel (der) Ardea stellaris maior.
Wer sitzet in dem ror, | Der machet pfifflin vil.
die [zwayen] [...] legten bretter auf die ror von aynem gestat zu dem andren, stachen die ror mit spaten im wasser und kot ab.
in jren gleten oder heüßlin das gekleibet vnd von ror gemacht was darumb es dann ein glet genent wirt.
saher uel rärcholben.
1 gesprengt von schwartzbraunen mackeln zimblich lang indianisch rhor, welchs inwendig nit wie andere rhor hol.
[ein valck] tet ein ror gaͤnslein [...] verseren.
Vil eisen scharpf an rören schaft man schifte.
[die hellischen hund] füerten in [den laib des toten] mit geschrai durch den luft weg und wurfen in in ein wild gemös und rorach.
zwai chrenveld vnd rarveld gehört auch darczu, vnd das rarveld stast gar auf die Marich, ain schachen.
Ebd.
208, 28
: Hanns Chren ein raraker 30 den.
Ebd.
380, 20
: Hainczel Schuster von eim rorflekch daselbs 2 den.
2.
›aus unterschiedlichem Material (auch: aus einem Rohrstängel) hergestellter länglicher, runder, an den Enden offener Hohlkörper von unterschiedlicher Größe und Funktion, häufig: zum Ein- oder Ausleiten von Flüssigkeiten, Gasen, Schall u. Ä., auch als Befestigung, Schutz(hülle)‹; im Einzelnen z. B.: ›Briefschatulle‹; ›Schalltrichter, Sprechrohr‹; ›Gerät, Werkzeug; Maßstab‹; ›Trinkhalm, Trinkschlauch‹; ›(Lauf einer) Feuerwaffe; Gewehr, Muskete, Kanone(nlauf)‹; ›Blasrohr; Atemrohr‹; ›(unterirdischer) Tunnel, Gang‹; ›Mundstück einer Pfeife‹; ›Wasserleitung (an einer Dachrinne)‹; ›Schreibfeder‹; ›Tülle (z. B. für einen Federbusch)‹; ›kleine Röhre, Kanüle (als medizinisches Instrument); Blasenkatheter (zum Ablassen von Urin)‹; ›Fernrohr‹; ›Teil einer Pumpvorrichtung‹; als Ütr. anschließbar an 1.Syntagmen:
ein r. abschiessen / laden / spannen, jm. zu der nasen stossen, rore in hölzerne schäfte einfassen
; ein r
. (Subj.) in das schif, unter der erde, zu der königin gehen
; der geist durch das wort als durch ein r. in das herz kommen, eine eisenkette
(Subj.) durch das r. gehen, j. durch ein r. sehen, mit jm. reden, etw. durch ein r. trinken, etw. in einem r. dem ros in die augen blasen, ein pausch
(Subj.) in dem r. hineingehen
(bei einer Pumpvorrichtung), j. mit dem r. schiessen, ein pulver über etw. blasen, (etw.) aus dem kelch, den fässern mit roren (aus)trinken, etw. von jedem r. zur strafe schuldig sein
; rore mit pulverfläschchen, ein r. zum durchsehen / schiessen
; das hölzerne / kupferne / lange r., die eisenen / silbernen, wol gemachten rore
; eine rapierklinge mit einem r
.Wortbildungen:
rören
rorgehalter
rorpfeife
rorpistole
Belegblock:
wyr fornemen, wy noch etlichge hy sein, dy briffe senden kem Nuwenmarktte mit pilgerim, in den roren stecken, und wy sy konnen.
Der heylige Gayst wirckt nyrgendt, wo er nicht zuͦvor durch das wort als durch ein ror in das herz kompt.
das man vergebung der sunde odder die Christliche gerechtickeit erlange als ein rohre oder mittel, dadurch Christus und seine gnade uns offenbaret [...] wird.
habt jhr bedacht, das man mit rorlin aus dem kelche trincken solle, damit das blut Christi nicht verroret
[wohl: ›verschüttet‹]
werde. Was istʼs denn mehr / so der Teuffel etliche mit Gift scheust / er hat ein Rohr dazu.
[soll er] der stat tzwei nach der stat maiss wol gemachte roir mit zogehoerenden pulverflesschen [...] zokomen laissen.
[damit sie] auch nicht [...] wein aus den fäßern zapfen oder oben mit rohren austrincken.
Ein rore in das schifflin gieng, | dar durch Morolff den atum enpfing.
Ebd.
636, 4
: durch mins heren kammenat | ein rore under der erden | zu der edelen kunigin gat.
die [Diener] blasen mit Rhoͤrlein ein reines Puluerlein von lauterem Goldt daruͤber.
Ich [Wildschütz] ging heut frue naus in den walt | Ein(n) wildt zu schiessen mit meim Rohr.
Das trinck obentz vnd morgens durch ein ror, das die zen nicht naß werden.
Da sprach daz rar und dy pfeiff: ,seht | aͮch unser ungemach und schmeht! | hart, wy sy in uns peissen | [...]‘.
18 luio beczalt dem [...] keßler fur ein new kupffern ror an der dachrinnen.
dovon geschach daz daz im ein cardinale ein rore in sine kamere mahte und riet im dri naht durch daz rore, daz er daz bobestuͦm ufgebe.
der het ein guldin maß ein roͤrins
[Var. 1475
roͤrin maß2
–1518: ; nd. Bibel um 1478:
reyt;
RhorFroschauer
1531 / Eck
1537 / Luther
1545, Offb. 21, 15: ]
: dass er messe die statt. Calamariũ, ein schreibzeüg / koͤcher / odʼ darin mã die rohr gehaltet.
iezt hond ouch dʼburen angfangen siden tragen; [...] ouch zuͦ ross, [...] dik strussfederboͤsch, silbrin ror, sidin binden.
zu der nasen solt du jm stossen ain ror, das sy nit zu samen wachs vnd das der siech dar durch mug atem nemen.
nimb das puluer vnd plaß es dem roß in ainem rhor in die augen.
Ebd.
365
: zeuch das durch ain hilzen rhor, das der harm außgeet.
1 indianische orgel mit hiltzerne rhorpfeiffen.
Ebd.
704
: 1 rapyrclingen mit einem rhor zum schiessen gericht.
Ebd.
2254
: Ein seltzam instrument mit halbem circul und perpenticul, ein rörlin zum durchsehen, zum geschitz oder artellieria zu gebrauchen.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
92, 2
; Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Rohland, Schäden
505
; Öst. Wb.
3, 232
; Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 231
.3.
bezogen auf einem Rohr verglichene Teile des menschlichen Körpers; im Einzelnen: ›Harnröhre‹; ›Unterarmknochen‹.Wortbildungen
rordrosse
rorloch
Belegblock:
under das ror under der blateren, so erforderts dem harn ein tag zwen, bis das das eiter hinweg gehet.
von anzeigung und herkomen der rorlöcher, sonst fistel genant.
Die spindel / das kleine rohr / so auff dem vntern rohr deß armes ligt / der arm pfeiff / armspille / das armrohr / das arm bein / radius, brachiale.
Vocalis arteria adem rore [...] ror dröss.